Liebe NLZ

Beitrag » 2. Mär 2012, 09:22


selten hat jemand die problematik so klar erkannt und eingehend analysiert wie ihr talentierter herr bertschi. sogar die lösung liefert er freihaus mit. danke, dass sich euer käseblatt wenigstens noch für die probleme der kleinen bürger einsetzt und seine glaubwürdigkeit wahrt.

ihr NOISER
TFC!

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  • Beitrag » 2. Mär 2012, 09:23

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  • Beitrag » 2. Mär 2012, 09:36


    Musste mich grad extrem zusammenreissen, um den Scheiss bis zum Ende zu lesen. Was für ein Arschloch! Der Blick wurde grad um Längen getoppt...

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  • Beitrag » 2. Mär 2012, 09:36


    Denn allem Anschein nach verstehen die sogenannten "Journalisten" der NLZ die Sprache des gesunden Menschenverstandes nicht, sondern nur jene der Provokation und der Repression.

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  • Beitrag » 2. Mär 2012, 09:38


    Es ist nun völlig klar geworden, wenn ein Chefredaktor dies durchwinkt, dann gehört er weg, dann ist er nicht mehr tragbar.

    Herr Bornhauser: Nehmen Sie den Hut und Herrn Bertschi und Herrn Schriber gleich mit!

    Mir tun die Leute leid, die diese Zeitung täglich im Briefkasten haben, so einen Mist kann man günstiger im Blick lesen.

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  • Beitrag » 2. Mär 2012, 09:44


    solche berichte liest man sonst nur in der maturazeitung oder im knallfrosch. nei sorry.
    offene wettschulden: +10 von TJ (bald verjährt), +10 von Torpedo (bald verjährt), Saldo +20 von TW II

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  • Beitrag » 2. Mär 2012, 09:46


    Wenn man sonst keine Probleme hat Herr Bertschi........... :axe:

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  • Beitrag » 2. Mär 2012, 09:49


    Gewisse Zeitungen würden ihre journalistische Tätigkeit besser auf das Abdrucken von Pressemitteilungen reduzieren...
    D ZIIT ESCH RIIF!

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  • Beitrag » 2. Mär 2012, 09:51


    ich fass es nicht. hab in den letzten tag echt um die abo-verlängerung gerungen, aber so muss man gar nicht mehr überlegen. da kann man gleich die bild oder den blick abonnieren...
    "Mit leerem Kopf nickt es sich leichter"

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  • Beitrag » 2. Mär 2012, 09:55


    soeben E-Mail an Bertschi geschickt:

    Sehr geehrter Herr Bertschi,

    ich gratuliere Ihnen herzlich zum wahnsinnig gelungenen Beitrag in der heutigen Luzerner Zeitung mit dem Titel "Lieber Walter Stierli". Mit welcher Weitsicht und welchem Sachverstand Sie schreiben ist eine grosse Freude. Man merkt, dass Sie sich vertieft mit der Thematik "Fankultur" auseinandergesetzt haben. Auch dürfen Sie gerne Ihrem Chefredaktor ein grosses Kompliment aussprechen - heute gibt es nicht mehr viele Leute in höheren Positionen, welche solch objektive und untendenziöse Beiträge absegnen. Herzlich gratulieren möchte ich Ihnen auch zur sehr überlegten und unpolemischen Wortwahl in Ihrem Artikel. Man merkt hier deutlich, dass fehlende Kompetenz nicht durch reisserischen Populismus vertuscht werden will.

    Mit freundlichen Grüssen
    Ihr ...

