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Nein zum VAR

Estella209
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Re: Nein zum VAR

Beitrag von Estella209 » 29. Nov 2021, 01:21

LU-57 hat geschrieben:
7. Nov 2018, 11:57
dieses elende thema hat leider einen eigenen thread verdient.
USL hat geschrieben:Extra-Bock zum VAR
Auch online :arrow: https://www.usl.lu/aktuell/NEIN%20ZUM%20VAR_n4592" onclick="window.open(this.href);return false;
am 23.11. entscheiden die fetten funktionäre von waduz bis genf bzw. basel bis ghiasso über die var-zukunft.

ich bleibe dabei:
LU-57 am 29.08.18 hat geschrieben:öpen der grösste scheiss aller zeiten. wenn es tor gibt, dann will ich das tor feiern. mir grausts jetzt schon, wie alle spieler, trainer und massösen auf dem platz nicht nur die abseits-foul-irgendwas-hand heben, sondern auch noch wie die bekloppten das videoschiedsrichter-zeichen machen. vorallem bei den wirklich wichtigen und entsprechend wirklich geilen treffern. anstatt die emotionen des torjubels, dem wohl einzigartigsten moment des fussballs, voll ausleben zu können, wird minutenlang tv geguckt, die emotions-eruption im keime erstickt. von allem bekloppten blödsinn, der den fussball "fairer" und somit langweiliger machen will, ist dies der mit abstand allerdümmste und verwerflichste auswuchs.

keine ahnung zudem, warum sich die vereine diesen teuren spass tatsächlich leisten wollen sollten. das kosten-nutzen-verhältnis steht - zumindest für den ligenbetrieb in der schweiz, mit seinen ziemlich mageren anzahl an entscheidenden partien - komplett schräg in der landschaft.

the video assistant refree is a fucking bastard!

greez
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Ich finde es sowieso ein absoluter Mingis, aber wir müssen mit der Zeit gehen und offenbar gehört das zu einem modernen Fussballspiel :roll:
www.mywetten.ch - Besser wetten :lol:

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Re: Nein zum VAR

Beitrag von Master » 14. Feb 2022, 09:54

Was var gestern alles los?

Sorgics Offside ja tatsächlich etwas, was man durch die Technik darf auffliegen lassen. Aber was war sonst noch?

In der SRF "Zusammenfassung" ist, war's ja wie immer sehr souverän umschifft, wenn's kritisch.
L U C E R N E - Till I Die!

Kämpfe Lozärn, Kämpfe Lozärn!
mer wend Euch gwönne gseh!

Master (am Do 20. Okt 2005 22:24 ) hat geschrieben:ich sage immer das gleiche.. dass er dem verein helfen wird, davon bin ich überzeugt!
dass er der fanszene schaden wird, davon bin ich genau so überzeugt! aber ich hoffe wir werden das überstehen!
Master hat geschrieben:
4. Mär 2021, 10:55
Danke sonnenkönnig*
*meine Prophezeiung in der Signatur ist kolossal falsch.. Die Fanszene hat sich geeint und geformt durch ihn, um den Verein steht es schlechter als erwartet..

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Re: Nein zum VAR

Beitrag von Schalker jung » 14. Feb 2022, 10:34

Warum wird nach einem penalty rev vom Eckball auf Abstoss unentschieden?
1000 Trainer schon verschliessen, Spieler kommen Spieler gehen
doch was stehts bleibt sind wir Luzerner die immer Treu zur Mannschaft stehn

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Re: Nein zum VAR

Beitrag von Master » 19. Apr 2022, 09:10

Penalty bei Dräger ist ja das Eine, aber eine gelbe Karte? Wtf? :scratch:
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Master (am Do 20. Okt 2005 22:24 ) hat geschrieben:ich sage immer das gleiche.. dass er dem verein helfen wird, davon bin ich überzeugt!
dass er der fanszene schaden wird, davon bin ich genau so überzeugt! aber ich hoffe wir werden das überstehen!
Master hat geschrieben:
4. Mär 2021, 10:55
Danke sonnenkönnig*
*meine Prophezeiung in der Signatur ist kolossal falsch.. Die Fanszene hat sich geeint und geformt durch ihn, um den Verein steht es schlechter als erwartet..

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Re: Nein zum VAR

Beitrag von bjaz » 19. Apr 2022, 09:15

Als ich zum Fussball gekommen bin, war das zwei mal kein Handspiel und niemand hätte sich beklagt. Es war auch für alle klar, dass das kein Handspiel war. Jetzt ist es in einem Jahr ein Handspiel und im nächsten Jahr ist es dann wieder keines. Immerhin hat man nun ein Instrument, um "eindeutige Fehlentscheidungen" zu korrigieren. Aber in der Berichterstattung ist das eine "Urteil vertretbar" und das andere "ein ganz ganz heikler Entscheid", aber nichts davon "eindeutig". Nun ja, ich verstehe nicht was daran jetzt besser sein soll, ausser dass es die Vereine Geld kostet, dass sie ansonsten für noch unnötigere Sachen ausgeben würden. Gäbe es dann nicht immer mal wieder diese ekstatischen Momente wie gestern, gäbe es für mich eigentlich keine guten Gründe mehr zum Fussball zu gehen.

