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Fussball, Super League: FC Luzern - FC St. Gallen (Sa 17.45, Allmend)
Drei Gründe für Maric
St. Gallen ist morgen ein besonderer FCL-Gegner: Trainer entlassen, Nachfolger in der Kritik, Blamage im Cup - und beim FCL soll ein Ex-St.-Galler die Wende verhindern.
Ciriaco Sforza muss nur ganz kurz überlegen. Die Frage, warum er Ende August und nach sieben Runden in der laufenden Meisterschaft die mit Schwegler und Cipot neu formierte, aber kaum je überzeugende Innenverteidigung mit Mijat Maric ergänzte, beantwortet er mit einem Satz und drei Stichworten.
Der Satz: «Ich habe gut recherchiert.» Die drei Stichworte: «Jung, Schweizer und Potenzial.»
Der Stichwort-Check: 23 Jahre jung, Schweizer mit kroatischer Abstammung und «viel Potenzial».
Die letzte Ergänzung respektive Präzisierung stammt von Maric selber. Er sagt auch: «Ich hatte wenig Spielpraxis und damit wenig Gelegenheit, meine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Die Trainer suchen in der Innenverteidigung immer Spieler mit möglichst viel Erfahrung. Die kann ich mir erst jetzt aneignen, weil der FCL, weil Ciriaco Sforza auf mich setzt. Weil ich hier das Vertrauen spüre, das mir in St. Gallen nie entgegengebracht worden ist.»
Schönenberger und Seeberger
St. Gallen. Der Klub mit einer besonderen Saison. Trainer Rolf Fringer wurde entlassen, obwohl eine neun namhafte Spieler umfassende Verletztenliste Argumente für eine heftige Baisse lieferte; Sportchef René Weiler stand für getätigte Transfers in der Kritik und steht als Interimstrainer nach der Cup-Blamage beim Challenge-League-Aufsteiger und Zweitletzten Gossau dermassen auf verlorenem Posten, dass die scheinbar in zwei Lager geteilte Vereinsführung mit potenziellen Nachfolgern wie Urs Schönenberger oder Jürgen Seeberger den Kontakt sucht.
St. Gallen. «Eine wilde Zeit», bilanziert Maric schmunzelnd und zählt auf, dass er in weniger als vier Jahren drei Trainer, zwei Sportchefs und zwei Präsidenten erlebt habe. «In Luzern ist alles anders. Darum möchte ich meinen Ende Jahr auslaufenden Vertrag unbedingt verlängern. Und dazu sind bis zur Winterpause sehr gute Leistungen nötig, zuerst am Samstag.»
St. Gallen. Das ist der Gegner am Samstag, und Maric sagt unumwunden: «Ein spezielles Spiel für mich, eine spezielle Ausgangslage. Rachegefühle oder offene Rechnungen habe ich aber keine. Ich muss nicht St. Gallen zeigen, was es an mir verloren hat; ich muss Luzern zeigen, was es an mir gewonnen hat. Ich spiele zwar gegen Aguirre, meinen guten Freund aus St. Galler Zeiten. Aber ab 17.45 Uhr ist er ein Gegenspieler wie jeder andere.»
St. Gallen. «St. Gallen ist St. Gallen, das sein St. Galler Spiel spielen wird», sagt Maric und gibt auch gleich das passende FCL-Rezept: «Wir müssen forsch beginnen und mit einem Pressing verhindern, dass der Gegner Selbstvertrauen tanken und aus seiner wohl ziemlich grossen Verunsicherung finden kann.»