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Wie scheisst man richtig?

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LU-57
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Wie scheisst man richtig?

Beitrag von LU-57 » 10. Apr 2019, 10:19

Aus aktuellem Anlass...

Spiele am Nachmittag? Bückling vor den TV-Anstalten? Vorprogramm für die Tschempiensliig? Who cares!

Diskutieren wir besser über die wirklich kontroversen und relevanten Fragen, die den Fussballfan wirklich tangieren: Wie brönzlet man im Stadion richtig?

Es gibt da ja einige Vorgehensweisen, wie mir zu Ohren gekommen ist. Ich habe mir das vorgängig gar nie überlegt, für mich war immer sonnenklar, dass man - durchschnittlich nach dem 5. Bier - von den Rängen huscht, subito rein ins Scheisshaus abbiegt und dann das erstbeste WC-Hüsli beehrt (der Weg zur Pissoir-Rinne ist weiter, aus zeitlichen Gründen daher keine Option für mich). Im Stehen. Um die Türe hinter sich zu schliessen bleibt keine Zeit (und auch keine Notwendigkeit). Den Becher mit dem Rest-Bier kann man entweder mit den Zähnen halten oder ggf. auf dem (abgerundeten, passt ins Fehlplanungungskonzept) WC-Papier-Halter (wo kein WC-Papier drin ist) abstellen (Achtung, Gefahr für Bierbecher-Absturz). Spülen ist fakultativ. Händewaschen je nach Umstand. Anschliessend im Schnelltempo zurück in die Kurve (bei einem wichtigen Spiel) oder (für die allermeisten halbrelevanten Matches) zum Bierboy bzw. im schlimmsten Falle an die Food-Box (wo man sich allerdings wieder endlos ärgern muss ab dem Migrosdeppenhaufen).

Aber scheinbar sehen das nicht alle so. Beim Stadionpissen tut sich ein Generationengraben auf, der einen noch viel grösseren Keil zwischen die verschiedenen Fans rammt, als die Tatsache, dass aktuell nicht jeder und alle am Ballöne sammeln ist.

Unglaublich (zumindest für mich): Es gibt Leute (Herren!), die ein Stadion-Scheisshaus betreten, die Türe hinter sich verschliessen, dann auf der WC-Brille Platz nehmen (m.E. schon ein Thema für die Assi-Skala, ca. 1.5/10) und ihre flüssige Notdurft im Sitzen verrichten.

Wie gehts euch? Was habt ihr schon alles Verstörendes gehört oder gar erlebt auf den Scheisshäusern dieser Fussballwelt?

Gibt es in dieser Frage ein Falsch und ein Richtig? Muss man Sitzpinkler akzeptieren, darf man mit denen befreundet sein? Was sagt es über einen Fan aus, wenn er die Türe hinter sich verschliesst? Gibt es charakteristische Unterschiede zwischen der Gattung Pissoir- und Toiletten-Brönzler?

Was meint ihr?

greez
STADION ALLMEND 1934 - 2009
cumk :: ultras mongos :: choooom

«Stellen sie sich vor, ein Pyro mit 2000 Grad trifft ein Kind und das Kind stirbt. Was sagen Sie dann?»
«Gewaltanwendungen gab es zwar keine, es hätte aber auch anders kommen können!»

Romano Simioni, Allmend-Buch, 2009 hat geschrieben:Das KKL ist kein Ort, der für uns Luzerner und Innerschweizer
gemacht wurde, sondern ein Ort, der in erster Linie dazu da ist,
dem Prestige der Stadt gut zu tun. Ich befürchte, dass das neue
Stadion eher ein KKL des modernen Fusballs wird und nicht eine
lebendige Volksbühne, wie es die so sympathisch unperfekte
Allmend war.


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Master
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Re: Wie scheisst man richtig?

Beitrag von Master » 10. Apr 2019, 10:25

Grundsätzlich ist es einfach mal gut, dass jemand dieses Thema aufgreift!
L U C E R N E - Till I Die!

Kämpfe Lozärn, Kämpfe Lozärn!
mer wend Euch gwönne gseh!