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Re: Nein zum VAR

Beitrag von Schalker jung » 19. Apr 2022, 09:23

Master hat geschrieben:
19. Apr 2022, 09:10
Penalty bei Dräger ist ja das Eine, aber eine gelbe Karte? Wtf? :scratch:
Absichtliche Handspiel. Sonst gibt es auch keinen VAR Penalty. Wenn ich so die Fouls an Ibra sehe, frage ich mich oft ob das nicht Pfeiffen mit seiner Herkunft zu tun hat. Werden Spieler aus Afrika von den Schiedsrichter und VAR's benachteiligt?
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Re: Nein zum VAR

Beitrag von Don Pedro » 19. Apr 2022, 09:35

Schalker jung hat geschrieben:
19. Apr 2022, 09:23
Master hat geschrieben:
19. Apr 2022, 09:10
Penalty bei Dräger ist ja das Eine, aber eine gelbe Karte? Wtf? :scratch:
Absichtliche Handspiel. Sonst gibt es auch keinen VAR Penalty. Wenn ich so die Fouls an Ibra sehe, frage ich mich oft ob das nicht Pfeiffen mit seiner Herkunft zu tun hat. Werden Spieler aus Afrika von den Schiedsrichter und VAR's benachteiligt?
Das mit den Bodychecks scheint ja immerhin die einheitliche Linie des VAR zu sein. Letzte Woche hätte Dräger genauso einen Elfmeter verschuldet und der VAR schritt nicht ein. Für mich vertretbar in einem kampfbetonten Spiel.
Aber ja, der VAR und die Handsregel, sowie die Auslegungsmöglichkeiten jeglicher Regeln trotz VAR sind einfach nur kacke.
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Re: Nein zum VAR

Beitrag von Aufwindfahne » 25. Apr 2022, 22:30

Auf Veränderung zu hoffen, ohne selbst was dafür zu tun,
ist wie am Bahnhof zu stehen und auf ein Schiff zu warten

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Re: Nein zum VAR

Beitrag von Don Pedro » 20. Mai 2022, 10:22

Elende Witzveranstaltung. :eye:
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Re: Nein zum VAR

Beitrag von LU-57 » 20. Mai 2022, 10:38

jetzt mal ernsthaft (und auch ohne var-hass-brille): wurde dieser entscheid effektiv nicht nochmals gecheckt?

https://www.srf.ch/sport/resultcenter/r ... ll/1718185
ab min 04.30

greez
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«Stellen sie sich vor, ein Pyro mit 2000 Grad trifft ein Kind und das Kind stirbt. Was sagen Sie dann?»
«Gewaltanwendungen gab es zwar keine, es hätte aber auch anders kommen können!»
Romano Simioni, Allmend-Buch, 2009 hat geschrieben:Das KKL ist kein Ort, der für uns Luzerner und Innerschweizer
gemacht wurde, sondern ein Ort, der in erster Linie dazu da ist,
dem Prestige der Stadt gut zu tun. Ich befürchte, dass das neue
Stadion eher ein KKL des modernen Fusballs wird und nicht eine
lebendige Volksbühne, wie es die so sympathisch unperfekte
Allmend war.

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Re: Nein zum VAR

Beitrag von Gabor_Gerstenmaier » 20. Mai 2022, 11:37

Unfassbar. Eigentlich ein handfester Skandal. Für was ist denn dieser VAR, wenn nicht genau für solche Zweikämpfe? Spannend auch, dass in der Zusammenfassung plötzlich keine Nahaufnahmen des Zweikampfs mehr gezeigt werden. Was für ein Witz!!!
+ + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + +
„Manche Leute halten Fußball für eine Sache von Leben und Tod. Ich bin von dieser Einstellung sehr enttäuscht.
Ich kann Ihnen versichern, es ist sehr viel wichtiger als das!“

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Re: Nein zum VAR

Beitrag von dragao » 21. Mai 2022, 19:16

LU-57 hat geschrieben:
20. Mai 2022, 10:38
jetzt mal ernsthaft (und auch ohne var-hass-brille): wurde dieser entscheid effektiv nicht nochmals gecheckt?

https://www.srf.ch/sport/resultcenter/r ... ll/1718185
ab min 04.30

greez
Nope, San stand nur auf dem Elferpunkt rum und hat die protestierenden Lausanner weggeschickt. War auch keine Kommunikation mit dem VAR ersichtlich. Im Replay des FCL Spiels auf SRF solltest es nach schauen können. Es wurde live rübergeschaltet.

