Re: Kampf den Hooligans und Rassisten
Verfasst: 10. Nov 2011, 17:32
für einmal ein "experte" mit ahnung!
Beide Vereine werden Forfait-Siege für sich verlangen.
Naja lieber ein bisschen länger und dafür gut überlegt und begründet als so Schnellschüsse wie von Wauti...Legia hat geschrieben:Warum geht das in der Schweiz immer so lange bis es einen Entscheid gibt?
Man kann ja wieder bis Mai warten und dann den Wettbewerb verzerren.
Null Verständnis! Können die nicht wie alle normalen Menschen in ein Couvert scheissen und dieses an W.S. schicken?bluewhite pride hat geschrieben:In Deutschland haben sie alles im Griff. Dort scheissen sie sogar in den Auswärtsblock...![]()
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http://www.swp.de/metzingen/sport/fussb ... 93,1203145
Ringier und andere Gewaltbereite
Daniel Ryser | 12. November 2011
Der «Blick» schreibt heute, ihm liege der Fussball am Herzen, die Berichterstattung der letzten Tage sei «hart, aber fair» gewesen. Am Herzen liegt dem «Blick» natürlich knallharter Boulevard. Gestern hat die Eskalationsstrategie des Blattes ihr Ziel auf ungeahnte Weise erreicht. Darf ein Medienkonzern Selbstjustiz üben? Darf einer, was auch immer er getan hat, durch Private öffentlich an den Pranger gestellt werden? Was sind die Konsequenzen? Ich habe an dieser Stelle geschrieben, was der «Blick» macht, «das ist kein Journalismus, das ist Hetze». Dann habe ich Peer Teuwsen in seinem Büro besucht, den Leiter des Schweizer Büros der «Zeit». In dieser Stunde der Amateure wollte ich wissen, was ein Profi sagt. Der Profi sagte: «Nein, Pranger ist nicht die Aufgabe der Journalisten. Die Aufgabe des Journalismus wäre aufzuklären, wäre zu zeigen, warum derartige Ereignisse geschehen. Und es wäre auch die Aufgabe des Journalismus, zu beruhigen. Nicht zu dramatisieren. Das Gegenteil passiert. Gewisse Journalisten verlieren jegliches Mass.»
Bis gestern bin ich davon ausgegangen, dass die Konsequenz des Prangers vor allem jene ist, dass der Angeprangerte – zusätzlich zur Bestrafung durch die Behörden – sozial krass in die Klemme kommt. Seit gestern weiss ich aber: Wer Selbstjustiz übt, muss selbst mit solcher rechnen. In diesem Falle der «Blick», der einen jungen Mann an den Pranger stellte, der eine Straftat begangen hatte, für die er eigentlich von einem Richter, jedoch nicht öffentlich vom Ringier-Konzern hätte verurteilt werden müssen. «Blick»-Reporter werden nun offenbar massiv bedroht. Weil Selbstjustiz nicht funktioniert, gibt es das Gewaltmonopol.
Es war der «Blick»-Sportchef, der öffentlich verkündet hat, dass der Rechtsstaat nicht mehr funktioniert, dass man nun das Recht in die eigene Hand nehmen müsse. Ich wehre mich dagegen, dass Leute wie der «Blick»-Sportchef Richter spielen, genauso wie ich mich dagegen wehre, dass irgendwo sonst Selbstjustiz und Faustrecht regieren. Ja Bubba, Journalisten müssen unter anderem Missstände aufdecken. Drum machen wir ja den Job. Aber sie dürfen nicht das Gesetz in die eigene Hand nehmen. Wenn Journalisten bedroht werden, weil sie Missstände aufdecken, dann ist dies skandalös. Mein persönlicher Held, der italienische Journalist Roberto Saviano, lebt im Untergrund. Ich bewundere ihn für seinen Mut.
