Patrick Foletti
Verfasst: 8. Apr 2003, 14:53
"Eine gesunde Truppe. Das ist unsere Stärke!"
Von Derby County zu Kriens: Binnen weniger Monaten machte Patrick Foletti mit zwei grundverschiedenen Fussballwelten Bekanntschaft. Jetzt will der Tessiner in bescheidener Umgebung brillieren, um sich wieder einen Platz an der Sonne zu ergattern.
Par David Barras
Übersetzung: Edouard Stutz
Patrick Foletti ist im Tessin zur Welt gekommen. Sein Vater ist Schweizer, seine Mutter aber Engländerin. Patrick Folettis einzige Nationalität aber ist... Sport. Mit 19 verliess er zwecks Studium seine Familie wie viele Tessiner, um sich in der ETH Zürich zum Turn- und Sportlehrer ausbilden zu lassen. «Damals trainierte ich mit der zweiten Garnitur der Grasshoppers . Am Freitag verliess ich jeweils Zürich um mit Mendrisio in der Ersten Liga zu spielen. Ich verbrachte mehr Zeit im Bus und im Zug als zu Hause!» Dass er es auch im Fussball zu etwas gebracht hat, schreibt er eher dem Zufall zu. „Nach einem Jahr fragte ich Urs Meier, damals Nachwuchs-Coach und Assistenz-Trainer der ersten Mannschaft von GC, ob er mir einen Amateur-Verein in der Gegend von Zürich vermitteln könnte. Er schlug mir den Posten eines dritten Hüters von GC in der NLA vor!» Pascal Zuberbühler erkrankte, Roberto Böckli verletzte sich: Christian Gross griff im März 1995 aus Not auf Patrick Foletti zurück. «Wir gewannen 3:2 gegen Lausanne. Subiat schoss alle drei Treffer.» In der Saison darauf, wurde er zehn Mal in die Stammelf berufen. Dazu bestritt er drei Spiele in der Champions League: 0:0 gegen Ajax, 3:3 gegen Ferencvaros und beim 0:2 in Madrid gegen Real bezwang ihn Zamorano zweimal!
Die „Schweizer Woche" schrieb am 8. November 1995: „Die Zürcher Grasshoppers haben seit letztem Mittwoch ein Torhüterproblem. Hinter dem designierten Nati-Goalie Patrick Zuberbühler drängt sich nach der Weltklasseleistung gegen Ajax Amsterdam auch der erst 21jährige Tessiner Patrick Foletti auf. Dabei hat Foletti bei GC gar keinen Vertrag und verdient sich deshalb seinen Unterhalt teilweise als Securitas-Wächter. Neben Einsatzprämien bezahlt ihm der Verein einzig die Unterkunft (330 Franken für sein Studentenzimmer) in Zürich."
Doch dann kehrte wieder Alltag ein. 1997 ging er zu Schaffhausen in die NLB, denn er brauchte mehr Spielpraxis. Dann der FC Luzern. «Drei fantastische Jahre! Ohne die finanziellen Probleme des FCL, wäre ich noch immer dort!» Er schien seine Chance als „English citizen" bei Derby County in der Premier League packen zu können. Doch kam er nur zweimal zum Einsatz. «Doch in diesem halben Jahr machte ich einen Reifeprozess durch. Ich entdeckte eine andere (Fussball-)Welt. Die Bilder und Impressionen überstürzen sich in meinem Kopf. Alles war viel zu schnell vorbei.» Stammhüter Mart Poom (der Estländer, der ehemals bei Wil war!) kehrte nach seiner Verletzung zurück. Foletti wurde von Coventry getestet, dann auch in Schottland (Kilmarnock) und in Italien (Avellino). Um schliesslich Ende August 2002 als Ersatz für den verletzten Grégory Mathey beim... SC Kriens zu landen. «Alles was zählte war endlich wieder mal zu spielen. Jetzt heisst mein Ziel, unserer relativ jungen Truppe mit meiner Erfahrung behilflich zu sein.»