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Re: Nein zum VAR

Beitrag von Aufwindfahne » 16. Aug 2022, 11:09

Auf Veränderung zu hoffen, ohne selbst was dafür zu tun,
ist wie am Bahnhof zu stehen und auf ein Schiff zu warten

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Re: Nein zum VAR

Beitrag von Aufwindfahne » 12. Sep 2022, 21:31

Auf Veränderung zu hoffen, ohne selbst was dafür zu tun,
ist wie am Bahnhof zu stehen und auf ein Schiff zu warten

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Re: Nein zum VAR

Beitrag von Master » 2. Okt 2022, 18:38

Noch wer Fragen zu dieser Farce?

Keine? Danke.
L U C E R N E - Till I Die!

Kämpfe Lozärn, Kämpfe Lozärn!
mer wend Euch gwönne gseh!

Master (am Do 20. Okt 2005 22:24 ) hat geschrieben:ich sage immer das gleiche.. dass er dem verein helfen wird, davon bin ich überzeugt!
dass er der fanszene schaden wird, davon bin ich genau so überzeugt! aber ich hoffe wir werden das überstehen!
Master hat geschrieben:
4. Mär 2021, 10:55
Danke sonnenkönnig*
*meine Prophezeiung in der Signatur ist kolossal falsch.. Die Fanszene hat sich geeint und geformt durch ihn, um den Verein steht es schlechter als erwartet..

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Re: Nein zum VAR

Beitrag von Tempo-Racer » 2. Okt 2022, 19:03

Klarer kann ein Hands doch fast nicht sein...

Abschaffen, da ee sinnlos

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Re: Nein zum VAR

Beitrag von malfunction » 5. Okt 2022, 10:29

aus dem Tag vom 4. Oktober. wahre worte, urs!

Der Videoschiedsrichter, kurz: VAR, ist der Dauer-Zankapfel des Profifussballs. Die Realität nach fünf Jahren Videobeweis ist: Woche für Woche werden zwar, wie versprochen, Fehlurteile verhindert – worüber kaum jemand redet. Aber in vielen Fällen gibt es trotz Monitor-Sichtung immer noch strittige und falsche Entscheidungen – und darüber reden alle.

Die Fehler haben sich in dieser Bundesliga-Saison derart gehäuft, dass der deutsche Schiedsrichterchef Lutz Michael Fröhlich, 64, zuletzt öffentlich in die Offensive ging. Er gibt Probleme zu («Es besteht Verbesserungsbedarf»), sieht den VAR aber zu Unrecht an den Pranger gestellt.

Urs Meier bewertet das Ganze kritischer. Der ehemalige Spitzenschiedsrichter ist ein Medienprofi, er war Experte für das ZDF, macht Podcasts und ist hierzulande an Champions-League-Abenden Teil der Blue-Expertenrunden. Der 63-Jährige erklärt, warum der Video Assistant Referee aus seiner Sicht oft mehr schadet als nützt und wieso manchmal komplizierte Regeln die Wurzel des Übels sind. Und er macht Verbesserungsvorschläge – auch für die Schiedsrichter in Deutschland, bei denen es derzeit über den VAR hinaus Baustellen gibt.


