«Wir legten eine unglaubliche Konstanz vor»
Der FC Vaduz vergab die Chance, mit einem Sieg gegen den FC Chiasso doch noch den Wintermeistertitel einzufahren. Dennoch fällt die Bilanz positiv aus, wie FCV-Trainer Martin Andermatt ausführt.
mit Martin Andermatt sprach Ernst Hasler
Der FC Vaduz klopft kräftig an die Pforte der Super League. Dennoch wartet auf den FCV noch ein schweres Stück Arbeit. Die Rückrunde wird am 19. Februar mit der Partie Meyrin gegen Vaduz lanciert.
Der FC Vaduz zeigte eine erfolgreiche Herbstrunde, obwohl er rein von der Optik her doch etwas Federn liess. Wie lautet Ihre Einschätzung?
Martin Andermatt: Wichtig war, dass wir nach dem erfolgreichen Auftritt im Frühjahr in der neuen Saison nahtlos anknüpfen konnten. Im Finish haben wir doch etwas Substanz gelassen, vor allem deshalb, weil wir das erste Tor trotz zahlreicher Möglichkeiten nicht erzielt haben. In dieser Hinsicht müssen wir uns verbessern. Wir müssen noch entschlossener die Entscheidungen anfangs eines Spiels suchen. Gemäss Statistik haben wir in der Anfangsphase jeweils sehr viel Druck entwickelt und die Basis für die zweite Halbzeit gelegt. In letzter Zeit, sprich mit den Partien gegen Chiasso und Yverdon, bin ich nicht zufrieden.
Lags an der enormen Belastung? Einerseits spielte der FCV im Europacup und andererseits kamen die Nationalspieler auf zusätzliche Belastungen.
Im Nachhinein kann man immer Entschuldigungen suchen. Wichtig war beispielsweise, dass die Mannschaft gegen Yverdon zu zehnt aufgezeigt hat, dass die Kraft vorhanden ist. Eine gewisse Müdigkeit im Kopf war erkennbar. Der letzte Tick fehlte, vielleicht auch, weil eine gewisse Selbstzufriedenheit mit den erarbeiteten Punkten vorlag. Es ist uns entgegen- gekommen, dass auch die Konkurrenten Federn gelassen haben. Seit dem 10. Januar bis dato haben wir 293 Trainings und 68 Spiele absolviert.
Praktisch jeden Tag stand Ihre Mannschaft auf dem Platz. Zieht man in Betracht, dass Halbprofis wie Zarn und Telser aufgrund ihres beruflichen Engagements Schwankungen ausgesetzt waren, so ist diese Konstellation nicht optimal?
Wir haben über die Trainingssteuerung versucht, diese Problematik zu optimieren und ihr gerecht zu werden. Wichtig ist, wenn ich mir die Bilder aller Spieler anschaue, wie die körperliche Entwicklung und Reife vonstatten ging, dass wir in diesem Jahr eine unglaubliche Konstanz erreicht haben. Dennoch wird wichtig sein, dass wir den Schwung, den wir in die Meisterschaft mitgenommen haben, auch im Frühjahr 2005 finden werden.
Die Mannschaft ist stets kompakt aufgetreten und glänzte meistens mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung. Die Defensive war das Prunkstück, der Offensive fehlte die Entschlossenheit. Was gedenken Sie zu unternehmen, um dieses Problem besser in den Griff zu bekommen?
Wir dürfen nicht vergessen, dass Dos Santos und Fischer, der am Ende einer Partie ein wichtiger Spieler sein kann, längere Zeit verletzt waren. Auch Fabio D'Elia fehlte, weshalb unsere Offensivkräfte auf ein Minimum schrumpften. Deshalb lag viel auf den Schultern von Sumiala. Ab und zu haben wir aus taktischen Gründen gelegentlich auch mit Gohouri vorne gespielt, doch das ist nicht die optimale Lösung, wie ich mir das vorstelle. Wir müssen uns gezielt umschauen, denn wir wollen uns weiterentwickeln. Die Zielsetzung lautet, besser zu sein als im Vorjahr. Also müssen wir diesem Umstand auch gerecht werden.
