Fussball
Besuch bei FCL-Legende David Zibung in Gladbach: «Ich habe mir meinen Bundesliga-Traum erfüllt»
Daniel Wyrsch
21.04.2026, 17.30 Uhr
520 Spiele für den FC Luzern – jetzt arbeitet der Ex-Goalie bei Borussia Mönchengladbach. Warum er im Sommer aufhört und wie es für ihn weitergeht.
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Sonntagmittag vor dem Borussia-Park: Mit grossen Schritten kommt David Zibung dem Eingang entgegen – entschlossen, zielgerichtet, wie einst in seinen 520 Partien für den FC Luzern. Heute arbeitet der Rekordspieler als Sportkoordinator Lizenz bei Borussia Mönchengladbach – noch bis Ende Saison.
Am Abend wartet ein Duell im Abstiegskampf: Gladbach trifft auf Mainz, trainiert vom Schweizer Urs Fischer. Noch wirkt Zibung gelassen. Er nimmt sich Zeit, führt durch das Stadion. «Das gehört dazu», sagt er und lässt per Knopfdruck die Hymne der Borussia erklingen. Schritt für Schritt geht es hinaus Richtung Spielfeld. Selbst im leeren Rund liegt eine besondere Atmosphäre in der Luft. «Hier ist alles nochmals ein bisschen grösser als in Luzern», sagt der 42-Jährige.
Ihr guter Freund Gerardo Seoane wurde als Trainer bei Gladbach im September entlassen. Sie sind immer noch hier. Warum?
David Zibung: Es ist alles sehr professionell abgelaufen. Ich bin ursprünglich in einer zweigeteilten Rolle gekommen – ich war im Trainerteam von Gerry auf dem Platz tätig und habe in der sportlichen Führung als Bindeglied zwischen Mannschaft, Trainer und Klub gearbeitet. Als Gerry entlassen wurde, kam der Klub auf mich zu und sagte, sie wollen, dass ich bleibe. Für mich war klar: Ich bleibe. Ich bin allerdings aus dem Trainerteam raus und arbeite jetzt zu 100 Prozent in der sportlichen Führung.
Und trotzdem hören Sie im Sommer auf?
Für die neue Saison wurde mir eine neue Position angeboten. Diese hätte einen noch stärkeren Fokus auf administrative Aufgaben gehabt. Ich möchte aber in Zukunft näher am Fussball sein, deshalb habe ich mich dagegen entschieden.
Wo sehen wir Sie in Zukunft?
Ich bin komplett offen – für die Schweiz wie auch für das Ausland. Aber jetzt ist nicht der Moment zu spekulieren. Viele Klubs spielen noch um wichtige Ziele.
Ihr nächster logischer Schritt wäre YB.
Ich verstehe, warum viele davon ausgehen, dass ich zu YB gehe – vor allem, weil dort jetzt Gerry Trainer ist. Aber wie gesagt: Jetzt ist nicht der Moment zu spekulieren. Es erübrigt sich die Diskussion.
Wäre eine Rückkehr zum FCL für Sie ein Thema – oder erst, wenn die Position von Sportchef Remo Meyer frei wird?
Für mich ist nicht die Position entscheidend, sondern die Aufgaben. Ich möchte Verantwortung übernehmen. Ich will etwas bewegen, kreativ sein und Entscheidungen treffen – darauf habe ich Lust.
Derzeit haben Sie eine Fern-Ehe, Ihre Frau und die beiden Kinder leben in Schenkon. Nun erhalten Sie vielleicht wieder mehr Zeit für die Familie.
Darauf freue ich mich sehr. Es war eine neue Situation für uns – und sie hat viel besser funktioniert, als wir gedacht haben. Wir bleiben ständig in Kontakt, und an freien Tagen fahre ich die 620 Kilometer in die Schweiz, auch wenn ich meist nur kurz dort bin. Teilweise helfe ich sogar per Face-Time bei den Hausaufgaben. Man wird kreativ und findet Lösungen. Die vielen Stunden im Auto nehme ich gerne in Kauf.
Während draussen das Spiel näher rückt, laufen in der Garderobe die Vorbereitungen auf Hochtouren. Das Trikot von Nico Elvedi hängt schon am Platz. Im Kabinengang wird die Philosophie des Klubs sichtbar: Dort reihen sich die Trikots jener Spieler aneinander, die bei Borussia ausgebildet wurden und in der Bundesliga debütiert haben. Das jüngste gehört Wael Mohya.
Würde auch der FC Luzern eine solche Wand gestalten, wäre Zibung selbst Teil davon – gemeinsam mit zahlreichen weiteren Spielern aus der eigenen Ausbildung. «Beim FCL sind es extrem viele eigene Talente», sagt er. «Das ist auch ein gewisses Risiko.»
Nach Ihrer Spielerkarriere hatten Sie eigentlich andere Pläne als in die sportliche Leitung eines Klubs zu gehen. Weshalb ist es so gekommen?
Nach dem Cupfinal 2021, meinem letzten Spiel für den FCL, habe ich von Remo Meyer drei Monate frei bekommen. Danach war geplant, je 50 Prozent im Marketing und als Goalietrainer im Nachwuchs zu arbeiten. Dann kam alles anders: Fabio Celestini wurde entlassen und Remo wollte mich wieder näher an der Mannschaft und in der Kabine. Nach kurzer Zeit war ich wieder voll im Fussball – und so entstand die Rolle als Sportkoordinator.
Dabei haben Sie sich Ihre Zukunft im Büro ausgemalt.
Ich habe in der Zeit im Büro viel gelernt. Aber ich habe auch gemerkt, dass ich das nicht die nächsten dreissig Jahre machen möchte. Also bin ich zurück in den Fussball. Dass man dafür mehr an den Wochenenden arbeiten muss, investiere ich gerne.