Herr Meier, der VAR löst weltweit Diskussionen aus. Der argentinische Fussballphilosoph Jorge Valdano, als Weltmeister von 1986 ein Mann der Praxis, sagt, er habe die Lösung für alle VAR-Probleme: einen Hammer! Schlagen Sie ein?
Absolut, da bin ich ähnlicher Meinung. Die Frage ist doch: Ist der Fussball durch den VAR attraktiver oder gerechter geworden? Ich sage: Nein!
Überrascht Sie das?
Ich fühle mich in meiner Grundskepsis bestätigt. Ich habe jahrelang als ZDF-Experte im Grunde genauso operiert wie jetzt der VAR: Ich weiss, wie extrem schwierig es ist, aus einem Studio heraus mit Bildern zu arbeiten. Wenn es schon einen Videoreferee gibt, dann müsste er im Stadion sitzen, nicht in einem «Keller».
Macht das einen so grossen Unterschied?
Unbedingt. Im Stadion kannst du die Situationen besser antizipieren, besser deuten. Man entwickelt ein ganz anderes Gefühl für das Spiel. Wenn du nur kurze Ausschnitte aus bestimmten Kameraperspektiven zur Verfügung hast, ist es unglaublich schwierig, richtige Urteile zu treffen.
Trotz VAR gibt es weiterhin viele kleinteilige Probleme bei der Interpretation von Fragen wie: Handspiel ja oder nein? Steht ein Angreifer im Sichtfeld des Torhüters abseits? Oder: Von wem kam der Ball zum Torschützen im Abseits? War es der grosse Geburtsfehler des VAR, eine Illusion von absoluter Rechtssicherheit zu schaffen?
Zumindest waren 100 Prozent Gerechtigkeit die Erwartungshaltung. Die Wahrheit ist: Vor der Einführung des VAR traf ein guter Schiedsrichter 95 bis 98 Prozent richtige Entscheidungen – sogar bei Abseits hatten wir eine sehr hohe Quote. Und mit dem Videoeinsatz sind wir heute nicht viel weiter, von 99 oder 100 Prozent sind wir immer noch weit entfernt. Und wenn ich mal kurz als Fussball-Fan sprechen darf …
«Da war jedes Spiel attraktiv. Jedes! Wie früher! Es ging hin und her, ohne diese unerträgliche Warterei auf Entscheidungen.»
Bitte!
Letzte Saison gab es ein DFB-Pokalspiel Gladbach gegen Bayern, 5:0. Das war allerbeste Werbung für den Fussball! Warum? Weil es in der zweiten Runde noch keinen VAR gibt. Da war jedes Spiel attraktiv. Jedes! Wie früher! Es ging hin und her, ohne diese unerträgliche Warterei auf Entscheidungen. Weil die Schiedsrichter wieder selber entscheiden und dazu stehen mussten.
Der VAR schwächt die Persönlichkeit des Schiedsrichters?
Er hat nicht gutgetan. Schauen Sie sich die Schiedsrichter heute mal genau an: Oft dauert es ellenlang, bis sie einen Elfmeter pfeifen. Und wenn sie ihn nicht pfeifen, weiss niemand: Hat er die Szene überhaupt wahrgenommen? Früher war klar: Er hat es gesehen oder nicht. Heute legen sich die Schiedsrichter oft erst mal gar nicht fest …
… weil sie wissen: Es schaut sowieso noch jemand im Kontrollraum zu?
Genau. Früher sind wir Schiedsrichter ohne Fangnetz übers Hochseil gelaufen. Wir wussten: Das dauert jetzt 90 Minuten – dann sind wir drüber. Heute weiss jeder: Da unten ist ein Fangnetz.
Aber ist diese Unterstützung nicht genau das, was sich Schiedsrichter früher oft sehnlichst gewünscht hätten?
Sicher, in gewissen Situationen hilft dir der VAR. Auch ich habe früher Elfmeter gepfiffen, da hätte ich gerne ein Netz gehabt … Aber wofür ist der Schiedsrichter da? Dass er die Situationen an Ort und Stelle wahrnimmt, einordnet, Absichten erkennt, Geschwindigkeiten einschätzt – und entscheidet! Das Fangnetz bringt keine Stärkung für die Persönlichkeit der Referees. Nur ein Beispiel: Cüneyt Cakir aus der Türkei …
… der als europäischer Top-Referee galt …
… der war früher total präsent auf dem Feld, total klar im Auftreten. Mit VAR: Persönlichkeit und Ausstrahlung wie weggeblasen! Wie ist das zu erklären?
Durch Verunsicherung, weil ein Oberschiedsrichter zusieht?
Die Spielleitung hat seit der VAR-Einführung gelitten – nicht bei allen Schiedsrichtern, aber bei vielen. Und man darf nicht vergessen: Auch die Videoassistenten stehen unter Druck. Sie sehen Bilder, und sie bekommen ihrerseits Signale. Der Schiedsrichter sagt: Sah nicht aus wie ein Elfmeter! Er selbst sieht es vielleicht genauso – aber ein Kollege in der VAR-Zentrale sagt plötzlich: Doch, aus dieser Kameraperspektive schon! Dann hast du es schwer.