Was der «Blick» macht ist nicht mutig, es ist feige. Diese Journalisten werden bedroht, weil sie irgendwelche Leute öffentlich so richtig fertig machen, anprangern, mitunter weil sie meinen, der Zeitgeist, die Mobstimmung erlaube das. Dass sie bedroht werden ist krass, ihr Vorgehen aber ist es auch. Heinrich Böll hat darüber ein Buch geschrieben: «Die verlorene Ehre der Katharina Blum – Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann». Er beschreibt darin die menschenverachtende Berichterstattung der Boulevardpresse. Das war 1974. Und schon 1974 war diese Berichterstattung kein Journalismus. In diesem, heutigen Fall ist es eine Hetze von aufgebrachten Fussballfans gegen andere Fussballfans. «Die Gewalt von Worten kann manchmal schlimmer sein als die von Ohrfeigen und Pistolen», sagte Böll über das Vorgehen der Boulevard-Presse. Gewaltbereite gegen Gewaltbereite: Die einen mit Schreibe und einem Millionenkonzern im Rücken, die anderen mit einem Farbdrucker und einem toten Fisch. Lassen wir uns von sogenannten Journalisten nicht den Journalismus zerstören.
«AUSDRÜCKE WIE NULLTOLERANZ SIND UNSÄGLICH POPULISTISCH»
In der Diskussion um Pyrotechnik in den Fussballstadien bemüht sich Basels designierter Präsident Bernhard Heusler um eine differenzierte Haltung
Sie wehrten sich bislang gegen radikale Massnahmen, um das Abbrennen von Feuerwerken in Stadien zu verhindern. Nun warfen FCZ-Fans gezündete Pyros in den GC-Sektor; beim Europa-League-Spiel des FCZ gegen Lazio Rom verlor ein Zürcher mehrere Finger, als eine Petarde in seiner Hand explodierte. Haben diese Vorfälle Ihre Einstellung verändert?
(Überlegt lange) Sie haben nichts verändert. Fanpolitik kann doch nicht ereignisabhängig sein. Wer nach dem schweren Unfall seine Meinung zu Pyros total ändert, war naiv oder in seiner Position nie glaubwürdig. Ich habe nie behauptet, Pyros seien ungefährlich, schön und in den Stadien zuzulassen. Meine Haltung war immer klar, und sie wird es auch nach den Ereignissen bleiben: keine Deals mit Fans, was Pyros betrifft, Stadionverbot gegen identifizierte Verwender von Pyros, aber auch Mut zur Differenzierung, Abstand von Kollektivstrafen und der pauschalen Stigmatisierung der Menschen in den Kurven.
Wie differenzieren Sie bei den genannten Vorfällen?
Es handelt sich zweimal um Missbrauch von Pyros. Im Derby wurde dieser Missbrauch erst dadurch möglich, dass sich im Stadion die einen Fans zum Sektor der anderen Fans begeben konnten. Im anderen Fall war es ein klassischer Unfall mit einer Petarde, die im Stadion eine Gefährdung darstellt für den Zündenden selbst, wegen des Lärms bei der Explosion aber auch für die Umstehenden. Bei beiden Vergehen ist nicht nur das Sprengstoff-, sondern zusätzlich wohl auch das Strafgesetz verletzt worden. Das ist inakzeptabel.
Sie unterscheiden auch zwischen der knallenden Petarde und der Fackel. Weshalb?
Eine Petarde wird immer geworfen; sie hat eine Explosionswirkung, und damit steigt die Gefahr für andere. Eine Petarde in einer Menschengruppe zu zünden, ist vom Gefährdungstatbestand und dem Verletzungsrisiko her etwas anderes, als wenn eine Fackel in die Höhe gehalten wird. Allerdings ist auch das eine Gesetzesübertretung, gefährlich und im Stadion verboten.
Trotzdem wehren Sie sich . . .
. . . gegen die totale Gleichstellung von Fackeln in der Hand und Gewalt gegen Menschen.
. . . und gegen den Versuch, Pyros im Stadion um fast jeden Preis oder mit Nulltoleranz zu verhindern.
Das ist richtig. Ausdrücke wie «Nulltoleranz» sind Worthülsen, unsäglich populistisch, sie dienen nur der Stimmungsmache. Sie klingen im ersten Augenblick toll. Im zweiten Moment aber sind die Fragen nach Güterabwägungen und der Rechtsstaatlichkeit zu stellen. Ausserhalb des Stadions sind wir es doch auch gewohnt zu differenzieren. Im Strassenverkehr beispielsweise ist es für die Bestrafung massgebend, ob jemand auf der Autobahn etwas zu schnell fährt oder ob er in angetrunkenem Zustand durch eine Fussgängerzone rast.
