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Play more football: Hui oder Pfui?

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LU-57
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Play more football: Hui oder Pfui?

Beitrag von LU-57 » 17. Jun 2022, 08:33

https://www.mobilesport.ch/fussball/kin ... vormarsch/

extra für kutte und hebi: ring frei!

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\O/ cumk \O/ choooooom \O/

«Stellen sie sich vor, ein Pyro mit 2000 Grad trifft ein Kind und das Kind stirbt. Was sagen Sie dann?»
«Gewaltanwendungen gab es zwar keine, es hätte aber auch anders kommen können!»
Romano Simioni, Allmend-Buch, 2009 hat geschrieben:Das KKL ist kein Ort, der für uns Luzerner und Innerschweizer
gemacht wurde, sondern ein Ort, der in erster Linie dazu da ist,
dem Prestige der Stadt gut zu tun. Ich befürchte, dass das neue
Stadion eher ein KKL des modernen Fusballs wird und nicht eine
lebendige Volksbühne, wie es die so sympathisch unperfekte
Allmend war.

Aufwindfahne
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Re: Play more football: Hui oder Pfui?

Beitrag von Aufwindfahne » 17. Jun 2022, 08:38

Bild

Wünsche allen Vereinen viel Spass beim Trainer suchen.
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ist wie am Bahnhof zu stehen und auf ein Schiff zu warten

Hebi
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Re: Play more football: Hui oder Pfui?

Beitrag von Hebi » 17. Jun 2022, 10:02

Kein Anspruch auf Punkte und Erfolg. Nur Leidenschaft und Kampf zählen!

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Re: Play more football: Hui oder Pfui?

Beitrag von Aufwindfahne » 17. Jun 2022, 10:09

Die Grafik auf Seite 8 zeigt es perfekt.

Davor: Kat. D 60 Kinder, Kat. E 50 Kinder, Kat. F 40 Kinder = 150 Kinder

Danach: Kat. D 45 Kinder, Kat. E 45 Kinder, Kat. F 30 Kinder = 120 Kinder

30 Kinder weniger bei 22 statt 23 Betreuer.

Habs jetzt einfach mal kurz überflogen, vielleicht was übersehen... Mache ich da einen Überlegungsfehler?
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Heiri
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Re: Play more football: Hui oder Pfui?

Beitrag von Heiri » 7. Sep 2022, 10:16

Aufwindfahne hat geschrieben:
17. Jun 2022, 08:38
Wünsche allen Vereinen viel Spass beim Trainer suchen.
sag das mal "deinem" Verein...
Werde nach dem Weekend Erfahrungsbericht abgeben können.
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Re: Play more football: Hui oder Pfui?

Beitrag von Aufwindfahne » 7. Sep 2022, 13:36

Für die schwächeren F-Junioren und G-Junioren kann ich es irgendwie noch nachvollziehen - trotzdem werden am Ende weniger Junioren Platz im Fussballclub finden, das finde ich bei dieser Lösung die elementarste Schwachstelle. Das ist einfach nur Scheisse!

Bei Deinem Team (1. Stärkeklasse) und den E-Junioren kann ich das "play more football"-Konzept dann auch sportlich überhaupt nicht mehr gutheissen, das ist bull shit. Dagegen wehrt sich "mein" Verein übrigens auch, zumindest die Verantwortlichen, Quelle ja :mrgreen: . Man will sich aber erstmal ein Bild davon machen, darum darfst Du am Sonntag ran :-P - anyway, alleine schon die Torbeschaffung (die Dinger kosten ja die Hölle, danke an Hebi für den Tipp, das war wertvoll *ärnscht*!) lässt für mich so einige weitere Fragen offen...

Immerhin, bei den E-Junioren kommt der Verband inzwischen in Erklärungsnotstand - viele Vereine haben sich gewehrt (macht das doch bitte auch!), gemäss informellen Gesprächen kann es durchaus sein, dass dieses Format gar nicht kommen wird.
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Heiri
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Re: Play more football: Hui oder Pfui?