    PS: Ich habe soeben bei der Neuen Luzerner Zeitung angerufen und mein langjähriges Abonnement gekündigt - dies aber nur, weil leider nicht alle Artikel der NLZ mit Ihrem journalistischen Niveau mithalten können
    ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------

    R A U T E

    von sega 10.- , von pa 10.-, ; @andi: 10.--

    mer send gäge alles

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  • Beitrag » 2. Mär 2012, 10:05


    Heute morgen sind die United Supporters mit folgendem offenen Brief an die Herren Bornhauser, Bertschi, Schriber und co. gelangt.
    Betreff: Offener Brief zum offenen Brief

    Geschätzte Herren,

    Es ist eine ganz famose Kampagne, die Sie sich ausgedacht haben, um Fussballspiele zur Gemeingefahr zu stempeln. Und heute also dies: "Verblödete Idioten" nennen Sie jenen kleinen Teil der Zuschauer, die letzten Samstag sechs Pyrofackeln abgebrannt haben. Solche Ausdrücke liest man in Ihren Spalten selten. Nicht über den 22-fachen verwahrten Vergewaltiger, dessen mutmasslicher Rückfall diese Woche bekannt geworden ist. Auch nicht über den Mörder von Lucie Trezzini, der diese Woche vor Gericht stand. Doch Fussballfans benutzen Sie gerne als Fussabtreter, da scheint Ihnen keine Polemik zu einfältig und keine Randnotiz zu wenig aufgeblasen.

    Keine andere Schweizer Zeitung berichtet über sechs profane Fackeln, die zwar auf strafbare Weise, aber ansonsten ohne konkrete Schädigung von Menschen oder Sachen abgebrannt worden sind. Nicht so bei Ihnen: Damit füllen Sie gleich tagelang die Spalten. Emotionalisieren, personalisieren, bis an die Grenzen zuspitzen: Die bewährten Boulevardmittel sind Ihnen recht und billig, wenn am Ende nur die Schlagzeile stimmt.

    Auf der Strecke bleiben die Fakten: Erst zweimal zündeten FCL-Fans auf der neuen Allmend bisher Pyrofackeln. Knallkörper, Fackelwürfe und Krawalle sind - ausser in Christian Bertschis Pamphlet - in Luzern seit mehreren Jahren absolut kein Thema und werden auch von niemandem vermisst. Die Heimspiele verlaufen anständig und gesittet, um die eigene Sicherheit mussten sich die im neuen Stadion wieder sehr zahlreich erscheinenden Zuschauer noch nie fürchten. Liefern Sie in Ihren Artikeln derartige Einordnung? Leider Fehlanzeige! Denn aus den besagten sechs Fackeln vom YB-Heimspiel dichtet Daniel Schriber im Handumdrehen "den schwersten Pyro-Zwischenfall im FCL-Sektor seit Bestehen der Swissporarena". Weil nun FCL-VR Mike Hauser nicht in Ihre unreflektierte Hysterie einstimmt, drehen Sie ihn durch den Fleischwolf, diagnostizieren Ratlosigkeit und unterstellen ihm Ohnmacht. Und dies einzig
    deshalb, weil er im scharfen Gegensatz zu Ihnen noch rational denkt. Und nicht bereit ist, "Zeichen zu setzen", mit denen sich, wie Daniel Schriber dann glücklicherweise doch noch einsieht, "Pyros nicht aus dem Stadion verbann[en]" lassen.

    Peer Teuwsen, ein Journalist von Format und Renommée, mit denen Sie im Maihof leider Gottes nicht allzu reichlich gesegnet scheinen, hat dieses Phänomen kürzlich punktgenau analysiert: "Beim Thema Fussball gehen mit vielen meiner Kollegen die Pferde durch. Sie sind eben nicht nur Journalisten, sie sind auch Fussballfans – und das nicht zu knapp. Die Sache, über die sie objektiv berichten müssten, ist für sie mit grossen Emotionen verbunden. Und auch deshalb bekommt das Thema ein derartiges Gewicht in den Medien. Meine Kollegen stellen nicht mehr nüchtern die Frage: «Was ist da wirklich los?» Stattdessen haben sie das Gefühl, da machten ihnen ein paar ihren Fussball kaputt? Sie denken: Da nehmen uns ein paar Idioten unser Spielzeug weg! Die professionelle Distanz ist weg." Sein spannendes Referat, gehalten Ende Januar an einem vom FC Basel veranstalteten Fansymposium, lege ich
    Ihnen im Anhang gerne bei.

