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Ost-Erweiterung der Personenfreizügigkeit

Verfasst: 30. Aug 2005, 21:43
von Admin
Worum geht es?
Das geltende Abkommen mit der EU über die Personenfreizügigkeit soll schrittweise und kontrolliert auf die zehn neuen EU-Mitgliedstaaten ausgedehnt werden; zu diesem Zweck hat die Schweiz mit der EU ein ergänzendes Protokoll ausgehandelt. Gleichzeitig schlagen Bundesrat und Parlament eine Verbesserung der flankierenden Massnahmen vor, damit Billiglöhne und missbräuchliche Arbeitsbedingungen wirksamer bekämpft werden können. Gegen die Vorlage wurde das Referendum ergriffen.
Abstimmungsbroschüre
http://www.admin.ch/ch/d/pore/va/200509 ... index.html

JA-Komitees
http://www.wirtschaftskomitee.ch/
http://www.bilaterale.ch/webexplorer.cfm?ID=1&tlid=1
http://www.personenfreizuegigkeit-nein.ch/
...

NEIN-Komitees
http://www.ost-personenfreizuegigkeit.info/
http://www.ost-personenfreizuegigkeit-nein.ch/
...

Parolenspiegel
http://www.europa.admin.ch/ba/pers/parolen/d/index.htm

Verfasst: 30. Aug 2005, 21:52
von Admin
Ok, die erste JA-Stimme stammt natürlich von mir... Auf Wunsch von UC begründe ich kurz mein Ja:
  • Je offener Märkte sind, desto effizienter sind sie. Ein effizienter Markt maximiert die Gesamtwohlfahrt, ist für mich also oberstes Ziel eines Staates (unter gewissen Bedingungen).
  • Mögliche unerwünschte Effekte durch die Freizügigkeit werden durch flankierende Massnahmen bestmöglich abgefedert.
  • Eine Masseneinwanderung ist nicht zu erwarten. Dies geschah nicht, als z.B. Portugiesen frei in die Schweiz einwandern konnten, es geschah auch nicht, als die jetztigen neuen EU-Mitglieder in die "alte" EU einwandern konnten. Kulturelle, sprachliche und andere Barrieren sind schlicht zu hoch.
  • Mit einer allfälligen Senkung des Lohnniveaus geht eine entsprechende Preisniveau-Senkung einher. Tiefere Löhne sind nicht per se schlecht - was zählt, ist die Produktivität
  • Auch wenn man der Meinung ist, dass durch Annahme der Vorlage negative Folgen leicht überwiegen, wäre ein Ja durchaus angebracht - eine Diskriminierung der verschiedenen Länder der EU ist meiner Meinung nach nicht tolerierbar.
Das wären so die wichtigsten Argumente, die klar für ein Ja sprechen. Ich bin gerne bereit, allfällige Gegenargumente zu kontern (vielleicht fallen mir auch noch weitere Pro-Argumente ein) - auf jetzt zum Duell, UC! :roll:

Verfasst: 30. Aug 2005, 21:57
von UNDERCOVER
bitte generell alle, auch die nein-stimmer, ihr votum mit argumenten und beweggründen zu untermauern. ;)

Verfasst: 30. Aug 2005, 21:59
von lucerne
Admin hat geschrieben:Ok, die erste JA-Stimme stammt natürlich von mir... Auf Wunsch von UC begründe ich kurz mein Ja:
  • Je offener Märkte sind, desto effizienter sind sie. Ein effizienter Markt maximiert die Gesamtwohlfahrt, ist für mich also oberstes Ziel eines Staates (unter gewissen Bedingungen).
  • Mögliche unerwünschte Effekte durch die Freizügigkeit werden durch flankierende Massnahmen bestmöglich abgefedert.
  • Eine Masseneinwanderung ist nicht zu erwarten. Dies geschah nicht, als z.B. Portugiesen frei in die Schweiz einwandern konnten, es geschah auch nicht, als die jetztigen neuen EU-Mitglieder in die "alte" EU einwandern konnten. Kulturelle, sprachliche und andere Barrieren sind schlicht zu hoch.
  • Mit einer allfälligen Senkung des Lohnniveaus geht eine entsprechende Preisniveau-Senkung einher. Tiefere Löhne sind nicht per se schlecht - was zählt, ist die Produktivität
Das wären so die wichtigsten Argumente, die klar für ein Ja sprechen. Ich bin gerne bereit, allfällige Gegenargumente zu kontern (vielleicht fallen mir auch noch weitere Pro-Argumente ein) - auf jetzt zum Duell, UC! :roll:
warum sollte uc dagegen was einzuwenden haben?

jeder vernünftige geist, der eben nicht von irgendwelchem (wie oben aufgezeigt ungegründeten) ängsten geleitet ist, stimmt ja!

