Hat jemand Interesse an einem LOK CapChris Climax hat geschrieben:Grande Lok Leipzig !! Solo Tanzkapelle Südfriedhof !
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Kampf den Hooligans und Rassisten
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Der Fan als Gewalttäter
In der Diskussion um Gewalt im Fussball fehlt eine differenzierte Betrachtung. Von Christine Steffen
Nachdem am letzten Wochenende der Schweizer Fussball den Betrieb nach der Winterpause wiederaufgenommen hatte, schlug der Präsident der Swiss Football League, Peter Stadelmann, Alarm. In der «Neuen Luzerner Zeitung» sagte er, «wenn es so weitergeht und noch schlimmer wird, dann wird der Fussball abgeschafft. Die Situation ist nicht nur alarmierend, sie ist existenzbedrohend.» Er könne nicht mehr ausschliessen, dass nach noch böseren Zwischenfällen die Politik einschreite und den Spielbetrieb einstelle. Die Gratiszeitung «Heute» nahm Stadelmanns Aussagen auf, schrieb von einer «Gewaltorgie» und setzte sie in Beziehung zu den Ausschreitungen beim Spiel Lokomotive Leipzig - Aue II, wo 800 Personen 300 Polizisten angegriffen hatten. Sportminister Samuel Schmid wies warnend darauf hin, dass die Schweiz nicht zu einem «Eldorado für Hooligans» werden dürfe. FCZ-Präsident Canepa liess gestern im «Blick» verlauten, er überlege sich die Aufhebung der Stehplätze im Hardturm und den Einsatz von Wasserschläuchen, um «für Ordnung auf den Rängen» zu sorgen.
Was ist am letzten Wochenende passiert? Bei der Partie YB - FC Basel wurde der FCB-Spieler Caicedo von einem Feuerzeug im Gesicht getroffen, nachdem er vor der Berner Fankurve ein Tor bejubelt hatte. Den Wurf bezeichnet Peter Stadelmann als «absolut menschenverachtend». In St. Gallen wurde nach der Partie gegen Aarau ein Gäste-Fan-Car am Wegfahren gehindert. Als die Polizei einschritt, warf eine Person Steine gegen die Beamten. Am Zürcher Derby wurden auf beiden Seiten Fackeln gezündet. Während des Spiels wurden Gegenstände aufs Feld geworfen. Ausserhalb des Stadions, sagt Marco Cortesi, Mediensprecher der Stadtpolizei, sei das Derby im Vergleich zu früheren «ruhig abgelaufen».
Die Empörung ist gross. Eine differenzierte Betrachtung der Vorkommnisse fehlt in der Diskussion um «Krawalle, Rauch, Chaoten» («Heute») weitgehend. Unter dem Eindruck der Ereignisse in Catania, wo ein Polizist bei Ausschreitungen ums Leben kam, werden munter Schreckensbilder an die Wand gemalt. Wie schlimm ist die Situation wirklich? «Die Lage hat sich - trotz den bereits eingeleiteten Massnahmen der Klubs - nicht verbessert», sagt Odilo Buergy, Präsident der Disziplinarkommission der Liga. Das sei «alarmierend». Dennoch: Die Lage hat sich nicht verbessert, aber auch nicht verschlechtert. Denn die Disziplinarkommission behandelte etwa gleich viele Fälle wie in der letzten Saison. Bei 44 von 90 Spielen in der Herbstrunde kam es zu Vorfällen, davon waren fast keine schwerwiegend. Fazit: Die Behauptung, die Gewalt in den Stadien nehme zu, entbehrt der Grundlage.
Hintergrund für die gegenwärtige Empörung bildet die EM 2008. Zukünftig sollen die EM-Sicherheitsstandards auch für die Super League gelten. Im Liga-Alltag gelte es, Erfahrungen zu sammeln und Sicherheitskonzepte zu prüfen, sagt Peter Landolt, Präsident der Sicherheits- und Fankommission. Allerdings sind Meisterschaft und Turnier nicht zu vergleichen: So gibt es beim EM-Publikum kaum Berührungspunkte mit den Klub-Fans, die ihr Team Woche für Woche unterstützen. Zudem hat sich die Wahrnehmung einzelner Phänomene verschoben. Während TV-Kommentatoren noch vor wenigen Jahren angesichts von lodernden Fackeln - die schon damals verboten waren - die grossartige Stimmung lobten, gelten sie heute als eines der Grundübel, das mit Bussen belegt wird. Auch der FC Basel muss regelmässig für das Abbrennen von pyromanischem Material bezahlen. Bernhard Heusler, Anwalt und Vizepräsident des FC Basel, geben diese für den Klub empfindlichen Bussen genauso zu denken wie die Bussenpraxis. Er ist der Meinung, dass die Bussengelder von der Liga gezielt zur Förderung von Fanprojekten und für Prävention eingesetzt werden müssten.