Beitrag von Heiri » 12. Sep 2022, 07:44

nach vielen Diskussionen im Vorfeld durfte ich nun mit meinem Team (F-Junioren, 1. Stärkeklasse) an einem Turnier teilnehmen welches im "play more football" Format durchgeführt wurde.
Trotz skeptischer Grundhaltung versuchte ich unvoreingenommen daran teilzunehmen (dazu später etwas mehr).

Bei "pmf" wird nicht klassisch 5:5 gespielt, sonder es sind mehrere Formate vorgesehen.

Zuerst spielten wir 3:3 wobei jedes Team zwei Minitore zu verteidigen hatte. Im Grundsatz lehnt sich dies an das Funino-Konzept an. Der Einwurf kann jeweils mit dem Fuss gespielt werden. Speziell ist, dass der Spieler der der Ball ins Aus spielt, diesen auch holen und im Balldepot (gibts auf jeder Seite des Spielfeldes) deponieren muss. Das Team in Ballbesitz kann jedoch sofort weiterspielen.
Diese Regeln waren für glaubs alle Team Neuland. Je nach Coaching der Trainer entwickelten sich sehr intensive Partien. Überzahlsituationen sind eher Regel aus Ausnahme. Teams oder Spieler welche über eine hohe Spielintelligenz und/oder Handlungsschnelligkeit besitzen waren im Vorteil. Das hatte zur Folge, dass auch körperlich eher unterlegene Mannschaften mithalten konnten wenn ihre Mitglieder über die angesprochenen Fähigkeiten besitzen.
Mein Team hatte das Glück diese 3:3 Spiele gleich zu Beginn am Stück zu absolvieren. Im ersten Spiel war vorallem Chaos und Hektik angesagt (alles ist neu, was muss ich jetzt tun?). Die Jungs lernen aber schnell und so war das zweite Spiel schon strukturierter.

Grundsätzlich finde ich diese 3:3 Spielform sehr gut und werde sie in Zukunft sicherlich immer wieder ins Training integrieren. Es fördert mit der Spielintelligenz und der Handlungsschnelligkeit zwei Elemente welche im heutigen Fussball immer wichtiger werden. Teams welche versuchen den Ball in den eigenen Reihen zu halten und ihn unter Druck nicht gleich ins Aus spielen werden zudem belohnt, in dem sie seltener in Unterzahl spielen müssen. Die Intensität ist je nach Coaching zudem hoch bis sehr hoch.

Ein Spiel musste dann noch jedes Team intern mit 3:3 spielen. Dies wurde unterschiedlich genutzt. Ich lies mein Team ein paar Minuten selbstständig spielen, andere nutzten dies als zusätzliche Pause oder bauten ein Intermezzo mit einer technische Übung ein.

Im Anschluss folgten Spiele im 4:4 auf dem üblichen F-Feld. Und hier komme ich auf das "unvoreingenommen" zurück. Wir Trainer einigten uns an der Vorbesprechung des Turniers darauf, hier mit 5:5 zu spielen. Dies aus zwei Gründen: erstens traten praktisch alle Teams mit Kadergrössen von 8 bis 12 Junioren an (im pmf wird 5-6 empfohlen) und zweitens wollten eigentlich alle Trainer noch "normalen" Fussball spielen.
Im Nachhinein war dieser Entscheid sicher richtig. Pmf sieht 4:4 mit Goalie vor, also nur 3 Feldspieler. Hier wären nun also die kräftigen, körperlich stärkeren Teams klar bevorzugt gewesen, da dessen Spieler über mehr Platz verfügen und so ihre Vorteile besser ausspielen könnten.