Spieler und Trainer kritisierten häufig, dass der Schiedsrichter nach kniffligen Fällen nicht selbst zum Monitor geht, sondern sich nur auf den VAR verlässt.
Ja, das ist ein Problem. Zum Beispiel neulich das nicht gepfiffene Handspiel des Leverkusener Verteidigers gegen Hertha.
Bei dem 999 von 1000 neutralen Fans sagen: Der Arm geht klar raus, Penalty!
Da frage ich mich: Warum geht der Schiedsrichter nicht selbst zum Bildschirm? Dann sieht er die Szene und muss sich selber festlegen. Das ist seine Aufgabe.
In diesem Fall sagte der DFB später: Fehlentscheidung! Aber der Schiedsrichter glaubte sogar nach Ansicht der Bilder im TV-Interview, er habe richtiggelegen. Er wäre also bei «kein Elfmeter» geblieben.
Gut, dann ist es so. Wenn er es sich selber angeschaut hätte und trotzdem so entscheidet – dann ist das eher zu akzeptieren, als wenn er nicht selber rausgeht.
Warum schreibt das Protokoll den Gang zum Monitor nicht bei jeder Streitszene vor? Warum wird so oft darauf verzichtet?
Ich glaube: Solange er nicht zum Monitor geht, hat er ein Alibi. Viele Schiedsrichter lieben es inzwischen zu sagen: Der VAR hat entschieden! Es heisst dann nicht mehr: Der Aytekin oder der Brych hat Tomaten auf den Augen, sondern die im Keller! Aber das ist falsch. Schiedsrichter auf diesem Niveau müssen für ihre eigenen Entscheidungen einstehen. Fehler machen, Kritik kassieren – das gehört dazu.
Der VAR verlagert die Fehlerquellen nur?
Im Grunde ja. Aber verkauft wird: Mit Videobeweis haben wir viel mehr Gerechtigkeit, viel weniger Fehler!
Stimmt das denn nicht auch? Seit Einführung technischer Hilfsmittel gibt es keine Phantom-Tore mehr …
… und beim Abseits ist es auch gerechter geworden, ja. Aber die kalibrierte Abseitslinie ist fast das Einzige, womit der VAR Entscheidungen treffen kann, die man als 100 Prozent richtig wahrnimmt.
Einspruch: Sogar hier regt sich Protest, zum Beispiel wenn Tore nicht gelten, weil der Angreifer so minimal im Abseits steht, dass es kein blosses Auge erkennt. Jürgen Klopp fordert eine breitere Abseitslinie.
Okay, aber wenn wir selbst eine Linie nicht als absolut akzeptieren, wird es schwierig. Wenn beim Weitsprung am Balken um einen halben Millimeter übertreten wird, ist es auch ein Fehlversuch … Mich stört beim Abseits etwas ganz anderes: Dass der Linienrichter selbst bei klarsten Abseitsstellungen nicht mehr winkt, sondern wartet.
Weil er sicher sein will, ob ein Tor fällt und es vielleicht doch kein Abseits war.
Klar. Aber in der Schweiz hat sich gerade ein Spieler in einem Zweikampf schwer verletzt, weil vorher ein glasklares Abseits nicht angezeigt wurde (St. Gallens Fabian Schubert erlitt beim Foul von YBs Ulisses Garcia einen Schien- und Wadenbeinbruch, Red.)! Das ist doch unsäglich. Und bei der WM in Katar bekommen wir jetzt dieses halbautomatische System.
Eine neue Abseits-Technologie für den VAR, mit Tracking-Kameras unterm Stadiondach und sogar einem Sensor im Ball.
Hey, das kann bis zu 25 Sekunden dauern! Wie soll das den Fussball weiterbringen? Ist es wirklich gut, wenn heutzutage jedes Tor so genau seziert wird?
Ketzerische Frage: Sitzen ganz oben im Fussball Leute, die durch eher schwammige Regeln und all diese VAR-Entscheide bewusst noch mehr Spektakel erzeugen wollen? Nach dem Motto: Zweimal Torjubel oder plötzlicher Frust nach dem VAR-Urteil, das erzeugt doppelte Dramatik – und lässt sich noch besser vermarkten?
Wenn das Ganze nur spektakulär wäre! Bei mir kommt an: Der Schiedsrichter ist so oft im Fernsehen wie noch nie. Früher sagte man: Einen guten Schiri nimmt man nicht wahr. Er ist nur da, wenn man ihn braucht, dann erscheint er kurz im Grossformat – und verschwindet wieder. Im VAR-Zeitalter wird er ständig gross eingeblendet. Macht das den Fussball attraktiver?
Sicher nicht.
Und was passiert in der Wirtschaft, wenn du ein Produkt herstellst, das nicht attraktiv ist? Du nimmst es vom Markt.
Wo sehen Sie das Hautproblem beim Videobeweis? Geht es nicht schon beim Regelwerk los, das zu viele Fragen offenlässt und die Referees im Regen stehen lässt?