Verfasst: 30. Aug 2005, 22:00
von Admin
lucerne hat geschrieben:warum sollte uc dagegen was einzuwenden haben?
Dachte, er sei dagegen, weil er mich aufforderte, Pro-Argumente zu bringen. Scheinbar ist das nicht der Fall.

Verfasst: 30. Aug 2005, 22:22
von homersimpson
Ich bin dagegen, schon aus dem Grund das Nachher auf dem Bau viele aus dem Ostblock und Deutsche arbeiten werden---> das sind billige arbeitskräfte--->die Löhne senken sich.

Verfasst: 30. Aug 2005, 22:27
von Admin
homersimpson hat geschrieben:Ich bin dagegen, schon aus dem Grund das Nachher auf dem Bau viele aus dem Ostblock und Deutsche arbeiten werden---> das sind billige arbeitskräfte--->die Löhne senken sich.
--> dadurch können die baufirmen billiger offerieren --> baukosten für ein projekt sinken --> investitionstätigkeit wird angekurbelt --> wirtschaftswachstum --> arbeitsplätze werden geschaffen :idea:

Verfasst: 30. Aug 2005, 22:28
von LU-57
Deutsche können schon jetzt (und tun das auch) bei uns arbeiten und unsere Löhne drücken...!

Trotzdem auch eher dagegen, schlussendlich gewinnen bei alle den Liberalisierungen und Öffnungen ja eh nur die Cüpli-Etage der grossen Firmen...! :x

Verfasst: 30. Aug 2005, 22:32
von Admin
LU-57 hat geschrieben:Trotzdem auch eher dagegen, schlussendlich gewinnen bei alle den Liberalisierungen und Öffnungen ja eh nur die Cüpli-Etage der grossen Firmen...! :x
Abschottungen führen halt einfach dazu, dass die Schweiz im internationalen Wettbewerb weniger kompetitiv ist, weil sie astronomisch hohe Lohnkosten hat. Das führt dann unmittelbar dazu, dass Arbeitsplätze aus der Schweiz ins (billigere) Ausland verlegt werden :arrow: Arbeitslosigkeit in der Schweiz steigt an.

Verfasst: 30. Aug 2005, 22:37
von homersimpson
--> dadurch können die baufirmen billiger offerieren --> baukosten für ein projekt sinken --> investitionstätigkeit wird angekurbelt --> wirtschaftswachstum --> arbeitsplätze werden geschaffen
Bin da anderer Meinung..Arbeitsplätze werden schon geschaffen, aber sie werden von Ausländeren eingenommen und die arbeitslosigkeit in der Schweiz steigt weiter.(Das ist nicht gut für die Wirtschaft!) Das Leben im Ausland ist viel billiger als hier und wen z.B. ein Deutscher hier eine Zeit lang arbeitet kann er sich daheim schon einiges leisten.. der Schwizer aber verhungert, grob gesagt. Und dann kommt noch dazu das es auf dem Bau im Ausland eine viel schlechtere Ausbildung gibt und ich finde den hohen Schweizer Standart sollte man beibehalten. Deshalb bin ich auch hundertprozent gegen die Personenfreizügigkeit.


@LU-57 Geb ich dier recht hat jetzt schon zuviel davon. Und diesesmal gewinnt die Cüplietage nicht!!!!!!!!! :twisted:

Verfasst: 30. Aug 2005, 22:48
von LU-57
@Admin: Was bringt es uns, wenn unsere Wirtschaft wächst ohne Ende, unsere Firmen Gewinne einfahren wie nie, wir gegenüber dem Ausland wieder an Wettbewerbsfähigkeit aufholen, unsere Börsen blühen und wir sogar preislich wieder mit ausländischen Anbieteren konkurrentieren können, wenn dafür "nurnoch" Ausländer in unseren Betrieben arbeiten und wir Schweizer auf der Strasse stehen oder für "Hungerslöhne" arbeiten müssen...! Etwas überspitzt gesagt, aber es kann wohl kaum das Ziel sein durch ausländische Billigarbeiter hier das Lohnnniveau zu senken, nur damit wir wettbewerbsfähig bleiben, ect.! Wenn eine Firma nur auf Kohle aus ist kann sie, wie du sagst, auch gleich nach China produzieren gehen! Was bringt uns eine Firma, bei der nur Ausländer arbeiten? Nichts, rein Nichts, mit den fetten Gewinnen wirft sie nicht annähernd genügend Steuern ab, um auch nur einen Bruchteil der entlassenen Schweizern die Sozialhilfe zu finanzieren!

