Stecki hat geschrieben:Die "Espenblockbar" am St. Gallerfest wurde gestern erneut von der Zürcher HF angegriffen. Der Sachschaden dürfte enorm sein, verletzt wurden viele Leute vor allem durch herumfliegende Glassplitter. Mehrheitlich wurde jedoch die Bar nebenan verwüstet, an deren Platz die "Espenblockbar" letztes Jahr stand. Ziemlich feiger Angriff, da vor allem Frauen betroffen waren.
St.Gallen: Wüste Schlägerei am Stadtfest
St.Gallen - Am Samstagabend kam es während des Stadtfestes zu einer heftigen Schlägerei. Militante GC-Anhänger griffen FCSG-Fans brutal an. In der Kritik steht jetzt auch die Polizei: Sie sei vorgewarnt gewesen, habe aber nichts unternommen. Am späten Samstagabend ereignete sich eine massive Schlägerei vor dem Feststand des Dachverbandes 1879 des FC St. Gallen vor St.Katharinen. Mehrere Personen sollen sich dabei verletzt haben.
Doch der Dachverband hüllt sich in Schweigen und die Polizei erwähnte die Schlägerei in ihrer offiziellen Festbilanz mit keinem Wort. Soll das St.Galler Fest auf Biegen oder Brechen vor negativen Schlagzeilen bewahrt werden? Oder geht es darum, Versagen zu vertuschen? Augenzeugen schildern, was sie erlebt haben und erheben schwere Kritik.«Die Situation war lebensgefährlich», erinnert sich ein Angestellter des Restaurants Tres Amigos «mit Schaudern».
Wie schon in den vergangenen Jahren hatte das mexikanische Lokal einen Teil seines Vorplatzes an den Dachverband vermietet. Um etwa 21:30 Uhr sah der Angestellte nach eigenen Angaben, wie eine mit Flaschen und Stühlen bewaffnete Horde Jugendlicher in hohem Tempo die Hechtgasse herunter gestürmt kam. Er und weitere Mitarbeiter flohen in die Bar und brachten die Kasse in Sicherheit, bevor die Unbekannten «wie eine Dampfwalze» über Festbesucher herfielen.
Plastikstühle, Glasflaschen, aber auch massive Tische seien über den Vorplatz geflogen. Nach zwei Minuten seien die «acht bis zehn grossen, stiernackigen Schläger» geflüchtet. Bis die Polizei auftauchte, sei eine «geraume Zeit» vergangen.
Die traurige Bilanz für das «Tres Amigos»: Vier kaputte Tische, 22 zerstörte Stühle, Hunderte Franken Sachschaden. «Die Polizei hat die vorgängigen Warnungen nicht ernst genommen», erhebt eine zweite Augenzeugin schwere Vorwürfe. Hooligans des Grasshopper Club Zürich, mutmasslich Angehörige der «Hardturmfront», hätten im Vorfeld in Internetforen angekündigt, Anhänger des FC St. Gallen während des St. Galler Stadtfestes angreifen zu wollen.
Die Augenzeugin erinnert zudem daran, dass bereits vergangenes Jahr der Stand des Dachverbandes Ziel von Angreifern aus der Hooliganszene gewesen sei – wenngleich nicht im gleichen Ausmass. «Warum», so fragt sie, «befanden sich diesmal nicht ausreichend Polizisten vor Ort?»
Stattdessen musste sie zusammen mit anderen FCSG-Sympathisanten zusehen, wie «20 bis 30 Personen in dunklen Kapuzen alles kurz und klein schlugen, was sich ihnen in den Weg stellte».
Panik brach aus, Handys und Portemonnaies fielen auf den Boden, FCSG-Anhänger schlugen zurück. Die Augenzeugin selber wurde von einem Tisch am Bein getroffen, eine Freundin am Kopf. «Die enge Gasse war voller Menschen, niemand konnte fliehen», erzählt sie. Etwa vier Polizisten habe sie gesehen, diese seien jedoch machtlos gewesen.
Urs Baumgartner war zur Tatzeit mit dem Ausschank von Bier beschäftigt. Traditionell greift der Fanbeauftragte des FC St. Gallen am Stadtfest dem Dachverband und dessen «Espenblockbar» unter die Arme. «Ich habe die Schlägerei von einem <Logenplatz> aus mitbekommen», sagt er.
Doch das Trauerspiel, das er zu Gesicht bekam, kannte er schon in- und auswendig: «Seit einem Jahr geht es zwischen den beiden Gruppen so hin und her.» Unrühmlicher Höhepunkt sei jüngst die Schlägerei bei einem U21- Spiel im Gründenmoos gewesen.
Ob am Samstagabend nur militante GC-Anhänger oder auch Hooligans aus den heimischen Reihen beteiligt waren, könne er nicht beurteilen. «Einige St. Galler haben zurückgeschlagen, aber wer würde das in dieser Situation nicht tun?»
Ja, man habe von der Androhung im Internet gewusst, und nein, es sei niemand vor Ort gewesen, bestätigt der Sprecher der Stadtpolizei, Benjamin Lütolf: «Das St. Galler Fest ist gross, die Polizei kann nicht überall gleichzeitig sein.
» Zudem hätten detaillierte Informationen zum geplanten Angriff gefehlt. Die Medien habe man im Nachgang nicht informiert, um den Vorfall nicht «aufzubauschen». Stattdessen müsse man künftig überdenken, ob ein Stand wie derjenige des Dachverbandes 1879 weiterhin am Stadtfest genehmigt werden soll. Zwar will die Polizei dem Dachverband keine direkte Mitschuld geben.
Aber man müsse sich fragen, ob die Stadt das Risiko, das der Stand mit sich bringe, weiter eingehen wolle. Der Dachverband hüllte sich gestern in Schweigen. «Wenn wir etwas zu sagen haben, teilen wir das mit», sagt Sprecher Ruben Schönenberger. Damit kann man nur rätseln, wieso der Dachverband – im Gegensatz zum «Tres Amigos» – bislang keine Anzeige gegen die Angreifer erstattet hat.