Wunderschön@räubertochter
Aber auch an alle anderen ein grosses Lob, top Arbeit.
Habe erst heute gesehen, dass der Adventsblock Verlängerung gekriegt hat
Wunderbare Erinnerungen kommen beim lesen hoch.
7.12 Auswärtsspiel in Wil.
Wir waren zwar nicht mit dem Büssli unterwegs, wie es der Zufall so will hatten auch wir die wohl kultigste Heimreise dieser Zeit.
In Urdorf war nur ne Pinkelpause im Industriegebiet geplant, jedoch landete man auf einer grossen Geburtstagsparty von nem 50 oder 60 Jährigen Sack. Wir platzten einfach rein, sangen unsere Lieder und soffen deren Bier und mehr.
Zu unserer Überraschung kam das gar nicht so schlecht an und so blieben wir ungeladenen Gäste noch ca 2 Stunden. Fotos davon poste ich jetzt besser nicht
24.12 Torjubel
Schwierig schwierig.
Wenn ich dann einen raus picken müsste, wäre das wohl Paquitos 3:2 gegen den FCZ im Cuphalbfinal.
Ist mir aus mehreren Gründen immer noch sehr Präsent.
-zu diesem Zeitpunkt war bei mir irgendwie die Luft raus, übermüdet, vielleicht etwas viel

und ich befürchtete das schlimmste ... und dann sowas
-auf schesels Foto ist zu sehen wie ich schon hoch springe als alle anderen noch gebannt schauen (damals für mich
das Galileo big picture des Jahres und es machte diesen Moment für mich zu etwas besonderem
28.12 FCB
Nun zum Grund weshalb ich mich mal wieder mit mehr als drei Worten melde.
Meine Erinnerungen zu diesem Spiel dürften wohl aus einer anderen Sichtweise als die der meisten Leser hier sein. Nämlich von der anderen Seite des Zaunes (so, jetzt ist es raus, welch Schande).
Am besten fange ich da mit dem Heimspiel gegen Basel in der Aufabstiegsrunde 92/93 an.
Doch zuerst wird scheinbar noch weiter abgeschweifft....
Seit ich mich für Fussball interessiere, interessiere ich mich für Fans, Stimmung und Zuschauerzahlen. Schon in der Meistersaison ergab meine einfache Milchbüchli Rechnung, dass Luzern im Verhältnis zur Einwohnerzahl, mehr Zuschauer hat als Bayern München.
Luzern war für mich seit Anbeginn das Mass aller Dinge. Auch nicht sehr schwierig, away hab ich zu dieser Zeit noch nicht viel mehr als das Brügglifeld gesehen. An Aarauer welche Stimmung machten kann ich mich nicht erinnern. Das Stadion war in unserer Hand. Ich dachte das wäre überall so.
Vom Gegenteil musste ich mich erstmals so 90 oder 91 überzeugen lassen. Die alte Dame war zu Besuch in Luzern. Wie damals immer, war ich so früh wie möglich im Stadion an meinem Platz. Rundum füllte sich die Stehplatzgerade. Jedoch hörte ich nur noch italienisch. Die Stimmung zwischen den wenigen Luzernern und der Übermacht aus dem Süden wurde immer aggressiver. Mehr und mehr Luzerner verliessen die Gegentribüne und der Druck auf die verbleibenden wurde immer grösser. Als dann gerade neben mir ein Böller detonierte und mir meine Fahne versengte, verliess auch noch der Rest die Gerade Richtung Lumag Kurve.
Heute wäre so was wohl in zweierlei Hinsicht undenkbar; die heutige Szene würde wohl eher sterben als "freiwillig" ihre Kurve zu verlassen und zweitens würde man heute eher den umgekehrten Weg gehen.
Wie dem auch sei, am Schluss landeten wir in der Lumag Kurve. Das Spiel endete 1:1, die Stimmung unter den Luzernern war fröhlich, witzig, amüsant. Die Tifosi machten vor dem Spiel jede menge Stimmung, während dem Spiel jedoch blieben sie leider ruhig. Die 17 000 Zuschauer bestanden gefühlt aus 2000 Luzernern und 15000 "Italienern".
