Absolut lesenswert

Beitrag » 16. Apr 2013, 20:51

  • Member
    Member
  • Beiträge: 29
  • Registriert: 9. Nov 2010, 17:25

  • Beitrag » 18. Apr 2013, 16:58

    Benutzeravatar

  • Forumgott
    Forumgott
  • Beiträge: 2517
  • Registriert: 26. Nov 2007, 19:19

  • Beitrag » 18. Apr 2013, 17:23


    dragao hat geschrieben:http://www.tageswoche.ch/de/119/schweiz/533811/der-gefaehrlichste-satz-unserer-zeit.htm

    Philipp Loser hat geschrieben:[...]Zum Glück leben wir in einer Welt, die ihre dunkelsten Tage hinter sich hat[...]

    "lustig" ist ja, dass das Prinzip der Obrigkeit immer noch dasselbe ist, wie in diesen dunkelsten Tagen. Man versucht, dem Fussvolk Angst zu machen. In den dunkelsten Tagen hat man mit dem Höllenfeuer gedroht, heute mit dem Feuer der Fussballfanpyroidioten.
    D ZIIT ESCH RIIF!

    Benutzeravatar

  • Moderator
    Moderator
  • Beiträge: 7966
  • Registriert: 9. Dez 2003, 23:41
  • Wohnort: nord boyz town

  • Beitrag » 18. Apr 2013, 17:25


    dragao hat geschrieben:http://www.tageswoche.ch/de/119/schweiz/533811/der-gefaehrlichste-satz-unserer-zeit.htm


    :thumbleft:
    That thing of supporting where you come from, even if your Dad's from somewhere else, is beautiful. Football's not about glory or winning. It's about so much more; your mates, your town and the ability to tell people to fuck off with no consequences!

    FANCLUB SUPER-OLIVEIRA

    Benutzeravatar

  • FCL-Insider
    FCL-Insider
  • Beiträge: 540
  • Registriert: 31. Okt 2009, 15:31

  • Beitrag » 18. Apr 2013, 23:52


    Danke Herr Loser!

  • Experte
    Experte
  • Beiträge: 390
  • Registriert: 15. Jun 2009, 08:50
  • Wohnort: Stanley

  • Beitrag » 19. Apr 2013, 08:52


    Frizzel hat geschrieben:
    dragao hat geschrieben:http://www.tageswoche.ch/de/119/schweiz/533811/der-gefaehrlichste-satz-unserer-zeit.htm

    Philipp Loser hat geschrieben:[...]Zum Glück leben wir in einer Welt, die ihre dunkelsten Tage hinter sich hat[...]

    "lustig" ist ja, dass das Prinzip der Obrigkeit immer noch dasselbe ist, wie in diesen dunkelsten Tagen. Man versucht, dem Fussvolk Angst zu machen. In den dunkelsten Tagen hat man mit dem Höllenfeuer gedroht, heute mit dem Feuer der Fussballfanpyroidioten.

    ...und der mensch lebt weiter lethargisch vor sich hin. das wird sich wohl nie ändern.
    an der zeit, endlich aufzuwachen, wäre es schon lange!
    "Wer sich vor nichts Grossem fürchtet, der hat vor jeder Kleinigkeit Schiss. Gerade der postmoderne Relativismus führt dazu, dass wir nichts mehr relativieren können. So werden wir bei jeder minimalen Gelegenheit zu reaktionären Mimosen, die sofort nach Repressionsmassnahmen rufen und sich auch beträchtliche Zumutungen - wie zum Beispiel Leibesvisitationen, Nacktscannen, Rauchverbote, Bologna-Reformen oder massive Umverteilungen gesellschaftlichen Reichtums - gerne gefallen lassen."
    - Robert Pfaller -

    FUCK FRONTEX

    Benutzeravatar

  • Forumgott
    Forumgott
  • Beiträge: 2171
  • Registriert: 27. Nov 2006, 20:09
  • Wohnort: beim fürsten

  • Beitrag » 25. Apr 2013, 14:52


    steve hat geschrieben:
    Frizzel hat geschrieben:
    dragao hat geschrieben:http://www.tageswoche.ch/de/119/schweiz/533811/der-gefaehrlichste-satz-unserer-zeit.htm

    Philipp Loser hat geschrieben:[...]Zum Glück leben wir in einer Welt, die ihre dunkelsten Tage hinter sich hat[...]