Patrick Foletti, Kriens auf dem 2. Platz der Aufstiegsrunde. Bahnt sich da was an?
Wir profitieren vom ausgezeichneten Klima, das in unserer Mannschaft vorherrscht. In Kriens kämpft jeder für seinen Mitspieler. Das Kader ist gesund. Das ist unsere Stärke! St. Gallen hat es am eigenen Leib erfahren. Die «Espen» waren zwar auch elf auf dem Platz, doch machte das noch keine Mannschaft aus.
Im Ernst: kann der SC Kriens einen einzigen Gedanken an den Aufstieg verschwenden?
Jetzt liegen wir an zweiter Stelle. Doch abgerechnet wird natürlich erst am 6. Juni. Ausser den Aarauern, die wieder zu den «Unabsteigbaren» geworden sind, scheint noch alles offen.
Wo soll man denn den SC Kriens in der Hierarchie des helvetischen Fussballs ansiedeln?
Der Aufstieg kann nicht ein Ziel als solches sein. Ich glaube sogar, dass die Schweizer Fussballlandschaft durch eine Rückkehr Kriens' in die NLA kaum bereichert würde. Wir wollen jedoch bis zuletzt an der Spitze mitreden. Wir wollen unserem Publikum den bestmöglichen Spektakel bieten und aus der Mannschaft ein Sprungbrett für gute Spieler machen.
"KRIENS SOLL ZUM AUSBILDNER WERDEN"
Im Sommer will sich derVerein mit einer neuen Philosophie schmücken. Was halten Sie davon?
Die Sportpolitik des SC Kriens ist ausgezeichnet. Haben die Vereinsverantwortlichen hundert Franken zur Verfügung, werden sie deren 99 ausgeben, respektive investieren und den bleibenden Franken auf die hohe Kante legen! Ein Beispiel gefällig? Da es die Finanzen nicht möglich machen, wird unser neuer Trainer, der Ex-Internationale Stefan Marini, keinen Profivertrag bekommen. In Zukunft soll unser Verein keine überdimensionierten Ambitionen hegen, sondern sich voll der Nachführung junger Spieler widmen.
Kann sich der jetzt schon bekannte Wegzug von Trainer Urs Schönenberger negativ auswirken?
Dass so etwas schon so früh an die Öffentlichkeit kommt, ist sicher für die Motivation des Ensembles nicht förderlich. Doch hier sind wir alles verantwortungsbewusste Spieler, die auf den Platz gehen. Alles Aussenstehende verliert schnell an schlagender Auswirkung.
Am Samstag kommt der Spitzenkampf beim Leader Aarau. Eine Vorhersage?
Wir wollen auch in diesem Spiel unseren Spass haben, uns jeglichen Druckes entledigen. Für uns ist dies ein massgebender Umstand. In einer nur auf das Resultat ausgerichteten Fussballwelt, haben wir das Glück, unbeschwert aufspielen zu können. Unter diesen Umständen liegt ein Punktgewinn drin.
Der Torhüter des SC Kriens könnte mehr Arbeit als sonst haben…
Na und? Das liebe ich doch! Umso mehr Arbeit ein Goalie hat, umso leichter fällt es ihm, konzentriert zu bleiben. Als ich nach Kriens kam, hatte ich die Absicht, mich gut in Szene zu setzen. Ich will mich profilieren, um im Sommer wieder einen ambitionierten Verein zu finden.
Denkt man mit 29 bereits an das Leben «danach»?
Natürlich. 1998 holte ich mir endlich das Turn- und Sportlehrerdiplom an der ETH. So etwas wie eine Rückversicherung! Daneben träume ich auch noch von meiner Goalie-Schule. Ich halte meine Ideen bereits schriftlich fest. Ich bin überzeugt, dass die Rolle und die Ausbildung der Torhüter unterschätzt wird. Die spezifische Tätigkeit des Goalies wird nicht mit genügender Sorgfalt beachtet. Die Aufgaben des hintersten Mannes der Mannschaft gleichen mitnichten denen eines Feldspielers.