Zur allgemeinen Empörung mag auch die Enttäuschung beitragen, dass das sogenannte Hooligan-Gesetz (siehe Box), das seit dem 1. Januar in Kraft ist, noch keine Wirkung zeigt. Es befindet sich in den vier EM-Städten (Zürich, Basel, Bern, Genf) in einer Pilotphase. Erste Ergebnisse sind Mitte Jahr zu erwarten. Sowieso sind sich Experten einig: Das Gesetz allein, ohne begleitende integrierende und präventive Massnahmen, löst die Probleme nicht. «Primäre Aufgabe des Klubs ist der ständige Austausch mit den Fans. Sie sind ernst zu nehmen und anzuhören. Nur dann kann der Klub den Fans gegenüber auch glaubwürdig auftreten», sagt Bernhard Heusler. Er warnt davor, unter dem Druck der aktuellen Ereignisse zu pauschalisieren und Fans mit Gewalttätern gleichzusetzen - ein Fehler, durch den der Austausch zwischen Klub und Fans im Keim erstickt werde.
Heusler sagt, er glaube nicht an «Drohungen und Massnahmen, die nicht glaubwürdig umgesetzt werden können». Dass man sich mit voreilig ausgesprochenen Erlassen selber ein Bein stellt, musste auch die Swiss Football League merken. Sie sah sich gezwungen, einen Teil der Vorgaben, die sie nach den Ausschreitungen am 13. Mai im St.-Jakob-Park erlassen hatte, zurückzunehmen. Die Fans weigerten sich, sich beim Kauf von Tickets für die Auswärtsspiele registrieren zu lassen, und boykottierten diese. Das konnten sich die Klubs nicht leisten.
NZZ am Sonntag, 18.02.07
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eben nicht, die schläuche können nämlich direkt am städtischen wassernetz angeschlossen werden, womit tankunabhängig wasser geworfen werden kann.FCL Schüblig hat geschrieben:kann ja grad den wasserwerfer im stadion parkenUNDERCOVER hat geschrieben:FCZ-Präsident Canepa liess gestern im «Blick» verlauten, er überlege sich ... den Einsatz von Wasserschläuchen, um «für Ordnung auf den Rängen» zu sorgen.
das ist eh nur wegen der klimaerwärmung(irgendwie lieblingswort in letzter zeit)syntax hat geschrieben:eben nicht, die schläuche können nämlich direkt am städtischen wassernetz angeschlossen werden, womit tankunabhängig wasser geworfen werden kann.FCL Schüblig hat geschrieben:kann ja grad den wasserwerfer im stadion parkenUNDERCOVER hat geschrieben:FCZ-Präsident Canepa liess gestern im «Blick» verlauten, er überlege sich ... den Einsatz von Wasserschläuchen, um «für Ordnung auf den Rängen» zu sorgen.
hätte nichts dagegen im sommer bei +45°C ein weinig nass zu werden
dieses posting kann stilblüten und/oder ironie enthalten.
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ps: was hört ihr gerade?
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Simba
Das hat der Blick doch wieder völlig falsch dargestellt. Die Wasserschläuche werden nicht ans Wassernetz sondern an Bierfässer angeschlossen, damit sich der Fan den Weg zum Bierstand sparen kann. Auf diese Weise sind am Ende des Spiels auch alle Zuschauer so betrunken dass sie nicht mehr stehen können (deswegen ja auch die Abschaffung der Stehplätze) und einem fridlichen Fussballffest steht nichts mehr im Wege. Prost.UNDERCOVER hat geschrieben:FCZ-Präsident Canepa liess gestern im «Blick» verlauten, er überlege sich ... den Einsatz von Wasserschläuchen, um «für Ordnung auf den Rängen» zu sorgen.
http://www.mdr.de/unter-uns/archiv/2928080.htmlWiesel hat geschrieben: war früher selbst einer
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Fansicht
Hooligan werden ist einfach
Von Pascal Claude
Am Erscheinungstag dieser WOZ geht die Faninitiative Fansicht online. Die WOZ hat den Sprecher der Initiative gebeten zu schildern, wie sie in der Frage der Stadionverbote eine Gegenöffentlichkeit schaffen will.