    Im Namen des Gesamtvorstandes grüsse ich Sie freundlich
    United Supporters Luzern

    René Schwarzentruber
    Präsident


    Das im Anhang beigelegte Referat von Peer Teuwsen:
    Meine sehr verehrten Damen und Herren

    Ich danke Ihnen für die Einladung. Ich möchte heute als Journalist der ZEIT, der die Schweizer Medienszene vor allem von außen betrachtet, über die Rolle meiner Branche im Fußball sprechen.

    Sie alle, die hier sitzen, haben mit Medien zu tun. Und Sie alle könnten mir, würde ich Sie denn fragen, schlimme Geschichten über meine Berufskollegen erzählen. Ich werde Sie aber nicht fragen. Weil ich ahne, was Sie mir erzählen würden. Es wären Geschichten von Falschmeldungen, verdrehten Tatsachen, Zuspitzungen, Lügen, unbotmäßigen Personalisierungen. Ich muss sagen: Ich bin geneigt, Ihnen diese Geschichten zu glauben. Weil ich sie schon zu genüge gehört habe.

    Sie alle, die hier sitzen, arbeiten in einem gesellschaftlichen Feld, das unter besonderer Beobachtung der Medien steht. Der Fußball ist eine Massenkultur, er bietet also das ideale Tummelfeld für die Massenmedien. Bild, das deutsche Massenblatt, hat für jeden Klub, der in der ersten Bundesliga spielt, mindestens zwei festangestellte Redakteure. Und die arbeiten, und die werden gelesen. Und der „Blick“ hatte meines Wissens in jedem der gerade zu Ende gegangenen Trainingslager der Deutschschweizer Super League-Clubs einen Reporter dabei, da kann man dann sehen, wie Ancillo Canepa einen Penalty gegen den Blick-Mann schiesst. Die Medien haben die privaten Handynummern der Trainer, Spieler, Klub-Verantwortlichen. Das ist ein enges Verhältnis, ein zu enges Verhältnis, wie ich meine. Ich werde darauf zurückkommen.

    Jedenfalls: Fußball ist ein Massenmarkt, und den bespielen die Medien. Aus ökonomischen Gründen. Und aus Liebe zu diesem Spiel, das manchmal so gar nichts Spielerisches hat.

    Wie alles in dieser Gesellschaft ist auch der Fußball von den Medien problematisiert worden, zu Recht und zu Unrecht. Wir lesen, hören, sehen heute mehr von den Dingen, die um das Spiel herum passieren. Das hat natürlich auch damit zu tun, dass Fußball ein einfaches Spiel ist. Aber die Medien wollen heute mehr, als bloß zu erzählen, warum der Ball ins Tor gegangen ist, sie wollen Geschichten, stories wie wir sagen. Und dabei schiessen sie übers Ziel hinaus. Davon wissen Sie alle ein Lied zu singen.

    Leider missverstehen die Medien, die durch die technische Entwicklung immer schnell geworden sind, immer öfter ihre Rolle. Angesichts von Ausschreitungen gewisser Menschen, die ein Fußballspiel nicht oder nur am Rande wegen der Ereignisse auf dem Rasen besuchen, dramatisieren sie, spielen Einzelfälle hoch. Stets steht die Existenz des Fußballs auf dem Spiel. Jedenfalls wird dieser Eindruck erweckt.

    Den bisherigen Höhepunkt lieferte „Blick“, die schweizerische Ausgabe von Bild. Er stellte kürzlich einen Fan des FC Zürich, der sich bei einem Auswärtsspiel in Rom mit einem Feuerwerkskörper drei Finger weggesprengt hatte, an den „Pranger“, so nannte es Felix Bingesser, Sportchef der Zeitung. Man zeigte das Foto des Wohnortes des Verletzten, man rief seinen Chef an, die Eltern wurden auf der Strasse abgefangen, blossgestellt, weil sie nicht mit dem Journalisten reden wollten. Der Pranger war ein Mittel der öffentlichen Züchtigung. Man verwendete ihn im Mittelalter. Aber wir leben nicht mehr im Mittelalter.