Zum Teil ja. Natürlich gibt es Regeln, die man klarer fassen müsste. Gerade beim Handspiel wurde jetzt jahrelang sehr viel Schindluder betrieben. Es gibt da immer noch komische Auslegungen – da können die Schiedsrichter, die es umsetzen müssen, nichts dafür. Zu viel Interpretationsspielraum sorgt immer für Diskussionen.
Der frühere deutsche Top-Referee Manuel Gräfe sagt hingegen zum Aufreger-Thema Handelfmeter: Nicht die Regeln sind das Problem, sondern deren Anwendung durch Schiedsrichter, die in Deutschland nicht gut geführt würden. Er sagt: Absicht und eine unnatürlich vergrösserte Körperfläche als die zwei Kernkriterien der Regel – das müssten die Schiris im Griff haben.
Gut, beim Handspiel ist die Fifa ja zurückgerudert und hat es wieder etwas einfacher gestaltet. Und eigentlich laufen diese beiden Faktoren sogar auf dasselbe hinaus. Denn wer die Körperfläche unnatürlich vergrössert, tut das ja mit Absicht.
Gut, nur warum gibt es dann trotz VAR-Hilfe immer noch so viele Hand-Entscheidungen, die im Nachhinein offiziell als Fehlentscheidungen bewertet werden?
Schwierige Frage. Aber was ich bei der Handregel gar nicht verstehe, ist die völlig andere Auslegung, sobald es um die Torerzielung geht. Warum ist es obligatorisch kein Tor, wenn ein Angreifer den Ball an die Hand bekommt – egal, ob Absicht oder nicht? Das ist eine Regel gegen die Regeln.
Sie meinen: Wenn jemand, wie Sadio Mané neulich beim FC-Bayern-Sieg in Bochum, so angeschossen wird, dass der Ball von seinem angelegten Arm ins Tor prallt – dann sollte dieser Treffer gelten.
Es muss ein Tor sein. Muss! Wenn es beim Verteidiger um Absicht oder nicht geht, warum ist es beim Angreifer anders?
Die offensive Handregel wurde ja erst verschärft, dann wieder abgeschwächt. Eine Zeit lang wurde nicht nur der Torschütze auf Zuhilfenahme der Hand überprüft, ein Tor galt auch dann nicht, wenn beim viertletzten Pass ein Mitspieler mit dem Fingernagel den Ball gekratzt hatte. Ein Musterbeispiel für übertriebenes Sezieren?
Absolut. Peter Knäbel (Schalke-Vorstand) hat dazu ja mal gesagt, dass im VAR-Raum Kaufhausdetektive am Werk sind, die unter hohem Druck stehen. Auch jeder Videoassistent wird hinterher gefragt: Wieso hast du das nicht gesehen – und er bekommt dann sein Fett weg. Dem VAR, der in München beim möglichen Elfmeter für Barcelona nicht eingegriffen hat, ist es sicher auch so ergangen.
Damit wären wir beim grössten Mysterium: glasklare Schiedsrichterfehler, bei denen trotzdem kein Zuruf des VAR erfolgt. Journalisten kalauern dann, der Videoreferee sei wohl auf der Toilette gewesen. Was sagen Sie als Mann vom Fach zu derart offensichtlichen Fehlern?
Da denke ich manchmal dasselbe, was die Fans denken: Die haben keine Ahnung von Fussball! Wenn ihr das nicht seht, sucht euch ein anderes Hobby! Bayern gegen Barcelona (Foul an Dembélé), das war ja kein Fall in der Grauzone – so ein klarer Elfmeter, hallo! Aber vielleicht zeigt dieser Fall ein Hierarchieproblem: Du hattest auf dem Platz Danny Makkelie, hoch dotiert – und als VAR einen, der hierarchisch viel weiter unten ist. Kann sein, dass der sich denkt: Wenn der Makkelie überzeugt ist, dass es kein Elfer ist, dann wird es schon so sein … Grundsätzlich sagt die Uefa ja zum VAR: Haltet euch eher zurück!
Das müsste Ihnen ja eigentlich gefallen – wobei der heilige Grundsatz, der VAR möge nur «klare» Fehlentscheidungen korrigieren, per se zu viel Ermessensspielraum lässt. Wer soll das denn unter Zeitdruck entscheiden, ob ein Pfiff nur ein bisschen falsch ist oder klar oder glasklar?
Ja, stimmt, das hätte man anders regeln müssen. Es gibt halt diese klaren Fehler, wo interveniert werden muss. Aber grundsätzlich ist Zurückhaltung des VAR schon richtig. Das habe ich auch den deutschen Schiedsrichtern so empfohlen: Weniger Eingriffe sind meistens mehr.
