Verfasst: 23. Nov 2010, 12:25
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«Blödsinn! Wir nehmen den Cup ernst»
FCL-Coach Rolf Fringer nimmt seine Spieler nach dem Cup-Aus gegen Biel in Schutz. Er will nichts von fehlender Einstellung wissen.
«Gut möglich, dass Pacar für Gygax spielt.
«Umstände waren gegen uns.»
Stefan Kreis
stefan.kreis@neue-lz.ch
Rolf Fringer, der FCL hat sich im Cup gegen Biel blamiert.
Rolf Fringer: Moment. Wer zu zehnt ein 0:2 aufholt und erst im Elfmeterschiessen scheitert, hat sich nicht blamiert, sondern hart gekämpft, Charakter und Teamgeist bewiesen.
Aber Präsident Walter Stierli ist entsetzt und fordert Erklärungen.
Fringer: Er weilt auf den Malediven und ist noch mehr enttäuscht als wir. Aus der Ferne sind wir gegen einen Unterklassigen gescheitert. Aus der Nähe betrachtet, waren alle Umstände gegen uns.
Trotzdem: Nach dem dritten Cup-Aus in drei Jahren unter Ihrer Ägide stellt sich die Frage, ob der FC Luzern diesen Wettbewerb ernst genug nimmt.
Fringer: Diese Frage stellt sich nicht. Das ist absoluter Blödsinn. Wir nehmen den Cup ernst, denn ich habe den Gegner persönlich beobachtet. In den letzten drei Jahren haben wir zudem zweimal erst im Elfmeterschiessen verloren, was immer auch mit Pech zu tun hat und nichts mit der Einstellung.
Pech allein erklärt die Niederlage gegen Biel allerdings nicht.
Fringer: Nicht nur, aber ein Stück weit schon, denn die rote Karte gegen uns war ein krasser Fehlentscheid, der matchentscheidend war. Dies ist doppelt ärgerlich, weil so etwas im Cup nicht mehr zu korrigieren ist.
Es wäre nie zu dieser Szene gekommen, hätten sich die zwei Innenverteidiger geschickter angestellt.
Fringer: Es ist richtig, dass die defensive Organisation bei dieser Aktion mangelhaft war.
Waren Ihre Spieler von Anfang an bereit?
Fringer: Ohne Zweifel. Wir haben die Anfangsphase dominiert und hätten durch Paiva in Führung gehen müssen. Danach lief alles gegen uns, und das Elfmeterschiessen ist halt eine Lotterie.
Tomislav Puljic hat den Ball an die Latte gedonnert. Warum hat er geschossen?
Fringer: Wir haben einen Tag zuvor Elfmeterschiessen geübt, und Puljic hat eiskalt vollstreckt. Er ist einer, der immer die Verantwortung übernimmt.
Auch Sie stehen in der Verantwortung. Wird es Konsequenzen geben?
Fringer: Ich kann die Mannschaft doch nicht für die ungerechtfertigte rote Karte bestrafen. Wir müssen jetzt nach vorne schauen und die letzten drei Meisterschaftsspiele der Vorrunde optimal bestreiten.
Aber mit Verlaub: Wie viele miserable Leistungen kann sich beispielsweise ein Daniel Gygax noch erlauben, bis er aus der Startelf fliegt?
Fringer: Es ist gut möglich, dass der aufstrebende Janko Pacar in einem der nächsten Spiele eine Chance auf der rechten Aussenbahn erhalten wird.
Immerhin hat das frühe Cup-Ausscheiden auch einen positiven Aspekt, denn ab sofort fällt die Doppelbelastung weg.
Fringer: Das ist Quatsch. Wegen eines Spiels kann man nicht von Doppelbelastung sprechen. Vielmehr generiert ein erfolgreiches Abschneiden im Cup positive Energien im Kopf. Wir wollten unbedingt im Wettbewerb überwintern.
Sie haben der Mannschaft nach dem Spiel trainingsfrei gegeben, statt die Niederlage gemeinsam zu analysieren. Die richtige Entscheidung?
Fringer: Nach solchen Spielen ist es wichtig, dass man sich einige Zeit nicht sieht, um abzuschalten und um sich zu erholen. Wir werden dieses Cup-Aus am Mittwoch in aller Ruhe analysieren.
Werden Sie dann eine Wutrede halten?
Fringer: Wenn eine Mannschaft kämpft und solidarisch ist und seit bald sechs Monaten auf Hochtouren läuft, ist eine sachliche Kritik angebrachter.
Am Samstag wartet der FC Thun.
Fringer: Das wird ein schwieriges Spiel, weil der Gegner einen Lauf hat und nicht umsonst auswärts gegen Basel und St. Gallen gewann.
David Zibung wird wegen der Roten Karte gesperrt sein. Ein herber Schlag?
Fringer: Ersatzgoalie Gabriel Wüthrich hat gegen Biel überzeugt. Ich habe vollstes Vertrauen in ihn.
Stefan Kreis
Quelle: Neue Luzerner Zeitung vom 23.11.2010