FC Sion mit dem Zug ans Auswärtsspiel
von Herbie Egli
Der Walliser Super Ligist sorgt weiter für Schlagzeilen. Da einige Spieler gesundheitlich nicht gut auf die vielen Kurven im Mannschaftscar reagieren, beschloss CC kurzerhand, mit dem gesamten Kader den Zug zu nehmen, um nach Bellinzona zu reisen.
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Christian Constantin. Eine Woche voller Überraschungen. (Bild: Keystone)
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Constantin ist neuer Trainer des FC Sion
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Die Reise beinhaltet dreimal Umsteigen inklusive. Doch als der Zug um 13h38 in Martigny losfuhr, hatte ein Spieler seine Ausweise vergessen, weil die Reise via dem italienischen Domodossola geplant war. Dabei wurde ausdrücklich darauf hingewiesen und es zusätzlich auf dem Trainingsplan schriftlich festgehalten. Glücklicherweise fiel dies nicht auf, weil die Zöllner keine Pässe sehen wollten. Zumindest hier blieb CC und seiner Reisegruppe ein unliebsame Überraschung erspart.
Überraschungen gab es beim und vom FC Sion in dieser Woche aber schon genug. Eine Chronologie der Ereignisse.
Montag
CC möchte bei der Aufstellung und den wöchentlichen Abläufen mitreden; sie selbst als Marschroute vorgeben - und Uli Stielike marschiert ... daraufhin aus dem Präsidentenbüro schnurstracks in die Anwaltskanzlei. CC zaubert eine Übergangslösung aus dem Hut und stellt eine ganze Trainerarmada zu einem neuen Funktionsteam zusammen: Doch José Sinval, Jean-Claude Richard, Christian Zermatten und Frédéric Chassot haben allesamt nicht die notwendige Trainerlizenz. Brisant: CC wusste dies im Falle von «Boubou» Richard gar nicht, denn dieser war bereits dreimal hauptverantwortlicher Trainer des FC Sion in der Nationalliga A. Nicht, dass er eine Diskussion mit dem SFV nicht erwartet hätte, doch plötzlich fehlt die Lizenz nicht nur ihm selbst, sondern vor allem auch seinem Platzhalter. Eine Lösung hat Constantin jedenfalls nicht parat und er wurde völlig auf dem falschen Fuss erwischt.
Dienstag
Am letzten Tag der Einspruchsfrist gab es doch noch einen Rekurs der Glaubensgemeinschaft St.Pius X. gegen die Stadionpläne, weil der Kanton der Umzonung des vorgesehenen Baugeländes zugestimmt hatte, aber nicht auf die Argumente der «Econe» eingegangen ist. Ein Rekurs, der wohl abgewiesen werden wird, doch bringt er erneut unliebsame Verzögerungen mit sich. Seine Architekten jedenfalls sind wieder blockiert und können das Projekt nur bedingt voranbringen.
Mittwoch
Der Verein schliesst die treue Oberwalliser Fangruppe «Freaks» von der Liste der offiziellen Fanclubs aus. Diese hatten mit einer kleine Pyroshow ihren Unmut über die unmögliche Kommunikationspolitik und die nicht vorhandene Fanarbeit des Vereins protestiert. Anstatt die Probleme gemeinsam zu lösen, wie es früher noch immer der Fall war, verbot Generaldirektor Massimo, Hauptschuldiger an dieser unprofessionellen Vereinsarbeit, kurzerhand den Fanclub und drohte damit, dass bei weiteren Zuwiderhandlungen sofort sämtliche Mitglieder des Fanclubs mit einen dreijährigen Stadionverbot belegt werden würden. Besonders im Oberwallis sorgte dies für grossen Unmut und provozierte eine Reaktion nicht nur der «Freaks».
Donnerstag
Eine der zwei aktivsten Fangruppen, die «Redside» solidarisierten sich mit den «Freaks» und treten ab sofort in einen bis zur Winterpause befristeten Streik. CC sei der Schuldige und dies wollen sie mit entsprechenden Spruchbändern auch zum Ausdruck bringen. Doch von alle dem wusste CC nichts, bis er über die Massnahmen der Fans informiert wurde. Entsprechend wütend war er über die Massnahme seines Geschäftsführers vom Vortag. «Sowas zum jetzigen Zeitpunkt. Hättest Du das nicht besser lösen können?», waren noch die harmlosesten Worte des Chefs an Generaldirektor Massimo.