Stadionverbote werden von Fussballverband und -liga und von den Vereinen seit langem ausgesprochen, um missliebige Personen vom Besuch eines Fussballspiels fernzuhalten, ähnlich den von WirtInnen verhängten Beizenverboten. Mit dem Hooligangesetz und der Einführung der Hooligandatenbank Hoogan erhalten Stadionverbote nun ein viel stärkeres Gewicht: Wer heute von privaten Sportveranstaltern ausgesperrt wird, landet mit einiger Wahrscheinlichkeit in der staatlichen Datenbank.
Hinter der nun gegründeten Initiative Fansicht stehen AnhängerInnen verschiedener Schweizer Vereine, die allesamt erlebt haben, dass bei der Verhängung von Stadionverboten die Sorgfaltspflicht oft verletzt wird. Leute werden Opfer von Verwechslungen, haften kollektiv oder für Taten, die sie nicht begangen haben. Weil ein Fussballverein ein privater Veranstalter ist, haben Fans kein Recht, gegen die verhängten Stadionverbote vorzugehen. Sie haben sie als Fakt zu akzeptieren. Die von Datenschützern bereits im vergangenen Jahr kritisierte Tatsache, dass bei der staatlichen Datenbank Hoogan Private Daten an den Staatsschutz liefern (Hoogan ist beim Dienst für Analyse und Prävention angesiedelt), ist von noch grösserer Tragweite, wenn es sich dabei um Falschinformationen handelt. Hier setzt Fansicht an, indem einerseits Fälle zweifelhafter Stadionverbote dokumentiert, bei den Vereinen nachgefragt und eine Neubeurteilung gefordert wird. Und andererseits Liga und Verband aufgefordert werden, ein unabhängiges Schiedsgericht für Stadionverbote einzuführen.
Polizeibeamte der Schweizerischen Zentralstelle für Hooliganismus prüfen zurzeit, welchen der rund 450 bestehenden Stadionverbote der Swiss Football League (SFL) ein Strafbestand zugrunde liegt, der eine Aufnahme in die Hoogan-Datenbank rechtfertigt. Gemäss offiziellen Angaben rechnet man mit rund dreissig Prozent. Für die restlichen siebzig Prozent kann das nur zweierlei bedeuten: Entweder handelt es sich bei den Vergehen gegen die Stadionordnung um Kleinigkeiten, die nicht als Gewalttätigkeiten angesehen werden können, oder die Fälle sind so schlecht dokumentiert und die Beweise so dürftig, dass eine Aufnahme in Hoogan nicht zu verantworten wäre. Beides stellt den Fussballvereinen und der SFL, die lokale oder gesamtschweizerische Stadionverbote aussprechen, kein gutes Zeugnis aus.
In der Arbeit, die Fansicht zum Aufbau der Internetseite bisher geleistet hat, bestätigt sich das Bild von Vereinsfunktionären, die im Zusammenhang mit Stadionverboten die nötige Sorgfalt gelegentlich vermissen lassen. So hat ein GC-Fan, gegen den wegen angeblichen Abbrennens einer Leuchtfackel bei einem Auswärtsspiel ein Stadionverbot verhängt wurde, schriftlich um eine Neubeurteilung des Falls ersucht. Der Fan ist überzeugt, Opfer einer Verwechslung geworden zu sein, und bat darum, die «belastenden» Filmaufnahmen sehen zu können. Die Antwort des Vereins: Das sei nicht nötig, die Beweise seien eindeutig, eine Gegenüberstellung erübrige sich. Wie Fansicht vom Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten bestätigt wurde, handelt der Verein damit eindeutig gegen die eidgenössischen Datenschutzbestimmungen: Der GC-Fan hat ein Recht auf Auskunft zu den über ihn gesammelten Daten. Bloss: Er und die meisten seiner KollegInnen wissen das nicht. Sie sind jung, unerfahren, ohne Lobby und in juristischen Belangen schnell eingeschüchtert; für Feldversuche wie das bis 2009 befristete Hooligangesetz eine ideale Klientel.
