«Es ist ein ‹Lehrblätz› für Nico»
FUSSBALLDer Rückrunden-Start des FC Luzern hat zu reden gegeben. Präsident Walter Stierli verteidigt die zuletzt sehr defensive Spielweise, und er erklärt die Busse für Nico Siegrist.
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Walter Stierli, sind Sie mit den sportlichen Leistungen des FCL zufrieden?
Walter Stierli: Der Verwaltungsrat ist sehr zufrieden mit der Mannschaft. Zu Saisonbeginn haben wir gesagt, unser Ziel ist es, einen Platz für die Europa League zu erreichen und dass wir im Cup Ambitionen haben. Ich denke, dass wir europäisch gut auf Kurs sind, und im Cup-Viertelfinal ist GC eine Hürde, die zu nehmen ist.
Der Abwärtstrend mit zuletzt bloss 9 Punkten aus 10 Spielen ist aber klar.
Stierli: Wir hatten einen sehr guten Start (24 Punkte aus 10 Spielen; Anm. der Red.). Es ist vermessen, von unserer Mannschaft zu erwarten, weiterhin eine solche Quote zu erfüllen. Die Mannschaft hat sich hervorragend vorbereitet. Wir haben jetzt zwei Spiele ausgetragen; beim 1:1 gegen Zürich wäre mehr dringelegen, das Unentschieden in Thun mit einer sehr jungen Mannschaft und einer neu formierten Abwehr geht in Ordnung. Ich sehe keine Anzeichen einer Negativentwicklung.
Rein von der Spielweise her hat der FCL wenige Fortschritte erzielt. Wie sehen Sie das?
Stierli: Ich finde, die Mannschaft hat taktisch Fortschritte gemacht, das hat man in Thun gesehen. Es war klar, aufgrund der Ausfälle stand ein Punktgewinn im Vordergrund. Was nützt es uns, schön zu spielen und am Schluss zu verlieren?
Weshalb büsst der FCL den jungen Nico Siegrist, der nach seinem Tor zum 1:1 sinngemäss sagte, er habe mit dem Treffer Trainer Murat Yakin vielleicht den Job gerettet?
Stierli: Stellen Sie sich vor, Sie haben in Ihrer Unternehmung einen 20-Jährigen, und der äussert sich in dieser Form gegen den Chef. Das kann ich nicht tolerieren. In Nico investieren wir viel Geld, zahlen dem FC Aarau, wo er jetzt leihweise spielt, den Lohn weiter. Aber es ist natürlich auch klar, dass sich ein junger Spieler an die raue Medienlandschaft gewöhnen muss. Das ist ein «Lehrblätz» für ihn.
Wie hoch fällt die Busse aus?
Stierli: Das bleibt intern. (Die Redaktion weiss: Es sind 500 Franken.)
Nico Siegrist sprach auch davon, dass er eine «extreme Unruhe in der Mannschaft» verspüre. Einen Tag nach dem Spiel erklärte er, wie er das gemeint hat. Siegrist sagte: «Jeder Spieler ist angespannt, jeder hat Sorgen, und keiner weiss, was los ist.» Das komme von äusseren Einflüssen wie den Medien, den Fans und dem eigenen Trainerstaff. Das ist ein klarer Hinweis und nicht unbedacht nach dem Spiel geäussert. Müssen Sie der Sache nicht nachgehen?
Stierli: Bis jetzt hatten es die Spieler sehr angenehm. Aufgrund der finanziellen Voraussetzungen hatten wir nur 14, 15 Kaderspieler. Sie waren praktisch immer gesetzt. Dem Verwaltungsrat war immer klar: Wenn wir den Klub weiterbringen wollen, müssen wir die Konkurrenz innerhalb des Teams erhöhen. Deshalb haben wir das Kader ergänzt. Jetzt haben zusätzlich die Jungen grosse Fortschritte erzielt. Der Druck wurde erhöht, für uns als Verein ist es eine positive Entwicklung. Für mich ist es ein gutes Zeichen, dass die Spieler nicht zufrieden sind, die auf der Ersatzbank sitzen müssen. Ich habe überhaupt keine Unruhe festgestellt.
Ist Siegrists Enttäuschung nicht verständlich, wenn der Trainer im Dezember verspricht, er sei zusammen mit Winter, Ferreira, Hyka und Ianu einer von fünf Angreifern, die in der Rückrunde um drei Plätze kämpfen, in der Winterpause aber Lezcano, Ohayon und Kayode geholt werden?
Stierli: Zum Zeitpunkt der Äusserung war sie richtig. Das gehört zum Fussballgeschäft. Diese Konkurrenzsituation ist bei Basel und YB normal.
Die FCL-Fans machten in Thun nicht nur durch Pyros wieder auf sich aufmerksam, sondern auch durch erste «Murat raus!»-Rufe und Transparente gegen seine Person. Wie gehen Sie damit um?
Stierli: Das gehört auch zum Fussball. Die Fans haben auch schon «Stierli raus!» gerufen. Sie sollen und dürfen sich äussern. Wenn wir europäisch spielen wollen, dann können wir das nicht nur durch Schönspielerei erreichen.
FCL-Trainer Murat Yakin hat am Sonntag ein Interview mit unserer Zeitung verweigert, ohne dass vorher etwas Schwerwiegendes vorgefallen wäre. Akzeptieren Sie dieses Verhalten?
Stierli: Nach der letzten Entwicklung ist das Klima zwischen Medien und Mannschaft gestört. Ich halte fest, dass ich gegen ehrliche Kritik nichts einzuwenden habe. Aufgrund des vergifteten Klimas hätte ich auch kein Interview gegeben. Aber natürlich müssen wir zurück zur Tagesordnung.
interview Daniel Wyrsch