Re: FC Sion 2011/2012
Verfasst: 4. Sep 2011, 12:03
Lebenslängliche Sperre für Constantin?
von Klaus Zaugg - Wenn der «Fall Sion eskaliert», riskiert die Schweiz den Ausschluss aus den Fifa-Wettbewerben. Kenner Guido Tognoni warnt davor, die politische Sprengkraft in diesem Theater zu unterschätzen.
Der Fussball wird zentralistisch von oben nach unten geführt: Die Fifa setzt bei allen Mitgliederländern die gleichen Spiel- und Transferregeln durch. Und der Fussball-Weltverband schreckte in der Vergangenheit nicht vor Sanktionen gegen Länder zurück, die sich nicht den Reglementen fügen. Der Europäische Verband (Uefa) betreibt die gleiche Politik. Der Fussball verdankt seine weltweite Popularität zu einem schönen Teil dieser zentralistischen Führung.
Eine solche Führung ist nur dann machbar, wenn es möglich ist, jene Länder zu bestrafen, die sich nicht an die Vorgaben halten. Das ist für die Fifa und die Uefa sehr einfach: Als letzte Möglichkeit kann eine Nationalmannschaft aus den sportlichen Wettbewerben (WM bzw. EM) ausgeschlossen werden. Zudem kann die Uefa die Klubs aus den lukrativen europäischen Wettbewerben werfen. Alleine wegen dieser Androhung sputen sich die Verbände und Ligen in aller Welt bei der Umsetzung der Vorgaben aus der Fifa- und Uefa-Zentrale.
Nicht «Fall Sion», sondern «Fall Schweiz»
Die Fifa hat bis heute unter anderem Polen, Nigeria, Italien, Spanien, Bosnien, Peru, Portugal, Griechenland und der Ukraine und dem Sudan aus verschiedensten Gründen den Ausschluss aus den sportlichen Wettbewerben angedroht – und in jedem Fall konnten die Probleme geregelt werden, bevor der Ausschluss in die Tat umgesetzt werden musste.
Die Fifa und die Uefa haben ihren Hauptsitz in der Schweiz und sind dadurch dem Zugriff der helvetischen Justiz ausgesetzt. Fifa und Uefa fürchten zivile Gerichte wie der Teufel das geweihte Wasser. Wenn Sion-Präsident Christian Constantin den von der Uefa verfügten Ausschluss aus den europäischen Klubwettbewerben bzw. die Transfersperre der Fifa durch alle Instanzen der ordentlichen Gerichte zieht, dann wird es sehr bald zum Bruch mit der Uefa und der Fifa kommen. Auch wenn es juristische Trennungen zwischen dem Fussball-Verband und der Liga gibt – der Verband ist gegenüber Fifa und Uefa für das Gebaren der Klubs haftbar. Und dann ist es nicht mehr ein «Fall Sion». Sondern ein «Fall Schweiz».
Ausschluss-Androhung ist wahrscheinlich
Der Jurist Guido Tognoni, der jahrelang als Kommunikationschef zum innersten Machtzirkel der FIFA gehörte und weltweit zu den besten Kennern des Weltfussballverbandes zählt, hält Fifa-Sanktionen gegenüber der Schweiz für wahrscheinlich und sagt gegenüber 20 Minuten Online: «Wenn die Fifa konsequent ist, wird sie der Schweiz den Ausschluss aus den sportlichen Wettbewerben androhen.»
Der Bündner verweist dabei auf eine Ironie der Geschichte: Der Walliser Sepp Blatter beherrsche die ganze Fussballwelt. Nur einen Walliser – Christian Constantin – könne er nicht zur Räson bringen. Tognoni sagt, im «Fall Sion» stecke «juristisches Dynamit» und warnt eindringlich davor, diese juristischen Probleme zu unterschätzen.
Legt sich Constantin mit Blatter an?
Eine weitere mögliche FIFA-Massnahme wäre eine lebenslange Sperre für Christian Constantin für alle Fussball-Ämter. Dieser lebenslange Ausschluss aus der Fussballgemeinde ähnelt der Exkommunikation aus der Kirche, die für schwere Sünde oder Ketzerei ausgesprochen wird und etwa Martin Luther getroffen hat. Prominentester Fussball-Ketzer ist zurzeit Mohamed bin Hammam. Der Katari ist von der Fifa lebenslänglich von allen Fussballämtern suspendiert worden. Offiziell wegen Korruption, in Tat und Wahrheit wohl eher, weil er es gewagt hatte, bei der Fifa-Präsidentenwahl gegen Fussball-Papst Sepp Blatter anzutreten.
Womit wir beim Kern der Sache sind: Wie Mohamed bin Hammam lässt es Constantin auf einen Machtkampf mit Sepp Blatter ankommen. Unserem Ligapräsidenten Thomas Grimm und unserem Verbandsobmann Peter Gilliéron kann das streitbare Sion-Rumpelstilzchen auf der Nase herumtanzen. Doch Blatter ist wahrscheinlich eine Nummer zu gross. Bisher kämpfte Constantin gegen die ganze Fussball-Schweiz – bald wird er heroisch im wahrsten Sinne des Wortes gegen die ganze Fussballwelt kämpfen.
von Klaus Zaugg - Wenn der «Fall Sion eskaliert», riskiert die Schweiz den Ausschluss aus den Fifa-Wettbewerben. Kenner Guido Tognoni warnt davor, die politische Sprengkraft in diesem Theater zu unterschätzen.