    "lustig" ist ja, dass das Prinzip der Obrigkeit immer noch dasselbe ist, wie in diesen dunkelsten Tagen. Man versucht, dem Fussvolk Angst zu machen. In den dunkelsten Tagen hat man mit dem Höllenfeuer gedroht, heute mit dem Feuer der Fussballfanpyroidioten.

    ...und der mensch lebt weiter lethargisch vor sich hin. das wird sich wohl nie ändern.
    an der zeit, endlich aufzuwachen, wäre es schon lange!


    Auf die Gefahr hin, hier vom eigentlichen Thema abzuschweifen, hier noch ein interessanter, etwas weiter greifender Artikel:
    http://www.zeit.de/2013/17/demografie-babyboomer
    ________________________________
    Helina mues blibe

    Benutzeravatar

  • FCL-Insider
    FCL-Insider
  • Beiträge: 619
  • Registriert: 29. Okt 2009, 14:39

  • Beitrag » 25. Apr 2013, 16:13


    timtim hat geschrieben:
    Auf die Gefahr hin, hier vom eigentlichen Thema abzuschweifen, hier noch ein interessanter, etwas weiter greifender Artikel:
    http://www.zeit.de/2013/17/demografie-babyboomer


    top artikel! merci
    "Glauben Sie nicht jenen, die nie in ein Stadion gehen, dass ein Fußballspiel ein Hochrisiko-Anlass sei."

    Bernhard Heusler

    Benutzeravatar

  • Forumgott
    Forumgott
  • Beiträge: 1479
  • Registriert: 19. Apr 2005, 19:59

  • Beitrag » 20. Mai 2013, 13:46


    "Even if you fall flat on your face - at least you are moving forward."
    Sue Luke

  • Forumgott
    Forumgott
  • Beiträge: 2021
  • Registriert: 24. Sep 2012, 20:48

  • Beitrag » 27. Jun 2013, 13:33


    http://www.tagesanzeiger.ch/leben/Singl ... y/21073501

    (Thread meiner Meinung nach im falschen Forum, gibt auch Lesenswertes ausserhalb des FC Luzern 1901)
    "Glauben Sie nicht jenen, die nie in ein Stadion gehen, dass ein Fußballspiel ein Hochrisiko-Anlass sei."

    Bernhard Heusler

    Benutzeravatar

  • Forumgott
    Forumgott
  • Beiträge: 1479
  • Registriert: 19. Apr 2005, 19:59

  • Beitrag » 27. Jun 2013, 13:44


    Windfahne hat geschrieben:http://www.infosperber.ch/Artikel/Gesellschaft/SRF-Sport-Zwischen-Information-und-Manipulation
    "Heute wissen wir, dank den Recherchen von «Schweiz am Sonntag», dass die Journalisten vor Ort bereits um 14 Uhr «vom geplanten Fan-Boykott erfahren» und «nach langen Diskussionen entschieden» haben, «den Boykott nicht zu erwähnen, weil sie dafür keine Plattform bieten wollten», wie Abteilungsleiter Urs Leutert feststellt."

    Den politischen Protesten in Brasilien wurde dagegen am letzten Sonntag im Sportpanorama "eine Plattform geboten", obwohl es da nur ganz am Rande überhaupt um den Fussball geht.
    jossen hat geschrieben:Lucerne hatte immer recht! Asche über mein Haupt

  • Forumgott
    Forumgott
  • Beiträge: 1306
  • Registriert: 12. Mai 2010, 19:54

  • Beitrag » 4. Jul 2013, 14:29

  • Supporter
    Supporter
  • Beiträge: 62
  • Registriert: 8. Jun 2012, 12:37

  • Beitrag » 4. Jul 2013, 15:18


    sympathische einschätzung
    L U C E R N E - Till I Die!

    Kämpfe Lozärn, Kämpfe Lozärn!
    mer wend Euch gwönne gseh!


    Master (am Do 20. Okt 2005 22:24 ) hat geschrieben:ich sage immer das gleiche.. dass er dem verein helfen wird, davon bin ich überzeugt!
    dass er der fanszene schaden wird, davon bin ich genau so überzeugt! aber ich hoffe wir werden das überstehen!

