Master hat geschrieben:was mir störend aufgefallen ist:
als Demashaj ausgewechselt wurde, war die kurve gerade mit dem trellern eines liedes beschäftigt und von der haupttribüne kam, soweit ich dies registriert hatte, kein applaus. absolut schade und respektlos, wenn man dann noch sieht, wie Eleke gefeiert wurde, ist dies umso blöder und unfairer. hoffe das wird von der kurve im nächsten spiel wieder korrigiert.
Oh Mann... wie lange bist du jetzt schon Fan von diesem Verein? Als klar war, dass Blessing die Spielberechtigung für das Spiel erhalten wird, waren die Weichen bereits für einen weiteren dieser FCL-Momente gestellt. Als er dann beim Einwärmen die Euphorie gegenüber seiner Person gespürt und darauf reagiert hat, hat sich das ganze Stadion anstecken lassen und sich auf seine Einwechslung gefreut. Das Lied weiterzutrellern war wohl die einzige Möglichkeit die Kurve etwas zu zügeln und den Eleke-Moment hinauszuzögern. In diesem Fall war es wohl die respektvollere Variante Demhasaj nicht der Eleke-Euphorie auszusetzen, weil da der Kontrast nochmals besser spürbar gewesen wäre. Meiner Meinung nach hat die Kurve erst in den letzten Jahren ein gewisses Verständnis für bestimmte Werte, wie Vereinstreue, entwickelt. Jahrelang wurden Spieler wie Zibung und Lustenberger zum Teufel gewünscht, mussten sich jedes existierende Fluchwort zwischen Schüpfheim und Küssnacht anhören und haben nur selten von der Mehrheit den nötigen Respekt erfahren. Sobald einer einen lustigen Namen hat, nicht der Schlauste ist, speziell aussieht oder sonst irgendwie anders ist, wird er noch vor dem ersten Ballkontakt gefeiert. Ob Urs oder Blessing, Luzern war schon immer so.
Ich scheiss auf politische Korrektheit, aber nicht nur das Verhalten gegenüber Mimi war respektlos, sondern auch das Verhalten gegenüber Eleke ist rassistisch und ohne Anstand, weil es aber nett gemeint ist und von ihm (noch) so aufgenommen wird, nimmt das niemand so wahr. Auch die Schreiberlinge der verschiedenen Medien werden ihn in den nächsten Wochen zur Kultfigur hochschreiben und in die selbe "Rassismus-Falle" tappen. Bei einfachen Fussballfans ist mir das Verhalten relativ egal, da sie lediglich ein Abbild der Gesellschaft darstellen, bei polarisierenden Medien die diesen Vorwurf schnell mal jemandem zuspielen werde ich aber stinkig. Rassistisch und Respektlos ist es allerdings eigentlich erst dann, wenn der Spieler es auch so wahrnimmt. Die Meinung von Dritten, vermeintlichen Gutmenschen, kann man getrost ignorieren. Ich hoffe und glaube, dass es nicht so weit kommt. Aber als Kurve muss man hier aufpassen. Nicht um in irgend eine "Rassismus-Falle" zu tappen, sondern wenn einem Werte wie Anstand und Respekt wichtig sind. So etwas musste man sich zu Zeiten von Tchouga und N'Tiamoah nicht überlegen, heute leider schon. Witzig und absurd an dieser Euphorie ist aber vor allem, dass politisch rechtsgesinnte Fans sich darob stören, dass er gefeiert wird - und sich die Masse dabei ihrer Motive bedient.
Wenn man sieht was hier eine Vorfreude ausgelöst hat, dann sieht man auch wie unwichtig die Resultate und der Fussball im Allgemeinen eigentlich ist. Man erfreut sich schnell, wenn mal etwas besonderes passiert. 1:2, 2:0, 3:1 - nach der Saison interessiert sich doch niemand mehr, wann man gegen wen wieviel gespielt hat, aber den Tag an dem ein schwarzer Mann mit sauerstoffblondgefärbtem Haar in seinem ersten Spiel in seiner ersten Aktion fast vom Platz fliegt, in seiner dritten Aktion den Ball mit dem Aussenrist in die Maschen haut und sich nach dem Spiel überwältigt von seinen Gefühlen zeigt wird den meisten in Erinnerung bleiben. Eleke hat sich ein perfektes Spiel ausgesucht und sich einen Vertrauensvorschuss von den Fans erschossen. Aber auch er muss mit Leistungen brillieren. Den amtierenden Fussballgott Pascal Schürpf musst du zuerst noch aus der Startelf bomben.
Als Halb-Schweizer, Halb-Walliser und mit Verwandten aus einem teilweise noch immer rückständigen Berg-Dorf, bei dem die Bevölkerungszahl in den letzten hundert Jahren konstant bei etwa 500 lag, wurde meine Kindheit von gezwungenen Kirchenbesuchen geprägt. Ich war gestern für einmal freiwillig am 11-Uhr-Gottesdienst in der Hofkirche. Auslöser hierzu war sicherlich die fast schon übertriebene Gottesehrfurcht von unserer neuen Nummer 10 und das Interesse zu erfahren wer in der heutigen Zeit aus einer modernen Gegend noch mit diesem Glauben und deren Vertretern sympathisiert. Das Ganze hatte einen meditativen Charakter. Es war nicht so schlimm wie ich es in Erinnerung hatte. Ein solch epochales Gebäude fühlt sich zudem anders an, wenn du es dann besuchst, für das es eigentlich gedacht ist und für das es erbaut wurde. Zu oft läufst du durch die Stadt und kaum einer nimmt sich die Zeit nach oben oder dorthin zu schauen wo die Touristen hinblicken. Die Hofkirche sehen die meisten nur von aussen. Da habe ich schon ganz viele unnötigere Dinge in meinem Leben gemacht. Die Parallelen zu einem Fussballspiel waren zudem enorm. Immer wieder Gesänge, die einer auf einer Erhöhung anstimmt, Preisung einzelner Figuren, immer wieder Wechsel zwischen Sitzen, Knien und Stehen, lange Warteschlangen vor der Essensausgabe, nicht allzu viele Zuschauer und das Gezeigte war jetzt auch nicht wirklich spektakulär. Auch nach dem Kirchenbesuch kann ich mit diesem Glauben nichts anfangen. Würde man mit den Vertretern dieser Religion heute so umgehen wie sie selber früher mit Nicht-Gläubigen umgegangen sind, dann würde man das Feuerverbot wohl schnell wieder aufheben. Wenn dem Kerl sein Glaube hilft sich in dieser Welt zurechtzufinden, dann mag ich ihm das gönnen und ich habe den Respekt vor der Ernsthaftigkeit mit welcher er sich damit auseinandersetzt. Die ersten paar Wochen kann man sich schon belustigt darüber zeigen, aber irgendwann ist dann auch wieder gut und man kann ihm seine Einstellung lassen.
Btw: Bitte Mirko Salvi etwas mehr feiern!