Warum das Dortmund-Talent zum FCL wechseln will
Fussball Noch fehlt eine letzte Unterschrift. Doch Kevin Holz (19), das steht fest, will hierbleiben. Der Dortmund-Nachwuchsspieler will Tore für den FC Luzern erzielen.
Turi Bucher
arthur.bucher@luzernerzeitung.ch
«Eigentlich sind wir uns schon lange einig», sagt Kevin Holz. «Wir», damit meint er den FC Luzern und sich selber. Es heisst, dass vom grossen Borussia Dortmund noch eine letzte Unterschrift fehle, auch wenn dies niemand bestätigen will. Doch die Tatsache, dass Holz in den nächsten Tagen das Leben im Hotel abbrechen und sich mit Unterstützung des FCL nach einer geeigneten Unterkunft umschauen will, sagt alles: Dieser junge Stürmer, der letzte Saison noch für die U-19-Mannschaft von Borussia Dortmund stürmte, will es in Luzern wissen, will Luzern erobern. «Luzern bietet mir die besten Perspektiven, der Klub ist ausgezeichnet organisiert, ich kann mich hier komplett auf den Fussball konzentrieren», sagt Holz.
Am vergangenen Samstag schoss er im Testspiel gegen den FC Lugano (4:1) schon sein zweites Tor für den FCL. Bereits im ersten Test gegen den FC Wil hatte Holz den 4:3-Siegtreffer erzielt.
Holz wurde in Zürich beobachtet
Was treibt ein Stürmertalent, das im Nachwuchs des Bundesliga-Zweiten und Champions-League-Finalisten Borussia Dortmund am ganz grossen Durchbruch schnuppern könnte, überhaupt in die Schweiz, in die Super League? «Man muss verstehen, dass der Sprung nach oben in der Bundesliga noch eine Spur schwieriger ist», sagt Holz. «Die Kontakte von FCL-Sportdirektor Alex Frei zu Dortmund kamen mir gelegen, Freis Argumente und sein Interesse haben mich überzeugt.» Frei und der neue FCL-Chefscout Remo Gaugler hatten Holz schon an einem U-19-Turnier in Zürich beobachtet, dort müsse er wohl positiv aufgefallen sein, meint Holz. «Dieser Schritt als junger Mensch ins Ausland soll mich als Persönlichkeit und als Fussballer reifen lassen», sagt Holz.
Klingt schon ziemlich vernünftig für einen, der erst im kommenden Januar 20 wird. Dass man als junger, von der Profikarriere träumender Fussballer die Realität nicht aus den Augen verlieren darf, erlebte Holz vor rund einem Jahr, am 28. Juli 2012 genau. Er zog sich ohne gegnerische Einwirkung in einem Spiel einen Kreuzbandriss im linken Knie inklusive Verletzung des Innenbandes und des Meniskus zu. «Das können Sie sich nicht vorstellen», holt Holz tief Luft, «das war die schwierigste Zeit in meinem Leben.»
Neun Monate dauerte die Heilung, und Holz zeigt sich gegenüber dem BVB dankbar: «Das wird wieder!», hat man ihn in Dortmund dauernd aufgemuntert und zugerufen, und... es wurde wieder. Holz: «Ich bin mit dem Verlauf der Heilung hundertprozentig zufrieden.»
Medizinischer Check fehlt noch
Seit drei Monaten ist er wieder fit, am Montagmorgen musste er beim FCL den sogenannten Laktat- und Blutwerttest absolvieren, in den nächsten Tagen soll der bei Transfers üblich medizinische Check durchgeführt werden. Dann und eine Unterschrift mehr wird sich Holz definitiv in Luzern stationieren. FCL-Trainer Carlos Bernegger hat jedenfalls schon mal ein paar Lobesworte über Holz parat: «Er hat in den Testspielen gezeigt, dass er sich durch seine Torgefährlichkeit auszeichnet. Er ist einer, der sehr oft am richtigen Ort steht und so sehr oft zum Torabschluss kommt.» Aber Bernegger weiss auch, dass die Konkurrenz in der FCL-Offensive mit routinierten Angreifern gross ist. «Die Ausbildung von Kevin Holz ist noch nicht abgeschlossen. Er hat athletische Defizite, kann sich sowohl technisch wie auch taktisch qualitativ verbessern», sagt der FCL-Cheftrainer.
Abschied von Eltern und Schwester
Der Abschied von Kohlstädt bei Paderborn, wo Holz bis vor zwei Wochen bei seinen Eltern wohnte, sei sehr emotional gewesen, erzählt das Offensivtalent. «Da sind schon einige Tränen geflossen.» Andererseits: Vater Andreas, Mutter Stefanie und die 16-jährige Schwester Pia «freuen sich und sind unheimlich stolz». Die Eltern von Kevin Holz waren vor einigen Tagen bereits in Luzern, haben die beiden Testspiele gegen Wil und Winterthur mitverfolgt.
Dass man sich in Luzern den Transfer eines grossen Fussballernamens gewünscht hat (und immer noch wünscht), irritiert Holz nicht. «Ach ja, ist das so in Luzern?», fragt der Stürmer nach. «Und was ist, wenn der grosse Name nicht ins Teamgefüge passt?» Nur auf Stars oder grosse Namen zu setzen, damit mache man den jungen Spielern keinen Gefallen, «ich jedenfalls bin dankbar, dass ich in Luzern eine Chance erhalte. Ich kenne meine Stärken und werde an meinen Schwächen arbeiten. Nicht jeder Nachwuchsspieler ist sich bewusst, dass der Sprung ins Profigeschäft ein grosser ist. Ich will mir selber Zeit geben und hoffe, dass auch der Verein mir Zeit gibt.»
Und falls das Heimweh unverhofft schnell kommt: Ein Wiedersehen mit Borussia Dortmund gibts für Holz ja schon am 16. Juli. Dann spielen die Borussen im Rahmen ihres Trainingslagers in der Swissporarena gegen den FC Luzern.