Latour soll auf die neue Saison übernehmen. Als Assistent ist Muri geplant.
Tages-Anzeiger vom 10.05.2007
Balakovs Ende - Latour kommt zurück
Krassimir Balakov ist nächste Saison nicht mehr GC-Trainer. Er wird, trotz gültigen Vertrages, durch seinen Vorgänger Hanspeter Latour ersetzt. Kommt jetzt auch noch Murat Yakin?
Von Thomas Schifferle und Fredy Wettstein, Zürich
«Erwarten Sie von mir nicht, dass ich etwas Besonderes sage», erklärte Krassimir Balakov und lächelte leicht gequält. Zum Spiel gab es nichts zu sagen. Was GC und Sion den Zuschauern boten und zumuteten, war frei jeglicher Unterhaltung. GC hatte eine Chance durch Pinto, Sion hatte eine durch Gaspoz in der Nachspielzeit. Der ganze lange Rest hatte den Charme eines Testbildes. Auf der Tribüne verdrehte es auch dem alten Sportchef Karl-Heinz Riedle die Augen.
In erster Linie aber wollte Balakov nichts Spezielles zu seiner eigenen Situation als Trainer der Grasshoppers sagen. «Ich weiss nichts», betont er und verwies erneut darauf, dass es am Verein sei, über die Zukunft zu informieren. Und der Verein wird das bald tun, vielleicht hat er es noch diese Nacht getan, vielleicht erfährt Balakov erst heute, was ihm nicht gefallen kann. Er wird auf die neue Saison hin und trotz eines bis 2008 gültigen Vertrages durch Hanspeter Latour ersetzt, seinen Vorgänger auf dem Hardturm. Balakov stieg gestern Abend kurz vor halb elf Uhr mit ernster Miene in seinen Mercedes mit Stuttgarter Kennzeichen und fuhr in die Nacht hinaus.
Latours Ausweichen
Als sich GC gegen Sion abmühte, war Latour auf der Autobahn unterwegs, zurück aus Deutschland. «Wer weiss schon, was morgen ist oder übermorgen», rief er ins Telefon, mit bekannt markiger Stimme. Sagte es, bat um Verständnis, im Moment nicht mehr sagen zu können, und wünschte einen schönen Abend.
Balakov zahlt den Preis des Wechsels in der Vereinsführung, von der Gruppe um Walter Brunner zu Roger Berbig, Heinz Spross und Erich Vogel. Er selbst hatte zwar das Gefühl bekommen, mit Vogel zuletzt mehrere gute Gespräche geführt zu haben. Er plane mit gutem Gewissen die neue Saison, erklärte er auch. Intern allerdings liess er durchblicken, dass er auf keinen Fall von sich aus gehe. Er mag offensichtlich nicht auf Geld verzichten, das ihm für die nächste Saison zusteht. Sein Vertrag ist, je nach Quelle, mit 350 000 bis 500 000 Franken jährlich dotiert.
Seine Entmachtung ist keine Überraschung. Schon vor drei Wochen, als der Wechsel von Brunner zu Berbig offiziell wurde, gab es dafür die ersten Indizien. Die Frage war nur: Welcher Trainer ist Vogel genehm - ihm, der als künftiger Verwaltungsrat zuständig ist für die sportlichen Belange und mehr Macht hat bei GC als während seiner Zeit als Sportchef zwischen 1988 und 1999?
Murat Yakin war der erste Favorit, doch ihm, einem früheren Lieblingsspieler Vogels, fehlt die nötige Uefa-Pro-Lizenz, um in der Super League Trainer zu sein. Ciriaco Sforza galt als Anwärter, zumal er selbst gerne auf dem Hardturm arbeiten möchte. Er ist im Verein aber zu umstritten, um mehrheitsfähig zu sein. Nun ist es Latour, der den Zuschlag erhält. Er ist kein Junger mehr, den Vogel nach eigenen Vorstellungen formen könnte, er wird im Juni 60. Aber Latour, der urchige Berner Oberländer, ist seit vielen Jahren schon ein enger Vertrauter Vogels.
Mitte der 90er-Jahre war Latour ein erstes Mal bei GC, als Assistent von Christian Gross. Später in Thun machte er sich national einen Namen. Kam im Januar 2005 auf den Hardturm. Leistete unter schwierigen Umständen gute Arbeit. War mit seiner extrem fordernden Art ein unbequemer Vorgesetzter für alle, die mit ihm zu tun hatten. Und ging Ende Jahr (und für nur elf Monate) zum 1. FC Köln. Dann kam Balakov zu GC. Jetzt muss der Bulgare wieder gehen - am Ende einer Saison, in der sich seine Mannschaft sportlich so rückwärts entwickelt hat, dass gestern die Minikulisse von 2800 Zuschauern noch Lust auf sie hatte.
Latour also als neuer Chef, Martin Rueda als Ausbildungschef, Mats Gren als Chefscout, Thomas Binggeli in einer Rolle im Nachwuchs - Vogels Personalentscheide bekommen die erwartete Struktur. Jeder ist ein Gewährsmann von ihm. Und weitere sollen folgen, denn der Platz als Assistent an Latours Seite ist noch zu besetzen. Binggeli, sein langjähriger Zuarbeiter, wird es nicht sein. Vogel hat offenbar einen besonderen Plan ausgeheckt: Murat Yakin, sein erster Wunschkandidat, soll als Assitent im Tandem mit Walter Grüter von Concordia zu GC kommen.