20min.ch
Von Simon Kalbermatten | 00:13 | 08.11.2008
Sion-Präsident Christian Constantin will Erfolg. Deshalb unterhält er eine ebenso teure wie erfolglose Multikulti-Truppe. Dabei läge das Gute doch so nah.
Totenstimmung in Sions Kabine. Clausen, Geiger, Fournier und Co. lassen die Köpfe hängen. Sion liegt im Cupfinal gegen YB mit zwei Toren im Rückstand. Da ergreift Captain Brigger das Wort. Im Fernsehen erklärt er nach dem Spiel: «Ich habe den Jungs gesagt, sie sollen endlich den Finger aus dem A…* nehmen.» Briggers Ansprache wirkt. Sion gewinnt 3:2. Damals, im Mai 1991, war der FC Sion ein Walliser Klub.
Auch 1992. Sion wird unter Präsident André Luisier (1998†) zum ersten Mal Schweizer Meister. In der Startelf von Trainer Enzo Trossero (Arg) standen damals mit Geiger, Sautier, Quentin, Fournier, Piffaretti und Brigger sechs waschechte Walliser. Und Nestor Clausen, ein knallharter Gaucho-Verteidiger mit Oberwalliser Wurzeln. Allesamt Spieler, die Gras frassen. Spieler ohne Geldgier, stolz, das rot-weisse Leibchen zu tragen. Echte Walliser Sieger-Mentalität.
Das Stade de Tourbillon war ein Hexenkessel. Die ganze Liga fürchtete den Trip nach Sion.
Heute ist es kalt im Tourbillon. Der FC Sion vereint Ober-, Mittel-und Unterwallis längst nicht mehr. Viele Söldner lassen den Walliser Kampfgeist vermissen.
CC kauft Amateur-Kicker aus allen Herren Ländern, um mit ihnen Kohle zu machen. Dass diese Strategie nicht aufgeht, hat er nicht gemerkt. Heute ist der FC Sion eine Multikulti-Truppe. Präsident Christian Constantin hat die Walliser Seele verkauft.
Wie soll sich der Ägypter Essam El Hadary mit dem Wallis identifizieren, wenn ihm sein Präsident ständig den Traum-Transfer in die Premier League schmackhaft macht?
Will sich ein Latino wie Alvaro Saborio, der Woche für Woche, Training für Training nur für sich schaut, überhaupt mit Rot-Weiss anfreunden?
Warum sollen die lokalpatriotischen Walliser einen Afrikaner wie Serey Die mögen, wenn er Fussball mit Kick-Boxen verwechselt?
Und hat einer im Chaos-Klub dennoch Erfolg, feuert ihn der Allmächtige CC, wie etwa Nestor Clausen im Oktober 2006. Clausen war einer der Gras-Fresser, die 1992 Meister wurden. Er ist Bürger der Oberwalliser Gemeinde Ernen. «Eine vo isch», wie man im Wallis sagt.
Der Sion-Patron will Geld verdienen, sieht Fussball als Big Business. Was CC übersieht: Der Erfolg führt über die Einheimischen. Die Gras-Fresser.
Solche gibts laut CC nicht. Falsch!
Stocker (FCB) Grichting (Auxerre), Lonfat (Sochaux), Wicky (L. A. Galaxy), Quennoz (Xamax) und Leoni (FCZ) sind allesamt Walliser. Aber aus verschiedenen Gründen nicht (mehr) beim FC Sion.
«Qui cherche, trouvera» – wer sucht, der findet, Monsieur Constantin!
Das ist der Unterschied zum grossen Präsidenten André Luisier. In seiner Zeit schossen Walliser den FC Sion zu Titeln. Wie im Cupfinal 1991, als Rey und Orlando den Cupfinal nach Briggers drastischen Worten drehten. Auch sie waren Walliser Urgesteine.
* Ausdruck der Redaktion bekannt
blick.ch

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