Master (am Do 20. Okt 2005 22:24 ) hat geschrieben:ich sage immer das gleiche.. dass er dem verein helfen wird, davon bin ich überzeugt!
dass er der fanszene schaden wird, davon bin ich genau so überzeugt! aber ich hoffe wir werden das überstehen!

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Re: Wie scheisst man richtig?

Beitrag von Aufwindfahne » 10. Apr 2019, 10:39

Hatte noch nie das Bedürfnis, im Stadion scheissen zu gehen. Falls es nicht anders geht, würde ich sicher nicht direkt auf die WC-Brille sitzen, sondern diese zuerst ordentlich abdecken oder in der Skiabfahrts-Hocke das Geschäft verrichten.

Zum Brünzeln habe ich bisher IMMER Pissoir(-Rinne, RIP Schrägdachscheffi) benützt.

Händewaschen IMMER.

Alles in allem: Solo Pissoir. Sehe nicht ein, wieso man auf der Schissi stehpinkeln soll, wenn es Pissoirs zur Verfügung hat. Das muss den Umweg einfach wert sein.

Ansonsten halte ich es wie Master:
Grundsätzlich ist es einfach mal gut, dass jemand dieses Thema aufgreift!
Auf Veränderung zu hoffen, ohne selbst was dafür zu tun,
ist wie am Bahnhof zu stehen und auf ein Schiff zu warten

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Re: Wie scheisst man richtig?

Beitrag von Hans Nötig » 10. Apr 2019, 11:01

Pipi-Kacka-Bauern-Image wird untermauert. Gefällt! Fred bitte mit nötiger Ernsthaftigkeit behandeln.

Zur Thematik: Solo Pissoir, Kacken kann man zuhause. Händewaschen ja. Wer sich einschliesst zum "Seichen" hat wohl ein kleines Schnäbi.

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Re: Wie scheisst man richtig?

Beitrag von Camel » 10. Apr 2019, 11:17

Als letzte Amtshandlung verhelfe ich diesem Thread die nötige Wichtigkeit und Ernsthaftigkeit dank Sonderstatus zu erlangen. Zukünftige Admins: Wehe der Status wird angelängt!

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Re: Wie scheisst man richtig?

Beitrag von hunter jumper » 10. Apr 2019, 11:23

Unter gegebenen Umständen kann es hilfreich sein, auf eine mit WC-Papier eingekleidete WC-Brille zu sitzen. Auch wenn es sich nicht um Hardware-Output handelt.
1. Zu viel Alkohol um noch einigermassen stehen zu können
2. Muskel- oder Nervenkrankheit und damit verbundene Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht

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Re: Wie scheisst man richtig?

Beitrag von sidi » 10. Apr 2019, 11:44

Solo Pissrinne! Diese ist ja als Homage an die gute alte Schrägdachscheffi gedacht und sollte nur schon deshalb beglückt werden.

Bald, bald kommt die Kurzehosezeit. Dann wird das Pissen an der Rinne erst recht zu einem unbezahlbaren Erlebnis :shock:

Ausserdem: Händewaschen immer, nur schon aus dem Grund, dass es noch gutes altes Papier zum trocknen gibt und es keine dieser verfluchten, zu tief aufgehängten, airblades hat, aus denen unsereins nicht ohne Hexenschuss rauskommt. Mal was Positives :thumbleft:

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Re: Wie scheisst man richtig?

Beitrag von Guru77 » 10. Apr 2019, 13:26

Solo Pissrinne!! Der einzige Ort im Stadion wo es die Architekten geschafft haben Funktionalität, Wirtschaftlichkeit und Tradition (RIP Schrägdachscheffi) zu verbinden. Das ganze ist erst noch recht formschön umgesetzt. Auch die zahlreichen liebevoll angebrachten Aufkleber tragen zum Wohlfühlfaktor dieses Ortes bei.

Grossartig am Piss-Erlebnis ist ebenfalls, dass man auf dem Rückweg meist einem Bierverkäufer begegnet.