Zu astronomisch hohe Lohnkosten: Wer spricht hier immer von Produktivität? :wink: Wir haben noch heute die niedrigste Arbeitslosigkeit, trotz Nicht-EU-Mitglied, und werden das auch behalten sofern sich unsere Wirtschaft endlich wieder von dieser Scheiss US-Manager-Linie verabschiedet, Öffnungen sind zweitrangig, die Wirtschaft macht auch heute schon Milliardengewinne wie nie zuvor...!

Das mal einfach so allgemein gesagt, Schwarzmalerei wegen einer Abstimmung suxxs nämlich, schlussendlich wird ja ein Ja wie ein Nein eh nur halb so schlimme oder positive Auswirkungen haben wie befürchtet/erhofft wird...! Bis zum nächsten EU-Beitritt sind eh alles nur halbe Sachen...!

(das nur zu den Aussagen von Admin, glaube ja eigentlich auch eher nicht daran, das wir bei einem Ja von einer Billiglohnarbeiterwelle überschwemmt werden, auch wenn mir die Entwicklung in (Ost)Deutschland schon etwas Sorge bereitet)

Verfasst: 30. Aug 2005, 22:58
von UNDERCOVER
LU-57 hat geschrieben:@Admin: Was bringt es uns, wenn unsere Wirtschaft wächst ohne Ende, unsere Firmen Gewinne einfahren wie nie, wir gegenüber dem Ausland wieder an Wettbewerbsfähigkeit aufholen, unsere Börsen blühen und wir sogar preislich wieder mit ausländischen Anbieteren konkurrentieren können, wenn dafür "nurnoch" Ausländer in unseren Betrieben arbeiten und wir Schweizer auf der Strasse stehen oder für "Hungerslöhne" arbeiten müssen...! Etwas überspitzt gesagt, aber es kann wohl kaum das Ziel sein durch ausländische Billigarbeiter hier das Lohnnniveau zu senken, nur damit wir wettbewerbsfähig bleiben, ect.! Wenn eine Firma nur auf Kohle aus ist kann sie, wie du sagst, auch gleich nach China produzieren gehen! Was bringt uns eine Firma, bei der nur Ausländer arbeiten? Nichts, rein Nichts, mit den fetten Gewinnen wirft sie nicht annähernd genügend Steuern ab, um auch nur einen Bruchteil der entlassenen Schweizern die Sozialhilfe zu finanzieren!
etwas mehr selbstvertrauen! ;)
du kannst was, hast eine sehr gute ausbildung (im internationalen vergleich sowieso), kennst die hiessigen verhältnisse und bist gut integriert. auch das zählt auf dem arbeitsmarkt!

die situation, dass in einer firma mit sitz in der schweiz nur noch ausländer arbeiten werden, wird wohl länger nicht eintreffen. ein in der schweiz lebender und arbeitender ausländer benötig nahezu dieselbe geldmenge, um zu überleben. mieten sind für ihn nicht günstiger, lohnnebenkosten nicht niedriger. das einzige reelle problem, dass ich sehe ist folgendes: während ein schweizer seine familie hier hat, lebt diejenige einer ausländischen arbeitskraft evtl. im günstigeren ausland, was dem ausländer einen kleinen vorteil bringen kann. allerdings lässt sich auch dieser wieder relativieren (z.b. durch höhere reisekosten, da er wohl regelmässig ins heimatland reisen wird, etc.).

Verfasst: 30. Aug 2005, 23:03
von LU-57
War ja eben auch auf die Aussage von Admin (--> dadurch können die baufirmen billiger offerieren --> baukosten für ein projekt sinken --> investitionstätigkeit wird angekurbelt --> wirtschaftswachstum --> arbeitsplätze werden geschaffen ) bezogen und weniger auf den Ausgang der Abstimmung...! (schon wieder Off-Topic im Off-Topic... :wink: )
Das ein solch extremer Fall nicht eintreffen wird versteht sich von selbst...!