Ich kann verstehen, dass das pmf Konzept kontrovers diskutiert wird. Ein Hauptpunkt dabei ist ja die Teamgrösse, es wird (zurecht) befürchtet nicht genug Trainer zu finden. Das vorgeschlagene gemeinschaftliche Training wird bei unserem Verein bei den G-Junioren bereits gelebt und hat nicht nur Nachteile. Ich bevorzuge jedoch "mein" Team zu haben, wo ich auch eine Beziehung zu den Spielern aufbauen kann und sie entsprechend ihren Fähigkeiten fördern kann. Bei 20 oder mehr Jungs welche immer mal wieder bei mir trainieren ist das schlicht nicht mehr möglich.
Ich bin jedoch der Meinung, dass bei den G- und F-Junioren play more football früher oder später Einzug halten wird. Allerdings muss schon noch daran geschraubt werden. Ein Team mit 6 Junioren (was die empfohlene Grösse ist) wäre nach der Hälfte des ursprünglich geplanten Turniers völlig platt. Das 3:3 ist sehr intensiv und beim 4:4 wäre schlicht das Feld viel zu gross für nur 3 Feldspieler.

Wenn, dann würd ich es wohl wie folgt machen:
- erster Turnierteil 3:3 mit Minitoren
- zweiter Turnierteil 5:5 wie bis anhin
- das interne 3:3 kann gestrichen werden

So könnten die Teamgrössen wie aktuell beibehalten werden. Im 3:3 kannst du gut 3 Blöcke brauchen, 4 Minuten Vollgas pro Spieler so realistisch.
Wie das ganze bei Teams aus den tieferen Stärkeklassen aussieht ist schwierig zu beurteilen. gut möglich, dass beim 3:3 dann gar kein Spielfluss mehr entsteht weil halt das ganze noch zu kompliziert ist.
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Re: Play more football: Hui oder Pfui?

Beitrag von Aufwindfahne » 12. Sep 2022, 14:42

Merci für den umfassenden, spannenden Bericht, Heiri!

Ich hatte am Sonntag ebenfalls das Vergnügen. Bei mir waren die Vorzeichen allerdings ganz andere. Erstens bin ich komplett voreingenommen :mrgreen: und zweitens durfte ich ein Team von 6 Spielern begleiten, wovon einige ihr allererstes Turnier bestritten und erst vor wenigen Wochen ihre ersten Fussballtrainings absolvierten. Muss daher meine oben getätigte Aussage revidieren und kann Heiris Ausführungen weitgehend sogar bekräftigen. Für Neuanfänger ist das 3:3 der blanke Horror. Vielleicht für die Verbandsheinis in ihren Büros und den progressiven Hebi unvorstellbar, aber in diesem Alter hast Du halt Kinder, denen man schon banale Dinge wie Einwurf, Anstoss, Eckball und dergleichen wiederholt erklären muss. Wie um alles in der Welt sollen die ein geordnetes Spiel mit Spielfluss durchführen können mit dieser "Ball holen / Balldepot"-Regel? Das Chaos war nicht zu vermeiden, der Anblick von aussen köstlich, aber mit Fussball hatte das echt nicht mehr viel zu tun. Da alle 15 Minuten wieder ein "normales" 4:4-Spiel eingeschoben wurde, begann man in beim nächsten 3:3 wieder bei Null. :lol: Zu alledem war mein Team - exakt so, wie es Heiri oben schildert - nach einer Stunde so platt, dass es eher noch schlimmer als besser wurde (jaja, ich weiss, vermutlich vercoacht und so :eye: )

Ich bin komplett damit einverstanden, dass diese Spielform geradezu perfekt für Trainings mit talentierten Spielern geeignet ist. Intensität, Spielintelligenz, Schnelligkeit, Ballfertigkeit, all das ist nötig und wird sehr stark damit gefördert und gefordert. Super! Aber bitte, bitte nicht die normale Wettkampfform damit ersetzen. Die Jungs und Mädels wollen richtig mätchle, nicht mit "Babytoren" (O-Ton der Kinder) ein Turnier bestreiten. Und mit G- und F-Junioren, die über weniger Talent verfügen, kommt das komplizierte Regelwerk definitiv einer kompletten Überforderung zugleich. Damit verliert man - auch angesichts der höheren Zahl an notwendigen Betreuern - im Breitensport mehr als man gewinnt, da bin ich mir sicher.