Übel am Pissen im Stadion ist einzig wenn ausgerechnet im Moment WO du anfängst zu Pissen (also quasi am Point of no Return hö hö) der Geräuschpegel in der Kurve massiv ansteigt und in einem euphorischen Torjubel gipfelt.

Hände waschen: Auf jeden Fall!!

Kacken: Habe ich glaub noch nie im Stadion.

Mein spezieller Dank gebührt LU-57. Dank ihm werden auch die wirklich wichtigen Themen im Forum diskutiert. Auch die die sonst keiner ansprechen will.
Fußball spielen ist sehr simpel, aber simplen Fußball zu spielen, ist das Schwierigste überhaupt. (Johan Cruyff)

Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft. (J.-P. Sartre)

Die Situation ist bedrohlich, aber nicht bedenklich. (Friedhelm Funkel)

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Re: Wie scheisst man richtig?

Beitrag von Aufwindfahne » 10. Apr 2019, 13:34

endlich kann man das mal passend posten

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Auf Veränderung zu hoffen, ohne selbst was dafür zu tun,
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Re: Wie scheisst man richtig?

Beitrag von Don Pedro » 10. Apr 2019, 14:05

Pissen: entweder in der offenen Kabine (falls frei) oder Pissrinne, oldschool halt. Kommt auch drauf an, welches Mundloch (B2 oder B3) als Ausgang gewählt wird.

Kacken: musste ich zum Glück noch nicht oft. Ansonsten empfiehlt es sich, eine Kabine mit WC-Papier aufzusuchen.

Geheimtipp für Stadionkacker: Sektor C chli weniger asslig als in der Kurve.

Hände waschen ist natürlich Ehrensache.

Ansonsten gibt es Windfahne nichts hinzuzufügen. 8)
Bienvenido a Lucerna, hijo de puta!

Die ganze Wahrheit unzensiert.
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Re: Wie scheisst man richtig?

Beitrag von bjaz » 10. Apr 2019, 14:52

Ey wer im Stadion echt noch nie den Scheisser hatte, sollte sich meiner Meinung nach vermehrt flüssig ernähren :!: Es gibt nichts beschisseneres als bei Diarrhoe:

  • - kein Scheisshaus oder zu wenige freie Scheisshäuser zu finden (Im Stadion noch nie passiert, aber ca. eine 7/10-Geschichte hätte ich von einem Luzernerfest. Tut mir jetzt noch leid, dass sich bwp das mit anhören musste. Das war definitiv etwas vom assligsten WO ich je gemacht habe und worauf ich nicht gerade stolz bin. Aber viele Optionen hatte ich damals wirklich nicht)

  • - kein WC-Papier vorzufinden (Notfalls müssen vor der Notdurft sechs sieben Türen geöffnet werden, wenn die Zeit reicht oder man es nicht vergisst und man nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden möchte. Btw: Irgendwelche VIP-Hooligans klauen an jedem Spiel Toilettenpapier aus dem Heim- oder Gästesektor. In Xamax eskalierte es erstmals. Was sie nur mit all den ebenfalls gesammelten WC-Ringen alles machen könnten...)

  • - kein abschliessbares Scheisshaus zu finden (Bitzli Privatsphäre sollte sein, obwohl ich es auch auswärts auch bei vorhandenem Schloss selten abschliesse)

Akut wurde es diesbetreffend erst gerade letzten Sonntag im Tourbillon...

Scheisshausmässig bietet das Stadion den mittleren Gästesektor-Standard. Ich frage mich immer wieder, was den Leuten durch den Kopf gehen muss, dass sie eine Toilette so zurücklassen können, wie man sie in den meisten Gästesektoren antrifft. Kleber und Kritzeleien zeigen, dass da eine Subkultur scheissen geht. Das ist absolut in Ordnung und in den sterilen Arenen fast noch der einzige Ort der so etwas wie Charme versprüht. Ohne Scheiss, in vielen Stadien ist der Scheisshausbereich einer meiner Lieblingsorte. Die rausgerissenen WC-Ringe, abgeschlagenen Lavabos oder zentimeterhohe Pisswasserlachen beweisen aber, dass darunter auch einige sind, die den Anstand zu Hause lassen. Ich kann den Hass und die Abneigung gegenüber den 0.1% die über die anderen 99.9% bestimmen, dich ausnutzen und den Fussball schänden absolut nachvollziehen, falls dies der Grund sein sollte. Aber die Leidtragenden und Mitscheisser gehören definitiv nicht zu Ersteren. Seis drum.

