Beitrag
von Stecki » 8. Jun 2009, 07:40
Durchgestartet – Es war das Fehlurteil des Jahres, João Paiva als «Strandfussballer» abzukanzeln. Jetzt trifft er mit allen Körperteilen und jagt den Luzerner die halbe Liga.
Alles begann mit der Kolumne von Ilja Kaenzig am 1. September letzten Jahres im «Blick am Abend». Der Ex-Leverkusen- und Hannover-Manager fasste die Luzerner Transfers von Paiva und eines gewissen Frantz Bertin so zusammen: «Das klingt wie in der Metzgerei: Darfs ein bisschen mehr sein?» Im Dezember setzte Kaenzig noch einen drauf und verpasste dem Portugiesen die Attribute «Exoten-Transfer» und «Strandfussballer».
Derweil Bertin bald wieder im Niemandsland verschwand, liess das Urteil Paiva kalt. «Ich respektiere andere Meinungen, fokussiere mich aber nicht auf die Lektüre von Zeitungen.» Die Antwort gab er ohnehin auf dem Platz. Neun Tore schoss er im Jahr 2009. Damit ist er die Nummer 3 hinter Seydou Doumbia (15) und Almen Abdi (10).
Der FC Luzern ist eine Option
Andere Klubs waren schon im Winter auf den ehemaligen U17-Europameister aufmerksam geworden. Doch Luzern verlängerte den im Dezember auslaufenden Probevertrag bis Ende Saison. Jetzt gehts ans Eingemachte. Sion, Xamax und St. Gallen sollen Interesse am bloss 1,74 Meter grossen Stürmer haben. Ein Luxusproblem, das Paiva nicht jetzt lösen mag: «Nun gilt mein Augenmerk ausschliesslich Lugano. Das Einzige, was ich sage: Der FC Luzern ist eine Option. Eine wichtige gar.»
Tönt nach Vorteil FCL. Denn hier hat der Mann, der zuletzt vier Jahre durch die zypriotische Liga getingelt ist und letzte Saison gerade mal zwei Tore für Alki Larnaca erzielt hatte, wieder Fuss gefasst. Seine Karriere könnte auf Umwegen doch noch irgendwann dort weitergehen, wo man es vermutet, wenn einer bei Sporting Lissabon als Riesentalent gilt und in Portugals Juniorenauswahlen regelmässig trifft.
Besser als Lugano
Doch damit es zu einer Verlängerung in Luzern kommen kann, sind die Barrage-Spiele gegen Lugano zu überstehen. Paivas Meinung ist dezidiert: «Bei allem Respekt für Lugano – aber wenn wenn wir uns auf uns konzentrieren, sind wir besser. Wir waren schliesslich eines der besten Teams der Rückrunde.»
Was den Portugiesen auszeichnet: Er macht seine Tore mit allen Körperteilen. Vier mit dem Kopf, vier auch mit dem rechten und drei mit dem linken Fuss. «Er hat einen guten Torriecher», attestiert ihm auch FCL-Stürmertrainer Petar Aleksandrov, der Nati-A-Torschützenkönig von 1995 und 1996.
Der Transfer des Jahres
Mittlerweile hat Kaenzig sein Urteil massiv revidiert. No-Name-Stürmer Paiva habe sich zum Goalgetter entwickelt, schrieb der Kolumnist im März. Und adelte Paiva im April schliesslich. Er sei zu Unrecht als Strandfussballer bezeichnet worden: «João Paiva ist der Transfer des Jahres. Er macht im Abstiegskampf den Unterschied aus und wird Luzern retten.»
Schön, wenn Meinungen korrigiert würden, sagt Paiva und vergleicht seinen Fall mit dem des Stürmers Liedson: «Als dieser vor sechs Jahren zu Sporting wechselte, verspotteten alle den kleinen Brasilianer. Heute ist er der beste Torschütze in der Geschichte von Sporting.»
87 Tore hat Liedson gemacht. Bei bloss einem Zentimeter mehr Körperlänge als Paiva.