2 Tage, 2 Wochen oder länger
Gestern wurde der Fall Wil heftig debattiert. Die Arbeit der ersten Instanz läuft noch unbestimmt lang. In zweiter Instanz wird Wil bestraft. Wie und wann, ist offen.
Die Lizenzkommission der Nationalliga hat die Ermittlungen gegen den FC Wil aufgenommen. Als Erstes werden die Bücher und Finanzen des NLA-Aufsteigers überprüft. Werden Unregelmässigkeiten festgestellt, muss die Disziplinarkommission aktiv werden. Das ist das Fazit der Aktivitäten der Nationalliga nach dem gestrigen Tag.
Treffen Kurz-Hafen?
Gemäss Nationalliga-Direktor Edmond Isoz können die Untersuchungen der Lizenzkommission unter dem Vorsitz des Tessiners Gianni Poncini 2 Tage, 2 Wochen oder länger dauern. Erst wenn konkrete Fakten vorliegen, werde die Öffentlichkeit informiert. «Vorher ist alles Spekulation, und zu Gerüchten nehme ich keine Stellung», sagte Isoz und wollte auch nicht bestätigen, dass Nationalliga-Präsident Jean-François Kurz sich in der Ostschweiz mit Andreas Hafen getroffen hatte.
Hafen war bis vor wenigen Wochen Präsident des FC Wil. Nach der Unterschlagung von 48 Millionen Franken durch Hafen und dessen Geständnis, rund 10 Millionen unrechtmässig in den Verein investiert zu haben, ist der Ostschweizer Klub in arger finanzieller Bedrängnis. Derzeit ist unklar, ob sich Wil eine Finalrundenteilnahme aus finanziellen Gründen überhaupt leisten kann. Wils Sportchef Armando Müller bestätigte immerhin, von Vertretern der Lizenzkommission Besuch erhalten zu haben. Welche Papiere die Ostschweizer den Prüfern vorlegen mussten, wollte Interimspräsident Heinrich Hofmann nicht kommentieren.
Sogar Zwangsrelegation möglich
Je nach Bericht der Lizenzkommission an die Disziplinarkommission wird diese entscheiden, ob und welche rechtlichen Schritte eingeleitet werden. Der Vorsitzende Odilo Bürgy nennt bei der Beschreibung des Ermessensspielraums der Reihe nach «Verwarnung, Busse, Punkteabzug, Stadionsperre oder als Worst-Case-Szenario Zwangsrelegation am Ende der Saison».
Ob und wie Luzern profitieren kann, lässt er offen. Bürgy tönt aber an, dass sich der FCL nicht zu viele Hoffnungen machen sollte: «Winterthur bekam acht Punkte abgezogen, aber das war ein sehr schlimmer Fall, da lag von Schwarzgeldzahlungen bis Bilanzfälschung alles vor.»
Seitenhieb Richtung FCL
Ab acht Punkten Abzug für Wil würde Luzern tatsächlich auf Kosten der Ostschweizer in die Finalrunde nachrutschen, allerdings haben diese selbst bei einem Entscheid in den nächsten Tagen die Möglichkeit zu rekurrieren und ein neutrales Schiedsgericht anzurufen, wie das Luzern getan und nach mehreren Monaten eine Reduktion des Abzugs von vier auf zwei Punkte erwirkt hatte.
In diesem Zusammenhang kann sich Bürgy einen Seitenhieb Richtung FCL nicht verkneifen: «Trainer Zaugg klagte die ganze Zeit, er und sein Team büssten unschuldigerweise für zurückliegende Fehler anderer. Aber jetzt fordert er genau diese Bestrafung für Wil und dessen ebenfalls unschuldigen Trainer.»
Ich glaube, nun sollte es jedem klar sein, dass der FCL nicht in der Finalrunde spielt. Bis da alles geprüft und die Rekurse behandelt sind, ist die Finalrunde durch. Also freuen wir uns auf die Auf/Abstiegsrunde und das Derby mit Kriens.
So long .................


