Frizzel hat geschrieben:Ildrial hat geschrieben:Traurig, dass dies noch immer derart verbreitet ist. Wenn in jenem Betrieb, in dem ich arbeite, der Lehrling jegliche Drecksarbeit machen muss, dann entlaste ich ihn persoenlich. Was soll der Scheiss? Frueher wars auch so? Scheiss Argument. Bisher war dies jedoch in keinem der Betriebe der Fall. Vielleicht hatte ich 'Glueck' - ich sehe darin aber eher eine Trendwende.
Im Fall des Lehrlings macht es halt nur schon wirtschaftlich Sinn. Der Lehrling ist der günstigste Arbeitnehmer bzw. derjenige, der am wenigsten Ertrag generiert... Das ist kein Scheiss Argument, sondern ökonomisches Denken.
Geb' ich dir durchaus Recht. Es ist absolut ok, wenn er mal ein bisschen Drecksarbeit machen muss, jedoch nicht ausschliesslich und v.a. nicht als einziger.
Kehren wir den Fall um: Du hast einen Top-Lehrling, verdammst ihn zu permanenter Drecksarbeit und weg isser - und es kommen auch keine weiteren guten in den Betrieb. Eine gute Behandlung des Lehrlings geht fuer mich richtig langfristiges Denken und Nachhaltigkeit (was sich oekonomisch wiederum rechnen kann). Ok, grad ein wenig schwarz/weiss gemalt - ein vernuenftiger Mittelweg kann durchaus sinnvoll sein.
Bin aber eh nicht einer, der stur auf Zahlen schaut. In meinem Betrieb (150+ Mitarbeiter) waren Chef bis Neuling gleichgestellt.
Frizzel hat geschrieben:Ildrial hat geschrieben:
In meinem Dorf-bzw. schon fast Kantons-Verein ist dies nicht der Fall (ist auch nicht Fussball, sondern Unihockey). Und bei uns sind es auch nicht die Jungen, die in der 1. Mannschaft einfach den Dreck machen muessen. Ich versteh' diese Mentalitaet einfach nicht und find's schon fast tragisch, dass die derart verbreitet ist.
Das schöne daran ist doch, dass jeder einmal "Hamburger" ist und entsprechend auch jeder mal den "Dreck" machen muss. Zudem soll man ja zeigen, dass man zu einem Verein will und auch bereit ist, dafür etwas zu tun. Als Belohnung für langjährige Vereinstreue gibt es dann die schönen Aufgaben, da man ja jahrelang das nicht all zu schöne gemacht hat für den Verein. Ich finde das durchaus nachvollziehbar.
Genau dieses hierarchische Denken find' ich befremdend. Grundsaetzlich darf ein neuer schon mal extra die Dresses der Mannschaft waschen (die werden bei uns von Spiel zu Spiel einem anderen gegeben). Mich stoert dann mehr die (unter Umstaenden und wohl nicht selten) daraus folgende Arroganz der alten Garde, wobei der 'Lehrling' als Abschaum behandelt wird - selber hat's einem schliesslich ja auch betroffen. Die kommt gemaess meinen Erfahrungen zu oft vor - wobei dieses sample natuerlich alles andere als repraesentativ ist und ich dies teils auch nur ueber Dritte gehoert habe.
Ildrial hat geschrieben:
Du sagst, im Berufsleben wird einem nicht viel geschenkt. Ich sehe das bislang anders - auch wenn ich noch ein Greenhorn bin. Jene, die es wollen, koennen sich's stets gemuetlich machen und ein easy Leben fuehren. Wenn jemand ambitioniert ist, dann wird's haerter, das seh' ich auch so.
Wer es sich gemütlich machen kann ist entweder extrem talentiert und kann mit wenig Aufwand viel erreichen
oder er wird es nie zu was bringen. In einem Unternehmen mit 20 Mann fällt es dann auch eher auf, wenn jemand nicht bereit ist, Leistung zu zeigen. Wenn dann zudem noch 10 Bewerber in Lauerstellung sind, wird man mit der unmotivierten Art nicht weiter kommen und irgendwann ersetzt..[/quote]
WORD! Aber genau der fett markierte Teil ist mein springender Punkt. Es gibt Leute, die wollen es beruflich nicht zu 'etwas bringen'!
Gerade in Bene Kollers Alter verstehe ich dies. Er ist jung, und hat die Moeglichkeit zu machen, was er will - die Welt zu bereisen, kulturelle Erfahrungen zu sammeln etc. Klar, dies kann man auch spaeter, aber je nach Familienstand etc. ist dieser Zug irgendwann mal abgefahren oder es laesst sich erst mit 45+ wiederholen.
In meinem Fall habe ich nun lieber einen Job, in dem ich keine grosse Verantwortung habe, meine Leistung auf Stundenbasis abrufe, dafuer auch mal wieder laenger frei nehmen kann, um 6 Monate von Pampa zu Pampa zu reisen. Und so sehe ich das auch bei Bene Koller.
Gemuetlich kann man's nehmen und wohl auch haben ohne extrem talentiert zu sein. Die Einbussen bzgl. weniger Lohn, keine/unspektakulaere Karriere muessen dann halt in Kauf genommen werden - denke, dass sich die Bene durchaus bewusst ist. Auch Nachwuchs kann damit wohl auch eher (zu) kostspielig werden.
Frizzel hat geschrieben:Wie gesagt: ich finde es nicht tragisch, dass sich Koller gegen den Profi-Fussball entschieden hat. Ich bin einfach der Meinung, dass man den Fehler nicht zwingend nur beim Business suchen sollte, sondern auch bei sich.
Ich denke, seine Beweggruende sind mit jenen von Broich zu vergleichen. Klar, womoeglich hatte Koller auch weniger Talent. Mit mehr Talent haette er sich evtl. auch eher 'durchgebissen', weil er automatisch einen groesseren Status genossen haette und es entsprechend einfacher fuer ihn gewesen waere.
Womoeglich drueckt er sich einfach nicht all zu gluecklich aus. Grundsaetzlich lese ich aus seinen Aussagen, dass er nicht in das Business passt. Die Begruendungen, wieso er nicht passt kommen dann halt wie ein Roundhouse Kick gegen den Fussball rueber.