Uiii ist das gefährlich in der Schweiz...
Bericht der Bundespolizei
Brandherd Heidiland
30.05.2006 | 12:00:19
BERN – Intakte Landschaft, schöne Berge? Ja, aber! Denn die Idylle täuscht: Extremismus, Gewalt und organisierte Kriminalität nehmen in der Schweiz laufend zu.
Hooligans schmeissen Brandpretarden gegen Menschen: Szene nach Spielende in Basel.
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Keystone
2000 Grad heisse Brandpetarden fliegen Richtung Spieler, vermummte Fans stürmen aufs Feld, Steine und Flaschen fliegen, die Polizei schiesst mit Tränengas und Gummischrot – die hässlichen Szenen spielten sich am 16. Mai im und um den St. Jakob Park in Basel ab. Ein Aufschrei ging durch die Schweiz.
Doch die Schlacht der Hooligans in Basel unterschied sich nur unwesentlich von der 1. Mai-Nachdemo in Zürich: hohe Gewaltbereitschaft, grosser Schachschaden. Die Idylle von der heilen Schweiz wird immer wieder jäh gestört. Das Heidiland wird kriminell.
Das zeigt auch der aktuelle Jahresbericht des Bundesamtes für Polizei: Terrorismus, rechts- und linksextreme Gewalttaten, Menschenhandel, Waffenhandel, Spionage – gehören in der Schweiz zunehmend zum Alltag.
Auszüge aus dem Bericht des Bundesamtes für Polizei:
Terrorismus «In Anbetracht der jüngsten Entwicklung der dschihadistischen Ideologie liegen terroristische Anschläge in der Schweiz zunehmend im Bereich des Möglichen», befürchtet der Staatsschutz. Bisher gebe es zwar keine Hinweise, dass die Schweiz ein Angriffsziel darstelle. Allerdings vermuten die Staatschützer, dass es in der Schweiz Islamisten gibt, welche die Durchführung von Anschlägen anstreben.
Rechtsextreme Die braune Brut schrie an der Nationalfeier 2005 Bundespräsident Samuel Schmid auf dem Rütli nieder. Sie ist bestens organisiert und wächst weiter: Der harte Kern zählt rund 1200 Mitglieder. Die Neonazis konnten mit dem Einzug der Partei National Orientierter Schweizer (PNOS) in zwei Parlamente auch politische Erfolge feiern. Gleichzeitig fielen die Rechtsextremen durch erhöhte Gewaltbereitschaft auf. Mehrere Übergriffe gehen auf ihr Konto.
Linksextreme Vor allem die Gewalt gegenüber Sicherheitskräften nahm markant zu.
Hooligans Beobachter gehen von rund 1000 militanten Sportfans aus. Die Szene überschneidet sich mit rechts- und linksextremen Kreisen. Auch hier stellt die Polizei eine massive Zunahme der Gewalt fest. Die Staatschützer blicken deshalb besorgt auf die Euro 2008.
Menschenhandel Das Sexgewerbe in der Schweiz wächst stark. Im vergangenen Jahr erzielte das Rotlichtmilieu einen Umsatz von rund 3,2 Milliarden Franken. Das Wachstum hat zur Folge, dass immer wieder Frauen in die Schweiz verschleppt und zur Prostitution gezwungen werden. Die Entwicklung deutet darauf hin, dass der Menschenhandel – vor allem mit Frauen aus Südost- und Osteuropa – weiter stark zunehmen wird.
Spionage Gemäss dem Dienst für Analyse und Prävention (DAP) soll im vergangenen Jahr ein asiatischer Staat besonders aktiv spioniert haben. Wer es war, wollen die Staatschützer nicht verraten. Es scheint aber alles auf China zu deuten.
Waffenhandel Neben dem Verfahren gegen die mutmasslichen Schweizer Mitglieder des Atomschmuggel-Netzwerks von Abdul Qadeer Khan ermittelt die Bundesanwaltschaft seit letztem Herbst in einem weiteren Fall wegen Verdachts auf Weiterverbreitung von Atomwaffen. Es geht um Waren-Exporte in ein Land im Mittleren Oste. Das Material soll zum Bau von Raketen verwendet werden.