Re: Mario Frick
Verfasst: 1. Apr 2026, 07:56
Ich bin auch sehr gespannt wohin es Mario zieht, vielleicht den belgischen Weg wie Jashari… wäre eine spannende Liga um mit Talenten zu arbeiten.
Neue Luzerner Zeitung, Raphael Gutzwiller, 1. April 2026 hat geschrieben: «Der Abgang war für mich bereits klar»
Mario Frick spricht erstmals über seinen Abschied beim FC Luzern. Sein Ziel liegt im Ausland – eine Hintertür in der Schweiz bleibt offen.
Wenn Mario Frick spricht, hören alle genau hin. An diesem Dienstagmittag äussert sich der 51-jährige Liechtensteiner erstmals öffentlich zu seinem Abschied beim FC Luzern. Rund ein Dutzend Medienschaffende verfolgt seine Worte aufmerksam. Nach viereinhalb Jahren verlässt er den Klub im Sommer.
Am Freitag wurde bekannt, dass Sie im Sommer den FC Luzern verlassen. Was ist seither in Ihnen vorgegangen?
Mario Frick: Ich fühlte mich in meinem Entscheid bestärkt. Er ist schon länger in mir gereift. Ich habe hier in Luzern viele Höhen und Tiefen erlebt und habe mittlerweile ein blau-weisses Herz. Die Zusammenarbeit hat es nicht verdient, dass es irgendwann mal zu einer Entlassung kommt. Jetzt ist es ein schönes Ende.
Letzte Woche haben Sie sich mit Sportchef Remo Meyer zum Gespräch getroffen. Mit welcher Absicht?
Ich ging mit der klaren Absicht ins Gespräch, Remo mitzuteilen, dass es zu Ende geht. Dennoch war es ein gemeinsamer Entscheid, weil der FCL die gleiche Meinung vertrat. Auch dem FCL kann es gut tun, frische Impulse zu erhalten.
Sie waren viereinhalb Jahre in Luzern – und doch hatte man das Gefühl, Ihre Arbeit ist noch nicht ganz zu Ende.
Es gab Momente in dieser Saison, in denen ich mir vorstellen konnte, der Christian Streich von Luzern zu werden. Aber mit all dem, was in diesem Jahr zusammengekommen ist, sagte mir mein Bauchgefühl: Jetzt ist der Moment für den nächsten Schritt gekommen.
Besonders bitter war in dieser Saison das Aus im Cup-Viertelfinal gegen Stade Lausanne-Ouchy. Ist an jenem Abend etwas zwischen Ihnen und dem FCL kaputtgegangen?
Dieses Spiel hatte einen Einfluss. Ich habe mich am nächsten Tag vor die Mannschaft gestellt und gefragt: ‹Wenn mich meine Enkelin in zehn Jahren fragt, warum wir damals mit Luzern keinen Titel gewonnen haben: Was antworte ich ihr?› Danach war es kurz still im Raum, ehe unser Captain Pius Dorn das Wort ergriffen hat. Fünf, sechs Minuten. Ein unglaublich eindrücklicher Monolog. Dann hat auch mein Co-Trainer Claudio Lustenberger gesprochen. Danach haben wir wieder zu einer positiven Serie gefunden.
Sie waren über das Wochenende in Barcelona. Ging es dabei schon um Ihre Zukunft?
Nein, ich wollte Energie tanken für die letzten sieben Saisonspiele, weil wir unseren Fans gegenüber verpflichtet sind, unsere gute Serie weiterzuführen.
Wo sehen Sie Ihre Zukunft?
Mein grosses Ziel war immer das Ausland. Ich kann es aber schon vorwegnehmen: Es gibt aktuell noch keine konkreten Gespräche.
Sie haben immer vehement ausgeschlossen, dass Sie innerhalb der Schweiz wechseln. Können Sie das weiterhin?
