schon etwas älter, aber wie gewohnt guter bericht von nzz.
Luzerns neues Stadion auf Messers Schneide
Wohntürme der Sportarena Allmend als Stein des Anstosses
Die Abstimmung für eine neue Sportarena Allmend in Luzern am 24. Februar dürfte knapp ausgehen. Die Diskussion um die Wohntürme beim Stadion nützt eher den Gegnern. ...
Städtische Abstimmung
Das Projekt für eine Sportarena Allmend steht auf Messers Schneide. Der Ausgang der Abstimmung in der Stadt Luzern am 24. Februar ist sehr offen, nachdem sich bei den Parteiversammlungen überraschend eine unheilige Allianz von SP und SVP gegen das Stadion ergeben hat und die Befürworter nicht recht aus den Startlöchern kommen. Im Schlussspurt der kommenden Wochen mischt auch der FCL mit, der bei den ersten zwei Rückrundenspielen, einmal auswärts und einmal zu Hause, eine gute Figur machen muss. Sagen die Stimmberechtigten Ja zur Umzonung auf der Allmend, kann eine Sportarena als Ersatz des alten Stadions mit verschiedenen Teilen geplant werden: mit einem Stadion mit rund 17 000 Sitzplätzen, 2 Hochhäusern mit 300 Wohnungen, mit Hallenbad und Turnhallen sowie einer kleineren kommerziellen Mantelnutzung.
Zweite Abstimmung im Herbst
Sagt das Stimmvolk Ende Februar Nein, droht ein Scherbenhaufen mit dem Rückzug der Investorin Credit Suisse. Dann wird die zweite Abstimmung im Herbst über den Baukredit obsolet und würde die Planung eines neuen Stadions um Jahre zurückgeworfen. Eine Lösung, die viele Interessen aufnimmt, würde scheitern. Die Stadt müsste neu planen, wohl ohne kommerzielle Zusatznutzung und ohne gemischtwirtschaftliche Finanzierung mit einem privaten Investor und damit ohne Hochhäuser. Eine Bearbeitung des bestehenden Projekts, wie es von gegnerischer Seite verlangt wird, wäre aus wettbewerbsrechtlichen Gründen unmöglich, da die Pläne den Architekten gehören. Sicher käme eine solche Variante den Steuerzahler teurer zu stehen, weil mit den kommerziell genutzten Wohntürmen ein grosser Teil der übrigen Anlage finanziert wird. Luzern wird beispielsweise das Hallenbad nur mieten müssen.
Noch Anfang Jahr sah es für die Befürworter aus CVP und FDP gut aus und lagen die Gegner aus SP-Kreisen im Rückstand. Das Stadtparlament lieferte mit den Stimmen der SVP Ende Dezember mit einer knappen Zustimmung ein klares Signal für das neue Stadion. Rückenwind gab es weiter durch eine Bevölkerungsbefragung, welche die «Neue Luzerner Zeitung» Anfang Januar publizierte. 64 Prozent der Befragten sagten Ja, 22 Prozent Nein, unentschlossen waren nur 14 Prozent. Die Angelegenheit erhielt damit, mindestens in der veröffentlichten Meinung, eine deutliche Tendenz.
In den letzten Wochen mehrten sich indessen die Anzeichen, dass die Abstimmung kein Spaziergang wird. Zum einen stützte die SP-Basis entgegen der Bevölkerungsbefragung an der Parteiversammlung die Fraktion mit einer Nein-Parole. Das Land dürfe nicht an private Investoren abgegeben werden und die beiden Hochhäuser seien nicht landschaftsverträglich. Zum andern gab die dünn besuchte SVP-Versammlung ebenfalls die Nein-Parole heraus, diesmal jedoch gegen die eigene Fraktion. Die Grünen entschieden sich für Stimmfreigabe. Mit der unheiligen Allianz aus SP, der grössten Partei in der Stadt Luzern, und der SVP, der grössten bürgerlichen Kraft im Luzerner Stadtparlament, wird es eng. Ein Verwirrspiel ergaben zudem die Ballone, die gesetzt wurden, um die Höhe der beiden 88 Meter hohen Hochhäuser zu markieren. Das gegnerische Komitee durfte nicht, liess diese an einem andern Ort steigen. Die Stadt durfte und liess die gelben Ballone steigen, womit man zum ersten Mal die Ausmasse erkennen kann.
Blick auf den Pilatus
Die Pro-Kampagne scheint nicht recht zum Laufen zu kommen. Die Ja-Leserbriefe von Stadtparlamentariern und Sportfunktionären erscheinen dem geübten Leser wenig überraschend. In den Leserbriefen der Befürworter und der etwas blutleeren Kampagne wird zu wenig argumentativ auf die gegnerischen Positionen eingegangen. Die in Inseraten vorgestellten Promis des FCL-Beirats, von denen der grösste Teil nicht in Luzern oder wie die FCL-Spieler ausserhalb des Kantons wohnt, wirken politisch nicht sehr glaubwürdig. Dazu kam, dass der FCL-Präsident unglücklicherweise damit drohte, dass sich für den FCL bei einem Nein die Existenzfrage stellen würde, was nach Erpressung riecht.
Zwar ist das gegnerische Komitee nicht sehr prominent besetzt und nicht gross in Erscheinung getreten. Doch nicht organisierte Gegner, die sich gegen ein «Luxusstadion» und gegen die Wohntürme in Leserbriefen äussern, sind eher aus dem Volk und in den Wohnquartieren der Stadt bekannt. Dazu gehört auch der frühere Baudirektor, der das Killerargument in einem Leserbrief geschickt placierte: Die beiden Türme könnten beim Spazieren den Blick auf den geliebten Pilatus beeinträchtigen.
http://www.nzz.ch/nachrichten/schweiz/l ... 66840.html