Die schwierige Suche nach dem Torjäger
fussball FCL-Sportchef Alex Frei (35) spricht im Interview über die fehlenden Torschützen neben Marco Schneuwly. Und über die Ruhe beim FCL trotz den bisher ausgebliebenen Siegen.
interview daniel wyrsch
daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch
Alex Frei, die neuen Spieler Thierry Doubai, Jakob Jantscher und vor allem Marco Schneuwly haben mit ihren ersten Leistungen zu einer qualitativen Verbesserung des Luzerner Spiels beigetragen. Wie zufrieden sind Sie mit dem neu formierten Team?
Alex Frei: Ich glaube, wir sind auf sehr gutem Weg. Ich bin dankbar dafür, dass man es von aussen so einschätzt. Wir sind bei allen Neuen von deren Qualitäten überzeugt gewesen, sie haben aber noch viel Luft nach oben. Klar, wenn man es dann runterbricht auf das nackte Ergebnis und die Tabelle anschaut, dann ist es brutal, dann wurde die Mannschaft bisher nicht belohnt. Man spricht in Luzern viel von einer tollen Mannschaft. Wir sind auch überzeugt von diesem Team, aber darauf bilden wir uns nichts ein. Für mich ist die Bildung dieses Teams ein Job, den ich so mache, wie ich denke, dass er richtig ist.
Hilft Ihnen dabei die Erfahrung als ehemaliger Spitzenspieler?
Frei: Es ist sicher hilfreich, wenn man alle Facetten des Fussballs erlebt hat die schönen wie auch die brutalen. In dieser Funktion kann ich enorm von diesen Erfahrungen profitieren. Ich möchte aber betonen, dass ich jeden Tag dazulerne.
Sie waren während Ihrer Spielerkarriere stets ein Top-Torjäger. Haben es ausgerechnet Sie verpasst, neben dem bislang souveränen Marco Schneuwly einen zweiten oder dritten abschlussstarken Angreifer zu holen, um die Verantwortung des Toreschiessens auf mehrere Schultern zu verteilen?
Frei: Es ist richtig, was Sie über das Toreschiessen sagen. Dabei sind zwei Dinge zu berücksichtigen: Man kann nicht erwarten, dass Marco Schneuwly 30 Saisontore schiesst. Er kann es, aber wir erwarten es nicht. Es ist auch richtig, dass die Abhängigkeit von einem Torjäger gefährlich sein kann, darum sind andere gefordert, für Entlastung zu sorgen. Je mehr die Tore auf offensive Spieler verteilt sind, desto mehr Punkte holt man, das ist die Logik des Fussballs. Ich glaube aber, dass Jakob Jantscher enorme Qualitäten auch als Skorer hat. Dario Lezcano, über den immer wieder gesagt wird, er schiesse zu wenig Tore, betreibt einen riesigen Aufwand für unser Spiel. Lezcano hat unglaubliche Qualitäten. Dario braucht halt ein Erfolgserlebnis. Jahmir Hyka wie auch Adrian Winter werden ihre Skorerpunke sammeln. Dazu haben wir in der Offensive mit Ridge Mobulu und Claudio Holenstein zwei Spieler, die uns eine sogenannte Unbekümmertheit garantieren. Es wird sich in einer Saison immer einer herauskristallisieren, den man nicht auf der Rechnung hatte.
Trotzdem: Die Statistiken von Lezcano und Winter zeigen, dass diese zwar gut für den letzten Pass sind, aber in einer Saison kaum mehr als fünf Tore erzielen. Bei Hyka sind es sogar noch weniger. Sind Ihnen die Hände gebunden, um Angreifer mit einer höheren Torausbeute zu engagieren?
Frei: Mir geht es überhaupt nicht darum, andere Leute zu holen. Bei mir und generell bei uns im Klub vertrauen wir einem Profi bis zum letzten Tag, an dem er unter Vertrag ist. Er wird nach innen und aussen zu 100 Prozent geschützt. Das heisst nicht, dass wir nicht kritisch umgehen mit den Spielern. Man darf die Offensivspieler nicht nur an den Skorerpunkten messen, aber es ist ein wichtiger Bestandteil. Das wissen diese Spieler, und sie hinterfragen sich. Das ist sehr gut.
Sie selber wussten immer, wo das Tor steht. Kommen diese Spieler bei Ihnen Tipps abholen?
