zwar schon etwas länger her, aber mein erstes fussballspiel in thailand hat ne menge spass gemacht...!
möchte die pattaya-united-fraktion ( \O/ ) ergänzungen/eigene erfahrungen anbringen?
Thai Football, 27. November 2011: Royal Thai Army United FC - FC TTM Phichit 2:0
Da wir die Samstag-Abend-Spiele infolge des verspäteten Fluges verpassten, mussten wir auf den Sonntagsspielplan ausweichen. Auch Sonntag-Abend bestritten 2 Bangkonker Teams der ersten beiden Ligen Heimspiele. Wir entschieden uns für das Spiel von Thai Army United, dem 10. platzierten der Thai Premier-League, der höchsten Spielklasse im Land. Nachdem uns die Hotel-Receptionisten den Namen des Armee-Stadions freundlicherweise in Thai (Schriftzeichen) aufgeschrieben hatte, kutschierte uns das Taxi problemlos zum weitläufigen Gelände der Thailändischen Streitkräfte, in welchen eben auch das Thai Army Stadium steht. Gerade noch rechtzeitig, bevor die Sonne hinter dem Dach der Haupttribüne verschwand und ein herrliches Abendrot folgen liess, erreichten wir den Stadionvorplatz. Bis zum Spielbeginn war noch reichlich Zeit um dem regen Treiben vor den Toren der Arena beizuwohnen. Praktisch alle, der vielen, Fans, die sich hier tummeln, tragen das Trikot des Heimteams oder kleiden sich sonstwie in Artikeln, die man im offiziellen Fanshop unter der Gegentribüne kaufen kann. Auch für Speiss und Trank ist reichlich gesorgt. An vielen Zelt-Ständen können Grill-Häppchen jeglicher Art, Getränke, Bier, Pommes-Chips und (fast) alles weitere, was das Fussballfanherz begehrt, gekauft werden. Aber zuvor besorgen wir uns erstmal Match-Tickets. „Army-Sector?“ fragt uns die Verkäuferin, und freut sich ungemein, als wir dies beim Bezahlen der 100 Baht Eintrittsgelder (3 Franken) selbstverständlich bejaen. Noch kurz ein Bier besorgt (Dose Chang für umgerechnet 1 Franken), welches auf unseren Hinweis hin, dass wir es auf die Ränge nehmen wollen, in n grossen Becher mit Eis abgefüllt wurde. Bier mit Eis? Ein absolutes No-Go wird sich da ein jeder denken. Wir zuerst ebenso. Aber im Verlauf der nächsten Minuten wurde uns aufgezeigt, dass dies sehr wohl eine sinnvolle Variante ist. Denn obschon sich die Nacht langsam ausbreitete, es war nach wie vor ungemein schwül-warm. Nichts herrlicheres, als wenn da das Bier – auch wenn minim verdünnt – bis fast zum letzten Schluck schön kühl bleibt. Und ausserdem kann man das Bier so auch etwas strecken, quasi Light-Beer ohne Nachteile, sollte man sich in CH-Stadion doch auch mal überlegen. Zumindest für die 2-3 warmen Sommerwochen, in denen getschuttet wird. Also ab durch die Eingangstore, freundlich das Ticket kontrollieren lassen (ansonsten keine Kontrollen) und schon huschen wir die Treppen hinauf ins weite Rund des Armee-Stadions, das insgesamt knapp 20’000 Zuschauern platz bieten könnte. Auf der Tribüne angekommen, erblickt das geschulte Fussballauge als erstes sofort, dass es untersagt ist, Gegenstände aufs Spielfeld zu werfen. Unter Umständen half dem Erstblickfang etwas nach, dass die entsprechenden Verbots-Tafeln von 3 leicht bekleideten Damen getragen wurden, welche mit dem Hinweis eine Runde auf der Tartan-Bahn drehten, welche das Spielfeld umgab. Wie fast alle Stadien in Thailand ist auch das Thai Army Stadium ein multifunktionales Stadion. Denn eigentlich dümpelte das Produkt Fussball auch lange Zeit relativ unbeachtet vor sich hin und eigene Stadien für den Fussball waren – vielleicht mit der Ausnahme von ein, zwei Teams – nicht im geringsten wirtschaftlich. Doch in den letzten paar Jahren hat sich gewaltig etwas getan. Binnen bloss 3-4 Jahren haben sich die Zuschauerzahlen im Thai-Fussball vielerorts