Fragen zum Umgang mit heiklen Daten wirft auch ein Fall aus der Zweiten Liga auf. Das Zürcher Anwaltsbüro Manuela Schiller, das Fansicht rechtlich betreut, hat im Auftrag von zwei FCZ-Fans sämtliche Klubs der beiden höchsten Schweizer Ligen angefragt, ob ihnen Daten über die beiden mit Stadionverbot belegten Fans vorliegen würden. Zahlreiche Klubs reagierten nicht, einige antworteten korrekt, und einer aus der Challenge League liess dem Anwaltsbüro gleich die gesamte Stadionverbotsliste zukommen mit allen Namen und Adressen bis hin zum Buchstaben S, jenem des zweiten FCZ-Fans. Dies veranschaulicht weniger eine grassierende Schlampigkeit als vielmehr ein akutes Wissensdefizit in Datenschutzfragen. In der Challenge League, wo die allermeisten Funktionäre ehrenamtlich tätig sind, üben viele den Job des Sicherheitsverantwortlichen als eines von mehreren Ämtern aus. Der Mann aus der Zweiten Liga, der auf dem Kopierer seines Klubsekretariats die Stadionverbotsliste der SFL kopierte und nach Zürich schickte, darf dank des neuen Hooligangesetzes nun beim Dienst für Analyse und Prävention vor jedem Heimspiel die Hoogan-Daten anfordern. Dass er die Listen mit registrierten Fussballfans auch jeweils, wie vorgeschrieben, innert 24 Stunden vernichtet, wird gemäss Bundesamt für Polizei nur stichprobenartig geprüft.
Die EM rückt näher, der Hooligan hat in Schweizer Medien Hochkonjunktur. Nach dem ersten Spieltag war von «Gewaltorgien» die Rede, es wurde suggeriert, in Schweizer Fankurven tummelten sich ausschliesslich brutale Schläger. Gefängnisstrafen und Geisterspiele wurden gefordert. Nur die «NZZ am Sonntag» blieb nüchtern: «Die Behauptung, die Gewalt in den Stadien nehme zu, entbehrt der Grundlage.» Dass es Zeitungen und Fernsehen trotz gegenteiliger Faktenlage Woche für Woche gelingt, ein Bild wild gewordener Hooliganhorden zu zeichnen, hat einen einfachen Grund: Hooligan zu werden, ist heute sehr einfach. Mit Erfolg wurde Feuerwerk in den Kurven innert weniger Jahre vom Inbegriff für Stimmung zum Inbegriff für Gewalt umgedeutet, sodass heute jeder und jede, der oder die zündet, gewalttätig und ergo ein Hooligan ist. Die Verordnung zum Hooligangesetz hat diese Umdeutung übernommen, sodass das Abbrennen von pyrotechnischem Material in einem Sportstadion heute als «gewalttätiges Verhalten» taxiert wird. Wer zündet, ist ein Hooligan - viele Fussballfans zünden - viele Fussballfans sind Hooligans. Das ist der Syllogismus, mit dem die Öffentlichkeit auf Trab gehalten wird.
Es wird interessant sein zu erfahren, wie viele der in der Pilotphase des Hoogan registrierten GewalttäterInnen im Sinne von SchlägerInnen und wie viele PyromanInnen sind, für die Feuerwerk zur visuellen Unterstützung ihres Teams unerlässlich ist. Was die GewalttäterInnen angeht, so hätten auch bestehende Gesetze ausgereicht, sie aus dem Verkehr zu ziehen. Bei den FeuerwerklerInnen sieht es anders aus: Sie begehen ein Bagatelldelikt. Um sie aus dem Verkehr, sprich aus dem Umfeld der Stadien zu ziehen, mussten neue gesetzliche Grundlagen her. So befasst sich nun der Staatsschutz mit Feuerwerk. Und die Vereine sind angehalten, die vermummt Zündenden korrekt zu identifizieren.
Wer schon vor zehn oder fünfzehn Jahren Fussballspiele in der Schweiz besuchte, weiss: Schon damals suchten Fangruppen nach den Spielen die Konfrontation, schon damals brannte Feuerwerk, schon damals flogen Brötchen, Bierbecher und Feuerzeuge aufs Feld. Und nebenbei deckten Fans dunkelhäutige Spieler mit Affengeräuschen ein, Woche für Woche, und im Falle des FC Basel trafen die Schmähungen mit Ahmed Ouattara gar einen aus den eigenen Reihen. So etwas ist heute nahezu undenkbar, gerade in Basel. Und zu dieser Veränderung hat kein Funktionär, kein Verein, kein Polizist und auch keine Zeitung beigetragen, diese Veränderung geschah in den Kurven selbst. Wer behauptet, alles werde immer schlimmer, hat ein kurzes Gedächtnis.