Der Kader war anfangs der Saison mit 18 Mann schmal, dazu gesellte sich der krankheitsbedingte Ausfall von Hasler. Inzwischen ist der Kader auf 22 Spieler angewachsen. Denken Sie trotzdem, den Kader zu vergrössern oder wird versucht, den einen oder anderen Spieler abzugeben?
Über den Winter führen wir in dieser Hinsicht Gespräche. Auf der einen Seite wollen wir zielorientiert arbeiten, d. h. die Ansprüche werden eine Stufe höher gesetzt. Auf der anderen Seite muss man, wenn man höhere Ziele im Hinterkopf hat, nicht erst dann handeln, wenn man sie erreichen könnte, sondern muss gewisse Dinge vorbereiten. Sei das die Infrastruktur oder die Trainingsintensität, um die Spieler an einen höheren Level heranzuführen. Es genügt nicht, dass man sagt, es wäre schön, ein wenig dabei zu sein. Das müssen wir vorantreiben. Ich kann mir auch vorstellen, dass der eine oder andere seine Möglichkeiten nicht mehr sieht. Das sind Ausgangspunkte von Diskussionen.
Können Sie in Personalfragen schon konkrete Angaben machen?
Nein, das ist derzeit noch nicht möglich. Wir werden Ausschau halten und dementsprechend auch die Analyse der Vorrunde abwarten. Diese Thematik werden wir in den nächsten Tagen ansprechen.
Die Ausgangslage für den FC Vaduz ist nach wie vor komfortabel, es liegt ein Punktepolster gegenüber der Konkurrenz vor, auf Yverdon fehlen zwei Punkte. Trotzdem ist weiterhin konzentrierte Arbeit notwendig. Rechnen Sie damit, dass die Konkurrenz nochmals aufschliessen wird? Kann der FC Vaduz auch im Frühjahr mit Konstanz überzeugen?
Die Mannschaft hat seit einem Jahr eine hervorragende Konstanz und mannschaftliche Geschlossenheit im taktischen Bereich an den Tag gelegt. Zudem sind wir körperlich parat. Dennoch müssen wir individuell eine Stufe zulegen. Das hat uns in den letzten zwei Partien gefehlt. Die Individualität von Yverdon und Chiasso, die einzelne Spieler in ihren Reihen haben, die in einer solchen Phase den Unterschied ausmachen können. Darauf müssen wir uns vorbereiten ... wir werden gezielt Ausschau halten.
Quelle: Liechtensteiner Vaterland
Dem Interview ist zu entnehmen, dass Vaduz genau einen solchen Spieler sucht, wie ihn Tchouga darstellt. Ein Wechsel zu Vaduz wäre wirklich DER Tiefschlag!
Entwarnung
Chiasso-Trainer Paul Schönwetter brach kurz vor Ende der regulären Spielzeit zusammen.Er erlitt einen epileptischen Anfall und war zehn Minuten völlig weggetreten.
«Wir wissen nicht, ob ihm diese Symptome bekannt sind», bemerkte Arzt Rainer Wolfinger, der sich wie auch der Vaduzer Mannschaftsarzt Van Frank sofort um Schönwetter gekümmert hatten. Van Frank verabreichte Schönwetter auf dem Platz eine Tablette, die schliesslich rasch ihre Wirkung zeigte. Paul Schönwetter konnte 30 Minuten nach dem Vorfall bereits wieder selbst laufen und wollte sogar die Heimreise mit der Mannschaft antreten. «Abklärungen im Spital waren unerlässlich, deshalb konnten wir ihn auch nicht fahren lassen. Diese Verantwortung konnten weder wir noch Chiasso-Präsident Grassi tragen. Zumindest geht es ihm schon wieder wesentlich besser», so Wolfinger.
Quelle: Ernst Hasler, Liechtensteiner Vaterland