NLZ (19.03.2007):
Fussball: FC Luzern
«So etwas wird uns kein zweites Mal passieren»
Der FCL erlitt nach schwacher Leistung die höchste Saisonniederlage. Trainer Ciriaco Sforza tat das 0:5 bei GC aber als Unfall ab.
Es war das Spiel, das es am Mittwoch schon gegeben hatte, es war das Spiel zwischen GC und Luzern. Aber nur drei Tage nach dem Cup-Viertelfinal, den der FCL diskussionslos 3:1 gewonnen hatte, verloren die Zentralschweizer genauso diskussionslos 0:5 - so hoch wie noch nie in dieser Saison. Und das, was sie am Mittwoch noch stark gemacht hatte, die Leidenschaft nämlich, liessen sie vollends vermissen. Trainer Ciriaco Sforza sah nach dem schwachen Auftritt im Hardturm trotzdem keinen Anlass, laut zu werden.
Ciriaco Sforza, innert 72 Stunden gewinnt der FCL einmal 3:1 und verliert einmal 0:5. Einmal ist die Leistung stark, einmal richtig schwach. Aber beide Male war der Gegner der Gleiche. Können Sie das erklären?
Ciriaco Sforza: Ich habe im Fussball solche Sachen oft erlebt. Nach dem Mittwoch ahnte ich, dass wir gewisse Probleme haben würden.
Haben Sie den Spielern Ihre Befürchtungen auch mitgeteilt?
Sforza: Nein. Aber der Unfall war trotzdem nicht zu verhindern.
Ist dieses 0:5 nur ein Schuss vor den Bug? Oder vielleicht doch mehr?
Sforza: Es ist ein Unfall. Wir haben nach dem 1:0 nicht mehr die Winner-Mentalität der letzten Wochen gezeigt, und ich hatte von aussen das Gefühl, dass die Spieler den Glauben nicht mehr hatten, etwas holen zu können. Die Mannschaft war mental nicht auf der Höhe, den dritten Match in sieben Tagen durchzustehen.
Sie haben an der Seitenlinie nach dem 0:1 auch nicht den Eindruck erweckt, als würden Sie an eine Wende glauben.
Sforza: Warum?
Weil Sie sich im Gegensatz zum Mittwoch sehr ruhig verhielten.
Sforza: Das hat nichts mit fehlendem Glauben zu tun. Ich habe meine Beobachtungen gemacht. Es war eine sehr lehrreiche Partie.
Soll das 0:5 auch aufzeigen, dass die Rückrunde kein Selbstläufer ist?
Sforza: Die Spieler wissen, dass es Mist war, was sie geboten haben. Schon in der Pause waren sie einsichtig.
Aber die Leistung wurde nicht besser.
Sforza: Wir haben insgesamt vier Tore nach stehenden Bällen bekommen. Was heisst das? Die Konzentration war nicht vorhanden.
Sind Sie laut geworden?
Sforza: Nein, das hätte nichts gebracht. Die Spieler haben sich gleich nach Spielschluss ihre Gedanken gemacht, diese auch geäussert, und was herausgekommen ist, stimmt mich für die nächsten Aufgaben positiv.
Was kam heraus?
Sforza: Sie haben erklärt: So etwas wird uns kein zweites Mal passieren. Es gefällt mir, das zu hören.
Erwähnen Sie Gerardo Seoanes Absenz absichtlich nicht?
Sforza: Dass wir mit Seoane viel Persönlichkeit verloren haben, ist Fakt. Aber Seoane war auch gegen Zürich nicht dabei, als wir 2:0 gewannen. Nein, es gibt kein Alibi für diese Leistung.
Demnach war die Auswechslung von Bader nach 37 Minuten nicht die Abstrafung für einen Spieler.
Sforza: Nein, ich wollte ein Zeichen setzen. Ich hätte auch jeden anderen Spieler vom Platz nehmen können.
Sind Sie froh, dass Sie nun eine zweiwöchige Pause vor sich haben?
Sforza: Ja, absolut. Die Spieler müssen die Batterien frisch aufladen. Die Pause kommt zur rechten Zeit. Gegen Schaffhausen greifen wir wieder an.
Sie machen gar nicht den Eindruck, niedergeschlagen zu sein.
Sforza: Der Eindruck täuscht nicht. Ausserdem hat es auch etwas Positives an diesem Spieltag gegeben. Thun hat gegen Zürich verloren. Ich habe immer betont: Mit einem Auge müssen wir auch nach hinten schielen.
Fussball, Super League: Grasshoppers - FC Luzern 5:0 (3:0)
Der schmale Grat zwischen Euphorie und Absturz
Fünf Gegentore waren die logische Strafe für Luzerner, die gedanklich nicht bei der Sache waren. Sie luden GC zum Toreschiessen ein.
Eine Zwischenbilanz nach 30 Minuten fiel noch passabel aus. Passiert war nichts, und es gab auch kaum Anzeichen dafür, dass dieser Vorabend im Hardturm für den FCL bös enden würde. Aber dann kam Minute 31, es kam Minute 34 und schliesslich Minute 45, in denen zahnlose Luzerner GC zum Toreschiessen einluden. Zwei Standards führten zu den ersten zwei Gegentreffern durch Sutter und Galindo, das 3:0 die Folge von Fehlern und Passivität. Lustrinelli verlor den Ball, die anderen, die ihn hätten zurückerobern können, schauten zu, wie der rundliche Ailton seinen dritten Treffer seit seiner Ankunft in Zürich produzierte.
Selbstkritische Töne von Zibung
Was missraten konnte, missriet den Luzernern, und wenn sie es nicht glaubten, so wissen sie es seit diesem Samstag: Der Grat zwischen Euphorie und Absturz ist schmaler als ihnen lieb ist. Gedanklich war das Team nicht bei der Sache. Wie anders lässt sich erklären, dass GC mit zwei stehenden Bällen von 3:0 auf 5:0 erhöhte. Das verleitete Krassimir Balakov dazu, vom «besten Spiel, seit ich hier Trainer bin», zu reden. Auf der anderen Seite standen die Verlierer, die sich Mühe gaben, dem Anlass Positives abzugewinnen. «Das war nicht gut. Aber lieber einmal 0:5 als fünfmal 0:1 verlieren», sagte Mauro Lustrinelli. Und David Zibung wählte bei der Aufarbeitung selbstkritische Töne: «Mit den Ansprüchen, die ich an mich selber habe, hätte ich sicher zwei, drei Tore verhindern müssen.» Gültigkeit hatte das unter anderem für den Freistoss des Brasilianers Dos Santos aus 25 Metern: «Mit mehr Pfupf und Entschlossenheit wehre ich diesen Schuss ab.»
Erste Chance - nach 87 Minuten
Zibung war auch so noch einer der Besseren, was dem Rest der Mannschaft kein gutes Zeugnis ausstellt. Lucien Mettomo, normalerweise ein sicherer Wert, erwischte einen seiner schwärzesten Tage beim FCL. Von Cantaluppi, am Mittwoch noch stark, war so wenig zu sehen wie von Fabian Lustenberger. Und die Stürmer Lustrinelli sowie Jean-Michel Tchouga brachten kaum ein Bein vors andere. Wie gut die Offensivleistung war, lässt sich an den Chancen abzählen oder besser: An der Chance. Michael Diethelm hatte sie nach 87 Minuten, verpasste aber bezeichnenderweise das 1:5.
Für den FCL beginnt nach der zweiwöchigen Meisterschaftspause die Phase, die Zibung «Finalrunde» nennt. Es geht der Reihe nach gegen Schaffhausen, Aarau, Thun, Thun, Aarau und Schaffhausen, gegen die drei hinter dem FCL klassierten Klubs also. Angst, dass die Mannschaft an den Folgen des 0:5 von GC zu beissen haben wird, hat Captain Zibung keine: «Wir haben zwar zum ersten Mal in diesem Jahr von A bis Z schlecht gespielt. Aber wir fangen uns gleich wieder auf. Garantiert.»