Ich haste in Richtung Toiletten ohne dabei zu schnell zu werden. In solchen Situationen sollte man die Ruhe bewahren und sich vorstellen man müsse Nitroglycerin aus dem Gefahrenbereich bringen. Die erste Tür eröffnete die Aussicht auf eine auch äusserlich verunreinigte Toilette. Das wäre ganz klar der Zonk gewesen. Hinter Tor Nummer 2 war es wesentlich hygienischer und auch Papier hatte es für mehrere Waschgänge. Die Tür liess sich allerdings nicht zuziehen. Irgendetwas blockierte, sodass das Schloss nicht einrasten konnte und die Tür sich automatisch wieder öffnete. Mir macht es normalerweise nichts aus, wenn mich jemand auf dem Scheisshaus sieht. Aber in Sion hätten die Catering-Mitarbeiter einen Loge-Platz gehabt. Nur mit aller Wucht und erst nach etwa dem vierten kraftvollen "Schletzer" rastete die Tür ein. Endlich Zeit sich Zeit zu nehmen. Die Sitzung war dann aber relativ zügig erledigt. Der Vorteil von Durchfall. Drei Mal kräftig Niesen und das Ding ist durch. Nun sofort zurück in den Gästesektor. Naja, das war das Ziel. Denn nun war die Tür wieder blockiert, nur ich halt dieses Mal auf der anderen Seite. Die Blockierung liess sich nicht lösen.

Verdammte Scheisse. Mit jedem Versuch setzte ich mehr Kraft ein die Tür aufzustossen. Ohne Erfolg. Ich musste mich kurz sammeln und meine Gedanken ordnen. Den aktuellen Zustand hatte ich mir an den beiden Vortagen selber eingebrockt. Massiver Konsum am Freitag und Samstag haben dazu geführt, dass mein Darm auf Durchzug stellte und mein Hirn nicht voll leistungsfähig war. Hätte die Feuerwehr die Tür gewaltsam öffnen müssen, hätte sie ein eingeschlossenes Häufchen (Elend) vorgefunden, das sich mit der Situation abgefunden hat.

Oh mann. Anderswo wären die Öffnungen oben oder unten genug gross gewesen, um darüber zu klettern oder darunter durch zu kriechen (So wurde auch schon ein ausgeknockter Adligenswiler aus der Zone-Toilette befreit). In Sion war die Lücke oben aber nur ein paar Finger breit. Mir war bewusst, dass die nächsten Versuche dazu führen würden, dass die Tür beschädigt wird. Angesichts dessen, dass das Scheisshaus schon, einen gelinde gesagt, "renovierungsbedürftigen" Eindruck gemacht hat, wäre dies zu verkraften gewesen. Aber es ist nicht meine Art etwas zu demolieren, wieso dies die letzte Option bleiben müsste. "Nochmals" versuchte ich, mittlerweile schon ziemlich verzweifelt, das Schloss am Drehhebel zu öffnen. Zu meiner Verwunderung ging das ultraleicht und als ich die Türfalle herunterdrückte war ich befreit. Ich volltrunkener Vollidiot hatte beim Zuziehen nicht bemerkt, dass die offene Tür "verschlossen" war. Die Tür musste ich nur deswegen mit so viel Kraft schliessen, weil die Blockierung, der Riegel vom Schloss, mich daran hinderte. Vielleicht mag sich jemand erinnern. Bin mir nämlich nicht mehr sicher, ob ich in diesen unschönen und nervenaufreibenden Minuten gespült habe. Ich denke zwar schon.

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Re: Wie scheisst man richtig?

Beitrag von MäcBier » 10. Apr 2019, 15:15

Beschränke mich beim Scheissen aufs Schletzigrund. Der Rest ist Kacke.
Fuck off NLZ!