Ein erstes aha Erlebnis, dass es ausser Luzern auch noch etwas anderes gibt.
.....sorry, zurück zum FCB Spiel.....
An das Aufabstiegsrunden Spiel 92/93 gegen den FCB kann ich mich nicht mehr erinnern. Jedoch daran, dass es erstmals ernstzunehmende Konkurrenz auf den Rängen gab. Das war für mich Überraschend. Basel war für mich ein Nati B Verein.
Es ging wohl um die Vormachtstellung in der Schweiz was die Zuschauerzahlen anging. Jedoch meine ich zu wissen, ohne dies Statistisch belegen zu wollen, das Basel damals schon mehr Zuschauer hatte als Luzern. Auf jeden Fall hatte man in Luzern bis in die 2000er Jahre trotz stetig sinkender Zuschauerzahlen, das Gefühl die beste Stimmung auf den Rängen zu haben.
Prägend war jedoch was danach geschah.
Ich war mit der Clique (das nannte man damals so...) meiner beiden älteren Schwestern am Spiel. In dieser Clique hatte es damals z.T. auch eher rauere Gestalten dabei, welche zumindest im Ausgang in der Stadt Luzern schon einiges gesehen und erlebt haben.
Als unser Trupp ca 12 Leuts inkl Frauen und nem 12 Jährigen (ich) Richtung BHF zogen wurden von den Jungs allen vorbeifahrenden Autos mit BS/BL Kennzeichen aus Übermut und Unkenntnis aufs Dach gehauen. Viele andere Machtbesucher applaudierten und klatschten dazu. Das ging solange gut, bis 2 Wagen mitten auf der Strasse eine Vollbremse machten und etwa 8 Glatzköpfige Bomberjacken tragende "Fätzen" ausstiegen und auf alles loststürmten was dastand. Noch nie zuvor und danach habe ich eine Menschenansammlung so schnell in alle Himmelsrichtungen verschwinden gesehen.
Ja, es gibt weit mehr als Luzern...
1995 war ich an einer Interkantonalen Schule für hochbegabte, klar.
Ich war gut befreundet mit 2 Baslern. Das Anstehende Spiel sorgte für viele Diskussionen und man spürte wie heiss die Basler auf dieses Spiel waren. Auch hörte man Geschichten von Basler Seite. Von Tieren wie Hamstern, Fröschen und anderen...
Je mehr ich davon erfuhr desto stärker reifte in mir der Gedanke das ganze mal aus der nähe anzuschauen.
Zu viert machten wir uns an diesem Tag auf den Weg Richtung Gegentribüne. Jedoch aus der Horwerkurven Seite. Ohne Probleme ging es rein und man marschierte schnurstracks Richtung Zaun. Keine 10 Meter neben dem Trennzaun mit Robocops in der Mitte, wurde am Spielfeldrandzaun unten Platz gefunden. Dass dieser später zum Epizentrum des Ausbruchs wird, konnte man noch nicht, aber schon sehr bald erahnen. Alles war asozialer als wir es auf unserer Seite gewohnt waren. Es wurde mehr gekifft, lauter gelacht, derber Sprüche geklopft, wiedersehen mehr gefeiert, mehr besoffene, mehr Rocker, mehr Biker, mehr Glatzköpfe, mehr Fätzen, andere Kleidung. Ja, die andere Kleidung war es Schlussendlich. Habe ich anfangs noch gedacht die Bomberjacken Typen oder die Glatzen seien die Jungs fürs Grobe, waren es Schlussendlich die Jungs, die anders gekleidet waren. Casual würde man sowas heute wohl nennen. Sie waren an der Front beim Trennzaun und Prügelten sich mit den Bullen. Die Ausnahme spielte eines der oben erwähnten Tiere. Der Glatzköpfige Bomberjackenträger steckte aber übel Prügel ein. Ich vermute er hat sich beim versuch vom Überwinden einer Absperrung etwas verkeilt und sein Rücken war nun wehrloses Opfer für die Bullenknüppel.
Neben uns ein Bomberjacken Serbe, welcher ständig von Derbys von Roter Stern und Partizan faselte und das aktuelle geschehen hier Kindergeburtstag nannte... noch.
Es wurde zunehmend übler und die ganze Sache mit Böllern und Signalgeber Leucht und Knall Petarden (oder gnall bedarden) kam ins Rollen. Das ganze kam von verschiedenen Gruppierungen aus und war vollkommen unorganisiert. Die Basler Ultra und Hooligan orientierten Gruppen waren sich je länger das ganze dauerte überhaupt nicht einig und nachdem mehrfach gedroht wurde das Spiel abzubrechen, brodelte es auch unter den Baslern gewaltig. Ob wirklich auch deutsche Krawalltouristen anwesend waren kann ich nicht beurteilen. Nachdem jedoch wieder Fackeln aufs Spielfeld geworfen wurden kam der bereits mehrfach erwähnte berühmte Basler mit dem Tiernamen genau auf mich zu und fragte woher dieses kam. Da ich tatsächlich gesehen habe woher das geflogen kam zeigte ich nach oben zu einem Grüppchen und unter dem Gemurmel "die da obe wo nüd z befürchte hen" stürmten ca 6 Mann die Ränge hinauf. Auf einmal entzündete jemand neben mir einen Karton, kickte ihn weg und verschwand. Hässlich beissender Rauch breitete sich aus. Es brannte wie Tränengas und alle im Umkreis flohen. Der Serbe als erstes. Minuten langes Husten und beissende Augen waren die Folge. Ich glaube diesen Rauch sieht man auch auf dem Video oder ich hab ihn auf Fotos gesehen.
Es war eine ständige Bewegung in der Kurve, ein ständiges Geknall, ein ständiges Geschreie, ein kommen und gehen, ein fliehen und wieder zurückkommen.
So in etwa sind meine persönlichen Erinnerungen an diesen Abend. Auch nach dem Spiel war in den Bussen und am BHF einiges los.
Für mich als jugendlicher eine spannende Erfahrung, jedoch an Leichtsinn und Naivität nicht zu überbieten.
Aus heutiger Sicht und selber mit Jungs, welche schon bald dieses alter erreichen, würde so was nicht weiterempfehlen. Oder zumindest nicht aus dieser Nähe. Spätestens wenn man merkt, dass es losgeht sollte man das weite suchen. Wer sich in Gefahr begibt....
Ein paar Tage später stand dann schon das Cup Spiel an. Und plötzlich wollten viele LUs das Spiel auf der Basler Seite schauen. Am Eingang kontrollierte der Basler Szenekenner Oberbulle, standesgemäss mit Schnauz. Er kannte seine Pappenheimer und uns nicht." Die habe ich auch auf dem Video gesehen... Ausweiskontrolle, Luzerner, Arschlöcher, haut ab". Kein Einlass in den Basler Sektor.
Wir begaben uns auf die Luzerner Seite der Horwerkurve. Nach 15min hatten die LU Bullen wohl Mitleid mit uns, machten den Zaun kurz auf für uns und ab ging es wieder in den BS Sektor.
Einige Basler mussten wohl für den Moment etwas untertauchen. So blieb es einiges ruhiger als am Spiel zuvor.
Das einzige an was ich mich bei diesem Spiel erinnern kann war die stumme unterdrückte Freude bei den Toren unserer Jungs. Damals schwor ich mir hoch und heilig:
"Ich werde nie mehr ein Spiel in einer fremden Kurve schauen!!!"
Es guets nöis.
Und ja, ich habe eine Rechtschreib- und Satzstellung Schwäche. Es ist nicht nötig mich auf alle möglichen und unmöglichen VEler hinzuweisen
