NLZ: Luzerner Chaoten gefährden Ballbuben
Fussball
Beim Spiel vom Samstag in Thun zündeten Luzerner Anhänger haufenweise Pyromaterial. Die Berner Polizei ermittelt - für den FC Luzern wirds wohl teuer.
«Wir sind haarscharf an einer Katastrophe vorbeigeschlittert.»
Stefan Bucher, Mediensprecher FC Luzern
Christian Bertschi
christian.bertschi@luzernerzeitung.ch
Die Bilder schrecken ab. Auf Youtube kursiert ein Film, aufgenommen am Samstag beim Super-League-Spiel zwischen Thun und Luzern. Im Luzerner Fansektor wird haufenweise Pyromaterial entzündet. Auf einmal springt eine Person eine Treppe hinunter, stösst einen der Fackelträger um, worauf dieser unkontrolliert und kopfvoran die Tribüne hinunterfliegt und mit ihm das brandheisse Material. Das Video ist gestern Nachmittag gesperrt worden, Kopien davon sind aber beispielsweise auf dem Onlineportal von «Blick» aufgeschaltet. Das Zentralschweizer Fernsehen Tele 1 hat in seiner Nachrichtensendung vom Sonntagabend Bilder von diesem Film in einen Beitrag eingearbeitet (siehe Bonus).
FCL sucht Dialog mit Fans
«Wir sind haarscharf an einer Katastrophe vorbeigeschlittert», sagt Stefan Bucher, Mediensprecher des FC Luzern. Er kann kaum begreifen, was da vorgefallen ist. Zumal sich die FCL-Fans bei den Heimspielen in der Swissporarena vorbildlich verhalten und mit Choreografien statt mit verbotenem Sprengstoffmaterial auf sich aufmerksam machen würden. «Wir suchen noch in dieser Woche das Gespräch mit den Fanclubs. Wir wollen eine Erklärung für die Vorfälle in Thun finden und dazu auch die Fans anhören», sagt Bucher. Mehr wollten er und FCL-Sicherheitschef Mike Hauser nach der Verwaltungsratssitzung des FC Luzern nicht preisgeben, ausser: «Es hätte Verletzte geben können, zumal der Feuerregen in Richtung Ballbuben ging. Ich glaube aber nicht, dass mutwillig eine Gefährdung der Ballbuben in Kauf genommen wurde.»
Genügten die Kontrollen?
Wie eine Nachfrage beim FC Thun ergab, hat sich denn auch keiner der Ballbuben verletzt. «Es ist zwar ein Bierbecher geflogen, aber die Buben hatten vor allem Angst vor dem Feuerregen», sagt Reto Blösch vom FC Thun. Am Samstag wurde im neuen Thuner Fussballstadion nicht zum ersten Mal Pyromaterial abgefeuert, «allerdings war es noch nie so viel Material, und wir hatten zuvor deswegen auch noch nie einen verspäteten Spielbeginn», so Blösch. Der Schiedsrichter musste die Pause um fast fünf Minuten verlängern, bis sich die Rauchwolken der abgefeuerten Pyros verzogen. Laut Blösch seien die Fans im Gästeblock wie bei anderen Spielen auch kontrolliert worden. Offenbar zu wenig genau, wie sich ein Thuner Familienvater im Fanforum des FC Thun ärgert: «Das FC-Thun-Fähnli meines 9-jährigen Sohns wird auf der Gegentribüne auf Pyro oder Ähnliches kontrolliert. Aber was geschieht eigentlich im Gästesektor hinter dem Tor?»
Polizei: Vorfall der gröberen Art
Eine Frage, für die sich nun die Berner Kantonspolizei interessiert. Sie hat Ermittlungen aufgenommen, wie die Medienstelle bestätigt. Bei der Berner Polizei spricht man aufgrund der Anzahl der abgefeuerten Pyros von einem Vorfall der gröberen Art. Die Verursacher würden verzeigt wegen Verstosses gegen das Sprengstoffgesetz, allenfalls auch wegen Verstosses gegen die Hausordnung und die Gefährdung von Leben. Wie hoch das Strafmass für erwischte Täter sei, könne man bei der Polizei nicht sagen, dies sei Sache der Justiz.
Verband wird FCL büssen
Doch nicht nur den «Brandstiftern» droht Ungemach, auch dem FC Luzern. Er muss mit einer saftigen Geldbusse seitens des Fussballverbandes rechnen. Bei der Swiss Football League (SFL) wartet man zwar noch auf den Bericht des Schiedsrichters. Roger Müller, Mediensprecher der SFL, sagt aber: «Es ist möglich, dass gegen den FC Luzern Sanktionen verhängt werden.» Wie lange es bis zu einem Entscheid dauere, hänge unter anderem davon ab, wie schwerwiegend der Disziplinarrichter die Vorfälle beurteile. Die Reglemente sind laut Müller klar. «Jeder Club kann für das Verhalten seiner Fans zur Verantwortung gezogen werden, selbst wenn sich der Verein organisationsmässig nichts zu Schulden kommen liess.» Stefan Bucher vom FC Luzern rechnet mit einer Busse um die 10 000 Franken.
In den letzten Jahren sei die Anzahl Vorfälle mit Petarden und Pyromaterial stabil geblieben. Allerdings würden die Medien das Thema vermehrt in den Fokus rücken, insbesondere nach den Vorfällen beim abgebrochenen Zürcher Derby oder beim Euro-League-Spiel des FC Zürich in Rom. Roger Müller sagt: «Für die Swiss Football League ist klar: Pyros sind verboten und haben weder innerhalb noch ausserhalb der Stadien etwas verloren. Wir versuchen, solche Aktionen zu verhindern oder einzudämmen. Im Vollzug sind wir aber noch nicht da, wo wir sein sollten.» Es brauche noch einige Diskussionen mit Clubs und Polizei, wie man das Problem miteinander angehen könne.
--> Diejenigen die Pyros so verherrlichen, sollen dann aber auch gleich die Bussen zahlen... Klar sieht es schön aus aber ist ist nun mal verboten und kann gefährlich werden. Bin gespannt wie sich die Situation in der Schweiz in nächster Zeit entwickelt...