PS: Sorry, falls der Text etwas zu politisch ausgefallen ist.
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Re: Play more football: Hui oder Pfui?

Beitrag von Gabor_Gerstenmaier » 12. Sep 2022, 15:21

Sehr spannende Diskussion. Hatte jetzt auch zwei Wochenenden das Vergnügen diesem köstlichen Schauspiel beizuwohnen. Und ja...ich gehöre zum Team #ziemlicherschwachsinn.

Ich bin wohl zu wenig nahe dran und auch nicht Trainer oder Ähnliches. Einfach nur fussballbegeisterter Vater eines F-Junioren. Und was ich da beobachtet habe diese zwei Weekends war zum Teil Slapstick pur. Kaum jemand kam richtig draus, komplettes Chaos zum Teil mit 3 Bällen im Spiel, auf beiden Seiten fielen die Tore gleichzeitig. Herrlich zwei Mannschaften gleichzeitig jubeln zu sehen, danach aber die Diskussion welches Tor jetzt zählt und welcher Ball denn wirklich im Spiel war und welche anderen beiden fälschlicherweise. Etc. Pures Spektakel für die Zuschauer. Lange nicht mehr so amüsiert.

Kehrseite der Medaille war aber, dass mein Sohn und ausnahmslos alle seine Mitspieler komplett frustriert waren und keine Lust mehr hatten zum Tschutten. Und das gibt es eigentlich nie...aber an diesen beiden Wochenenden war es so. Alle waren froh als es vorbei war und alle einen Hotdog hinderenschletzen konnten, um dann wieder parat zu sein, um zuhause am Nachmittag auf dem Schulhaus-Platz "richtigen" Fussball zu spielen. Notabene auf Handball Tore. Aber halt so richtig tschutten. Ohne 729 verschiedene Regeln und 142 verschiedene kleine Tore, bei denen man nicht mal ins Lattenkreuz schiessen kann. (Was soll das denn?). Ich finde einfach, dass man auf die Kids hören sollte und auch anhand deren Reaktion und Einschätzung Lehren aus dem angedachten "Projekt" ziehen sollte. Ich als Vater will einzig und einfach, dass mein Jüngling Spass hat an seinem Hobby und die Jungs und Mädels eine gute Zeit haben, nebst dem, dass sie was lernen. Sei das auf sozialer Ebene oder fussballerischer Ebene. Sobald der Spass weg ist und dann sogar noch Frustration und Enttäuschung dazu kommt, finde ich ein Projekt höchst bedenklich und sehr schade und komplett am Wohl der Kids "vorbeigeplant".

Tja...ich gebe zu, ich bin und war noch nie der grosse Freund von übereifriger Modernisierung und Veränderungen per se. Trotzdem versuche ich immer offen zu sein für Neues und gebe mir Mühe der Sache eine Chance zu geben. Aber PMF ist für mich total kontraproduktiv und ich kenne bis jetzt keinen einzigen Buben oder Mädchen, die das feiern. Dazu kommt, dass sich viele Trainer sehr diplomatisch dazu äussern, man aber zwischen den Zeilen klar merkt, dass sie es eigentlich auch nicht wirklich feiern. Und auch nicht wenige, die darüber fluchen. Für mich wirkt das alles sehr bei den Haaren herbeigezogen und sehr krampfhaft und nicht ein bisschen zu Ende gedacht. Öppen so wie bei den Playoffs. Man will unbedingt mit aller Gewalt etwas attraktiver, spannender und moderner machen oder Hauptsache anders, wo es meiner Meinung nach überhaupt nicht nötig ist.

Darum für mich "Nei zu PMF und noch viel neiiier zo dene bekackte Playoffs" oder wie es der Sonnenkönig schon so ähnlich zu berichten wusste: "Möched mer das Spiel ned kapott!"
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„Manche Leute halten Fußball für eine Sache von Leben und Tod. Ich bin von dieser Einstellung sehr enttäuscht.
Ich kann Ihnen versichern, es ist sehr viel wichtiger als das!“

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Re: Play more football: Hui oder Pfui?