Anderes Thema: Der Torschütze steht im Abseits – aber von wem kam der Ball, vom Freund oder Feind? Hier gelten komplexe Regeln: Ein beabsichtigtes Ballspielen (Deliberate Play) des Gegners hebt das Abseits auf – aber nicht, wenn es sich um eine reine Abwehraktion handelt. Überfordern solche Unterparagrafen in der Praxis sogar die Schiedsrichter? Dortmund gewann mal im Cup durch ein Tor von Erling Haaland, der im Abseits vom Mitspieler angespielt wurde. Dennoch zählte der Treffer, weil ein Paderborner unterwegs den Pass mit dem Schienbein gestreift haben soll. Hier zu sagen: Der Ball kommt vom Gegner – das ist doch absurd.
Dieser Fall hat mich sehr geärgert. Das war ein klarer Pass zu einem klar offside stehenden Spieler. Früher musste es ein kontrolliertes Zuspiel vom Gegner sein, um das Abseits aufzuheben. Und das war okay! Wenn der Verteidiger zu doof ist und den Ball zum Gegner spielt – gut, dann Tor! Aber doch nicht, wenn ein Verteidiger den Pass nur kurz und ganz leicht berührt. Warum haben wir denn Abseits? Um keine Spieler in einer Zone zu haben, wo sie sich einen Vorteil verschaffen. Das kannst du doch in einem Fall wie bei Haaland nicht aufheben. Solche Regeln sind nicht im Sinne des Fussballs, an dieser Stelle sind nicht die Schiedsrichter schuld. Und dazu kommen ja immer noch spezielle Weisungen.
Was meinen Sie?
Gerade in Deutschland hatten wir Probleme, obwohl hier die gleichen Regeln wie auf der ganzen Welt gelten. Trotzdem hatten die Deutschen das Gefühl: Wir müssen manche Dinge speziell umsetzen.
Zum Beispiel: der deutsche Sonderweg für den Torhüter beim Elfmeter. Während er international seit Jahren vor der Ausführung keinen Millimeter mehr mit beiden Füssen vor der Linie sein darf, galt in der Bundeslga bislang ein Toleranzspielraum. Der wird jetzt abgeschafft – und auch das wird neue Diskussionen geben.
Wir haben immer Probleme, wenn in einem Nationalverband etwas anders ausgelegt wird als international. Das darf nicht sein. Ich sage der Fifa schon lange: Ihr müsstet viel offensiver umgehen mit Klarstellungen zu Entscheidungen. Bei einem Fall wie diesem Abseitstor von Dortmund – da erwarte ich, dass ein Weltverband danach verbindlich klarstellt: Was ist richtig? Was ist falsch? Damit es jeder Schiedsrichter weiss, bis runter in die kleinen Ligen.
Sie sagen, der VAR solle im Stadion sitzen. Wo sonst sehen Sie Ansätze für Verbesserungen? Häufig gefordert werden «Challenges» – also Videobeweise nur noch nach Interventionen der Teams.
Das könnte man machen. Aber nur, wenn die Entscheidung über einen VAR-Einsatz ausschliesslich beim Trainer liegt. Das würde helfen, die VAR-Konsultationen insgesamt zu verringern. Zum Beispiel: zwei Challenges pro Trainer. Wenn er nicht richtig liegt, verliert er eine. Wenn er richtig liegt, behält er sie. Die grundsätzlichste Verbesserung wäre aber etwas anderes.
Ja?
Man müsste die Schiedsrichter viel intensiver schulen und ihnen Fussballverständnis beibringen. Wie viel Geld und Zeit wurde denn in den letzten fünf Jahren noch in diesen Bereich investiert? Wo ist die Ausbildung geblieben? Wenn sie Dinge schon auf dem Feld nicht mehr sehen, wie sollen sie sie dann als VAR auf Bildern richtig erkennen? Man muss einfach besser ausbilden.
Wie könnte das konkret passieren?
Ich habe dem DFB den Vorschlag gemacht: Eure Schiedsrichter müssen selber mehr Fussball spielen! Die Antwort von Jochen Drees (DFB-Projektleiter VAR) war: «Wenn sie selbst spielen würden, könnten sie sich verletzen.» Ich sage: Wer durch eigenes Fussballspielen begreift, was eine natürliche Körperhaltung und Armbewegung ist und was nicht, der kann mit der Handregel viel einfacher umgehen als jemand, der nicht aus eigener Erfahrung weiss: Was macht die Hand bei einem Tackling, wenn du in die Luft gehst oder wenn du dich abdrehst? Ich war selbst jahrelang Kunstturner, daher weiss ich, was Arme und die Hände in gewissen Situationen machen.
Wo sehen Sie denn falsche Schwerpunkte bei der Schulung der Schiedsrichter?
Ich bin nicht eins zu eins in der Ausbildung dabei. Aber ich weiss zum Beispiel, wie lange in Deutschland am Stellungsspiel herumgeschraubt wird, nach dem Motto: Du musst da und dort hin! Das ist falsch. Markus Merk war mal der Beste in Deutschland. Der wusste: Ich muss da oder dort hinlaufen – aber ohne Rücksicht aufs Lehrbuch! Er hat gespürt, wo er wann die beste Sicht hatte, deshalb traf er die besten Entscheidungen. Ein Schiedsrichter sollte vorausahnen, wohin der Ball mit der höchsten Wahrscheinlichkeit als Nächstes kommt. Und das kann man schulen.