    Und dann ist es ja nicht einmal so, dass diese Art des Vorgehens irgendwas zur Problemlösung beitragen würde. «Blick tut was», das ist das Motto. Es ist die Sündenbock-Theorie. «Jetzt haben wir endlich einen. Und den machen wir jetzt so richtig fertig». Man will dem Leser den Eindruck geben, es passiere etwas. «Wenn schon der Staat versagt, dann machen wenigstens wir etwas», soll die Botschaft sein. Es ist eine Verkennung der Rolle und ein massives Überschreiten journalistischer Grenzen.

    Die Aufgabe des Journalismus wäre aufzuklären, wäre zu zeigen, warum derartige Ereignisse geschehen. Und es wäre auch die Aufgabe des Journalismus, zu beruhigen. Nicht zu dramatisieren. Das Gegenteil passiert. Gewisse Journalisten verlieren jegliches Maß. Es ist die Rede von «Krieg». Nicht nur in Boulevard-Blättern, auch in seriösen Blättern. Ich frage mich, wenn meine Kollegen derartige Worte und Metaphern gebrauchen, ob sie wissen, wovon sie reden. Wir befinden uns nicht im Krieg.

    Warum aber ist das so? Warum verkennen einzelne Medien ihre Grenzen?

    Medien funktionieren, oder sie meinen es tun zu müssen, nach dem Prinzip der Aufmerksamkeitsökonomie. Je undifferenzierter ein Thema dargestellt wird, umso höher die Einschaltquote. So denken viele Journalisten. So wird es ihnen erzählt. Ich halte das in seiner Totalität für Unsinn, die Zeitung, für die ich arbeite, zeigt das Gegenteil. DIE ZEIT ist so erfolgreich wie noch nie in ihrer Geschichte. Und sie ist, gemessen an der Boulevardpresse, unglaublich langweilig. Es ist ja meistens so differenziert, was da drin steht. Ich behaupte, dass es eine Sehnsucht der Menschen gibt nach Ausgewogenheit. Leider ist die Wahrheit meist grau, und nicht schwarz oder weiß.

    Dazu kommt die technische Entwicklung. Das Medienangebot ist heute viel totaler als früher, es funktioniert auch viel schneller. Und die Journalisten müssen viel mehr machen als früher. Die Devise der Verleger, wenn sie mal wieder ein paar Stellen abgebaut haben: es geht doch auch mit weniger Leuten! Deshalb haben die meisten Journalisten gar nicht mehr die Zeit, nachzudenken, sie müssen - oder sie meinen es zumindest - immer sofort reagieren zu müssen. Nachrichten werden unüberprüft per copy past-Verfahren ins Netz gestellt, Stellungnahmen unautorisiert rausgehauen. Es wird zugespitzt, es wird dramatisiert. Wem ist damit gedient? Niemandem.

    Dazu kommt etwas Psychologisches: der Journalist ist ein einsamer Mensch. Und in diesem Feld können sich offenbar Männer – wir reden hier ja fast ausschliesslich von Männern – aufspielen. Sie können sich zu einer gewissen Bedeutung erheben, indem sie Hilfssheriff spielen. Sie meinen, sie müssen die Arbeit der Polizei übernehmen – auch ohne Berücksichtigung der Unschuldsvermutung. Aber das ist die Aufgabe des Staates, der das Gewaltmonopol innehat. Aufgabe des Journalisten wäre zu zeigen, was passiert, wie es passiert, warum es passiert. Aber hier fehlt es den Journalisten an Objektivität.

    Beim Thema Fussball gehen mit vielen meiner Kollegen die Pferde durch. Sie sind eben nicht nur Journalisten, sie sind auch Fussballfans – und das nicht zu knapp. Die Sache, über die sie objektiv berichten müssten, ist für sie mit grossen Emotionen verbunden. Und auch deshalb bekommt das Thema ein derartiges Gewicht in den Medien. Meine Kollegen stellen nicht mehr nüchtern die Frage: «Was ist da wirklich los?» Stattdessen haben sie das Gefühl, da machten ihnen ein paar ihren Fussball kaputt? Sie denken: Da nehmen uns ein paar Idioten unser Spielzeug weg! Die professionelle Distanz ist weg. Die Journalisten sind Teil des Systems.