Ich würde das nicht mehr ganz ausschliessen, aber das wäre für mich eine absolute Notfalllösung. Bevor ich aufs RAV gehen müsste, würde ich mir ein Projekt aber anhören, bei einem Klub, der zu mir passt. Klar ist aber: Der Klub wird nicht grün-weiss sein.
Sie sagten immer offen, dass Sie von der Bundesliga träumen. Ist Deutschland weiterhin das Ziel?
Ja, das ist Plan A.
Und Italien?
Das ist Plan B.
Nationaltrainer Murat Yakin sagte mal, dass er einen Transfer nach Saudi-Arabien nicht ausschliessen würde.
So etwas kann ich auf jeden Fall ausschliessen: Saudi-Arabien oder Russland kommt für mich nicht infrage.
Was muss passen, damit Sie eine neue Herausforderung annehmen?
Das Projekt muss ambitioniert sein. Wenn es eine zweite Liga wäre, müsste es um den Aufstieg gehen. Es müsste ein guter Unterbau da sein mit Jungen, die man einbauen könnte. Aber für mich ist das Wichtigste, dass der Klub ambitioniert ist.
Wie rasch wollen Sie Klarheit, was Ihre Zukunft angeht?
Ich habe noch einen Vertrag bis zum 30. Juni, also null Zeitdruck. Ich hoffe, dass bis Anfang oder Mitte Juni etwas geht. Viele Klubs wissen noch nicht, wie es im Sommer weitergeht. Klar ist für mich aber, dass ich gleich weiterarbeiten will.
Am Freitag haben Sie den Entscheid auch Ihrer Mannschaft mitgeteilt. Wie hat sie reagiert?
Es ist wie immer: Es gibt Spieler, die traurig sind, und solche, die sich über den Trainerwechsel freuen. Für sie ist es auch eine neue Chance. Das ist aber ganz normal.
Wenn man einen Arbeitsplatz verlässt, verliert man etwas. Was verlieren Sie jetzt?
Diese Gruppe, dieser Staff – das ist wie eine Familie. Jeden Tag in dieses Büro zu laufen, war oft eine Freude, weil wir absolut Freunde waren. Sie werden mir fehlen, wie auch die Fans und Menschen in der Region, die so herzlich sind.
Mit Ihnen verlässt auch Assistenztrainer Roman Matter den FCL. War das sofort klar?
Bei Roman ist der Entscheid vor mir gefallen. Roman wäre auch weg, wenn ich geblieben wäre. Aber er möchte weiterhin mit mir arbeiten – an einem anderen Ort.
In den letzten haben Sie sehr viele junge Spieler gefördert. Ist Ihnen das besonders wichtig?
Wir konnten viele Junge an die Super League heranführen und jetzt sehen, wie sie auf diesem Niveau performen. Das ist schon sehr schön. Es ist unglaublich, welche Spieler durch unsere Hände gegangen sind. Aleksandar Stankovic hat mir am Wochenende geschrieben und meinte, dass ich einen wichtigen Teil in seiner Karriere einnehme. Dass ich hier in Luzern mit solchen Jungs zusammenarbeiten durfte, war schon sehr speziell.
Hat sich auch Ardon Jashari gemeldet?
Nein, jetzt nicht. Er ist bei der Nationalmannschaft und hat wohl gerade anderes im Kopf. Aber wir haben ein sehr enges Verhältnis. Ich habe noch nie einen so jungen Spieler gesehen mit einer solchen Persönlichkeit. Er ist wie ein 30-Jähriger, so dermassen von sich überzeugt.
Ist es für Sie auch beim neuen Arbeitgeber wichtig, dass Sie wieder mit vielen jungen Spielern arbeiten können?
Eine Mischung wäre mein Wunsch. Ich entwickle gerne junge Spieler, aber es braucht auch routinierte Spieler, die den Jungen Rückhalt geben. Das war bei uns ein bisschen zu wenig.
Sie haben sehr gut zum FCL gepasst. Muss der Nachfolger ähnlich sein wie Sie?