Fansicht setzt auch hier an. In einem Medienspiegel werden auf der Internetseite Beispiele für Pauschalisierungen und Falschmeldungen im Zusammenhang mit Fussballfans gesammelt und kommentiert. Das Feld ist weit. Der deutsche «Kicker», wahrlich kein Blatt des Aufstands, forderte schon vor Monaten «Stadionverbote: Schluss mit dem Unrecht!». In der Schweiz aber ist in der Zeitung zu lesen: «Hooligan freigesprochen», denn er bleibt ein Hooligan, auch als Unschuldiger.
Ab dem Erscheinungstag dieser Ausgabe online: www.fansicht.ch
Der regelmässige WOZ-Autor Pascal Claude ist Sprecher des Projekts Fansicht.
WOZ vom 22.02.2007
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Ist der TSV St. Otmar am Ende?
Hooligan werden ist einfach
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Stadionverbote werden von Fussballverband und -liga und von den Vereinen seit langem ausgesprochen, um missliebige Personen vom Besuch eines Fussballspiels fernzuhalten, ähnlich den von WirtInnen verhängten Beizenverboten. Mit dem Hooligangesetz und der Einführung der Hooligandatenbank Hoogan erhalten Stadionverbote nun ein viel stärkeres Gewicht: Wer heute von privaten Sportveranstaltern ausgesperrt wird, landet mit einiger Wahrscheinlichkeit in der staatlichen Datenbank.
Hinter der nun gegründeten Initiative Fansicht stehen AnhängerInnen verschiedener Schweizer Vereine, die allesamt erlebt haben, dass bei der Verhängung von Stadionverboten die Sorgfaltspflicht oft verletzt wird. Leute werden Opfer von Verwechslungen, haften kollektiv oder für Taten, die sie nicht begangen haben. Weil ein Fussballverein ein privater Veranstalter ist, haben Fans kein Recht, gegen die verhängten Stadionverbote vorzugehen. Sie haben sie als Fakt zu akzeptieren. Die von Datenschützern bereits im vergangenen Jahr kritisierte Tatsache, dass bei der staatlichen Datenbank Hoogan Private Daten an den Staatsschutz liefern (Hoogan ist beim Dienst für Analyse und Prävention angesiedelt), ist von noch grösserer Tragweite, wenn es sich dabei um Falschinformationen handelt. Hier setzt Fansicht an, indem einerseits Fälle zweifelhafter Stadionverbote dokumentiert, bei den Vereinen nachgefragt und eine Neubeurteilung gefordert wird. Und andererseits Liga und Verband aufgefordert werden, ein unabhängiges Schiedsgericht für Stadionverbote einzuführen.
Polizeibeamte der Schweizerischen Zentralstelle für Hooliganismus prüfen zurzeit, welchen der rund 450 bestehenden Stadionverbote der Swiss Football League (SFL) ein Strafbestand zugrunde liegt, der eine Aufnahme in die Hoogan-Datenbank rechtfertigt. Gemäss offiziellen Angaben rechnet man mit rund dreissig Prozent. Für die restlichen siebzig Prozent kann das nur zweierlei bedeuten: Entweder handelt es sich bei den Vergehen gegen die Stadionordnung um Kleinigkeiten, die nicht als Gewalttätigkeiten angesehen werden können, oder die Fälle sind so schlecht dokumentiert und die Beweise so dürftig, dass eine Aufnahme in Hoogan nicht zu verantworten wäre. Beides stellt den Fussballvereinen und der SFL, die lokale oder gesamtschweizerische Stadionverbote aussprechen, kein gutes Zeugnis aus.