    Und noch etwas, meine Damen und Herren, es gibt eine seltsame Symbiose zwischen den Medien und gewaltbereiten Fans. Sie bedingen einander. Ich meine damit nicht, dass es ohne Medien keine Gewalt gäbe. Aber es gäbe weniger davon, das wage ich zu behaupten. Gewaltbereite Fans, das zeigen Studien, wollen sich in den Medien gespiegelt sehen, sie wollen, dass man vor ihnen zittert. Oder würden Sie sagen, die Ultras meiden die Medien? Der Filmemacher Alain Godet hatte jedenfalls, wie ich höre, keine Mühe, für seinen Film, der gerade in Solothurn Premiere hatte, welche zu finden.

    Für uns Medienschaffende könnte das alles nur eins heissen: Deeskalation, Beruhigung. Maßhalten, die Dimensionen wahren. Damit sie mich richtig verstehen, ich will hier nicht verharmlosen. Ich will nur differenzieren. Während der Fußballsaison 2010/2011 wurden laut Fedpol 5 Meldeauflagen, 211 Rayonverbote und 153 Stadionverbote ausgesprochen. Das sind deutlicher weniger als 2009/2010 - auch dank der schon ergriffenen Maßnahmen. Ja, die Gewalt im Fußball ist ein Problem, aber sie ist kein Drama. Das wollen aber die wenigsten sehen.

    Ein anderes Beispiel für die Dramatisierung sind die Sachbeschädigungen von Fans in den SBB-Zügen. Mein Kollege Pascal Claude hat in seinem Blog „Knapp daneben“ ein bisschen recherchiert. «3 Millionen Franken Sachschaden durch Fussballfans jährlich». Diese Schlagzeile, prominent verbreitet von Tagesschau bis Tages-Anzeiger, wollten die SBB nie dementieren. Claude rechnete, sehr einsichtig, vor, dass es sich um nicht mehr als 100’000 Franken Sachschaden handeln kann. Das ist dreißigmal weniger. Die SBB möchten die Transportpflicht aufheben und Fussballfans nicht mehr auf eigene Kosten von A nach B befördern müssen. Das ist eine legitime Forderung – und vielleicht gar eine sinnvolle. Aber sie sollte doch von den Fakten ausgehen.

    Und hier kommt ein entscheidendes Merkmal: In der Spirale des schneller, lauter, krasser tragen auch andere Mitspieler im System Fußball eine Verantwortung. Polizei und Staatsanwaltschaften spielen dieses Spiel mit, indem sie zur Fahndung erschreckende Filme und Fotos ins Netz stellt, die liebend gerne von den Medien aufgenommen werden. Der Medienkonsument hat das Gefühl, der Bürgerkrieg in der Schweiz ausgebrochen. So dreht die Sache immer noch schneller, statt dass man sich diese Einzelfälle gründlich anschaut. Man spielt die Sache rauf, statt sie runterzuspielen.

    Das schwächste Glied im Fußball ist der Fan. Er hat am wenigsten zu sagen, er hat sich zu fügen. Er soll bitte den Mund nur aufmachen, um seine Mannschaft zu unterstützen. Und trotzdem braucht man den Fan. Auch aus ökonomischen Gründen. Man stelle sich mal ein leeres Stadion vor, was wären das für verheerende Fernsehbilder! Also kann man dem Fan nicht alles antun. Man kann ihm nicht den Stehplatz, das Bier und vielleicht bald auch noch die Zigarette wegnehmen - nur weil man alle Eventualitäten ausschalten will. Macht man es trotzdem, wird sich der Fan rächen, indem er nicht mehr kommt. Die Rache der Fans, das fürchten die Präsidenten der Klubs. Meine Damen und Herren, wenn das so weitergeht, werden Sie bald wie in England nur noch Familien und Sponsoren in Ihren Stadien haben. Dann wird es ganz friedlich sein. Der englische Fußball kann sich das ökonomisch leisten, der Schweizer Fußball mit Sicherheit nicht.