  • Elite
  • Beiträge: 13036
  • Registriert: 9. Dez 2002, 10:31
  • Wohnort: I de Möscht

  • Beitrag » 4. Jul 2013, 20:03


    Wie kann man 6. werden, wenn man kein Spiel verliert? Ich habe, ehrlich gesagt, keine Lust auf so viele Unentschieden.
    Spontanität muss sorgfältig geplant werden!

    Benutzeravatar

  • FCL-Insider
    FCL-Insider
  • Beiträge: 745
  • Registriert: 18. Apr 2012, 16:26

  • Beitrag » 4. Jul 2013, 23:38


    ausser es handelt sich ausschliesslich um porno-unentschieden wie damals das 3-3 gegen gc *träum* es bleibt mir nach wie vor die energie weg wenn ich daran denke..

    Benutzeravatar

  • FCL-Insider
    FCL-Insider
  • Beiträge: 778
  • Registriert: 15. Mai 2009, 00:10

  • Beitrag » 7. Okt 2013, 20:09


    nationofswine.ch hat geschrieben:
    Nachts auf dem Gemüsefeld

    Es war grad alles so gut gewesen, da rammte ich das Polizeiauto. «Als wäre mein Tag nicht schon beschissen genug gewesen», sagte der Cop, als er ausstieg. Und ich erinnerte mich, dass ich zwei Tage zuvor, in euphorischem Ausblick auf das Spiel, bei der Autovermietung in Bristol die Vollkaskoversicherung für dreissig Pfund Zuschlag pro Tag abgelehnt und mich für die Budget-Variante entschieden hatte – mit einem Selbstbehalt von 1000 Pfund. Ein Minusgeschäft von 910 Pfund. Oh Fussballgott, du Hund.

    Dabei hatte ich doch mit Meister Ede und Harry und einigen anderen in Swansea während zwei Tagen unzählige Leben gerettet. Von jedem Pint des lokalen bitteren Ale Brysons Lifesaver gehen fünf Cent an die Rettungsschwimmer – auf der Insel des kompletten Privatisierungswahnsinns werden Lebensretter von Trinkern finanziert. Die ziehen dann die Leute, die ihnen durch ihre Sauferei den Job sichern, wieder hinaus, wenn sie betrunken ins Meer fallen. Ein fairer Deal. Am zweiten Tag dann brach in der No Sign Wine Bar der Ale-Nachschub zusammen. Und die Frau an der Bar sagte zu einem Reporter der Evening Post: «They have been here most of the day and are better behaved than Premiere League visitors.» Später schrieben sie in Foren: «Eine solche Stimmung hatten wir hier noch nie.» Irgendwie passt das nicht zusammen mit den behördlichen Verlautbarungen, die regelmässig aus dem Osten kommen, wo die Staatsanwaltschaft die Wohnungen junger Fans auf Feuerwerk und Fahnen durchsuchen lässt; Verlautbarungen, die einem das Gefühl geben, in St. Gallen regiert rund um den Fussball das Chaos. In Swansea regierten offene Arme und Zapfhähne.

    Inzwischen besuchte der mitgereiste Lokalpolitiker und Poetry-Slam-König Etrit Hasler das Geburtshaus von Dylan Thomas – dass ihn der lokale Chef der lokalen Hooligan-Polizei persönlich dorthin fuhr, und das ausgerechnet während des Marsches der Fans vom Stadtzentrum zum Stadion, zeigt, wie gut oder eben freundschaftlich die Stimmung in Swansea war.

    Die Freundlichkeit der Polizei kontrastierte natürlich mit der seltsamen CCTV-Atmosphäre: Kameras und Verbotsschilder prägen das Bild der Innenstadt. Dort, wo sich die lokale Jugend offensichtlich gerne die Birne wegballert. Mit gepflegtem Trinken mag man sich hier nicht aufhalten. Die Red-Bull-Jägermeister-Shots kosten in der Wind Street ein Pfund, eine dreihundert Meter lange Strasse, wo sich Bar an Bar reiht. Die Frauen brechen sich betrunken in ihren Absatzschuhen die Füsse (allgemeiner Dresscode: kürzeste Röcke, hohe Absatzschuhe), die jungen Männer kotzen sich auf die Polo-Shirts. Mitten in der Strasse steht den ganzen Abend eine Ambulanz. Die Arbeit geht nie aus. Kollege Oscar machte sich beliebt, in dem er eine fast komatöse junge Frau befreite, die mit einem Stiletto in einem Abflussloch stecken geblieben war.