Beitrag von Heiri » 12. Sep 2022, 17:00

Aufwindfahne hat geschrieben:
12. Sep 2022, 14:42
Zu alledem war mein Team - exakt so, wie es Heiri oben schildert - nach einer Stunde so platt, dass es eher noch schlimmer als besser wurde (jaja, ich weiss, vermutlich vercoacht und so :eye: )
Als moderner, unpolitischer Laptoptrainer hast du sicherlich ein schnelles Umschaltspiel und sofortiges Gegenpressing verlangt (auch unter RedBull-Fussball) bekannt, daher denke ich nicht dass du da was vercoacht hast, sondern einfach der schlechte Fitnessstand (was macht dein Konditionstrainer beruflich?) schuld war.

:eye:
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Re: Play more football: Hui oder Pfui?

Beitrag von Aufwindfahne » 13. Sep 2022, 13:51

Hehe Heiri.

Danke auch @Gabor, interessante Perspektive. Was mich bei dem Thema übrigens genau so umtreibt:
Aber halt so richtig tschutten.
Das Thema Resultat und Tabelle möchte man ja auch tunlichst vermeiden auf der Stufe... hat einer schon mitbekommen, dass es für die Kids auf dem Pausenplatz nichts wichtigeres gibt als das Spiel zu gewinnen?
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Re: Play more football: Hui oder Pfui?

Beitrag von Gabor_Gerstenmaier » 14. Sep 2022, 09:41

Das ist dann nochmals ein anderes Thema. Wie und ob überhaupt es kompetitiv sein soll oder muss steht in den Sternen. Ich bin grundsätzlich auch der Meinung, dass das Resultat auf dieser Stufe möglichst sekundär sein soll, aber nicht komplett unwichtig. Dies ist aber schwierig den Kids zu verklickern, denn es geht ja in erster Linie darum Spass zu haben am Fussball und in zweiter Linie misst man sich untereinander. So ist das Spiel. Das ist nicht wegzudiskutieren und halt einfach ein Fakt. Dies ist aber im Schachverein so, im Handball, im Schwimmen oder im Tennis genau gleich. Da und dort vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt, aber grundsätzlich geht es überall um Wettbewerb. "Brot und Spiele", der Mensch misst sich immer und überall. Manchmal macht das Sinn, in gewissen Situationen ist das dann aber auch völlig sinnfrei. Wenn es um Status und materielle Werte geht, erachte ich das als grosses Problem in unserer Gesellschaft. Im Sport hingegen gehört das einfach dazu. Man tritt ja meistens aus diesem Grund gegeneinander an, um zu schauen, wer am Schluss die Oberhand hat.

Ich persönlich bin ganz klar der Meinung, dass Resultate und Tabellen Vor- und Nachteile haben. Die Nachteile sind klar. Es gibt Enttäuschungen bei gewissen Kindern und Teams. Verlieren ist nie toll. Vielleicht erzeugen gewisse schlechte und ungeeignete Schreihals-Trainer und übermotivierte Eltern (von beidem gibt es genug) mehr Druck wenn es am Schluss eine Tabelle gibt. Okay. Aber sind wir mal ehrlich. Ist es nicht gerade auch wichtig, dass Kinder früh lernen zusammen zu verlieren und zusammen zu gewinnen? Ist es nicht förderlich, wenn Kinder lernen mit Niederlagen umzugehen und zu merken, dass man vielleicht nicht immer in allem der Beste sein kann? Oder eben genau noch motivierter sind, besser zu werden. Genau darin sehe ich eine Chance als Vater meinem Sohn anhand von einem enttäuschenden Ausgang eines Turniers oder Spiels zu erklären, dass es vor allem wichtig ist, dass man alles gegeben hat und gekämpft hat wie ein Löwe, es aber akzeptieren muss, wenn jemand anderes ganz einfach besser war. Genau so wie ich ihm erklären kann, dass Fussball zwar durchaus sehr wichtig ist und es auch cool ist zu gewinnen, aber es bei weitem auch noch anderes gibt im Leben was wichtig ist. Und als weiterer Punkt füge ich gerne auch noch an, dass Kinder so auch lernen dem Gegenüber auch etwas zu gönnen. Ich sage ihm immer, dass er nach einer Niederlage hingehen soll und dem Gegner gratulieren soll, ihm aber bei knapper Niederlage auch sagen darf, dass sie sie im nächsten Spiel dann schlagen werden :wink: Ein schöner Satz, den ich vom Trainer meines Sohnes gehört habe letztes war: "Wir wollen immer gewinnen, aber nicht um jeden Preis!" Fand ich sehr gut skizziert und formuliert.