Verfasst: 31. Aug 2005, 07:55
von rubber
homersimpson hat geschrieben:Das Leben im Ausland ist viel billiger als hier und wen z.B. ein Deutscher hier eine Zeit lang arbeitet kann er sich daheim schon einiges leisten.. der Schwizer aber verhungert, grob gesagt.
Ausländer die in der Schweiz arbeiten leben zu einem grossen teil auch hier, müssen also mit den gleichen lebensunterhaltskosten auskommen wie wir. das ist bei allen immer ein thema, viele ausländer die in die CH arbeiten kommen, haben eben genau das selbe bild (in der CH verdienst du ja viel mehr) dass das leben hier aber auch teurer ist vergessen sie oft. :arrow: www.hallo-schweiz.de (homepage von in der schweiz lebenden deutschen, ist noch ganz interessant da meil reinzuschnuppern)

Verfasst: 31. Aug 2005, 08:21
von Partyanimal
LU-57 hat geschrieben:[...] endlich wieder von dieser Scheiss US-Manager-Linie verabschiedet [...]
Was ist denn die US-Manager-Linie?

Verfasst: 31. Aug 2005, 08:29
von Camel
hehe
http://www.hallo-schweiz.de/CH_7_Sprache.htm
Morgens, kurz vor 8 Uhr am Frühstückstisch. Radio läuft. Standardmässig ist "DRS drüü" eingestellt. Also Zeit für "Tango", ein Quiz, bei dem es darum geht, als erster (von zwei Kandidaten) auf Fragen zu einem bestimmten Thema zu antworten. Thema heute: "Knöpfe". Noch ist alles klar.
Die erste Frage lautet in etwa: "Was brauchts für einen Knopf?" Antwort: "Ein Knopfloch." - Soweit, so gut.
Nächste Frage: "Womit lernen Kinder einen Knopf?" - Erste Verwunderung. Antwort auf die Frage: "Mit einem Schnürsenkel." - Aha! Hmmm ... ?

Verfasst: 31. Aug 2005, 08:43
von rubber
CUMK Camel hat geschrieben:hehe
http://www.hallo-schweiz.de/CH_7_Sprache.htm
Morgens, kurz vor 8 Uhr am Frühstückstisch. Radio läuft. Standardmässig ist "DRS drüü" eingestellt. Also Zeit für "Tango", ein Quiz, bei dem es darum geht, als erster (von zwei Kandidaten) auf Fragen zu einem bestimmten Thema zu antworten. Thema heute: "Knöpfe". Noch ist alles klar.
Die erste Frage lautet in etwa: "Was brauchts für einen Knopf?" Antwort: "Ein Knopfloch." - Soweit, so gut.
Nächste Frage: "Womit lernen Kinder einen Knopf?" - Erste Verwunderung. Antwort auf die Frage: "Mit einem Schnürsenkel." - Aha! Hmmm ... ?
für mich ist diese seite schon fast kult, hat auf jeden fall einen enormen unterhaltungswert :D

Verfasst: 31. Aug 2005, 09:24
von Radiohead
Unglaublich wie leicht man die Leute mit billigen Parolen für ihre Seite gewinnen kann. Wieder einmal ein Abstimmungskampf bei dem die ganz rechte Seite gar nicht das Thema behandelt sondern einfach mit Stammtischparolen überzeugen will.

"Mehr Ausländer"-Stimmungsmache...blablabla... die würden auch ohne diese Osterweiterung kommen. Schengen/Dublin scheint wohl schon wieder eine Weile her zu sein...

"Lohndumping"....blablabla... wenn sogar die Gewerkschaften zustimmen und diese die flankierenden Massnahmen überzeugt hat, dann dürften diese Ängste völlig unbegründet sein. Aber macht sich natürlich immer gut die Stimmenden einzuschüchtern.

und viele vergessen wohl, dass man ohne ausländische Arbeitskräfte die schweizer Wirtschaft nicht "auf Trab halten kann". Es gibt sehr viele offene (Lehr-) Stellen v.a. in handwerklichen Berufen, weil viele Junge halt lieber studieren, das KV machen oder in die IT-Branche einsteigen wollen. In diesem Bereich sind wir also auf Ausländer angewiesen.
Dass keine Flut an Ausländer kommen wird, das haben so ziemlich alle Länder aus der ursprünglichen EU bewiesen. Und vielleicht sollte man auch mal die Wirtschaftfähigkeit dieser Oststaaten anschauen, die meisten haben das höhere Wachstum als die Schweiz. :idea:

Verfasst: 31. Aug 2005, 09:37
von Backofenvorheizer
Gruss an Ivenhoe

Verfasst: 31. Aug 2005, 09:48
von Radiohead
:?: