Re: Murat Yakin
Verfasst: 6. Okt 2011, 11:43
In der Schweizer Liga führt der FC Luzern derzeit die Tabelle souverän an. Trainer Murat Yakin und sein jüngerer Bruder Hakan, der als Kapitän das Team anführt, statteten FIFA-Präsident Joseph S. Blatter am Mittwoch einen Besuch im Home of FIFA in Zürich ab und überreichten als Zeichen der Wertschätzung eine Taschenuhr mit persönlicher Gravur. FIFA.com nutzte die Gelegenheit zu einem Gespräch mit den beiden ehemaligen Schweizer Nationalspielern.
Beim FC Luzern läuft es derzeit optimal für Sie. Wie erklären Sie sich das derzeitige sportliche Hoch?
Murat Yakin: "Es steckt eine ganze Ladung Energie dahinter, alle im Verein sind motiviert, etwas zu bewegen. Zudem ist viel Fleiß dabei, eine gewisse Strategie und Planung - sowie die Euphorie mit dem neuen Stadion."
Hakan, Sie haben sich entschieden, Luzern im Winter Richtung Bellinzona zu verlassen. Was waren die Beweggründe?
Hakan Yakin: "Mit 35 muss man schauen, was man in Zukunft machen will. Ich will natürlich im Fussball bleiben. Jetzt bin ich Botschafter des neuen Stadions - eine Aufgabe, die Zukunft hat. Ich kann im Verein als Berater, Sportchef und Scout tätig sein, das liegt mir."
Murat Yakin: "Die Entscheidung für Bellinzona war wegweisend für Hakans Zukunft. Es gibt viele Möglichkeiten, und vielleicht wächst er in eine neue Aufgabe hinein."
Wie ist es, mit dem eigenen Bruder als Spieler bzw. Trainer zu arbeiten?
Hakan Yakin: "Das ist eine ganz spezielle Situation. Die Mischung ist gut, er behandelt mich wie jeden anderen Spieler, bevorzugt mich nicht."
Murat Yakin: "Ich will schon versuchen, neutral zu bleiben, es muss für alle Spieler gleiche Bedingungen geben, ich kann ihn nicht bevorzugt behandeln. Hakan ist ein Entscheidungsträger auf dem Platz. Es geht um den Fussball und den FC Luzern, nicht um uns beide. Wir leben für den Fussball."
Welche Eigenschaft Ihres Bruders hätten Sie selbst gerne?
Hakan Yakin: "Seine Ruhe und Gelassenheit."
Murat Yakin: "Seine Unbekümmertheit. Das ist das Schöne, was man noch erleben darf, wenn man auf dem Platz steht und die Emotionen leben darf."
Die Nationalmannschaft hat es nun in Wales und zu Hause gegen Montenegro in der eigenen Hand, sich für die UEFA EURO 2012 zu qualifizieren. Wie sehen Sie die Chancen auf das Erreichen der Endrunde in der Ukraine und in Polen?
Hakan Yakin: "Das Schöne ist, dass sich die Schweiz aus eigener Kraft noch als Gruppenzweiter für die Play-offs qualifizieren kann. Natürlich wird es schwierig, das Auswärtsspiel in Wales zu gewinnen. Das ist fast schwieriger als zu Hause gegen Montenegro. Es wird sich zeigen, ob die jungen Spieler dem Druck standhalten können, aber ich bin Optimist und hoffe, dass die Schweiz den Einzug in die Play-offs schafft."
Die Schweiz war bei den letzten großen Endrunden (Welt- und Europameisterschaft) dabei. Wie wichtig wäre es für den Schweizer Fussball, sich für die EM 2012 zu qualifizieren?
Murat Yakin: "Man hat sich langsam an die Teilnahme an den großen Turnieren gewöhnt. Es wäre schade, wenn die Schweiz nicht dabei wäre. Die Nationalmannschaft hat zuletzt konstant gute Leistungen gezeigt und gute Spieler herausgebracht. Gerade die jungen Talente werden früh gefördert und gefordert. Es wäre schade, wenn man das Produkt am Ende nicht in Europa sehen würde."
Die Schweizer U-17-Nationalmannschaft wurde 2009 Weltmeister, die U-21-Auswahl wurde bei der EM in diesem Jahr Zweiter. Wie stark ist der Nachwuchs derzeit?