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Riga
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Re: Wie scheisst man richtig?

Beitrag von Riga » 10. Apr 2019, 16:37

Master hat geschrieben:Grundsätzlich ist es einfach mal gut, dass jemand dieses Thema aufgreift!


Die Investigativjournalisten von Zentralplus haben sich übrigens auch schon eingehend mit diesem Thema befasst: Direktlink

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timtim
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Re: Wie scheisst man richtig?

Beitrag von timtim » 10. Apr 2019, 19:48

Aufgrund der hohen Relevanz versuche ich der verständlicherweise recht emotionalen Herangehesweise ein bisschen entgegenzuwirken und etwas mehr Objektivität ins Thema zu bringen. LU-57 ist der Sache bereits im ersten Beitrag auf der richtigen *Spur*.
LU-57 hat geschrieben:der Weg zur Pissoir-Rinne ist weiter, aus zeitlichen Gründen daher keine Option für mich

Es handelt sich hierbei also um ein klassisches Optimierungsproblem mit multiplen Parametern. Der Einfachheit halber beschränke ich mich mit meinen Aussagen lediglich auf deren zwei. Eine erste entscheidende Einflussgrösse ist der Staudruck (Urinpartialdruck in der Blase), in Abhängigkeit des Bierkonsums. Der Einfachheit halber nehmen wir hier einfach mal einen Standardkonsum an. Der Staudruck ist umgekehrt proportional zur Distanz, welche man für die Erledigung des Bedürfnisses zu gehen im Stande ist ("kritische Distanz"). Die zweite entscheidende Einflussgrösse (v.a. für Festkörperprobleme) ist die Viskosität des zu entledigenden Materials. Diese dient wiederum umgekehrt proportional als einfacher Proxy für die Dringlichkeit des Problems. Je nach dem, wie sich diese beiden Parameter verhalten, entscheidet man sich für die Pissrinne, für eine der Schüsseln in Sektor B, oder, wie Don Pedro richtigerweise angemerkt hat, für eine der angenehmeren Optionen in Sektor C. Ich habe diesbezüglich kurz nachgeschlagen und die folgende, in meinen Augen recht passende Abbildung in einem Lehrbuch gefunden:

Bild

Die übliche und naheliegenste Option ist der Quadrant oben links. Relativ hoher Staudruck nach erheblichem Bierkonsum bei geringer Viskosität. In diesem Fall zählt jede Sekunde. Die gangbare Distanz ist relativ klein, und so geht man Schnurstracks zur Pissrinne. Bei geringerem Staudruck kann man es sich erlauben, ein paar Schritte extra zu machen und eine Schüssel aufzusuchen (selbstverständliche ohne Schliessen der Tür). Zugegebenermassen hängt das vom gewählten Ausgang von der Stehtribüne ab, aber ich denke das Konzept ist klar. Im Falle eines geringen Druckes und hoher Viskosität lohnt es sich allerdings, wie von Don Pedro vorgeschlagen, den Weg in den Sektor C auf sich zu nehmen. Dort gibt es verhältnismässig saubere Schüsseln. Die einzige unmögliche Option ist der Bereich im Bild oben rechts. Der hohe Staudruck lässt nur eine sehr kurze Distanz zu, und so ist man nicht in der Lage, sich zum Sektor C zu begebem. Die sich dort befindlichen richtigen Pissoirs bleiben daher ein Traum für jeden Sektor B-Gänger. Experten sprechen in solchen Situationen von einer Paretofront.