Viel investiert hat David Zibung auch in seine Karriere als Spieler. 2003 wurde er beim FC Luzern zur Nummer eins. «Ich profitierte damals davon, dass man auf einen jungen Spieler aus dem eigenen Nachwuchs setzen wollte», sagt Zibung.
Diese Erfahrung prägte ihn. Als Jonas Omlin die Nummer 1 wurde, unterstützte Zibung ihn. «Ich habe damals auch von so einem Wechsel profitiert», sagt er. Umso spezieller ist das Wiedersehen in Mönchengladbach: Als Zibung zum Klub stiess, war Omlin Captain und Stammgoalie – inzwischen ist er an Bayer 04 Leverkusen ausgeliehen.
Wie sehen Sie die Situation von Jonas Omlin?
Er hat sich bei Borussia immer sehr professionell verhalten, seine Rolle akzeptiert und seine Mitspieler unterstützt. Bei Leverkusen hat er eine neue Chance gesehen. Was im Sommer ist, wird man sehen.
Früher waren Sie das Goalieduo beim FCL – nun begegnen Sie sich in anderer Rolle wieder, in der Bundesliga.
Das war auf jeden Fall speziell. Für Gerry galt es, die Argumente abzuwägen, welcher Goalie spielt. Moritz Nicolas hat seine Chancen genutzt, wenn Omlin verletzt ausgefallen ist.
David Zibung ist einer, der aneckt. Das war schon in Luzern so – und ist auch in Gladbach nicht anders. Er bringt seine Meinung ein, klar und direkt. «Wenn man nach meiner Meinung fragt, bekommt man sie», sagt er. Gerade diese Art hat ihm auch in Gladbach geholfen, sich zu behaupten – selbst nach der Entlassung von Seoane.
Sie durften bei Gladbach bleiben. Weshalb?
Ich habe eng mit Gerry zusammengearbeitet, aber ich bin auch nicht mit ihm gekommen, sondern ein Jahr später dazugestossen, um viele generelle Aufgaben als Schnittstelle zwischen Mannschaft, Staff und Klub zu übernehmen. Die sind nach einer Entlassung ja nicht weggefallen. Ich glaube, dass nach der Bekanntgabe viele Klubangestellte auf mich zugekommen sind und gesagt haben, dass sie meinen Abgang schade finden, ist ein gutes Zeichen, dass ich etwas beitragen konnte.
Sie haben als Goalietrainer gearbeitet und Trainerdiplome gemacht – warum reizt Sie der Trainerjob nicht?
Goalietrainer habe ich eher gemacht, um meine Karriere abzurunden, die Trainerdiplome helfen mir auch in der jetzigen Funktion für das Verständnis. Ich sehe mich klar in der sportlichen Führung. Trainer zu sein reizt mich nicht so. Ich gestalte lieber das Umfeld, schaffe Voraussetzungen und baue etwas auf – nicht nur rund um das Spiel.
Dank eines frühen Treffers von Joe Scally führt Gladbach früh mit 1:0. In der Pause kreuzen sich die Wege nur kurz. Im Lift geht es gemeinsam nach oben, doch David Zibung steigt einen Stock früher aus. «Ich war kurz in der Kabine», sagt er. Dort wurde soeben die erste Halbzeit analysiert – von der Tribüne aus hat er nun den besseren Überblick, um taktische Inputs einzubringen. Wenig später ist er wieder unterwegs Richtung Tribüne, gemeinsam mit dem Videoanalysten.
Als Spieler haben Sie 520 Spiele für den FC Luzern bestritten. Wieso sind Sie als Goalie nie in die Bundesliga gewechselt?
Für mich waren diese über 500 Spiele für den FCL mit meinem Talent das Limit. Es gab einmal ein Gespräch mit Borussia Dortmund – und klar, ich wäre damals gerne gegangen. Dafür hätte aber einiges zusammenpassen müssen. Aber wie heiss es am Ende wirklich war, weiss ich nicht. Ich habe mir über einen Transfer nie viele Gedanken gemacht. Ich wollte einfach so gut spielen, dass jemand von sich aus anruft. Meinem Berater habe ich sogar gesagt, er soll mich nicht aktiv anbieten – deshalb hat er mit mir wohl keinen einzigen Franken verdient (lacht).
Als Spieler wurde der Bundesliga-Traum nie wahr. Ist er nun als Funktionär wahr geworden?
Ja, auf jeden Fall. Es hat sich alles gelohnt – jede einzelne Minute. Und ihr werdet heute Abend sehen, weshalb. Das, was im Borussia-Park los ist, wenn Gladbach spielt, ist der Grund, warum wir das machen. Auch wenn vieles von dem, was ich hier tue, im Hintergrund bleibt, macht man es für die Spiele.
Tief in der Nachspielzeit fällt der 1:1-Ausgleich für Mainz durch einen Penaltytreffer von Nadiem Amiri. Statt des erhofften Befreiungsschlags gibt es von den Fans Pfiffe. Während Amiri im Spielertunnel den anwesenden Medienschaffenden Auskunft gibt, ist Zibung gefasst. «Es ist schon bitter, dass wir den Sieg nicht holen konnten», sagt er.
Dennoch ist er überzeugt: Gladbach schafft den Ligaerhalt. Fünf Punkte beträgt der Vorsprung auf den Relegationsplatz. Am nächsten Wochenende wartet Wolfsburg – mit dem Luzerner Sportdirektor Pirmin Schwegler und Ex-FCL-Goalie Marius Müller. Klar ist: David Zibung möchte mit Borussia Mönchengladbach vor seinem Abgang noch den Ligaerhalt feiern.
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Re: Dave Zibung
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