    Nicht ganz im Unernst gesprochen: Wäre ich Präsident eines Fußballklubs, ich würde in dieser manchmal ein bisschen peinlichen Diskussion um Verantwortlichkeiten in Sachen Hooliganismus auf die gesellschaftliche Aufgabe des Fußballs pochen. Fußball, diese Massenkultur, leistet einen Dienst an der Gesellschaft. Wo sollen die Menschen denn heute in dieser aseptischen Welt mit ihren Emotionen hin? Im Stadion werden sie kanalisiert, aber nicht unterdrückt.

    Mit Fußball wird Stimmung gemacht. Mit Fußball verbinden sich aber auch ökonomische Interessen. Auch beim FC Basel.

    Und die Medien haben ebenfalls Interessen, auch ökonomische. In der ZEIT hat mein Kollege Matthias Daum ein Beispiel erzählt. Zum diesjährigen Saisonstart, am Samstag, 16. Juli 2011, erschien im „Blick“ ein euphorischer Artikel über den neuen Fernseh- und Marketingvertragder Schweizer Profiliga: «Bingo! Die Schweizer Fußballklubs haben den größten und besten Deal ihrer Geschichte abgeschlossen.» Autor war Felix Bingesser. Das ist der Sportchef des Blattes, derselbe Mann also, der den FCZ-Fan laut eigenen Aussagen an den „Pranger“ gestellt hat. Bingesser erwähnte in seinem Artikel, dass Ringier, das Verlagshaus, zu dem der Blick gehört, ebenfalls von diesem «warmen Geldsegen» profitiert. Wie kommt das? Im Februar 2010 sicherte sich das Medienhaus eine 50-Prozent-Beteiligung an Ticketcorner, dem schweizweit größten Ticketing-Unternehmen. Auch der Kartenverkauf für sieben der zehn Clubs der obersten Fussballliga organisiert die Firma. (…) Mehr noch: Vermarktet wird die Liga von Infront/Ringier, die ebenfalls zur Hälfte dem Verlagshaus Ringier gehört. Zu sehen sind die Fussballspiele auf dem Bezahlsender Teleclub, an dem Ringier ein Drittel der Aktien hält. Im Interview mit der ZEIT erklärte CEO Marc Walder (Ausgabe 41/11) sein Geschäftsmodell: «Wir überlegen, was wir für alle am Produkt Fussball Beteiligten tun können. Provokant vereinfacht: Unsere Medien sind journalistischer Verbreitungskanal, und unsere Werbeformen sind Kommunikationskanal.» Klar, dass da Petarden werfende Fans stören. Kein Sponsor mag, wenn sein Name mit Krawallen in Verbindung gebracht wird. Wie also muss man den Blick-Sportchef verstehen, wenn er sagt: «Es ist der Zeitpunkt gekommen, da es um die Existenz des Fussballs geht.» Steht die Zukunft des Sports oder jene des Businessmodells von Ringier auf dem Spiel?

    Natürlich Letzteres. Die Zukunft des Fußball steht nämlich keineswegs auf dem Spiel. Das kann sich gar niemand leisten, im wahrsten Wortsinn.

    Wir müssen mit Dilemmata leben. Es wird immer Gewalt geben, ob wir das mögen oder nicht. Es muss sie geben. Eine Gesellschaft ohne Gewalt wäre eine tote Gesellschaft. Aber Dilemmata mögen die Journalisten nicht, vor allem diejenigen der Boulevardpresse von Blick bis Weltwoche nicht. „Fertig lustig“ titelte gerade die NZZ einen martialischen Kommentar zu den geforderten Bewilligungspflichten für Fußballspiele. Ja, Journalisten wollen ein Schwarzweiß-Denken, NullToleranz ist hier das Wort. Nulltoleranz? Was heisst denn das genau? Alle verhaften, die sich einen Bierbecher an die Lippen setzen?