Natürlich ist die länge des Weges, den man zu gehen bereit ist, nicht nur abhängig vom erwarteten Komfort. Auch der Spielstand ist sehr entscheidend. Ein spannender, ausgeglichener Spielstand bietet nicht dieselben Initialbedingungen wie ein deutlicher Rückstand ohne Aussicht auf Erfolg. Bei einem klaren Sieg will man hinwiederum keinen Moment der Feier verpassen. Auch dazu gibt es in der gängigen Fachliteratur bereits schöne, wenn auch recht oberflächliche Darstellungen. Hier zum Beispiel eine schematische Darstellung des Zusammenhanges zwischen dem Spielstand und der nach Bedürnis optimierten Toilettenwahl:

Bild

Man erkennt leicht, dass die Komplexität der Fragestellung damit zunimmt. Für eine umfassendere Betrachtung wären sogar noch unzählige weitere Faktoren zu berücksichtigen. Für heute soll aber eine simple zweidimensionale Betrachtug genügen. Ich bin mir bewusst, dass ich damit der ganzen Komplexität der Thematik nicht gerecht werde. Dafür entschuldige ich mich. Ich hoffe dennoch, damit einen kleinen Teil zu einer sachlichen Diskussionsgrundlage beigetragen zu haben. Gerne erkläre ich ein ander mal, wie man mit einem simplen multiplen Regressionsmodell und einer Clusteranalyse auch weitere Einflussgrössen berücksichtigen kann, was das ganze mit dem Königsberger Brückenproblem zu tun hat, und wie man sich ganz einfach selber per Edgeworth-Box eine Entscheidungsgrundlage für die individuellen Verhältnisse erstellt, bevor wir dann die Wahrscheinlichkeiten für freie Plätze in Abhängigkeit der Anzahl gespielter Minuten betrachten.
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Re: Wie scheisst man richtig?

Beitrag von Taylor Bourbon » 10. Apr 2019, 22:11

TimTim, besten Dank für deine fundierten Erkenntnisse an dieser Stelle. Es scheint sich auch in diesem Bereich eher um ein operatives Problem zu handeln, welchem mühelos entgegengewirkt werden könnte, wenn man denn wollte. Könnenmüssenwürdendürftesollte

Um der anonymen Masse der Sitzpinkler ein Gesicht zu geben, oute ich mich an dieser Stelle als Gelegenheitssitzpinkler. Nachfolgend meine Gedankenansätze der Wertigkeit nach sortiert:

:arrow: Schiichi Blasä. Das Phämomen der «schiichen Blase würde ich an dieser Stelle zu einem späteren Zeitpunkt gerne noch genauer erörtern. Habe bis zum heutigen Zeitpunkt noch keine Studien entdeckt, welche sich näher mit dieser Problematik befassen. Mit fortgeschrittenem Zeitpunkt/Pegel erkennen wir aber eindeutig eine Veränderung, welche einem klaren (immer in die gleiche Richtung deutenden) Trend folgt. TimTim, falls du auch hierzu eine Grafik zur Hand hast, füge ich sie gerne nachträglich ein.
:arrow: Wasserlassen löst bei mir des öfteren andere Reflexe hervor. Und seien wir mal ehrlich, hört sich so ein Darmwind in einer geschlossenen Kabine nicht viel gewaltiger an? Wennd Pech hast und an der Pisserinne zu viel Druck ausübst, landet am Ende noch etwas in der Hose (@Admin, hier bitte Link zu Jossens erwähntem 7/10 Beitrag einfügen). Es ist einfach ein erhabenes Gefühl, wennd mal wieder das «Horn von Gondor» erschallen lässt und dafür anerkennende Rückmeldungen von ennet der Türe erhältst. Oder entsetzte Schreie, je nach dem halt, ob man sich grad auf dem Männer- oder Frauenklo befindet. Was mich auch gleich zum nächsten Punkt kommen lässt.
:arrow: Gleichgewichts- sowie Wahrnehmungsstörungen, Müdigkeit, Klimawandel. Manchmal haben wir keine anderen Möglichkeiten, aber meistens ist es ein Problem der Bequemlichkeit oder der mangelnden aka falschen Vorbereitung.
:arrow: Gewohnheit. Ich bin meine Putzfrau bei mir zu Hause und daher daran gewöhnt zu sitzen. Für Finänzler und andere etwas vereinfacht ausgedrückt: Weniger putzen = mehr Zeit aka mehr Geld.