ver-zehn-facht. Verirrten sich vor wenigen Saisons vielleicht einige wenige hundert Fans an die Spiele so sind es heute tausende. Auch das Team des Thai Royal Army United F.C., wie der Verein in seiner ganzen Länge offiziell heisst, erlebte einen unglaublichen Zuschauerboom. In Internetforen las ich von Spielberichten aus dem Jahr 2009, in denen von vielleicht einigen Dutzend Heimfans die Rede war. Heute stehen da über Tausend Supporter bereit. Alleine im Kern der Heimfans. Banner, Fahnen, Capo-Podeste, Megafons, Schals gehören ebenfalls dazu. Das Fanherz hüpfte. Nach über 1 1/2 Monaten endlich wieder einmal ein richtiges Fussballspiel mit allem was dazu gehört. Wir nehmen Platz auf den grossen Betonstufen, die die Stehtribünen in die Höhe steigen lassen und machen uns einen Überblick über das restliche Stadion. Neben den vielleicht 3’000 Heimfans auf unserer Tribüne hat sich auch eine Schar gelb-schwarzer Gäste-Supporter des FC TTM (Abkürzung für Thailand Tobacco Monopoly, der staatliche Tabakkonzern) eingefunden. Ca. 100 an der Zahl. Für die weite Anreise aus der 350 Kilometer entfernten Stadt Phichit (wenn sie denn wirklich von dort herkamen) eine ansehliche Masse. Auch im Away-Block wurde eine grosse Zaunfahne gehisst, Fahnen und Trommeln stehn bereit. Die Farben und die Supportart (mehr Takt denn Gesang) tun das seine dazu bei, dass der Gäste-Anhang einen sehr afrikanischen Eindruck hinterlässt. Irgendwie. Die als einziges überdachte Haupttribüne ist eher schlecht den recht besucht. Dafür ist ein weiterer Sektor ganz passabel gefüllt: Jener nämlich, in dem ca. 300 – 400 Militärangehörige im Tarnanzug platz gefunden haben. Sie sind der einzige, wenn auch sehr markante, Hinweis, dass es sich beim Club grundsätzlich eben um einen Armee-Verein handelt. Wie genau, dass man als „normaler“ Bürger allerdings Fan von einem Verein der Army wird, dass kann ich mir auch nicht ganz erklären. Vielleicht ist es einfach der einzige Fussballclub in diesem Stadtbezirk. Ich habe allerdings keine Zeit, mir noch weiter den Kopf über diese – für europäische Verhältnisse – sehr kuriose Gegebenheit zu machen, denn unten auf dem Platz laufen bereits die beiden Mannschaften ein. Hüben wie drüben wird wild gefändlet und gejohlt. Fussball halt. Doch kaum haben sich die Spieler in der Mitte des Platzes aufgestellt, verstummen die Fängesänge. Alle Zuschauer erheben sich. Aus den Boxen erklimmt das „Königslied“ (Wir sind uns nach wie vor den ganz klar, ob es sich dabei einfach um eine Huldigung für die Königsfamilie handelt oder um eine Nationalhymne o.ä., auf alle Fälle läuft dieses Lied vor praktisch jedem Anlass). Die Masse klatscht artig Beifall, der Fussballmatch kann beginnen. Das erste Bier hat noch mehr Gerstensaft als Eiswürfel im Becher, als das Heimteam durch ein ziemlich spektakulär-unnötiges und daher höchst amüsantes Eigentor der Gäste in Führung geht. Das Stadion kocht. Die Army-Supporters peitschen ihr Team nach vorne, die sagenhaften 3 Capos werden zwischenzeitlich von jenen leichtbekleideten Damen in grün-braun-schwarzen Tarn-Bikinis unterstützt, die vor Spielbeginn noch die „Keine Gegenstände werfen“-Schilder ums Rund spatziert haben und nun ebenfalls auf dem Vorsänger-Podest rumturnen und den Fans einheizen. Nach 45 Minuten geht so eine sehr stimmungsvolle 1. Hälfte zu Ende. Höchste Zeit, sich wieder um den Nachschub von Speis und Trank zu kümmern. Dieser wird vor den Stadiontoren wie wild gebrätelt, abgefüllt und an viele hungrige und durstige Fans verkauft. Wir hatten Hunger und kauften uns gleich mal durchs halbe Sortiment. Kostenpunkt deutlich weniger als für eine lauwarme, verkohlte Bratwurst, öpen 2 Franken. Zum