In der Arbeit, die Fansicht zum Aufbau der Internetseite bisher geleistet hat, bestätigt sich das Bild von Vereinsfunktionären, die im Zusammenhang mit Stadionverboten die nötige Sorgfalt gelegentlich vermissen lassen. So hat ein GC-Fan, gegen den wegen angeblichen Abbrennens einer Leuchtfackel bei einem Auswärtsspiel ein Stadionverbot verhängt wurde, schriftlich um eine Neubeurteilung des Falls ersucht. Der Fan ist überzeugt, Opfer einer Verwechslung geworden zu sein, und bat darum, die «belastenden» Filmaufnahmen sehen zu können. Die Antwort des Vereins: Das sei nicht nötig, die Beweise seien eindeutig, eine Gegenüberstellung erübrige sich. Wie Fansicht vom Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten bestätigt wurde, handelt der Verein damit eindeutig gegen die eidgenössischen Datenschutzbestimmungen: Der GC-Fan hat ein Recht auf Auskunft zu den über ihn gesammelten Daten. Bloss: Er und die meisten seiner KollegInnen wissen das nicht. Sie sind jung, unerfahren, ohne Lobby und in juristischen Belangen schnell eingeschüchtert; für Feldversuche wie das bis 2009 befristete Hooligangesetz eine ideale Klientel.
Fragen zum Umgang mit heiklen Daten wirft auch ein Fall aus der Zweiten Liga auf. Das Zürcher Anwaltsbüro Manuela Schiller, das Fansicht rechtlich betreut, hat im Auftrag von zwei FCZ-Fans sämtliche Klubs der beiden höchsten Schweizer Ligen angefragt, ob ihnen Daten über die beiden mit Stadionverbot belegten Fans vorliegen würden. Zahlreiche Klubs reagierten nicht, einige antworteten korrekt, und einer aus der Challenge League liess dem Anwaltsbüro gleich die gesamte Stadionverbotsliste zukommen mit allen Namen und Adressen bis hin zum Buchstaben S, jenem des zweiten FCZ-Fans. Dies veranschaulicht weniger eine grassierende Schlampigkeit als vielmehr ein akutes Wissensdefizit in Datenschutzfragen. In der Challenge League, wo die allermeisten Funktionäre ehrenamtlich tätig sind, üben viele den Job des Sicherheitsverantwortlichen als eines von mehreren Ämtern aus. Der Mann aus der Zweiten Liga, der auf dem Kopierer seines Klubsekretariats die Stadionverbotsliste der SFL kopierte und nach Zürich schickte, darf dank des neuen Hooligangesetzes nun beim Dienst für Analyse und Prävention vor jedem Heimspiel die Hoogan-Daten anfordern. Dass er die Listen mit registrierten Fussballfans auch jeweils, wie vorgeschrieben, innert 24 Stunden vernichtet, wird gemäss Bundesamt für Polizei nur stichprobenartig geprüft.
Die EM rückt näher, der Hooligan hat in Schweizer Medien Hochkonjunktur. Nach dem ersten Spieltag war von «Gewaltorgien» die Rede, es wurde suggeriert, in Schweizer Fankurven tummelten sich ausschliesslich brutale Schläger. Gefängnisstrafen und Geisterspiele wurden gefordert. Nur die «NZZ am Sonntag» blieb nüchtern: «Die Behauptung, die Gewalt in den Stadien nehme zu, entbehrt der Grundlage.» Dass es Zeitungen und Fernsehen trotz gegenteiliger Faktenlage Woche für Woche gelingt, ein Bild wild gewordener Hooliganhorden zu zeichnen, hat einen einfachen Grund: Hooligan zu werden, ist heute sehr einfach. Mit Erfolg wurde Feuerwerk in den Kurven innert weniger Jahre vom Inbegriff für Stimmung zum Inbegriff für Gewalt umgedeutet, sodass heute jeder und jede, der oder die zündet, gewalttätig und ergo ein Hooligan ist. Die Verordnung zum Hooligangesetz hat diese Umdeutung übernommen, sodass das Abbrennen von pyrotechnischem Material in einem Sportstadion heute als «gewalttätiges Verhalten» taxiert wird. Wer zündet, ist ein Hooligan - viele Fussballfans zünden - viele Fussballfans sind Hooligans. Das ist der Syllogismus, mit dem die Öffentlichkeit auf Trab gehalten wird.
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jean-michel
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Stecki
Auch Kloten will den Hooligan-Zweifränkler...