Man kann Wettbewerb und kompetitive Spielformen auch spielerisch rüberbringen und dazu nutzen den Kids auf sozialkompetenter Ebene etwas mitzugeben. Das ist dann aber wohl nur noch den Top-Junioren-Trainern vorbehalten. Dies wäre aber meiner Meinung nach ein Punkt, wo man als SFV oder anderen Regionalverbänden viel mehr ansetzen könnte. Anstatt Modus komplett ummodeln und irgendwelche kleinen Tore aufstellen und Ringe an den Spielfeldrand zu stellen, könnte man auch investieren und Leitfaden oder Kurse anbieten, die die Trainer noch mehr guiden und schulen auf sozialer und verhaltenstechnischer Ebene. Weil, was sich da auf den Juniorenplätzen an Trainern (Ich schreibe bewusst nur von männlichen Probanden) tummeln, ist bisweilen schon erschreckend zum Teil. Da werden 8- Jährige angeschrien von der Seitenlinie und Eltern schreien rein und legen sich mit dem gegnerischen Trainer und Eltern an etc. da wird es mir Angst und Bange. Ich weiss...es ist schwierig Trainer zu finden und ich mache es ja auch nicht. Aber trotzdem darf man von jedem Trainer und jedem Elternteil ein Minimum an Anstand und Respekt verlangen. Und genau da sehe ich viel grösseren Handlungsbedarf bei Verbänden und auch Vereinen. Denn ich erachte es als sehr viel wichtiger den Kindern gewisse Werte und Freude zu vermitteln, als mit irgendwelchen komischen Spielformen das Gegenteil zu bewirken und allenfalls den Kindern sogar die Freude zu nehmen und das Frustrationspotential bei Kids, wie auch Trainer und Eltern steigen zu lassen.
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Re: Play more football: Hui oder Pfui?

Beitrag von Aufwindfahne » 14. Sep 2022, 10:38

Man versucht halt irgendwie, etwas (Resultat - Tabelle) zu unterdrücken - dabei wäre in diesem Falle Konfrontation gar nicht so schlecht. Für Trainer, Eltern und Spieler. Lernen, damit umzugehen, Sieg und Niederlage sind Teil des Lebens.
Genau darin sehe ich eine Chance als Vater meinem Sohn anhand von einem enttäuschenden Ausgang eines Turniers oder Spiels zu erklären, dass es vor allem wichtig ist, dass man alles gegeben hat und gekämpft hat wie ein Löwe, es aber akzeptieren muss, wenn jemand anderes ganz einfach besser war.
Genau so. Gilt für den Fussball wie auch sonst im Leben.
Weil, was sich da auf den Juniorenplätzen an Trainern (Ich schreibe bewusst nur von männlichen Probanden) tummeln, ist bisweilen schon erschreckend zum Teil.
Und da sind wir wieder beim Thema - mit play more football brauchst Du noch mehr davon. Und das sind typischerweise dann nicht die Top Shots, um es milde auszudrücken.
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Re: Play more football: Hui oder Pfui?

