DER MODEFAN...

Beitrag » 17. Apr 2008, 12:34


Schöner Kommentar von der NZZ aka Thomas Renggli:

Diese Zeilen handeln nicht von der neuen Sommerkollektion in Mailand oder Paris – und weder von der letzten Verhaftung Naomi Campbells noch vom frisch gekürten Mister Schweiz; dieser musste nach seiner Wahl ohnehin zur Kenntnis nehmen, dass er gar nicht so schön ist, und liess sich im Schnellverfahren ein paar Porzellanplatten über die Zähne kleben.

Diese Zeilen handeln von einem Phänomen, das in den nächsten zweieinhalb Monaten kontinuierlich an Bedeutung gewinnen, am 29. Juni aber im Konfetti-Regen der EM-Pokal-Übergabe in Wien wieder verschwinden wird. Die Rede ist von «Modefans», jenen Quereinsteigern und Opportunisten also, die plötzlich Panini-Bildchen tauschen, obwohl ihnen das entsprechende Album wie ein Buch mit sieben Siegeln vorkommt, die sich darüber ärgern, dass Beckham in der Sammlung fehlt, die nur dann Fussball schauen, wenn es garantiert etwas zu jubeln gibt, die in einem Crash-Kurs die Offside-Regel gelernt haben, aber irgendwie doch im Abseits stehen.

Was vermeintliche Fussballexperten als schnöde Trittbrettfahrer entlarvt:

– Sie messen vor einem Matchbesuch dem Wetterbericht die grössere Bedeutung zu als der sportlichen Ausgangslage. Das betrifft vor allem eine Subspezies des Modefans – den sogenannten Schönwetter-Fan.
– Sie gingen vor zehn Jahren auf dem Hardturm ein und aus.
– Samstags-Heimspiele sind für sie nur ein Warm-up auf dem Weg ins Nachtleben. Entsprechend ausstaffiert kommen sie daher. Die Menge des Haar-Gels (bei Männern) und die Tiefe des Décolletés (Frauen) gelten als besonders zuverlässige Indikatoren. Im Zweifelsfall kann auch die Dosierung des Parfums oder die Höhe der Absätze (Stichwort: Absatztrick) beigezogen werden.
– Sie verbringen ähnlich viel Zeit im Solarium wie Gigi Oeri.
– Sie sind 14-jährige Teenager, die eine Foto von Blerim Dzemaili im Portemonnaie tragen.
– Sie haben in den letzten drei Wochen ihre Liebe für die ZSC Lions entdeckt.
– FCZ - Aarau war für sie am vergangenen Sonntag kein Thema – weil sie den Kater der ZSC-Meisterfeier zu kurieren hatten. Auf wie viele der zwölf indisponiblen Zürcher Fussballer das ebenfalls zutraf, ist nicht bekannt.
– Sie glauben Alain Sutter jedes Wort.
– Sie blicken mindestens so oft aufs Handy wie aufs Spielfeld und hoffen mit den Filmaufnahmen einer Feuerwerks-Einlage auf den Durchbruch auf der Internetplattform You-Tube.
– Sie zupfen die Augenbrauen nach dem «Diego-Benaglio-Schema».
– Liegt die eigene Mannschaft 0:3 in Rückstand, verlassen sie (spätestens) in der 80. Minute das Stadion fluchtartig. Nach drei Niederlagen bleiben sie ganz zu Hause. An einem Auswärtsspiel in Thun waren sie noch nie.

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  • Beitrag » 17. Apr 2008, 13:14


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