einen gab es dafür Früchte-Säckli (gemäss A. mit den besten Wassermelonen-Stücken in ganz Asien) und zum anderen jenste Fleisch-Spiessli (göttlich, und mit spezieller Sauce im – wen wunderts – Säckli) und Fleischbällchen (welche Art von Fleisch ist dabei ned genau zu erkennen, leider war auf alle Fälle auch 1x Fischballs drunter – ned so zu empfehlen). Es mundete wunderbar. Natürlich wurde auch beim Durststiller nachgetankt. Und auch hier lieben die Thais Plastiksäckli… Denn Bier, so erkannten wir zurück auf der Tribüne, gibts bei einem Fussnballspiel in Thailand, nicht bloss nur in standesgemässen Bierbechern. Nein, die Thais sind da um einiges innovativer und abwechslungsreicher: Neben dem Becher, der mal für mal mit lustigen Blümchen oder ansprechender Kaffee-Comics-Zeichnungen verziert ist, fungieren auch IceAge Hart-Becher, 0.75 Liter (die gibts im Kino, finden wir tags drauf heraus), Sandkasten-Kübel im Mallorca-Style mit dutzenden farbigen Strohhalmen oder gar Reiskocher als Bierhülle. Und, eben, unser absoluter Favourit: Das Bier im Plastiksäckli. Dabei wird die Chang-Dose vom Verkäufer direkt in einen mit Eis gefüllten Plastiksack (so Coop-Säckli-mässig) abgefüllt und man erhält n Strohhalm, um diesen auszuschlürfen. Langweilig wirds einem beim Bieren hier also bestimmt nie. Zurück zum Geschehen auf dem Spielfeld, denn der Match startete schon bald in die 2. Hälfte. Das Heimteam ging dabei früh mit einem 2. Tor in Führung und weil der Gegner nicht gerade mit kaltblütigen Stürmern ausgestattet war, schaukelte das Team der Thai-Streitkräfte das Spiel, trotz einem Schlussaufbäumen des Auswärts-Teams mit mächtig Chaos vor dem Heim-Tor sowie einem Lattentreffer, mehr oder weniger mühelos über die Zeit. Die Spieler bedankten sich artig bei den Fans – bei beiden Fanlagern versteht sich, die Menge klatschte, eine kleiner Teil der Menge wird auf uns aufmerksam, was in thäiländisch-schweizerischen Foto-Sujet-Sessions und einem nachträglichen Trikotkauf (dank irgendwelchen Spezialrabatten bezahle ich ca. 10 CHF) meinerseits endet.
Alles im Allem ein unglaublich symphatischer Stadionbesuch, weit ab von den Auswüchsen des modernen Profifussballs, wie er in Europa und insbesondere auch der Schweiz wütet. Nach Spielende kam die Club-Führungsetage rüber von der leeren Haupttribüne zu den Fans auf die Gegengerade, Handshake mit den Anhängern. Ein Dank für die Unterstützung. Die Fans ihrerseits reichten eine Torte mit brennenden Kerzen über den Zaun zu den Spielern hinüber. Ein Mitglied des Teams hatte Geburtstag, aus der Kurve erhallte ein „Happy Birthday“-Ständchen. Nebenan versuchte uns ein älterer Herr mit funkelnden Augen in gebrochenem Englisch zu erklären, dass sein Team bloss auf dem 10. Platz der Rangliste sei, aber sie werden sicher irgendwann noch besser werden, hoffendlich bald. Einen kurzen Moment kommt in mir der Gedanke auf, dass sich da irgendwie Paralellen zu einem heissgebliebten Team zuhause ergeben. Aber nur kurz. Dann wird mir wieder klar, dass diese Gleichheiten, wenn überhaupt, dann doch schon ein paar Jahre zurückliegen müssen. Denn zehnter sinds sie beim FCL ja schon lange nicht mehr, und das sich solche Verbundenheits-Szenen zwischen Klub (Führung, Team) und den Fans derzeit in Luzern abspielen könnten, dass ist nun wirklich komplette rosarotebrille Träumerei. Unser profilierungsgeiles Präsidium/Clubführung… ach lassen wir dieses traurige Kapitel. Wir freuen uns besser nochmals über einen erlebnisreichen, bierseeligen, stimmungsvollen oder ganz einfach, einen schönen Fussballabend. Es bleibt zu hoffen, dass dies zumindest in Thailand noch eine Weile so weiter ausgelebt werden darf.