Murat Yakin: "Die ganz jungen Spieler haben den Vorteil, dass sie schon sehr früh mit den erfahrenen zusammen spielen. Mit 16 oder 17 Jahren spielen viele bereits in der ersten Mannschaft. Ich denke nicht, dass dies irgendwo in einem großen Fussball-Land der Fall ist. Genau das hat sich als Vorteil bei der U-17-WM erwiesen."
Hakan Yakin: "Für ausländische Spieler ist es nicht sehr interessant, in der Schweiz zu spielen, deshalb legt man den Fokus auf junge, talentierte Spieler."
Murat Yakin: "Aber man muss aufpassen, dass wir uns nicht überschätzen. Wir müssen realistisch sein, wenn Angebote kommen. Es darf nicht sein, dass ein Total-Ausverkauf stattfindet. Die Liga ist konstanter und ausgeglichener geworden, und durch internationale Wettbewerbe können sich auch die Jungen zeigen. Natürlich werden junge Spieler immer Angebote bekommen und im Ausland mehr verdienen. Das ist das Leid, das wir in der Schweiz haben."
Sie haben beide türkische Wurzeln. In der Schweizer Nationalelf sind ebenfalls viele Spieler mit Migrationshintergrund aktiv. Welche Rolle spielt der Fussball bei der Integration von jungen Menschen?
Murat Yakin: "Für uns war das enorm wichtig. Wir haben Pflichten und Moral durch den Fussball mitbekommen, sind mit verschiedenen Kulturen aufgewachsen. So etwas wie hier in der Schweiz gibt es nirgends. Durch den Fussball kann man etwas bewegen und etwas für das Leben mitnehmen. Wenn man den Fussball liebt und dies mit Leidenschaft tut, dann bekommt man das auch irgendwann zurück."
Wie sehen Ihre näheren Ziele aus?
Hakan Yakin: "Wie hat der Präsident es gesagt: Man muss immer Ziele haben, darf nicht stehen bleiben."
Murat Yakin: "Ich habe Freude an dem, was ich tue. Wenn man Verbesserungsmöglichkeiten sieht, der Markt es zulässt und die Philosophie stimmt, dann kann man überall zufrieden und in Ruhe arbeiten. Am Schluss geht es schon darum, einmal Titel zu gewinnen. Man hat eine große Verantwortung, denn man kann durch seine Arbeit viele Leute glücklich machen."
Beim FC Luzern läuft es derzeit optimal für Sie. Wie erklären Sie sich das derzeitige sportliche Hoch?
Murat Yakin: "Es steckt eine ganze Ladung Energie dahinter, alle im Verein sind motiviert, etwas zu bewegen. Zudem ist viel Fleiß dabei, eine gewisse Strategie und Planung - sowie die Euphorie mit dem neuen Stadion."
Hakan, Sie haben sich entschieden, Luzern im Winter Richtung Bellinzona zu verlassen. Was waren die Beweggründe?
Hakan Yakin: "Mit 35 muss man schauen, was man in Zukunft machen will. Ich will natürlich im Fussball bleiben. Jetzt bin ich Botschafter des neuen Stadions - eine Aufgabe, die Zukunft hat. Ich kann im Verein als Berater, Sportchef und Scout tätig sein, das liegt mir."
Murat Yakin: "Die Entscheidung für Bellinzona war wegweisend für Hakans Zukunft. Es gibt viele Möglichkeiten, und vielleicht wächst er in eine neue Aufgabe hinein."
Wie ist es, mit dem eigenen Bruder als Spieler bzw. Trainer zu arbeiten?
Hakan Yakin: "Das ist eine ganz spezielle Situation. Die Mischung ist gut, er behandelt mich wie jeden anderen Spieler, bevorzugt mich nicht."
Murat Yakin: "Ich will schon versuchen, neutral zu bleiben, es muss für alle Spieler gleiche Bedingungen geben, ich kann ihn nicht bevorzugt behandeln. Hakan ist ein Entscheidungsträger auf dem Platz. Es geht um den Fussball und den FC Luzern, nicht um uns beide. Wir leben für den Fussball."
Welche Eigenschaft Ihres Bruders hätten Sie selbst gerne?