07.04.2003
Von Derby County zu Kriens: Binnen weniger Monaten machte Patrick Foletti mit zwei grundverschiedenen Fussballwelten Bekanntschaft. Jetzt will der Tessiner in bescheidener Umgebung brillieren, um sich wieder einen Platz an der Sonne zu ergattern.
Par David Barras
Übersetzung: Edouard Stutz
Patrick Foletti ist im Tessin zur Welt gekommen. Sein Vater ist Schweizer, seine Mutter aber Engländerin. Patrick Folettis einzige Nationalität aber ist... Sport. Mit 19 verliess er zwecks Studium seine Familie wie viele Tessiner, um sich in der ETH Zürich zum Turn- und Sportlehrer ausbilden zu lassen. «Damals trainierte ich mit der zweiten Garnitur der Grasshoppers . Am Freitag verliess ich jeweils Zürich um mit Mendrisio in der Ersten Liga zu spielen. Ich verbrachte mehr Zeit im Bus und im Zug als zu Hause!» Dass er es auch im Fussball zu etwas gebracht hat, schreibt er eher dem Zufall zu. „Nach einem Jahr fragte ich Urs Meier, damals Nachwuchs-Coach und Assistenz-Trainer der ersten Mannschaft von GC, ob er mir einen Amateur-Verein in der Gegend von Zürich vermitteln könnte. Er schlug mir den Posten eines dritten Hüters von GC in der NLA vor!» Pascal Zuberbühler erkrankte, Roberto Böckli verletzte sich: Christian Gross griff im März 1995 aus Not auf Patrick Foletti zurück. «Wir gewannen 3:2 gegen Lausanne. Subiat schoss alle drei Treffer.» In der Saison darauf, wurde er zehn Mal in die Stammelf berufen. Dazu bestritt er drei Spiele in der Champions League: 0:0 gegen Ajax, 3:3 gegen Ferencvaros und beim 0:2 in Madrid gegen Real bezwang ihn Zamorano zweimal!
Die „Schweizer Woche" schrieb am 8. November 1995: „Die Zürcher Grasshoppers haben seit letztem Mittwoch ein Torhüterproblem. Hinter dem designierten Nati-Goalie Patrick Zuberbühler drängt sich nach der Weltklasseleistung gegen Ajax Amsterdam auch der erst 21jährige Tessiner Patrick Foletti auf. Dabei hat Foletti bei GC gar keinen Vertrag und verdient sich deshalb seinen Unterhalt teilweise als Securitas-Wächter. Neben Einsatzprämien bezahlt ihm der Verein einzig die Unterkunft (330 Franken für sein Studentenzimmer) in Zürich."
Doch dann kehrte wieder Alltag ein. 1997 ging er zu Schaffhausen in die NLB, denn er brauchte mehr Spielpraxis. Dann der FC Luzern. «Drei fantastische Jahre! Ohne die finanziellen Probleme des FCL, wäre ich noch immer dort!» Er schien seine Chance als „English citizen" bei Derby County in der Premier League packen zu können. Doch kam er nur zweimal zum Einsatz. «Doch in diesem halben Jahr machte ich einen Reifeprozess durch. Ich entdeckte eine andere (Fussball-)Welt. Die Bilder und Impressionen überstürzen sich in meinem Kopf. Alles war viel zu schnell vorbei.» Stammhüter Mart Poom (der Estländer, der ehemals bei Wil war!) kehrte nach seiner Verletzung zurück. Foletti wurde von Coventry getestet, dann auch in Schottland (Kilmarnock) und in Italien (Avellino). Um schliesslich Ende August 2002 als Ersatz für den verletzten Grégory Mathey beim... SC Kriens zu landen. «Alles was zählte war endlich wieder mal zu spielen. Jetzt heisst mein Ziel, unserer relativ jungen Truppe mit meiner Erfahrung behilflich zu sein.»
Patrick Foletti, Kriens auf dem 2. Platz der Aufstiegsrunde. Bahnt sich da was an?
