Ein Interview mit Stierli als erste Zwischenbilanz:
Fussball: FC Luzern
«Die aktuelle Tendenz gefällt mir nicht»
Der FCL gewinnt nicht mehr, der Trainer will frische Kräfte - und jetzt kommt der FC Thun. Wie Präsident Walter Stierli die Entwicklung beurteilt und Sforza bewertet.
Interview von Peter Birrer
Walter Stierli, der FCL hat seit dem 29. Oktober und dem 1:0 in Aarau nicht mehr gewonnen. Was läuft falsch?
Walter Stierli: Grundsätzlich liegen wir im Soll. Die Realität ist die, dass wir nicht zu den ersten sechs der Tabelle gehören, aber unser Leistungsvermögen reicht für Platz sieben. Den haben wir jetzt, und wenn wir ihn bis Ende Saison behalten, sind alle glücklich. Aber es ist auch so, dass mir die aktuelle Tendenz nicht gefällt. Ich erwarte am Sonntag gegen Thun eine Reaktion auf die letzten Auftritte. Dann kann ich an der Weihnachtsfeier am Sonntagabend eine fröhliche Ansprache halten.
Trainer Ciriaco Sforza hat nach dem 0:3 in Basel erklärt, er habe für sich Antworten auf personelle Fragen gefunden. Hat er Sie über seine Forderungen in Kenntnis gesetzt?
Stierli: Ja.
Und?
Stierli: Sie sind nicht unerfüllbar. Aber wir müssen uns anstrengen.
Können die Planspiele Sforzas auch als Eingeständnis ausgelegt werden, dass die Mannschaft falsch zusammengestellt worden ist?
Stierli: Das glaube ich nicht. Aber es hat sich herausgestellt, dass jetzt Korrekturen anzubringen sind, wenn wir zukunftsorientiert arbeiten wollen. Ich denke, dass zwei Transfers im Winter realisier- und vertretbar sind. Die braucht es, weil wir Defizite in unserem Spiel haben. Aber wir müssen aufpassen, dass wir alles im Griff behalten. Sonst droht es auszuarten.
Was meinen Sie damit?
Stierli: Wir von der Vereinsleitung tragen die Verantwortung, dass sämtliche Massnahmen finanzierbar sind. Und wir bemühen uns, dass die Identität des Klubs gewahrt wird. Wir haben klare Richtlinien, wir setzen dem Trainer unternehmerische Leitplanken, zwischen denen er sich bewegen kann. Auch Sforza muss sich unterordnen. Wir sind nicht Bayern, wir sind nicht Inter Mailand, wir sind der FC Luzern.
Also werden doch nicht alle Wünsche von Sforza einfach so erfüllt.
Stierli: Er steht in der sportlichen Verantwortung, er ist zuständig dafür, dass wir angemessenen Erfolg haben, weil wir wie jeder Fussballklub davon leben.
Was für ein Zwischenzeugnis stellen Sie Sforza denn nach seinem ersten Halbjahr als Trainer aus?
Stierli: Er hat die Erwartungen erfüllt, auch wenn wir den einen oder anderen Punkt mehr hätten gewinnen können. Ich denke an die Spiele gegen Sion und GC, in denen zweifelhafte Schiedsrichterentscheide vier Punkte kosteten. Wir sind im Cup noch dabei, die Saison kann für uns sehr gut enden. Aber die Gefahr besteht auch, dass es in die entgegengesetzte Richtung gehen kann. Dagegen unternehmen wir alles.
Provoziert Sforza wie früher als Spieler auch als Trainer?
Stierli: Er hat als Spieler Verantwortung übernommen, er tut das nun auch in seiner neuen Rolle.
Die Möglichkeit, dass er vorzeitig geht, wenn er glaubt, in Luzern keine Perspektiven zu erkennen …
Stierli: … nein, nein, das glaube ich nicht. Ein vorzeitiger, freiwilliger Abgang wäre ein denkbar schlechter Start für seine Karriere. Ein Job beim FC Luzern ist für einen ambitionierten Trainer wie Sforza doch ein Superstart. Und wissen Sie, wir sind nicht im Wallis. Wir stellen nach drei Niederlagen nicht gleich alles in Frage.
Wie benoten Sie die Mannschaft?
Stierli: Die Leistungsträger haben gebracht, was wir erwartet haben.
Wer konkret?
Stierli: Ich nenne keine Namen. Die Jungen haben sich Super-League-würdig entwickelt. Und dann gibt es Spieler, die zulegen müssen, keine Frage. Einige, die in der Challenge League dabei waren, haben den Schritt gemacht. Andere sind stehen geblieben. (Pause) Fussballer ist doch einer der schönsten Berufe. Da darf ich erwarten, dass die Spieler am Tag X, wenn es zählt, bereit sind und ihre optimale Leistung abrufen. Einsatz ist das Mindeste, das vorausgesetzt werden darf.
In meinen Augen vernuenftige Worte des Praesidenten.