Wie tief stecken Sie drin in den deutschen Schiedsrichter-Debatten? Manuel Gräfe kritisiert die Leute in den Spitzenämtern. Und hinter vorgehaltener Hand wird geraunt, beim DFB würden eher Lieblinge der Bosse gefördert, nicht die Besten.
Das ist nicht mein Thema. Ich frage mich: Was bringt die Leute weiter, was brauchen sie? Schiedsrichter legen unglaublich viel Energie in dieses wunderbare Hobby. Sie sind aber auch noch in ihren Hauptberufen engagiert – und das Privatleben kommt dazu. Sie machen also etwas, das zeitlich fast nicht mehr möglich ist. Ich bin deshalb der Meinung, der DFB müsste als grösster Fachverband der Welt ein Vorreiter sein und die Professionalisierung der Schiedsrichter forcieren. Ich höre dann immer: Was sollten die Schiedsrichter denn ohne «richtigen» Beruf den ganzen Tag machen? Ich sage: Arbeiten, sich weiterbilden! Zum Beispiel: Alle kommen montags in Frankfurt zusammen – zum Auslauftraining und zur Aufarbeitung des Spieltags vom Wochenende. Und am Dienstag folgt Praxistraining, gemeinsam mit Mannschaften.
Sie fordern den Profischiedsrichter?
Klar, aber dazu muss der Wille des Verbandes vorhanden sein – auch der finanzielle. Man müsste dann auch ehemalige Profifussballer in die Arbeit einbeziehen. Wenn wir diese Saison schon dauernd die Diskussion haben: Steht da einer im passiven Abseits im Sichtfeld des Torhüters? Wen muss ich dann befragen, um das zu analysieren?
Einen Torhüter?
Genau. Wenn ich Chef der Schiedsrichter wäre, würde ich Leute rekrutieren wollen, die den Schiedsrichtern wirklich weiterhelfen. Aber die stellen sich nicht nur für ein Dankeschön zur Verfügung, ein bisschen Geld müsste dafür schon da sein.
Was heisst: «Wenn ich Chef wäre?» Manuel Gräfe schlägt Sie für ein Amt beim DFB vor. Ein Schweizer als deutscher Oberschiri – wäre das für Sie vorstellbar?
Schon, aber nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Als ich in der Schweiz Chef der Schiedsrichter wurde, wollte ich das Versprechen haben, dass wir alle zusammen auf den Mount Everest wollen. Natürlich kommt nicht jeder am Gipfel an, aber Basislager Nummer vier oder fünf ist ein besseres Ziel als Lager zwei oder drei.
Gab es vom DFB denn schon Resonanz im Hinblick auf Ihre Person?
Nein. Der Ball wurde gespielt von Gräfe. Und es gibt ja nicht nur mich. Er könnte ja auch sagen: «Howard Webb wäre einer für den DFB!» Vielleicht wäre es generell gut, mal jemanden von aussen zu holen.
Wo sehen Sie die deutschen Schiedsrichter aktuell im internationalen Vergleich?
Die Bundesliga ist eine der grössten Ligen, die Deutschen müssten eine Führungsrolle haben. Sie sind aber sicher nicht an der Spitze. Wir brauchen Typen als Schiedsrichter! Leute, die echt sind, die mit Druck umgehen können, keine Angst haben. Solche Typen hat man aber nicht so gerne.
Manuel Gräfe war einer – und wurde wegen der umstrittenen Altersgrenze mit 47 Jahren in Rente geschickt. Jetzt erwägt der DFB, diese Regel aufzuweichen.
Sollte der Profischiedsrichter kommen, dann muss diese Altersgrenze fallen. Ich sage: Die 19. Mannschaft der Bundesliga müssten eigentlich die Schiedsrichter sein – ausgestattet mit allen Mitteln, die auch die anderen 18 Teams haben: mit Trainer, Co-Trainer, Fitnesscoach, Physiotherapeut, Psychologe. Und dann muss auch mit 47 nicht Schluss sein. Man sagt doch auch nicht: Lewandowski, du bist zu alt!
Ist es nicht so wie beim Wein: Der beste Schiedsrichter ist der gereifte?
Ja. Mit 43, 44, 45, da bist du so stark und hast so viel Routine, dann ist es richtig geil, Spiele zu leiten … Die Altersgrenze ist, als würde man einen 20 Jahre lang schön gelagerten Wein einfach ausschütten. Im Umkehrschluss müsste man allerdings auch sagen können: Du bist zwar noch nicht zu alt, aber deine Leistungen stimmen nicht mehr. Aber das erfordert, was Schiedsrichter am meisten brauchen: Mut.
offene wettschulden: +10 von TJ (bald verjährt), +10 von Torpedo (bald verjährt)

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