    «Sind wir hier im Paradies oder in der Hölle?», fragte der mitgereiste El Papi verunsichert.

    «Geht es hier jeden Abend so zur Sache?», fragte ich die Frau von der Ambulanz, während sie einer jungen Frau den Puls fühlte, die es sich unter einem Kneipentisch bequem gemacht hatte.
    «Jeden Samstag, ja.»
    «Aber heute ist Mittwoch.»
    «Ach so, am Mittwoch sowieso: Die Nacht gehört den Studenten.»

    Sharky, der so heisst, weil seine sowieso zu grosse Nase nach mehreren Brüchen wie eine Haifischflosse aussieht, führte uns nachts um drei ins alte Swansea, zu jenen Orten, die er seine alte Heimat nennt, ein Dreieck von Gebäuden in jeweiliger Sichtnähe: Das alte Hooligan-Pub «Swansea Jack», das alte Stadion «Vetch Field» und der Knast. Hier, sagt Sharky, hätten sie sich in den engen Gassen, umgeben von meterhohen Backsteinwänden, Schlachten geliefert. Mit den «Cunts» aus Cardiff, Bristol, den Anhängern der Wolverhampton Wanderers. «Wir haben zeitweise in diesem Dreieck gelebt», sagte Sharky. «Entweder am Tresen, im Stadion oder im Knast.»

    Das Pub ist heute verrammelt, das Stadion wurde 2005 vom «Liberty Stadium» abgelöst und 2011 abgerissen, und Sharky sagt, er könne sich die Spiele nicht mehr leisten. Vielleicht darf er auch nicht mehr hin. So klar war das nicht, aber in Stadien, in denen Rauchen und Fluchen verboten ist, sind Leute wie Sharky definitiv absolute Fremdkörper. Ein anderer sagte später nach dem Spiel gegen den FC St. Gallen, wo auf der Gästetribüne gestanden, gesungen und geraucht wurde: «Das war ein wenig wie in den alten Tagen, bevor die überbordende Political Correctness den Fussball auf der Insel gekillt hat.» Und dann sang Sharky im Dunkel einer kleinen Seitengasse beim alten Stadion «Take me to the Vetch Field» von Roger Evans, die alte Hymne auf Verein und Stadion. Er sang alle drei Strophen.

    Im Vetch Field pflanzen sie heute Gemüse an. «Fokin’ conts turned Vetch Field into Vegetable Field», sagte Sharky in seinem ständigen walisischen Singsang-Gefluche und in einer Art, die typisch zu sein scheint für die Menschen in dieser seltsamen Stadt, die einst als Kupfermetropole blühte, im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde und seither taumelt zwischen sanftem Aufschwung und Niedergang, zwischen Gentrifitzierung und massivem Drogenproblem: «Nimm mich ernst, dann umarme ich dich», gab uns Sharky, und nicht nur er, hier in Wales zu verstehen. «Gib mir das Gefühl, du verarscht mich, dann schlag ich dir ein paar Zähne aus.» Es blieb glücklicherweise bei der Umarmung. «Still coon’t fokkin believ’ dis», sagte Sharky, den Blick noch immer auf das Gemüsefeld gerichtet, wo er vor vierzig Jahren als Knirps mit seinem Vater das erste Mal Swansea City spielen gesehen hatte. Der Club spielt heute am Stadtrand in einem weissen Schalenbau, so erfolgreich wie noch nie.

    Am Ende der nächtlichen Tour standen wir vor einem ehemaligen Pub mit grosser Fensterfront. «Nach jedem Derby mussten die hier neue Scheiben reinmachen», sagte der alte Swansea-Hooligan. Der Stadtteil hat sich seit dem Umzug des Stadions geändert: Das ehemalige Pub steht heute mitten in der H&M- und Zara-Zone. Auf der grossen, früher regelmässig eingeschlagenen Fensterfront steht in riesigen, weissen Buchstaben: «Cafè Latte.»
    Bild

  • Forumgott
    Forumgott
  • Beiträge: 1967
  • Registriert: 17. Mär 2009, 22:01

