Fussballkrawalle
Die Fans stellen Forderungen
Die vielen Krawalle auf der Allmend seien auch für sie «unbefriedigend», sagen die FCL-Fanclubs. Sie bringen Lösungsansätze. Die
Polizei reagiert ablehnend.
Von Hugo Bischof
Gestern meldeten sich die United Supporters Luzern zu Wort, der 158 Mitglieder umfassende Dachverband der FCL-Fans. Sie machen Vorschläge, wie sich die Situation entschärfen liesse.
- - Fanvorschlag 1: Minimierung der sichtbaren Polizeipräsenz. Diese wirke gerade bei Spielen mit geringem Risikopotenzial (Schaffhausen) «provokativ und kontraproduktiv», sagen die Fans. Dazu Ernst Röthlisberger, Interimskommandant der Stadtpolizei: «Bleiben wir im Hintergrund, sind wir stets zu spät. Und ohne Helm und Schutzanzug besteht für uns Verletzungsgefahr.» Die massive Polizeipräsenz, inklusive Wasserwerfer, nach Spielschluss beim Gästesektor sei notwendig «und beruht auf Erfahrungen, da dort immer gewaltbereite Luzerner Chaoten die aus dem Stadion strömenden Gästefans erwarteten».
- Fanvorschlag 2: Keine flächendeckenden Personenkontrollen. Diese seien für unbescholtene Matchbesucher «untolerierbar». Röthlisberger: «Wir kontrollieren nur Leute, von denen wir annehmen, dass sie Stadionverbot haben, gewalttätig werden könnten oder Feuerwerk auf sich tragen. Meist bestätigt sich unser Verdacht.»
- Fanvorschlag 3: Alternative Ankunfts- und Abfahrtsorte für Extrazüge der Gästefans in Kriens-Mattenhof oder Emmenbrücke. Ziel: Die Sperrung des Bahnhofs Luzern soll verhindert werden. Röthlisberger: «Mattenhof kommt nicht in Frage, da die Fans wegen der Schmalspurbahn in Luzern umsteigen müssten.» Zudem wäre der Mattenhof bei Nachtspielen «zu dunkel». Zur Haltestelle Emmenbrücke: «Da gingen noch mehr VBL-Busse kaputt.»
Weiter fordern die Fans einen «ernsthaften Dialog mit Fanvertretern» sowie den Aufbau eines Fanprojekts. Luzern liege hier gegenüber anderen Städten «arg im Hintertreffen».
Kritik am Fan-«Ehrenkodex»
«Die Fans fordern viel», bilanziert der Polizeichef, «tun aber selber zu wenig.» Bei den Matches gegen Sion und St. Gallen seien «gewaltbereite Luzerner auf die laut, aber friedlich eintreffenden Gäste losgegangen». Die Clubs müssten sich «klarer von jenen Mitgliedern distanzieren, die mit den Chaoten sympathisieren», fordert Röthlisberger. Er kritisiert den «Ehrenkodex» der Fans: «Leute, die sich Gewalt zu Schulden kommen liessen, werden nicht verraten.»
Jan Müller, Präsident der United Supporters, schliesst nicht aus, dass es «bei uns Krawallsympathisanten gibt, aber nachweisen können wir es niemandem». Aufgabe der Supporter sei es, «im Stadion für eine positive Fankultur zu sorgen - was uns gelingt». Für die Sicherheit draussen sei die Polizei zuständig.
FC Luzern
Polizeichef kritisiert Ehrenkodex der Fans
FCL-Fans distanzieren sich zu wenig klar von Fussball-Randalierern, sagt Luzerns Polizeichef. Und weist Kritik an der Polizeitaktik zurück.
hb. Die Krawalle rund um die letzten Heimspiele des Fussballclubs Luzern geben weiter zu reden. Die Fanclubs müssten sich «klarer von jenen Mitgliedern distanzieren, die mit den Chaoten sympathisieren», fordert jetzt Ernst Röthlisberger, der Interimskommandant der Stadtpolizei Luzern. Er kritisiert den «Ehrenkodex», der innerhalb der Fanclubs gelte: «Leute, die sich Gewalt zu Schulden kommen lassen, werden nicht verraten.»