Darüber hinaus, Sitz wird selbstverständlich vorher geputzt und Hände IMMER gewaschen. Notiz an mich: 57er nächstes mal lieb tätscheln oder umboxen, je nach dem... 8)
Und TW so? Da Zeit = Geld eher so der Türggeschiissi-Typ oder darf es auch mal etwas luxuriöser, z.B. mit palmwedelnden Eunuchen und unberührten Abwischern sein?
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Wie scheisst man richtig?

Beitrag von lucerne » 10. Apr 2019, 22:22

Im Stadion geht gar nicht.

Nie mehr Schmirgelpapier - nur noch auf Klodusche mit gewärmten Sitzring inkl. Geruchabsaugung und selbstverständlich Vollprogramm: „Waschen und föhnen, bitte“:

https://youtu.be/08tRFSod3xk
jossen hat geschrieben:Lucerne hatte immer recht! Asche über mein Haupt

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Re: Wie scheisst man richtig?

Beitrag von choengu » 10. Apr 2019, 23:13

Guru77 hat geschrieben:Übel am Pissen im Stadion ist einzig wenn ausgerechnet im Moment WO du anfängst zu Pissen (also quasi am Point of no Return hö hö) der Geräuschpegel in der Kurve massiv ansteigt und in einem euphorischen Torjubel gipfelt.

Kann man so bestätigen - Göpp halbfinale vs. Sion 2012
«If you can't support us when we lose or draw don't support us when we win.» - Bill Shankly

Lucerne. What else?

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Re: Wie scheisst man richtig?

Beitrag von bjaz » 11. Apr 2019, 09:04

timtim hat geschrieben: Gerne erkläre ich ein ander mal, wie man mit einem simplen multiplen Regressionsmodell und einer Clusteranalyse auch weitere Einflussgrössen berücksichtigen kann, was das ganze mit dem Königsberger Brückenproblem zu tun hat, und wie man sich ganz einfach selber per Edgeworth-Box eine Entscheidungsgrundlage für die individuellen Verhältnisse erstellt, bevor wir dann die Wahrscheinlichkeiten für freie Plätze in Abhängigkeit der Anzahl gespielter Minuten betrachten.

Unbedingt. So wie ich user LU-57 einschätze, will er diese ernste Thematik nämlich ins Lächerliche ziehen. Daher erscheint es mir als umso wichtiger, wenn weitere derart seriöse und sachliche Beiträge zu diesem Sachverhalt beigetragen werden.

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Re: Wie scheisst man richtig?

Beitrag von Sammler » 11. Apr 2019, 12:34

Da kann ich meinen Senf auch nicht mehr fernhalten. Feststellen darf ich, dass es mal (herrliche - weil da der Fussball noch Fussball sein durfte) Zeiten gab, da ich - aus naheliegenden Gründen garantiert nicht als Einziger - stehend inmitten von gut 35.000 Leuten und ohne reelle Chance, mit trockener Hose das Pissoir zu erreichen, in einen leeren Papierbecher mein Wässerchen abschlug. Später verlor es sich dann auf den Stufen der schlecht betonierten Traversen. Heute nicht mehr vorstellbar - die schlecht betonierten Traversen meine ich :wink:

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Re: Wie scheisst man richtig?

Beitrag von sidi » 11. Apr 2019, 13:28

Sammler hat geschrieben:Da kann ich meinen Senf auch nicht mehr fernhalten. Feststellen darf ich, dass es mal (herrliche - weil da der Fussball noch Fussball sein durfte) Zeiten gab, da ich - aus naheliegenden Gründen garantiert nicht als Einziger - stehend inmitten von gut 35.000 Leuten und ohne reelle Chance, mit trockener Hose das Pissoir zu erreichen, in einen leeren Papierbecher mein Wässerchen abschlug. Später verlor es sich dann auf den Stufen der schlecht betonierten Traversen. Heute nicht mehr vorstellbar - die schlecht betonierten Traversen meine ich :wink:

Ha! Das waren noch Zeiten! Einer aus unserer Gruppe hat sich damals anders entschieden und sich 2h vor Spielbeginn auf die Reise zum Pissoir gemacht. Er wurde den ganzen Abend nicht mehr gesehen.

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