Der Fussball wird zentralistisch von oben nach unten geführt: Die Fifa setzt bei allen Mitgliederländern die gleichen Spiel- und Transferregeln durch. Und der Fussball-Weltverband schreckte in der Vergangenheit nicht vor Sanktionen gegen Länder zurück, die sich nicht den Reglementen fügen. Der Europäische Verband (Uefa) betreibt die gleiche Politik. Der Fussball verdankt seine weltweite Popularität zu einem schönen Teil dieser zentralistischen Führung.
Eine solche Führung ist nur dann machbar, wenn es möglich ist, jene Länder zu bestrafen, die sich nicht an die Vorgaben halten. Das ist für die Fifa und die Uefa sehr einfach: Als letzte Möglichkeit kann eine Nationalmannschaft aus den sportlichen Wettbewerben (WM bzw. EM) ausgeschlossen werden. Zudem kann die Uefa die Klubs aus den lukrativen europäischen Wettbewerben werfen. Alleine wegen dieser Androhung sputen sich die Verbände und Ligen in aller Welt bei der Umsetzung der Vorgaben aus der Fifa- und Uefa-Zentrale.
Nicht «Fall Sion», sondern «Fall Schweiz»
Die Fifa hat bis heute unter anderem Polen, Nigeria, Italien, Spanien, Bosnien, Peru, Portugal, Griechenland und der Ukraine und dem Sudan aus verschiedensten Gründen den Ausschluss aus den sportlichen Wettbewerben angedroht – und in jedem Fall konnten die Probleme geregelt werden, bevor der Ausschluss in die Tat umgesetzt werden musste.
Die Fifa und die Uefa haben ihren Hauptsitz in der Schweiz und sind dadurch dem Zugriff der helvetischen Justiz ausgesetzt. Fifa und Uefa fürchten zivile Gerichte wie der Teufel das geweihte Wasser. Wenn Sion-Präsident Christian Constantin den von der Uefa verfügten Ausschluss aus den europäischen Klubwettbewerben bzw. die Transfersperre der Fifa durch alle Instanzen der ordentlichen Gerichte zieht, dann wird es sehr bald zum Bruch mit der Uefa und der Fifa kommen. Auch wenn es juristische Trennungen zwischen dem Fussball-Verband und der Liga gibt – der Verband ist gegenüber Fifa und Uefa für das Gebaren der Klubs haftbar. Und dann ist es nicht mehr ein «Fall Sion». Sondern ein «Fall Schweiz».
Ausschluss-Androhung ist wahrscheinlich
Der Jurist Guido Tognoni, der jahrelang als Kommunikationschef zum innersten Machtzirkel der FIFA gehörte und weltweit zu den besten Kennern des Weltfussballverbandes zählt, hält Fifa-Sanktionen gegenüber der Schweiz für wahrscheinlich und sagt gegenüber 20 Minuten Online: «Wenn die Fifa konsequent ist, wird sie der Schweiz den Ausschluss aus den sportlichen Wettbewerben androhen.»
Der Bündner verweist dabei auf eine Ironie der Geschichte: Der Walliser Sepp Blatter beherrsche die ganze Fussballwelt. Nur einen Walliser – Christian Constantin – könne er nicht zur Räson bringen. Tognoni sagt, im «Fall Sion» stecke «juristisches Dynamit» und warnt eindringlich davor, diese juristischen Probleme zu unterschätzen.
Legt sich Constantin mit Blatter an?
Eine weitere mögliche FIFA-Massnahme wäre eine lebenslange Sperre für Christian Constantin für alle Fussball-Ämter. Dieser lebenslange Ausschluss aus der Fussballgemeinde ähnelt der Exkommunikation aus der Kirche, die für schwere Sünde oder Ketzerei ausgesprochen wird und etwa Martin Luther getroffen hat. Prominentester Fussball-Ketzer ist zurzeit Mohamed bin Hammam. Der Katari ist von der Fifa lebenslänglich von allen Fussballämtern suspendiert worden. Offiziell wegen Korruption, in Tat und Wahrheit wohl eher, weil er es gewagt hatte, bei der Fifa-Präsidentenwahl gegen Fussball-Papst Sepp Blatter anzutreten.
Womit wir beim Kern der Sache sind: Wie Mohamed bin Hammam lässt es Constantin auf einen Machtkampf mit Sepp Blatter ankommen. Unserem Ligapräsidenten Thomas Grimm und unserem Verbandsobmann Peter Gilliéron kann das streitbare Sion-Rumpelstilzchen auf der Nase herumtanzen. Doch Blatter ist wahrscheinlich eine Nummer zu gross. Bisher kämpfte Constantin gegen die ganze Fussball-Schweiz – bald wird er heroisch im wahrsten Sinne des Wortes gegen die ganze Fussballwelt kämpfen.
