Langsam wird der Typ auch mir unsympathisch. In der beschaulichen Fussballschweiz will er den Kopf nicht hinhalten und mimt den Angsthasen. Andererseits liebaeugelt er mit der 1. oder 2. Bundesliga. Ja, klar, das geht auf. Dort haengen sie ihn nach drei Niederlagen bereits an den hoechsten Baum. Egal, ob er den Kopf hinhalten moechte oder nicht.
NLZ (09.05.2007):
Fussball: FC Luzern
«Soll ich den Kopf hinhalten?»
Ciriaco Sforza tritt heute mit dem FCL bei YB an. Weiter heiss diskutiert wird seine Zukunft: Der FCL-Trainer sagt erstmals deutlich, was es braucht, damit er bleibt.
Ciriaco Sforza, Ihre Person steht seit Tagen im Mittelpunkt …
Ciriaco Sforza: … ja …
… und Sie schüren die Spekulationen, indem Sie nichts sagen wollen.
Sforza: Warum sollte ich? Ich habe nie gesagt, dass ich gehen will.
Sie haben aber auch nie gesagt, dass Sie sicher bleiben wollen.
Sforza: Es gibt ein paar Sachen, die wir anschauen müssen.
Konkret?
Sforza: Besser als in dieser Saison kann es mit diesem Kader kaum werden. Wenn die Vereinsleitung auch nächstes Jahr mit einem siebten Platz zufrieden ist, dann soll sie das so kommunizieren. Oder aber sie sagen: Nein, wir wollen uns weiter entwickeln und unternehmen auch etwas dafür.
Sie tendieren auf die zweite Variante, nehmen wir an.
Sforza: Klar. Ich will vorwärts kommen. Das Ziel muss sein, nächste Saison rangmässig weiter zu kommen, zwischen Platz 4 und 6 sicher. Aber das geht nicht mit einem schmalen Kader, wie wir es jetzt haben. Es gibt immer wieder Ausfälle durch Verletzungen oder Sperren. Wenn der FCL nicht schläft, kann er in den nächsten Jahren eine sehr positive Adresse im Schweizer Fussball werden. Wir brauchen ein breiteres Fundament, ganz klar, damit sich auch Junge wie Claudio oder Fabian Lustenberger, Lambert oder Zibung weiterentwickeln. Sonst kommen solche Spiele wie das 1:6 gegen GC immer wieder vor. Und darauf habe ich keine Lust.
Welche Strategie wählt der Verein?
Sforza: Ich spüre noch zu wenig, dass der FCL auch meine Strategie verfolgen möchte. Mein Bauchgefühl sagt mir, vorsichtig zu sein. Wird die Vorwärtsstrategie gewählt, muss es Hand und Fuss haben und etwas passieren. Wenn nur versprochen wird, dass dies und jenes geschieht, dann …
… dann? Gehen Sie?
Sforza: Dann muss ich mir schon überlegen: Soll ich den Kopf hinhalten? Das ist doch menschlich. Und ich bin nicht bereit, das Kanonenfutter zu sein.
Und dann machen Sie von Ihrer Ausstiegsklausel Gebrauch und gehen zu einem anderen Klub.
Sforza: Das muss nicht sein. Ich kann auch eine Pause einlegen. Sehen Sie, die Erwartungen steigen, aber die Gefahr, dass wir einen Rückschlag erleiden und die Leute schnell wieder unzufrieden werden, ist gross, wenn alles beim Alten bleibt.
Sprechen Sie die Mannschaft an? Oder meinen Sie auch die Führung?
Sforza: Ich bin der Meinung, dass der FC Luzern einen vollamtlichen Sportchef braucht, der aus dem Fussballgeschäft kommt.
Der FCL hat einen Sportchef. Raffaele Natale.
Sforza: Ja, schon. Aber Natale arbeitet ehrenamtlich. Wie gesagt: Nötig ist ein hauptamtlich angestellter Sportchef, der wenn möglich selber Spitzenspieler war. Das ist wichtig für mich und die Mannschaft. Ich sage nicht, ich will Natale nicht mehr. Nein. Aber wir brauchen jemanden, der sich rund um die Uhr mit der Mannschaft befassen kann und über das nötige Netzwerk verfügt. Und dann wird entscheidend sein, ob im Verein alle in die gleiche Richtung ziehen. Wenn nicht, ist das keine gute Voraussetzung.
Wie ist Ihr Einvernehmen mit dem Präsidenten und dem Sportchef?
Sforza: Gut. Warum nicht?
Weil die Führung nicht glücklich darüber ist, welche Dynamik die Frage nach dem Trainer angenommen hat.
Sforza: Es wird viel geredet. Ich wünsche mir mehr Taten.