Verfasst: 23. Mär 2004, 18:49
das geld können sie gleich für die platzsperre und bussen wegen den ausschreitungen doppelt und dreifach drauf hauen!
Wäre ja nichts Neues. Die verkriechen sich doch immer wenn es gefährlich wird. Die verhaften lieber einen 7-jährigen, der einen Kaugummi gestohlen hat oder schreiben Busszettel.Wiesel hat geschrieben:Falls das Wiederholungsspiel doch vor Zuschauern stattfinden würde, droht die Polizei, wäre kein einziger Polizist im Stadion anwesend... Das wäre doch mal eine Probe aufs Exempel![]()
ph. Als Stefano Sordini am Montagmorgen nicht im Büro erschien, war den Kollegen sein Aufenthaltsort sofort klar: Regina Coeli, das römische Gefängnis. Sordini ist 34 Jahre alt und Verkaufsförderer im Versicherungs- und Finanzkonzern Mediolanum. Stefano Carriero, 29-jährig, ein Kameramann des TV-Senders Canale 5, rief spät nachts noch seine Mutter an und sagte ihr, er könne nicht nach Hause kommen. Auch er sass in Regina Coeli. Sordini und Carriero hatten jene Viertelstunde Berühmtheit konsumiert, die Andy Warhol als Menschenrecht proklamiert. Sie waren die Gesichter der Revolte römischer Ultras, die das Metropolen-Derby zwischen Lazio und der AS Roma in der Sonntagnacht zum Platzen gebracht hatten: Sordini, der Glatzkopf mit Dreitagebart und Piratenhalstuch, der unter der Woche Hemd und Krawatte trägt, und Carriero, der Kerl in Ledermontur und mit der schwarzen Strickmütze, der bei der Talkshow «Amici» hinter der Studiokamera steht.
Carriero hatte immer wieder den Roma-Captain Totti in den Clinch genommen. Er redete auf ihn ein, er hätte mit der Mutter des 14-jährigen Jungen gesprochen, der angeblich von der Polizei zu Tode gefahren war. Dieses erfundene Gerücht war die Munition, mit der die Ultras den beispiellosen Spielabbruch provozierten.
Wieder einmal steht der Ultra, das bekannte Unwesen, die Landplage des Calcio, im Fokus der Diskussionen und nicht das eigentliche Malaise, die byzantinische Misswirtschaft, die ungeheure Hochstapelei in diesem aufgeblasenen Showgeschäft. Jetzt ist bekannt geworden, dass der in Regina Coeli inhaftierte ehemalige Lazio- Boss Sergio Cragnotti eine Obligationenanleihe seines bankrott gegangenen Konserven-Konzerns Cirio dazu missbrauchte, die Meisterprämien des Jahres 2000 - pro Mann rund zwei Millionen Euro - zu bezahlen.
Die Legende der «Curva» als eines sozialen Refugiums für Underdogs ist, wie in England, längst entzaubert. Die von Drogenkriminellen und Rechtsextremisten unterwanderte Ultra-Subkultur wird von der Intelligenzia neuerdings mystifiziert als letztes Reservat der Anarchie, des Aufbegehrens gegen Ordnung und Autoritäten mit durchlässigen Schranken für Grenzgängertypen wie Sordini und Carriero. In Wirklichkeit erpresst die organisierte Tifoseria die Klubs, lässt sich ihre folkloristischen Choreografien im Stadion mit Tickets, Gratisreisen und auch mit Bargeld bezahlen und lebt in einem Klima mafioser Omertà ihre Gewaltphantasien aus. Mitten in der römischen Nacht erreichte diese Komplizenschaft einen makabren Höhepunkt. Der Polizeichef Achille Serra stand ebenso machtlos auf dem Rasen wie der Schiedsrichter Rosetti. Den Abbruch verfügte, über Telefon, aus dem fernen Mailand der Lega- Präsident und Milan-Geschäftsführer Adriano Galliani, ein Satellit des Ministerpräsidenten und Milan-Besitzers Silvio Berlusconi. Galliani gab sich 24 Stunden später zerknirscht: «Ich würde es nie wieder tun. Ich würde einfach mein Telefonino ausschalten.
Nach vier Tagen verliessen Sordini, Carriero und ein dritter verhafteter Ultra ihre Zellen wieder mit einem Sofort-Urteil: Die nächsten dreieinhalb Jahre werden sie keinen Auftritt ihrer Lieblinge mehr sehen, sondern müssen sich während der Spielzeiten der AS Roma auf einem Polizeiposten einfinden. Aber die Ermittlungen laufen weiter. Die Untersuchungsbehörden glauben nach wie vor an ein Komplott: dass das Chaos im Stadio Olimpico eine abgesprochene Inszenierung (Tatbestand: Bildung einer verbrecherischen Organisation) der beiden sonst verfeindeten Fan- Kurven war, eine Machtdemonstration, ein aufbegehrendes Signal gegen den bevorstehenden finanziellen Kollaps von Roma und Lazio. Die Schreckensnacht wirkte wie die sich selber erfüllende Prophezeiung, die Regierungschef Berlusconi mit seinem geplanten Steuererlass-Dekret verknüpft hatte: «Entweder wir beschliessen dieses Gesetz, oder es wird eine Revolution ausbrechen.» Doch die populistische Nothilfe für die Schuldenmacher - die formell als Aktiengesellschaften firmieren - ist nicht praktizierbar, zumal die Römer Staatsanwaltschaft derzeit die Bücher sämtlicher Klubs überprüft. Das ist auch Berlusconi rasch klar geworden. Der Widerstand im Parlament lief transversal durch Regierungslager und Opposition, und aus Brüssel meldeten die Italiener Romano Prodi als Präsident der EU- Kommission und Wettbewerbshüter Mario Monti ihre Einwürfe.
Berlusconi ist auf dem Rasen der Politik über den Ball gestolpert. Seltsame Fügung oder ein Zufall, der lediglich zeigt, wie der Einfluss des Cavaliere das gesellschaftliche Terrain durchwächst: Die bisher nicht als Häuptlinge aufgefallenen Aufrührer von Rom, der Mediolanum-Verkäufer Soldini und der Mediaset-Kameramann Carriero, sind Berlusconi-Angestellte.
NOISER hat geschrieben:der braucht doch sein ganzes geld für pyros und stellmesser!
In keinem anderen EU-Land bleiben die Männer solange bei Hotel Mama wie in Italien. Habe das mal in irgendeiner Statistik gelesen.NOISER hat geschrieben:kann mir nur schlecht vorstellen, dass sich in italien ein kameramann o.ä. keine eigene wohnung finanzieren kann. würde in etwa bedeuten dass sich jeder 2. italienische junggeselle keine eigene wohnung leisten kann... wie macht es denn der handwerker mit frau und 6 kindern???
der braucht doch sein ganzes geld für pyros und stellmesser!