    Nulltoleranz. Das ist für mich das Unwort schlechthin. Aber es ist das Wort unserer Zeit. Warum reden wir nicht mal über unser Verhältnis zu Gewalt? Es gibt diese „Lust am Bösen“ (Eugen Sorg), die kann man auch nicht wegtherapieren. Wir können darüber sprechen, wie wir die Gewalt in Grenzen halten können. Aber, bitte, sie gehört auch zum Fußball.

    Erlauben Sie mir ein Wort, das mir eigentlich nicht zusteht, ich bin ja kein Psychologe und auch kein Soziologe. Aber wir müssen uns fragen, und das müssen auch die Fußballklubs tun, warum es zu Gewalt kommt anlässlich von Fußballspielen. Es ist die Anonymität der Masse, es ist das Geschehen auf dem Rasen, das ja nun gerade nicht viel mit Beckenbodenturnen zu tun hat. Fußball ist Gewalt, wenn auch eine domestizierte. Aber niemand soll sich wundern, wenn sich diese kanalisierte Form der Aggressivität nicht auch auf die Fans überträgt.

    Man hat das Interesse verloren, den gesellschaftlichen Wurzeln auf den Grund zu gehen, die zu solchen Verhaltensweisen führen – denn das ist so schrecklich komplex. Da wählt man lieber die grosse Einfachheit, die ist leichter zu transportieren.
    Wenn die Journalisten sich also nicht mäßigen und weiterhin jeden Einzelfall zu einer Existenzfrage des Fußballs aufbauschen, dann werden wir noch lange an Veranstaltungen wie diesen sitzen.
    Was folgt aus all meinen Ausführungen für Sie alle?
    Lassen Sie sich von Medien nicht verrückt machen. Spielen Sie runter, deeskalieren Sie. Füttern Sie aber auf keinen Fall den Hunger nach dem Drama. Gehen Sie nicht mit den Medien ins Bett. Ich weiß, das ist nicht einfach. Aber Sie würden viel gewinnen. Und wir als Gesellschaft auch. Ich danke Ihnen.
    USL

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  • Beitrag » 2. Mär 2012, 10:10


    US LUZERN hat geschrieben:Heute morgen sind die United Supporters mit folgendem offenen Brief an die Herren Bornhauser, Bertschi, Schriber und co. gelangt.
    Betreff: Offener Brief zum offenen Brief

    :applaus:
    jossen hat geschrieben:Lucerne hatte immer recht! Asche über mein Haupt

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  • Beitrag » 2. Mär 2012, 10:14


    US LUZERN hat geschrieben:Heute morgen sind die United Supporters mit folgendem offenen Brief an die Herren Bornhauser, Bertschi, Schriber und co. gelangt.
    Betreff: Offener Brief zum offenen Brief

    kann man nicht besser ausdrücken. ich hoffe, der wurde auch als leserbrief eingeschickt?

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  • Beitrag » 2. Mär 2012, 10:15


    Kompliment, well done :thumbleft: :applaus:

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  • Beitrag » 2. Mär 2012, 10:18


    Stark von der USL so schnell zu reagieren. :applaus:

    Eigentlich bleibt einem keine andere Wahl: Abos sofort kündigen!

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  • Beitrag » 2. Mär 2012, 10:23

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  • Beitrag » 2. Mär 2012, 10:33


    :thumbleft:
    haut das ding endlich rein

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  • Beitrag » 2. Mär 2012, 10:34


    bin gespannt auf die antwort - falls es eine gibt...
    B*A*J*O F*L*O*R*E*S*T*A*S | merk der de name |

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  • Beitrag » 2. Mär 2012, 10:55


    Als Aussenstehender, wie er sich selbst bezeichnet, sollte er einfach die Klappe halten...
    Beati pauperes spiritu, quoniam ipsorum est regnum caelorum.

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  • Beitrag » 2. Mär 2012, 11:00


    lucerne hat geschrieben:
    US LUZERN hat geschrieben:Heute morgen sind die United Supporters mit folgendem offenen Brief an die Herren Bornhauser, Bertschi, Schriber und co. gelangt.
    Betreff: Offener Brief zum offenen Brief

    :thumbleft:

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