Hakan Yakin: "Seine Ruhe und Gelassenheit."
Murat Yakin: "Seine Unbekümmertheit. Das ist das Schöne, was man noch erleben darf, wenn man auf dem Platz steht und die Emotionen leben darf."
Die Nationalmannschaft hat es nun in Wales und zu Hause gegen Montenegro in der eigenen Hand, sich für die UEFA EURO 2012 zu qualifizieren. Wie sehen Sie die Chancen auf das Erreichen der Endrunde in der Ukraine und in Polen?
Hakan Yakin: "Das Schöne ist, dass sich die Schweiz aus eigener Kraft noch als Gruppenzweiter für die Play-offs qualifizieren kann. Natürlich wird es schwierig, das Auswärtsspiel in Wales zu gewinnen. Das ist fast schwieriger als zu Hause gegen Montenegro. Es wird sich zeigen, ob die jungen Spieler dem Druck standhalten können, aber ich bin Optimist und hoffe, dass die Schweiz den Einzug in die Play-offs schafft."
Die Schweiz war bei den letzten großen Endrunden (Welt- und Europameisterschaft) dabei. Wie wichtig wäre es für den Schweizer Fussball, sich für die EM 2012 zu qualifizieren?
Murat Yakin: "Man hat sich langsam an die Teilnahme an den großen Turnieren gewöhnt. Es wäre schade, wenn die Schweiz nicht dabei wäre. Die Nationalmannschaft hat zuletzt konstant gute Leistungen gezeigt und gute Spieler herausgebracht. Gerade die jungen Talente werden früh gefördert und gefordert. Es wäre schade, wenn man das Produkt am Ende nicht in Europa sehen würde."
Die Schweizer U-17-Nationalmannschaft wurde 2009 Weltmeister, die U-21-Auswahl wurde bei der EM in diesem Jahr Zweiter. Wie stark ist der Nachwuchs derzeit?
Murat Yakin: "Die ganz jungen Spieler haben den Vorteil, dass sie schon sehr früh mit den erfahrenen zusammen spielen. Mit 16 oder 17 Jahren spielen viele bereits in der ersten Mannschaft. Ich denke nicht, dass dies irgendwo in einem großen Fussball-Land der Fall ist. Genau das hat sich als Vorteil bei der U-17-WM erwiesen."
Hakan Yakin: "Für ausländische Spieler ist es nicht sehr interessant, in der Schweiz zu spielen, deshalb legt man den Fokus auf junge, talentierte Spieler."
Murat Yakin: "Aber man muss aufpassen, dass wir uns nicht überschätzen. Wir müssen realistisch sein, wenn Angebote kommen. Es darf nicht sein, dass ein Total-Ausverkauf stattfindet. Die Liga ist konstanter und ausgeglichener geworden, und durch internationale Wettbewerbe können sich auch die Jungen zeigen. Natürlich werden junge Spieler immer Angebote bekommen und im Ausland mehr verdienen. Das ist das Leid, das wir in der Schweiz haben."
Sie haben beide türkische Wurzeln. In der Schweizer Nationalelf sind ebenfalls viele Spieler mit Migrationshintergrund aktiv. Welche Rolle spielt der Fussball bei der Integration von jungen Menschen?
Murat Yakin: "Für uns war das enorm wichtig. Wir haben Pflichten und Moral durch den Fussball mitbekommen, sind mit verschiedenen Kulturen aufgewachsen. So etwas wie hier in der Schweiz gibt es nirgends. Durch den Fussball kann man etwas bewegen und etwas für das Leben mitnehmen. Wenn man den Fussball liebt und dies mit Leidenschaft tut, dann bekommt man das auch irgendwann zurück."
Wie sehen Ihre näheren Ziele aus?
Hakan Yakin: "Wie hat der Präsident es gesagt: Man muss immer Ziele haben, darf nicht stehen bleiben."
Murat Yakin: "Ich habe Freude an dem, was ich tue. Wenn man Verbesserungsmöglichkeiten sieht, der Markt es zulässt und die Philosophie stimmt, dann kann man überall zufrieden und in Ruhe arbeiten. Am Schluss geht es schon darum, einmal Titel zu gewinnen. Man hat eine große Verantwortung, denn man kann durch seine Arbeit viele Leute glücklich machen."