Welche Schattierungen sehen Sie beim Zünden von Pyros?
Das Verbot, Pyros im Stadion zu verwenden, kennt keine Schattierung. Bei der Bewertung, Verfolgung und Sanktionierung dieser Verbotsverletzung droht aber das Augenmass verloren zu gehen. Exemplarisch für den Umgang mit dem Thema ist das Ereignis in Rom. Neben dem Pyro-Unfall haben wir als Randnotiz vernommen, dass ein FCZ-Anhänger von einem Lazio-Rom-Fan niedergestochen wurde. Die Körperverletzung wird zur Nebensächlichkeit neben dem Pyro-Delikt.
Kommt der grosse Aufschrei der Öffentlichkeit nicht daher, dass bei Vergehen mit Pyros zuletzt zweimal Unbeteiligte verletzt wurden?
Aufschreien allein hilft nicht. Entscheidend ist die Frage, was wir aus den Vorfällen schliessen und wie sie in Zukunft möglichst verhindert werden können. Nur Nulltoleranz zu fordern, ohne einen konstruktiven Beitrag zu leisten, ist nicht hilfreich.
GC-Präsident Leutwiler hat verlangt, dass mit dem Abbrennen einer Fackel ein Spiel abgebrochen werden muss.
Ich frage mich: Ist es der richtige Weg, eine Kollektivstrafe zu verhängen? Mit einem Spielabbruch würden wir nicht nur den Fussball als Wettkampf zerstören und alle friedlichen Zuschauer abstrafen, wir würden ganz gezielt auf eine Selbstregulierung der Kurve in einer hochemotionalen Stresssituation hoffen.
Sie glauben, dass das extreme Krawalle auslösen könnte.
Ich könnte dies niemals verantworten. Ausserdem würden wir der Polizei die ohne ein Grossaufgebot nicht zu bewältigende Aufgabe übertragen, die Sicherheit zu garantieren bei Spielen, in denen vor Matchbeginn nicht klar ist, ob sie 60 Sekunden oder 90?Minuten dauern und in welchem emotionalen Umfeld ein Abbruch passieren würde. Eine solche Regelung schafft neue Sicherheitsrisiken, Mehrkosten und ein Gewaltpotenzial, das in keinem Verhältnis zur Schwere des Delikts steht.
Niemand weiss, wie einer mit der gezündeten Fackel umgeht: Hält er sie nur, oder wirft er sie auch? Muss es nicht deshalb das unbedingte Ziel sein, Pyros aus dem Stadion zu verbannen?
Ja, wenn es so einfach wäre. Wir investieren viel Geld, um Störer zu identifizieren. Wir führen aufwendige Eingangskontrollen durch, können aber trotzdem nicht garantieren, dass keine Pyros ins Stadion gelangen. Das ist in Deutschland trotz modernster Infrastruktur und Hundertschaften von Polizisten nicht anders.
Sie pflegen einen intensiven Austausch mit den Basler Fans und wissen, wer sich in der Kurve bewegt. Diese Leute wissen auch, dass sie dem Klub mit dem Zünden schaden. Wieso tun sie es trotzdem?
Das Bild ist mir zu romantisch. Tatsache ist, dass ich im Interesse des Klubs den Dialog mit den Fans, den Fanarbeitern und den Behörden führe. Der vielleicht 500-köpfige Kern der Fans ist zwar dem Klub sehr stark verbunden. Die Verbundenheit hat aber auch ihre Grenzen, weil die Fans sehr stark ihre eigene Kultur leben. Wir bewegen uns in einem Bereich, in dem es für einen Klub sehr schwierig ist, Einfluss zu nehmen. Umso wichtiger ist der offene Dialog, um präventiv Ereignisse zu verhindern, was immer wieder gelungen ist.
Es heisst, einzelne Gruppen einer Kurve seien gar nicht zum Dialog bereit.