Das ist Vereinspolitik. Das ist die Aufgabe des Verwaltungsrats und von Remo Meyer. Ich kann dazu nichts sagen.
Dennoch loben Sie das vertrauensvolle Verhältnis. Deshalb würde es nicht überraschen, wenn er Sie um Rat fragen würde.
Nicht für einen Nachfolger, aber für Spieler. Erst kürzlich haben wir über die Zukunft von einigen Spielern geredet, ich habe da gerne meine Meinung zu Wackelkandidaten, zu gestandenen Akteuren gesagt – oder auch dazu, was es braucht, dass eben ein Titel mal möglich wäre.
Was braucht es dafür?
Vielleicht einen neuen Impuls. Vielleicht liegt es auch an mir. Ich glaube aber schon auch, dass der Schlüssel auch darin liegt, dass das Team noch mehr Persönlichkeit erhalten soll.
Sie sind selbst in der Krise sehr ruhig geblieben, haben immer souverän Rede und Antwort gestanden. Sind Sie auch stolz auf sich, dass Sie diese Situationen so gut gemeistert haben?
Für mich ist dieses Jahr das wichtigste meiner Trainerkarriere. Ich habe so eine Situation noch nie erlebt – mit diesem Druck und mit diesen vielen Unwahrheiten. Wenn ich gelesen habe, ich erreiche die Mannschaft nicht mehr – das war so weit weg von der Realität. Aber wir haben es geschafft. Nicht nur ich, sondern auch mein Staff und die Spieler. Das macht mich stolz.
Sie haben die verpassten Titel angesprochen. Bleibt das der grösste Makel Ihrer Zeit beim FCL?
Als ich vor viereinhalb Jahren im Dezember als FCL-Trainer vorgestellt wurde, habe ich gesagt, dass die Chance grösser als die Gefahr ist. Mein Ziel war es immer, aus dem FCL einen Spitzenklub zu machen und Titel zu gewinnen. Es nervt mich schon, dass das nicht gelungen ist, weil die Chance sehr gross war in dieser Saison mit dem Cup. Deshalb möchte ich eine Rückkehr nicht ausschliessen. Es ist mein Wunsch, dass ich irgendwann zum FC Luzern zurückkomme und wir dann einen Titel holen können.
Ihr letztes Spiel als FCL-Trainer haben Sie am 16. Mai auswärts beim FC Winterthur. Wie schade ist es, dass es kein Heimspiel ist?
Sehr schade! Doch auch mein letztes Spiel mit Vaduz war in Winterthur. Wir haben gewonnen. Ich hoffe, dass wir das mit dem FCL wiederholen können und einen tollen Abschluss haben.
Neue Luzerner Zeitung, Raphael Gutzwiller, 1. April 2026 hat geschrieben: Der Klub wird nicht grün-weiss sein
Saudi-Arabien oder Russland kommt für mich nicht infrage.
Sehe es etwas anders. Die Trennung jetzt passt für beide Parteien perfekt und es geht im "Guten" auseinander. Sowohl Mario Frick als auch der FC Luzern können sich neu orientieren, was nach einer Zeit von fast fünf Jahren kaum schaden kann. Man muss nicht immer am alten festhalten, auch wenn es noch so schön war, neue Inputs bringen immer auch wieder eine Weiterentwicklung.lucerne hat geschrieben: ↑1. Apr 2026, 17:47 Gerade wenn man diese sehr gut überlegten Aussagen von Mario liest, ist es für mich noch unverständlicher, warum man nicht bereits im vergangenen Herbst bzw. spätestens anfangs Jahr den Vertrag verlängerte. Entgegen anderer Meinungen hier im Forum heute, klingt es für mich sehr wohl danach, dass "der FCL" nicht verlängern wollte im Herbst. Und dass jetzt, wo der FCL wohl doch noch wollte, es für Mario nicht mehr stimmte.
Für mich absolut unverständlich, dass man sich hier nicht gefunden hat, wo doch eig. alles stimmt...