Kommt Ruiz (der Becher-getötete), Rennella oder doch noch ein anderer?
NLZ:
FCL will Ruiz trotz Vorgeschichte
fussballDer frühere GC-Verteidiger Enzo Ruiz (23) soll zum FC Luzern wechseln. Dabei hatte der Uruguayer einst im Gersag für einen Skandal gegen den FCL mitgesorgt.
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Murat Yakin hat seine Vorstellungen, die zieht er durch. Gnadenlos. Egal, ob seine Personalentscheide den Leuten im Verein oder den Fans passen. Das war der Fall, als er den Zürcher Florian Stahel statt der Innerschweizer Urgesteine Michel Renggli und David Zibung zum FCL-Captain machte. Oder bei Xavier Hochstrasser. Der Genfer, der seit gestern an der Seite von Klubkollege Alain Wiss mit der Olympiaauswahl in Saillon VS trainiert, hatte wegen seiner schmutzigen Spielweise im YB-Dress zu den unbeliebtesten Kickern bei den FCL-Fans gehört. Dessen ungeachtet holte Yakin den «Bösewicht» zum FCL. Ähnlich sieht die Situation jetzt im Fall von Enzo Ruiz aus. Den Linksverteidiger von Bellinzona möchte der Trainer in die Innerschweiz holen, wie Sportchef Heinz Hermann bestätigt. «Es besteht die Möglichkeit, wir führen Gespräche mit den Bellinzona-Verantwortlichen.»
Der Bierbecherwurf vom Gersag
Die unrühmliche Vorgeschichte des Uruguayers in einem Spiel gegen den FCL kennen Hermann und Yakin nur vom Hörensagen. Es war im Juli 2009 gewesen, das erste Spiel im Gersagstadion, als Ruiz noch für GC spielte. Er wurde beim Stand von 1:1 von einem Bierbecher am Kopf getroffen. Ruiz mimte den sterbenden Schwan, blieb am Boden liegen, während Renggli in der 93. Minute den 2:1-Siegtreffer für Luzern erzielte.
GC legte noch während des Spiels Protest ein, Coach Ciriaco Sforza rechnetet bereits mit einem Forfaitsieg: «Die Sache ist klar!» Doch daraus wurde nichts. Luzern behielt die Punkte, wurde mit einer Busse von 15 000 Franken bestraft. Der Becherwerfer, der sich gestellt hatte, erhielt ein zweijähriges Stadionverbot.
Rennella und Reiche am Training
Hermann meint zu dieser Story nur: «Es gibt immer mal wieder spezielle Situationen im Fussball. Man soll den Teufel nicht an die Wand malen.» Ausserdem unterstützt er Yakin in dessen Vorhaben, die bestmögliche Mannschaft zusammenzustellen. Hermann: «Für den Trainer ist es eine sportliche Lösung. Denn falls Claudio Lustenberger einmal etwas passieren sollte, sind wir froh, einen zweiten linken Aussenverteidiger zur Verfügung zu haben.»
Gestern trainierte erstmals der Brasilianer Wilson Junior (21) mit den Luzerner Profis. Der Ex-Flügel des brasilianischen Erstdivisionärs Bahia, der derzeit bei Jacuipense in der 2. Division engagiert ist, wirkte nach langer Anreise wenig agil und müde. Er hat nun eine Woche Zeit, sich Yakin zu empfehlen.
Der junge Südamerikaner ist nicht der Einzige, der beim FCL als neuer Angreifer zur Diskussion steht. Wie aus gut unterrichteten Kreisen zu vernehmen ist, soll nicht nur ein Offensivmann den Thun-Rückkehrer Nelson Ferreira ersetzen, es sollen weitere zwei Spieler den Angriff der Innerschweizer verstärken. Gestern war der frühere GC- und Lugano-Stürmer Vincenzo Rennella (23) mit Berater Zaungast beim Morgentraining. Falls es nicht täuscht, ist der zuletzt von Genua an Cesena ausgeliehene Italo-Franzose einer der Kandidaten. Hermann hält sich zur Personalie Rennella bedeckt.
Was für die Verpflichtung des teuren Edeltechnikers spricht: Er sucht einen neuen Klub und der FCL hatte zugleich ein schwerreiches Ehepaar unter fachkundiger Führung zu Gast am Training. Wer weiss, vielleicht steigt es bald als Investor ein und macht Transfers wie jenen von Rennella möglich.
daniel wyrsch