Beitrag von Heiri » 14. Sep 2022, 11:09

Nur weil die Resultate nicht veröffentlicht oder keine Tabellen mehr erstellt werden, bedeutet das ja nicht, dass die Spiele nicht mehr gewonnen oder verloren werden. Diese Argumentation ist mir dann doch etwas zu einfach. Meine F-Junioren wissen am Ende des Turnieres jeweils ganz genau wie viele Spiele sie jetzt gewonnen oder verloren haben.

Vielleicht hilft ein Blick ein paar Jahre zurück um zu verstehen, warum dies vom Verband eingeführt wurde.
Da wurden a-Teams für Spiele in die 3. Stärkeklasse geschickt oder gleich grundsätzlich in tieferen Stärkeklassen eingeteilt (im Kinderfussball können die Teams in Stärkeklassen gemeldet werden, es gibt kein Auf-/Abstieg).
Oder starke Spieler verstärkten tiefere Teams mit Doppeleinsätzen am gleichen Tag.
Weniger talentierte Spieler kamen nur kurz oder gar nicht zum Einsatz.
Es gibt noch weitere Beispiele in diese Richtung. Die Clubs und Trainer waren jeweils sehr kreativ um in den Ranglisten möglichst gut dazustehen und sich im vermeintlichen Erfolg sonnen zu können. Was dabei aber immer öfter zu kurz kam, war die Ausbildung der Kids. Auch die der talentierten Junioren. Da wurde selten auf Positionen gespielt die halt noch nicht so gut beherrscht wurden. Oder was bringt es, wenn ich ein gutes, talentiertes Team habe, dies aber jedes Spiel zweistellig gewinnt, weil es in der falschen Stärkeklasse spielt.

Selbstverständlich sind in diesen Fragen die Clubs und vor allem die Trainer hauptsächlich in der Verantwortung.
Meiner Meinung hat der Verband im Kinderfussball aber in den letzten Jahren vieles richtig gemacht. Ohne Tabellen und Resultatmeldungen wurde der (öffentliche) Druck verkleinert. Auch in den Clubs und bei vielen Trainern half diese Massnahme, dass ein Umdenken stattgefunden hat. Die Ausbildung wurde an vielen Orten wichtiger und ganzheitlicher. Auch viele Trainer haben festgestellt, dass der Junior X zwar weniger Talent hat als Junior Y, aber viel mehr Fortschritte erzielt wenn er regelmässig spielt und nicht immer am Schluss ein paar Minuten...
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Re: Play more football: Hui oder Pfui?

Beitrag von Aufwindfahne » 14. Sep 2022, 15:04

Meine F-Junioren wissen am Ende des Turnieres jeweils ganz genau wie viele Spiele sie jetzt gewonnen oder verloren haben.
Eben ;-). Aber ja, hast natürlich recht, der "öffentliche Druck" lässt durch die Nichtpublikation und anderen gezielten Massnahmen ein wenig nach, mindestens das Bewusstsein der gezielten, breiteren Förderung ist deutlich grösser geworden gegenüber früheren Jahren, das nehme ich auch so wahr. So ganz konsequent ist man beim Verband dann aber doch nicht, sonst würde man weder einen Cup (ab E-Junioren) noch ein IFV-Hallenturnier (ab F-Junioren) im Programm führen dürfen - dass dies dann die echten Saisonhighlights für die Clubs, Teams, Junioren sind, sagt doch auch schon wieder was aus ;-).

Ich finds halt insgesamt etwas übertrieben, dass man gefühlt alles daran setzt, die Kinder (und auch die Eltern, Trainer) nicht richtig mit Niederlagen (und auch mit Siegen!) zu konfrontieren. Kommt mir oft so vor, dass man alles in Watte packen möchte, um die Ausbildung nicht zu gefährden. Aber es ist halt doch Teil von allem, spätestens bei den D-Junioren muss man mit diesen Tatsachen sowieso leben, die Förderung stoppt in diesem Alter ja nicht auf einen Chlapf, ganz im Gegenteil - und es soll Kinder/Jugendliche geben, die in diesem nicht ganz so leichten Alter immer noch nicht damit umgehen können, wen wunderts...
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