Wir profitieren vom ausgezeichneten Klima, das in unserer Mannschaft vorherrscht. In Kriens kämpft jeder für seinen Mitspieler. Das Kader ist gesund. Das ist unsere Stärke! St. Gallen hat es am eigenen Leib erfahren. Die «Espen» waren zwar auch elf auf dem Platz, doch machte das noch keine Mannschaft aus.
Im Ernst: kann der SC Kriens einen einzigen Gedanken an den Aufstieg verschwenden?
Jetzt liegen wir an zweiter Stelle. Doch abgerechnet wird natürlich erst am 6. Juni. Ausser den Aarauern, die wieder zu den «Unabsteigbaren» geworden sind, scheint noch alles offen.
Wo soll man denn den SC Kriens in der Hierarchie des helvetischen Fussballs ansiedeln?
Der Aufstieg kann nicht ein Ziel als solches sein. Ich glaube sogar, dass die Schweizer Fussballlandschaft durch eine Rückkehr Kriens' in die NLA kaum bereichert würde. Wir wollen jedoch bis zuletzt an der Spitze mitreden. Wir wollen unserem Publikum den bestmöglichen Spektakel bieten und aus der Mannschaft ein Sprungbrett für gute Spieler machen.
"KRIENS SOLL ZUM AUSBILDNER WERDEN"
Im Sommer will sich derVerein mit einer neuen Philosophie schmücken. Was halten Sie davon?
Die Sportpolitik des SC Kriens ist ausgezeichnet. Haben die Vereinsverantwortlichen hundert Franken zur Verfügung, werden sie deren 99 ausgeben, respektive investieren und den bleibenden Franken auf die hohe Kante legen! Ein Beispiel gefällig? Da es die Finanzen nicht möglich machen, wird unser neuer Trainer, der Ex-Internationale Stefan Marini, keinen Profivertrag bekommen. In Zukunft soll unser Verein keine überdimensionierten Ambitionen hegen, sondern sich voll der Nachführung junger Spieler widmen.
Kann sich der jetzt schon bekannte Wegzug von Trainer Urs Schönenberger negativ auswirken?
Dass so etwas schon so früh an die Öffentlichkeit kommt, ist sicher für die Motivation des Ensembles nicht förderlich. Doch hier sind wir alles verantwortungsbewusste Spieler, die auf den Platz gehen. Alles Aussenstehende verliert schnell an schlagender Auswirkung.
Am Samstag kommt der Spitzenkampf beim Leader Aarau. Eine Vorhersage?
Wir wollen auch in diesem Spiel unseren Spass haben, uns jeglichen Druckes entledigen. Für uns ist dies ein massgebender Umstand. In einer nur auf das Resultat ausgerichteten Fussballwelt, haben wir das Glück, unbeschwert aufspielen zu können. Unter diesen Umständen liegt ein Punktgewinn drin.
Der Torhüter des SC Kriens könnte mehr Arbeit als sonst haben…
Na und? Das liebe ich doch! Umso mehr Arbeit ein Goalie hat, umso leichter fällt es ihm, konzentriert zu bleiben. Als ich nach Kriens kam, hatte ich die Absicht, mich gut in Szene zu setzen. Ich will mich profilieren, um im Sommer wieder einen ambitionierten Verein zu finden.
Denkt man mit 29 bereits an das Leben «danach»?
Natürlich. 1998 holte ich mir endlich das Turn- und Sportlehrerdiplom an der ETH. So etwas wie eine Rückversicherung! Daneben träume ich auch noch von meiner Goalie-Schule. Ich halte meine Ideen bereits schriftlich fest. Ich bin überzeugt, dass die Rolle und die Ausbildung der Torhüter unterschätzt wird. Die spezifische Tätigkeit des Goalies wird nicht mit genügender Sorgfalt beachtet. Die Aufgaben des hintersten Mannes der Mannschaft gleichen mitnichten denen eines Feldspielers.
07.04.2003