  • Beitrag » 23. Okt 2013, 08:53


    ein kommentar zur situation und der verteufelung der fanszene des FC Hansa

    http://www.liga3-online.de/reportage-wi ... randerten/

    Reportage: Wie die Rostocker Ultras ihren Verein veränderten
    Von Max Ohlert

    Der NDR titelte am 21.10.2013 in einem Online-Artikel: „Steuern die Ultras Hansa Rostock?“ Dabei wurden verschiedenste Vorgänge der letzten Monate rund um die Fanszene Rostock und den Verein in einen verzerrten Kontext gebracht. Doch trifft die Schlussfolgerung zu, dass sich der F.C. Hansa Sorgen machen muss, von seinen Ultras übernommen zu werden? Ein Kommentar:

    Subkulturen. Seit jeher im stetigen Kampf mit dem Establishment. Das Leben nach einer alternativen Idee auszurichten, anders zu sein, die „Normalität“ abzulehnen, Engagement zu zeigen, für ein Ziel oder eine Sache – Darum ging es den Hippies, den Punks, den Gothics, den Ravern und darum geht es im 21. Jahrhundert den Ultras, der momentan wahrscheinlich größten und allumfassendsten Subkultur Europas. Zwischen Finnland und Italien, zwischen Portugal und Russland gibt es keine Bewegung, die so engagiert und vernetzt vorangetrieben wird, wie die der Ultras. Man hat eigene Kleidung, eigene Musik, eigene Bücher, eigene Filme. Die deutsche Ultraszene hat Glück, denn im Jahr 2013 ist Deutschland weitestgehend über sie aufgeklärt. Sie ist Teil von Dokumentationen, Gesprächsrunden, man versucht den Begriff „Ultra“ mit vereinten Kräften zu enttabuisieren, Ultras selbst, Journalisten und Regisseure tragen zu dieser Aufklärung bei und als Resultat sendet selbst ein kritisierter Bezahlsender eine formidable Dokumentation über das Phänomen der aktiven Fußballfans. Man kämpft geschlossen gegen verspätete Anstoßzeiten, Montagsspiele, Repressionen durch die Polizei und das Verbot von Pyrotechnik im Stadion.

    Das Kreuz der Einzigartigkeit

    In Mecklenburg-Vorpommern sieht die Situation anders aus. Der F.C. Hansa Rostock und mit ihm seine aktiven Fans tragen ein Kreuz mit sich, was die deutschlandweite Aufklärung zum Thema „Ultra“ im Bundesland nahezu ausschließt: Das Kreuz der Einzigartigkeit. Auch wenn die TSG Neustrelitz in der Regionalliga Nordost für Furore sorgt, so ist der F.C. Hansa nach wie vor und seit jeher der einzig relevante Verein in „Meck-Pomm“. Das führt dazu, dass jeder Schritt und vor allem jeder Fehltritt des Vereins und der Fans in der norddeutschen Medienlandschaft penibel genau verfolgt und kommentiert wird. Dazu kommt die große Geschichte der „Kogge“. Als letzter DDR-Meister der jahrelange „Leuchtturm des Ostens“ und noch heute der beste Ostverein in der ewigen Tabelle der Bundesliga, war der F.C.H. für viele Ostdeutsche das Aushängeschild der ehemaligen Republik, der Beweis, dass man es auch ohne große Sponsorengelder Jahr für Jahr schaffen kann, in der ersten Bundesliga zu bestehen.

    „Hansa und seine Fanproblematik“

    Nun ist der F.C. Hansa in den letzten Jahren weit hinter Vereinen wie Energie Cottbus, Dynamo Dresden, Erzgebirge Aue und Union Berlin zurückgefallen. Was geblieben ist, ist jedoch die exklusive Berichterstattung an der Ostsee: Während im Ruhrpott oder in Berlin kleinere Fehltritte der Vereine eine kurze Meldung wert sind, wird in Rostock jeder Schritt verfolgt und kommentiert. Gleiches gilt für die aktive Fanszene, die Ultras des F.C. Hansa. Die Medienhäuser in Mecklenburg-Vorpommern könnten ganze Chroniken über den Werdegang von anfangs einigen lautstarken Jugendlichen bis hin zur Fanszene Rostock e.V. verfassen, so intensiv wurde das Geschehen über die Jahre verfolgt und zumeist kritisiert.

    Kein gutes Wort findet seinen Weg in die Zeitungen, Radiosendungen und Fernsehbeiträge, stattdessen gilt die Phrase: „Hansa und seine Fanproblematik“. Zuletzt musste der Verein eine Gegendarstellung zu einem Bericht der „Ostsee Zeitung“ verfassen, der über angebliche, durch die Fans des F.C.H. verursachte Kosten für die Steuerzahler berichtete. Der NDR ging gestern nun einen Schritt weiter und ließ den Richter des Oberlandesgerichts Rostock Kai-Uwe Theede zu Wort kommen. Theede, der bis vor kurzem Mitglied der Task Force zur Fanproblematik in Rostock war, kritisierte, dass der Verein gar nicht mehr an einer Zusammenarbeit mit der Task Force interessiert sei. Der NDR schlussfolgerte: Die Ultras steuern den F.C. Hansa.

    Hofmann bittet um Hilfe

    Um die Sachlage zu verstehen, muss man zunächst einmal Theedes Position begutachten: Die Task Force zur Fanproblematik wurde am 01.12.2011, unmittelbar nach den Vorkommnissen beim Heimspiel gegen den FC. St. Pauli gegründet. Damals hatten sich dem F.C. Hansa zugehörig fühlende Personen Leuchtraketen in den Gästeblock geschossen, die Südtribüne, Heimat der aktiven Fanszene, wurde daraufhin ein Jahr lang vom Verein geschlossen. Initiator der Task Force war seinerzeit der damalige Vorstandsvorsitzende Bernd Hofmann. Hofmann zeichnete sich dadurch aus, mit den Ultras des F.C. Hansa ähnlich undifferenziert umzugehen, wie es die norddeutschen Medien taten. Er wandte sich nach den Vorkommnissen des Spiels gegen St. Pauli an ebendiese und bat um Hilfe, weil der Verein die „Fanproblematik“ nicht in den Griff bekäme.

    Ein klärendes Gespräch mit den bekannten Führungspersonen der Fanszene blieb unter Hofmann aus. Daraufhin folgte ein halbjähriger Protest der Ultras, was die Heimspiele des F.C. Hansa zu einer ziemlich ruhigen Angelegenheit machte. Man verzichtete in dieser Zeit aber nicht nur auf den Support, sondern auch auf jeglichen Einsatz von Pyrotechnik, eine Maßnahme, die mit den Idealen der Ultrakultur eigentlich nicht vereinbar ist. Man wollte damit die Tür für Gespräche offen lassen. Nach der überwältigenden „JA zum FCH“-Aktion, die auch Bernd Hofmann sehr zu seinen Gunsten nutzte, kamen diese Gespräche wieder in Gange, allerdings weigerte sich der Verein, den Ultras auf Augenhöhe gegenüberzutreten. Stattdessen wollte man die Bedingungen bestimmen, der Fanszene bleib ein Ja oder ein Nein als Reaktion und kein Spielraum für konstruktive Debatten.

    Interessante politisch-philosophische Gedanken und unermüdliches Engagement

    Um seine Seele nicht zu verkaufen, zog man sich von den Gesprächen zurück, die Tribüne blieb geschlossen. Nun allerdings wurde die Fanszene des F.C. Hansa selber aktiv. Obgleich die Aufklärung über die Ultrakultur in Deutschland sehr weit fortgeschritten ist, bleibt für viele das Bild des schwarz gekleideten Jugendlichen mit Basecap, Turnschuhen und wenig im Kopf außer Suff und Fußball. Das trifft aber nur stark bedingt zu, gerade in den Spitzen der deutschen Ultragruppen arbeiten erwachsene Männer mittleren Alters, mit interessanten politisch-philosophischen Gedanken und einem schier unermüdlichen Engagement. Bekannte und führende Ultras wie Jan-Hendrik Gruszecki (Dortmund) oder Philipp Markhardt (HSV) sind gute Beispiele dafür. Auch in Rostock standen und stehen kluge Köpfe an der Spitze der Fanszene. Diese begannen zum Saisonbeginn und in Anbetracht der nahenden Aufsichtsratswahl simple Politik zu betreiben. Man machte keinen Hehl daraus, dass man mit der Kommunikation zwischen Verein, in Person von Bernd Hofmann, und Fans nicht zufrieden war und alles daran setzen wollte, das zu ändern. Ein völlig legitimer und eigentlich lobenswerter Ansatz. Wenn dich ein Zustand stört, steh auf, geh raus und engagiere dich dafür, dass sich etwas ändert.

    Demokratische Meinungsbildung

    Das taten die Ultras des F.C. Hansa und einige Tage vor der Aufsichtsratswahl, als die Kandidaten längst feststanden, erklärte die Szene den übrigen Fans ihre Ziele und gab ebenso Informationen darüber bekannt, welche Wahlkandidaten diese Ziele ebenfalls anstreben wollen würden. Einfacher Wahlkampf. Der NDR hingegen wetterte, man habe damals „massiv Stimmung gemacht“. Vorstandsmitglied Rainer Friedrich, immerhin ebenfalls Mitglied der Task Force und nicht gerade beliebt bei den Ultras, kennzeichnete den Vorgang zwar ebenfalls als „demokratische Meinungsbildung“, trotzdem fragte der NDR: „Steuern die Ultras den F.C. Hansa?“ Ebenfalls kritisiert wurde das Gerücht, dass es Absprachen gegeben habe, bei erfolgreicher Wahl die Südtribüne wieder zu öffnen. Und tatsächlich wurde nur wenige Monate nach der Mitgliederversammlung die Südtribüne unter verschiedensten vertraglich festgehaltenen Bedingungen wiedereröffnet. Ein Kritikpunkt? Für den NDR zumindest ein Anhaltspunkt, dass der Einfluss der Ultras im Verein wächst, wirtschaftlich gesehen aber für den finanziell arg gebeutelten Verein die einzig richtige Entscheidung. Zudem entschlossen sich die Ultras eine Preiserhöhung auf der „Süd“ anzuregen, um den Verein auch finanziell zu unterstützen.

    Vorbild Union Berlin

    Überhaupt: Mit der Wahl des neuen Aufsichtsrates wehte plötzlich ein frischer Wind durch das Vereinsgelände in Rostock. Der Verein begann mit seinen Mitgliedern und Fans zu kommunizieren. Mittlerweile wendet sich die Vereinsführung nahezu monatlich in einer E-Mail an die Mitglieder, kommuniziert Hintergründe in der täglichen Vereinsarbeit, thematisiert interne Krisensituationen, wie ein Fall von Veruntreuung im Kartenverkauf und verfasst zum Teil deutliche Gegendarstellungen zu übermäßig kritischen Berichterstattungen. Die aktive Fanszene hat sich ebenfalls professionalisiert, gründete mit der „Blau-Weiß-Roten Hilfe“ eine Anlaufstelle für Fans des Vereins, die auf ihren Reisen oder im Stadion Probleme mit der Polizei hatten. Unabhängig von der sportlichen Situation ist alles besser geworden an der Ostsee.

    Und so ganz Unrecht hat der NDR nicht mit seiner Schlussfolgerung: Die Ultras haben tatsächlich ein Mitspracherecht im Verein. Aber die Konnotation stimmt nicht, denn die besagte Tatsache ist gänzlich zum Positiven für Fans und Verein. Das beste Beispiel dafür ist der 1. FC Union Berlin, gerade auf dem besten Weg im kommenden Jahr die Bundesliga zu bereichern. Hier gibt es seit Jahrzehnten einen engen Kontakt zwischen Fans und Verein, auch zwischen Ultras und Verein. Man diskutiert über Probleme, organisiert zusammen Sonderzüge und erarbeitet Strategien für Fans mit Stadionverbot. Diese arbeiten dann z.B. gemeinnützig in der Jugendarbeit des Clubs mit und können damit ihre Strafe verringern. Auch zum Thema Pyrotechnik hält man einen offenen Dialog, in dem alle, normale Fans, Ultras und der Verein zu Wort kommen können. Die Fans sind kein Gimmick, sondern das größte Gut für den Verein. Dieses Ziel verfolgt auch der F.C. Hansa, wenn auch (noch) in Kinderschuhen und den größten Anteil daran tragen die Ultras der Kogge. So ist auch die besagte Task Force, das Relikt aus kommunikationslosen Hofmann-Zeiten im Grunde gar nicht mehr nötig. Im Gegenteil, der Fanszene regt gerade die Selbstregulierung an, die sich die meisten Fans schon gewünscht haben, als viele Anhänger des Vereins auswärts wie zuhause noch dem puren Anarchismus frönten. Was für Kai-Uwe Theede ein Unding ist, stellt sich bei näherem Betrachten als logische Schlussfolgerung heraus, womöglich auch aus der Arbeit der Task Force. Es sollte in seinem Sinne sein, dass die Task Force nicht mehr in die Vereinsarbeit eingebunden werden muss.

    Ultras kriminell?

    Die Frage muss erlaubt sein, wie stark Theede, der NDR und auch Teile der Gesellschaft die Ultras im Allgemeinen und die Fanszene Rostock im Speziellen kriminalisieren können. Pyrotechnik oder das „Stehlen“ einer Zaunfahne sind unrechtmäßige Handlungen, aber rechtfertigen sie die Charakterisierung der Ultras in Rostock als „Problem“ oder gar als „kriminell“? So sehr, wie das Abbrennen von Pyrotechnik verboten ist, ist es Teil der Ultrakultur und daran wird sich nichts ändern. Das ist rechtlich gesehen falsch, ebenso falsch ist es aber, diese Handlungen aus dem Kontext zu reißen und sie stur als nicht rechtens zu charakterisieren. Strafen muss und wird es dafür geben, sowohl für Einzelpersonen, als auch für die Vereine, aber ebenso muss es ein Bewusstsein dafür geben, in welchen Zusammenhängen diese Handlungen geschehen, dass es Teil der Identität einer Subkultur ist, die Millionen von Anhängern auf der Welt hat. Und es muss ein Bewusstsein dafür geben, dass dies nur ein winziger Aspekt dieser Subkultur ist, die sich vor allem durch Engagement, Kameradschaft und umfassendes Interesse auszeichnet. Diese Generation ist nicht leer und träge, sie ist voller Energie und will etwas bewegen. Ihr geht es nicht darum, einen – ihren – Verein zu unterwandern, sondern ihr geht es darum, optimale Bedingungen dafür zu haben, alles für ihren Verein geben zu können.

    FOTOS: Sebastian Ahrens / rostock-fotos.de // Flohre Fotografie

    L U C E R N E - Till I Die!

    Kämpfe Lozärn, Kämpfe Lozärn!
    mer wend Euch gwönne gseh!


    Master (am Do 20. Okt 2005 22:24 ) hat geschrieben:ich sage immer das gleiche.. dass er dem verein helfen wird, davon bin ich überzeugt!
    dass er der fanszene schaden wird, davon bin ich genau so überzeugt! aber ich hoffe wir werden das überstehen!

  • Elite
  • Beiträge: 13036
  • Registriert: 9. Dez 2002, 10:31
  • Wohnort: I de Möscht

  • Beitrag » 23. Okt 2013, 11:24


    Sehr guter Text. Auch wenn ich persönlich Hansa Rostock nicht sonderlich mag.
    Aber eine andere Frage: Ist dieser Thread nicht im falschen Forum? Hat ja nichts mit dem FCL zu tun. :scratch:

    Benutzeravatar

  • FCL-Insider
    FCL-Insider
  • Beiträge: 527
  • Registriert: 8. Aug 2012, 19:54
  • Wohnort: Am Tresen

  • Beitrag » 23. Okt 2013, 13:24


    Hans Nötig hat geschrieben:Sehr guter Text. Auch wenn ich persönlich Hansa Rostock nicht sonderlich mag.
    Aber eine andere Frage: Ist dieser Thread nicht im falschen Forum? Hat ja nichts mit dem FCL zu tun. :scratch:

    Ist ok hier.

    Benutzeravatar

  • Administrator
    Administrator
  • Beiträge: 6260
  • Registriert: 22. Nov 2002, 19:06
  • Wohnort: ja

  • Beitrag » 23. Okt 2013, 13:44


    fends jetzt au no easy. jede esch det wo er wett, well jede wett det sii wo er esch.
    Bild

    Benutzeravatar

  • Elite
  • Beiträge: 5165
  • Registriert: 21. Okt 2007, 20:59
  • Wohnort: 6005

  • VorherigeNächste

    Zurück zu Foren-Übersicht  Zurück zu FC LUZERN 1901, Fussball national (NLA/NLB)



    Wer ist online?

    Mitglieder in diesem Forum: FCLuzern, Google [Bot] und 12 Gäste