
New York (dpa) - Google kauft den Online-Video-Anbieter YouTube für 1,65 Milliarden Dollar (1,31 Mrd Euro) in Aktien. Die Übernahme des gerade 19 Monate alten Start-ups ist die teuerste Akquisition in der achtjährigen Firmengeschichte des führenden Suchmaschinen-Betreibers.
Die Übernahme solle noch im vierten Quartal 2006 abgeschlossen werden, teilten die Unternehmen mit. YouTube ist derzeit eine der populärsten Sites für Video-Inhalte im Netz. Nach eigenen Angaben des jungen Unternehmens werden die Videos pro Tag rund 100 Millionen Mal abgerufen.
Zu dem relativ hohen Preis haben vermutlich die Begehrlichkeiten der Konkurrenz geführt, schätzen Branchenbeobachter. Dem «Wall Street Journal» zufolge soll in der vergangenen Woche auch Google-Konkurrent Yahoo! Interesse an der Anfang 2005 gestarteten Video-Site bekundet haben. YouTube habe in den vergangenen Tagen zudem bereits ein niedrigeres Angebot von Google abgelehnt, hieß es. Mit einem Marktwert von rund 132 Milliarden Dollar dürfte der Kauf den Suchmaschinenbetreiber allerdings nicht in finanzielle Engpässe führen.
Mit der Übernahme sichere sich Google einen schnellen Weg für eine starke Position im Internet-TV-Geschäft, sagte Allen Weiner, Analyst des Marktforschungsunternehmens Gartner. Allerdings wird in der Branche diskutiert, ob dabei die Bedeutung von YouTube realistisch eingeschätzt wird. «Wenn man annimmt, dass (YouTube) die Zukunft des Fernsehens ist, ist es sicherlich 1,6 Milliarden Dollar wert», sagte Microsoft-Chef Steve Ballmer der «New York Times». Wenn man allerdings etwas anderes annehme, sei YouTube gar nicht viel wert.
YouTube wurde von den End-Zwanzigern Chad Hurley und Steven Chen mit Unterstützung der Venture-Capital-Firma Sequoia Capital Partners gegründet. In nur 19 Monaten entwickelte sich die Internet-Site zu einer der populärsten ihrer Art. Auf YouTube.com können Internetnutzer eigene Videoclips platzieren und andere Angebote kostenlos ansehen. Täglich kommen dem Unternehmen zufolge 65 000 Video-Clips hinzu.
YouTube soll als Marke bestehen bleiben und weiter alle 67 Beschäftigten mit Sitz im kalifornischen San Bruno behalten. Künftig werde eine «globale Medienplattform» entstehen, die die Video- Angebote beider Unternehmen kombiniere, sagte Google-Chef Eric Schmidt. YouTube-Gründer Hurley hatte bereits angekündigt, dass in nicht so ferner Zukunft «jedes Musikvideo, das jemals gedreht wurde» bei YouTube zu finden sein soll. Im wichtigen US-Markt belegt YouTube einen Marktanteil von 46 Prozent.
Problemen durch mögliche Urheberrechtsverletzungen will Google mit Kooperationen begegnen. Am Montag kündigte der Internet-Gigant bereits eine strategische Vereinbarung mit der Musikfirma Sony BMG Music Entertainment an. Sony BMGs Videokollektion soll noch in diesem Monat auf Google Video kostenlos zur Verfügung stehen, teilten die Unternehmen mit.
Mögliche Rechtsstreitigkeiten um das Thema Urheberrechtsverletzung hatten Branchenbeobachter als größtes Hindernis für eine Übernahme von YouTube durch Google gewertet. Auch YouTube hatte noch am Montag eigene Vereinbarungen mit Sony BMG sowie mit Universal Music geschlossen und eine Zusammenarbeit mit dem US-Fernsehsender CBS vereinbart. YouTube hatte bereits im September ein System vorgestellt, mit dem die Halter der Autorenrechte automatisch ermittelt und an Werbeeinnahmen beteiligt werden sollen.