Fans fordern unsichtbare Polizei
Der Dachverband aktiver FCL-Fans, die United Supporters Luzern, meldete sich gestern mit Vorschlägen zur Entschärfung des Problems zu Wort. Die sichtbare Polizeipräsenz vor und nach den Spielen des FCL sei zu «minimieren», fordert der Verband unter anderem. Dies weist Röthlisberger zurück. «Bleiben wir im Hintergrund, sind wir stets zu spät», betont der Polizeichef. Die massive Polizeipräsenz nach Spielschluss vor dem Gästesektor sei notwendig: «Dort erwarteten bisher stets gewaltbereite Luzerner Chaoten die aus dem Stadion strömenden Gästefans.»
Herr Roethlisberger scheint auf einem sehr hohen Ross zu sitzen. Etwas anderes hat man von einem Polizeikommandanten nicht erwarten koennen. Schade. Einfach nur mal alles ablehnen, was von den Fans kommt, ist nicht wirklich ein grosser Schritt hin zum Dialog.Kommentar
Fans machen es sich zu einfach
Positiv ist, dass sich die Fanclubs der öffentlichen Diskussion stellen. Sie haben offensichtlich erkannt, dass die hässlichen
Vorfälle der letzten Wochen (Randale am Bahnhof, kaputte Busse) ihrem FCL sehr schaden.
Nur: Mit ihren Vorschlägen zur Problemlösung machen sie es sich zu einfach. Weniger Polizeipräsenz, weniger Personenkontrollen: Das ist der falsche Weg. So lange die Chaoten zuschlagen, muss die Polizei sichtbar sein. Immerhin verhinderte sie mit ihrer Taktik bisher Massenschlägereien und Verletzte.
Was fehlt, ist, dass sich die echten Fans - sie sind in der Mehrheit - klarer als bisher von den Chaoten und ihren Sympathisanten distanzieren. Offenbar existiert ein «Ehrenkodex», wonach schwarze Schafe nicht bei der Polizei verpfiffen werden. Das ist der Sache nicht dienlich. Wer es ehrlich meint mit der Verurteilung der Gewalt, muss auch bereit sein, Sanktionen zu ergreifen. Das kann der Ausschluss aus dem Fanclub sein. Oder die Strafanzeige bei der Polizei. - Hugo Bischof
Ein einem gehe ich aber mit dem Kommentar von Hugo Bischof einig. Die Fangruppen muessen sich klarer von den Chaoten (ich nenne sie bewusst nicht "Fans") distanzieren.
Dass die Polizeipraesenz Aggressionen ausloesen soll, kann ich auch nicht ganz nachvollziehen. Ob die Robocops nun dastehen oder nicht, sollte uns eigentlich egal sein. Wer jedenfalls ohne fehlbaren Absichten ein Spiel anschauen geht, hat sich an diesen blauen Maennchen und Frauchen nicht zu stoeren.
Die Personenkontrollen sind aber wirklich ein Aergernis. Ich wurde selbst schon mal Opfer davon und hab mich ernsthaft gefragt, was sich die Polizei so alles erlaubt. Die Aussage von Roethlisberger ("Wir kontrollieren nur Leute, von denen wir annehmen, dass sie Stadionverbot haben, gewalttätig werden könnten oder Feuerwerk auf sich tragen. Meist bestätigt sich unser Verdacht.) ist einfach nicht wahr. Wenn die Polizei nur ein geringes Mass an Kenntnis der FCL Fanszene haette, koennte auf die Mehrheit der Kontrollen verzichtet werden. Ausser sie beschraenken die Auswahl der Personen weiterhin auf Aeusserlichkeiten, wie ich es an eigenem Leibe erfahren durfte.