Die Kurven sind sehr heterogen, sie stehen für eine junge Subkultur, die obrigkeitsfeindliche Züge aufweist. In ihrer Emotionalität machen sie nicht nur Stimmung, sondern bereiten auch Probleme. Eine absolute Kontrolle durch den Klub, den Staat oder Fans selbst gibt es nicht.
Gibt es Massnahmen, die helfen könnten, die Probleme zu verkleinern?
Ich nehme zur Kenntnis, dass die Polizei in jedem Einsatz das Prinzip der Verhältnismässigkeit anwendet. Mühe habe ich allerdings, wenn die Staatsgewalt mit Augenmass mit dem Problem umgeht, ich anderseits von Exponenten der Politik den Vorwurf höre, die Klubs würden nicht das Prinzip der Nulltoleranz anwenden. Sollen wir etwa mit privaten Schlägertrupps und ohne Rücksicht auf Schwerverletzte in die Fankurve gehen? Diese Frage beantworte ich mit einem Nein.
Stellen Sie fest, dass radikalere Forderungen gegen die Fans zu radikaleren Reaktionen der Fans führen?
In der Tendenz trifft dies zu: Je stärker man politisiert, ideologisiert, realitätsfremde Erwartungen hat und alle Fans in eine Ecke drückt, desto mehr stärkt man die radikalen Kräfte, weil in der Kultur unserer Fans eine generelle Solidarisierung mit den Betroffenen stattfindet. Deshalb müssen die Klubs versuchen, eine möglichst grosse und für uns ansprechbare Gruppe zu integrieren. Gerade diese Gruppe kann entscheidend sein. Jüngst entschieden unsere Fans vor dem Spiel gegen den FCZ, vom Bahnhof Altstetten nicht zum Stadion zu marschieren, sondern wieder heimzufahren, weil sie nicht garantieren konnten, dass es bei 700, 800 Leuten nicht beim einen oder anderen zu einer Verletzung der Gesetze kommen wird.
Die Zürcher Polizei hatte unter dem Eindruck des abgebrochenen Derbys eine Woche zuvor gedroht, bei jeder Gesetzesübertretung auf dem Marsch, wie etwa Abbrennen von Pyros und Vermummung sofort einzugreifen. War das für Sie nachvollziehbar?
Das war aufgrund der politischen Grosswetterlage nachvollziehbar. Natürlich aber bestand kein Zusammenhang zwischen den Ereignissen am Derby und der Bedrohungslage durch den Marsch der FCB-Anhänger. Es sollte wohl an jenem Sonntag seitens der Stadt Zürich ein Zeichen gesetzt werden. Dies ist gelungen.
Die Polizei kann behaupten, dass sie recht hatte. Es blieb ruhig beim Spiel.
Wir wissen aber auch, dass sich auf einem an einem Nachmittag gesperrten Autobahnstück garantiert kein Unfall ereignet. Für die allgemeine Verkehrssicherheit haben wir damit noch nichts gewonnen. Erlebt haben wir an diesem Nachmittag im Stadion, wie es ist, wenn keine Fans am Spiel sind, weil die Südkurve aus Solidarität mit den Baslern in den ersten 10 Minuten keine Stimmung machte. Es bleibt dabei, dass sich in diesen Fankurven Menschen aus unserer Gesellschaft befinden - was hin und wieder vergessen geht. Und dass diese Menschen auch unglaublich viele positive Emotionen und Energien in den Fussball stecken.
Ist es zu viel verlangt, dass Fans auf dem Marsch zum Stadion die Gesetze respektieren?
Auf keinen Fall. Doch immer, wenn wir es mit einer grösseren Gruppe zu tun haben, sei das bei einem Fanmarsch, bei einer Demonstration oder der Basler Fasnacht, müssen wir einen Weg finden, wie wir die negativen Auswirkungen der Masse in Kauf nehmen, um die positiven Aspekte zuzulassen. Wenn wir garantiert die negativen Aspekte nicht mehr wollen in den Stadien, dann muss der Fussball ohne sie stattfinden. Ich zweifle daran,
dass der Schweizer Fussball dies überleben würde.
Master hat geschrieben:gott!
schesl hat geschrieben:GOTT!!