Gewaltbereite Fans unerwünscht im Schluefweg
Kloten, 22. Februar 2007 -- Die Kloten Flyers schätzen sich glücklich, zum überwiegenden Teil echte und engagierte Fans im Heimstadion zu wissen. Sie sind es, welche die Mannschaft zu Topleistungen anspornen und für stimmungsvolle Ambiance sorgen. Leider mischen sich im Schluefweg zunehmend unerwünschte Besucher unter die Fans, welche alkoholisiert und/oder gewaltbereit ins oder zum Stadion kommen. Solche Gruppen von Personen schaden den Kloten Flyers und sind dafür verantwortlich, dass die Kosten für Sicherheitsmassnahmen sowie Einsätze der Sanität in den letzten drei Jahren massiv gestiegen sind. Die Kloten Flyers müssen eine Erhöhung der Ticketpreise in Erwägung ziehen, um diesen zusätzlichen Aufwand decken zu können.
Der Aufwand für den Sicherheitsdienst, den die Kloten Flyers leisten müssen, hat sich innerhalb von vier Jahren verdoppelt. Tendenz in der laufenden Saison weiter steigend. Freiwillige für diesen oft undankbaren Einsatz zu finden wird immer schwieriger. Auch die Kosten für den Sanitätsdienst an Zuschauern steigen stetig an, vor allem wegen der Versorgung meist schon vor dem Spiel stark alkoholisierter Jugendlicher. Auf diese Matchbesucher verzichten die Kloten Flyers gerne, denn echte Fans sind nicht darauf aus, ihrem Club Schaden zuzufügen. Schaden, der den Club sehr teuer zu stehen kommen kann.
Auch das mitunter nicht sehr sportliche Verhalten einzelner Matchbesucher kostet den Club unnötig Geld: Das Werfen von Gegenständen aufs Eis zieht in vielen Fällen happige Bussen durch den Verband nach sich. Alle diese Gelder würde der Club lieber in die Mannschaft und in den Nachwuchs investieren. Die Clubführung und vor allem der Sicherheitsdienst setzen alles daran, diese schwarzen Schafe auszuschalten oder zu fairem Verhalten anzuhalten. Die Clubleitung dankt der grossen Fan-Familie für ihr faires und trotzdem engagiertes Verhalten. Ihr Vorbild soll mithelfen, dass sich die Zahl der unerwünschten Elemente wieder vermindert – im Interesse aller Matchbesucher.
Gewaltbereite Fans unerwünscht im Schluefweg
Kloten, 22. Februar 2007 -- Die Kloten Flyers schätzen sich glücklich, zum überwiegenden Teil echte und engagierte Fans im Heimstadion zu wissen. Sie sind es, welche die Mannschaft zu Topleistungen anspornen und für stimmungsvolle Ambiance sorgen. Leider mischen sich im Schluefweg zunehmend unerwünschte Besucher unter die Fans, welche alkoholisiert und/oder gewaltbereit ins oder zum Stadion kommen. Solche Gruppen von Personen schaden den Kloten Flyers und sind dafür verantwortlich, dass die Kosten für Sicherheitsmassnahmen sowie Einsätze der Sanität in den letzten drei Jahren massiv gestiegen sind. Die Kloten Flyers müssen eine Erhöhung der Ticketpreise in Erwägung ziehen, um diesen zusätzlichen Aufwand decken zu können.
Der Aufwand für den Sicherheitsdienst, den die Kloten Flyers leisten müssen, hat sich innerhalb von vier Jahren verdoppelt. Tendenz in der laufenden Saison weiter steigend. Freiwillige für diesen oft undankbaren Einsatz zu finden wird immer schwieriger. Auch die Kosten für den Sanitätsdienst an Zuschauern steigen stetig an, vor allem wegen der Versorgung meist schon vor dem Spiel stark alkoholisierter Jugendlicher. Auf diese Matchbesucher verzichten die Kloten Flyers gerne, denn echte Fans sind nicht darauf aus, ihrem Club Schaden zuzufügen. Schaden, der den Club sehr teuer zu stehen kommen kann.
Auch das mitunter nicht sehr sportliche Verhalten einzelner Matchbesucher kostet den Club unnötig Geld: Das Werfen von Gegenständen aufs Eis zieht in vielen Fällen happige Bussen durch den Verband nach sich. Alle diese Gelder würde der Club lieber in die Mannschaft und in den Nachwuchs investieren. Die Clubführung und vor allem der Sicherheitsdienst setzen alles daran, diese schwarzen Schafe auszuschalten oder zu fairem Verhalten anzuhalten. Die Clubleitung dankt der grossen Fan-Familie für ihr faires und trotzdem engagiertes Verhalten. Ihr Vorbild soll mithelfen, dass sich die Zahl der unerwünschten Elemente wieder vermindert – im Interesse aller Matchbesucher.