Frei: Wenn ich es für nötig empfinde und das Gefühl habe, ich könnte helfen, gehe ich auf sie zu.
Trainer Bernegger äussert seit Saisonstart den Wunsch nach einem torgefährlichen Spielmacher. Das internationale Transferfenster für die Schweiz schliesst am Sonntag punkt 24 Uhr. Haben Sie noch Spielraum, um einen solchen Spieler zu holen?
Frei: Wir haben gemäss Vereinsvorgabe Spielraum. Ich besitze eine klare Definition, in welchem Bereich etwas zu machen ist. Bietet sich eine Möglichkeit, kann es sein, dass wir bis Sonntag einen Zuzug tätigen. Falls nicht, bleibt das momentane Kader bis zur Winterpause bestehen.
Cristian Ianu hat in der Challenge League für Lausanne bisher sieben Tore in sechs Spielen geschossen. Er hatte sich vor der Saison erfolglos bei Ihnen angeboten, schon im Dezember läuft sein Vertrag in Lausanne wieder aus. Entwickelt sich der 30-jährige Ex-FCL-Goalgetter so weiter, würden Sie dann eine Wiederverpflichtung von Ianu doch noch in Betracht ziehen?
Frei: Grundsätzlich ist es richtig, dass ich mit Cristian Ianu Kontakt hatte. Ich sagte ihm, dass wir mit Schneuwly, Lezcano, Haxhi Neziraj und dem ebenfalls in der Spitze einsetzbaren Mobulu sowie mit Nachwuchsmann Omar Thali, der noch seine Zeit braucht, vier bis fünf Stürmer besitzen. Die Positionen sind schlichtweg besetzt. Ianu ist ein guter Super-League-Stürmer, das wissen wir und andere Klubverantwortliche. Ich glaube aber, dass Ianu nach seinem Beinbruch in Basel als FCL-Stürmer in seiner Karriere mit viel Pech ins Straucheln gekommen ist. Die letzten zwei, drei Jahre spielte er in Sion kaum. Umso mehr gönne ich es ihm, dass er sich in Lausanne jetzt aufrappeln konnte. Ich mache die Türe für gar niemanden zu. Nur, bei unserer Philosophie ist es relativ schwierig, zweimal für den gleichen Verein zu spielen. Aber es ist nicht ausgeschlossen.
David Zibung hat noch einen Zweijahresvertrag. Kein anderer Spieler steht hier so massiv in der öffentlichen Kritik wie der seit einem Jahrzehnt das FCL-Tor hütende Hergiswiler. Wie sehen Sie Zibungs Zukunft?
Frei: Ich finde es ziemlich mühsam, wenn man eine Goaliediskussion lostreten will. Für mich ist David Zibung ein guter Super-League-Keeper. Er geniesst das Vertrauen aller Parteien beim FCL.
Zibung ist für Sie die klare Nummer 1 vor Lorenzo Bucchi?
Frei: Er ist Luzerns Nummer 1 und zwar durch Leistung. Wie gesagt, wir vertrauen jedem Spieler und schützen ihn bis zum letzten Tag seines Vertrags. Man kann nicht sagen, was in einem halben Jahr oder in zwölf Monaten ist. Es kann auch eine Veränderung durch Verletzung geben, ein Neuer kommt und schlägt ein. Das wünscht man niemandem. Nach heutigem Stand ist Zibung Stammgoalie.
Am Samstag gegen Aarau ist der erste Meisterschaftssieg gefordert. Von Unruhe beim FCL ist bis jetzt kaum etwas zu spüren. Vor 15 Jahren erlebten Sie den FCL als Profi, damals ging es um die Existenz. Ist es ruhiger geworden, oder täuscht der Eindruck?
Frei: Nach wie vor gibt es Leute, die dem FCL nicht besonders gut gesinnt sind, sie betreiben ihre Politik, wie sie es vor 15 Jahren getan haben. Das nehme ich mit einem Schmunzeln zur Kenntnis. Ich glaube aber, dass man durchaus viele Leute um den FCL loben kann wie auch die Investoren, die meiner Meinung nach sehr grosses Vertrauen in die Verantwortlichen setzen. Nicht nur, weil sie sich nicht mehr öffentlich äussern – das Recht dazu hätten sie, aber es kommt immer auf die Art und Weise an. Ich empfinde das Arbeiten für den FCL als angenehm.