NLZ:
Fussball, Super League: FC Zürich - FC Luzern 1:0
Serie reisst nach 585 Minuten
Der FCL kassierte in der 90. Minute das erste Tor im Monat April - und die erste Niederlage seit dem 22. März. Zürich profitierte von später Luzerner Sorglosigkeit.
Der neue Letzigrund bietet auch Fussballern, die es nicht in die Startaufstellung schaffen, reichlich Komfort. Die Ersatzbank ist keineswegs eine Bank, sondern besteht aus bequemen Sitzen, und genügend davon hat es auch. Gestern allerdings hätte dem FC Luzern die Hälfte davon genügt. Die lange Liste der Abwesenden hatte zur Folge, dass lediglich vier Reservisten zur Verfügung standen: König, der Ersatzgoalie, dazu Sharbini, Shi Jun und Souto, ein Mann aus dem Nachwuchs.
Sorglos in der 90. Minute
Als das Ende des Sonntagnachmittags nahte, war der FC Luzern auch in dieser Zusammensetzung daran, eine bemerkenswerte Serie zu verlängern: Im April hatte er in vier Spielen kein Tor kassiert. Und verloren hatte er seit dem 22. März (0:1 in Basel) nicht mehr. Die Begegnung, die für 8600 Zuschauer eine fade Angelegenheit war und Züge einer Kehrauspartie hatte, stand 0:0. Wäre es dabei geblieben, hätten die Luzerner ihr Ziel erreicht, den einen Punkt als Gewinn betrachtet.
Aber es kam die 90. Minute und ein Aussetzer in der Defensive mit Folgen. Schönbächler legte den Ball mit dem Kopf nach einer weiten Flanke von Stahel vor Aegerters Füsse. Der Zürcher brauchte erstaunlicherweise keinen störenden Gegner in seiner Nähe zu fürchten und sorgte für das einsame, letztlich aber nicht unverdiente FCZ-Highlight in diesem Spiel. Nach 585 Minuten wurde Luzerns Torhüter David Zibung erstmals wieder bezwungen. Trainer Bernard Challandes schrieb den Ausgang «unserer Beharrlichkeit» zu, «wir waren fussballerisch besser als in den letzten Wochen». Was bei weitem nicht heissen soll, dass es für neutrale Beobachter gut war, was seine Mannschaft bot.
Herzlich wenig Unterhaltung
Luzerns Trainer Ciriaco Sforza indes setzte einen finsteren Blick auf. Die Entstehung des vermeidbaren Treffers ärgerte ihn masslos. «Das Gegentor hat mit müden Beinen nichts zu tun», kritisierte er, «das ist eine Sache des Kopfes. Wir glaubten, den Punkt bereits geholt zu haben.» Der FCL vermochte die Willensleistung vom Donnerstag aber nicht zu wiederholen. «Sonst», befand Sforza, «hätten wir das 0:0 über die Distanz gebracht.»
Vorwiegend dominierte in Zürich Langeweile. Emotionslos und niveauarm war das Spiel an diesem prächtigen Sonntag, was insbesondere bis zur Pause auch mit einem FC Zürich zu tun hatte, dem es an Überzeugung fehlte, an Kreativität und Feuer. Dem FCL genügte eine solide Organisation, um die Gefahr lange von seinem Tor entfernt zu halten.
Erst nach der Pause, als die Kräfte bei den Luzernern zusehends schwanden, erhöhten die Gastgeber den Aufwand. Abdi kam dem 1:0 mit einem Freistoss an die Latte nahe (70.), aber insgesamt musste sich der FCZ mangelnde Präzision, vor allem bei Standards, vorwerfen lassen. Das Glück fand er spät doch noch, aber auch unter gütiger Mithilfe von Luzernern, die geistig offenbar bereits mit dem 0:0 rechneten. In der Offensive hatten sie kaum etwas zu Stande gebracht. El Idrissis Freistoss, den Leonie parierte (42.), war das beste, das sie zu bieten hatten. Rückkehrer Lustrinelli fand kaum Bindung zum Spiel. Chiumiento liess seine spielerischen Qualitäten gelegentlich aufblitzen. El Idrissi hatte besagten Freistoss und klärte nach einem Kopfball von Tihinen (67.) auf der Torlinie.
Schwegler: «Mangelnde Frische»
Ansonsten waren die Gäste primär damit beschäftigt, dieses 0:0 irgendwie zu verteidigen. «Kämpferisch war es eine gute Leistung», sagte Zibung, «dann haben wir einen Fehler gemacht, den Zürich sofort ausgenützt hat.» Schwegler sprach von «mangelnder Frische nach den 100 Minuten gegen YB».
Das zeigte sich vor allem in der 90. Minute, als Sforza die gute Laune verdorben wurde. Auch wenn sein FCL sich den Ligaerhalt mit acht Punkten Vorsprung drei Runden vor Saisonende so gut wie gesichert hat.
FCL-Kurzmeldung
Fayçal El Idrissi muss sich einen neuen Verein suchen: Der FC Luzern wird den Vertrag mit dem 31-jährigen Mittelfeldspieler nicht verlängern. Der französisch-marokkanische Doppelbürger war erst in der Winterpause in die Zentralschweiz gekommen. Für die Position von El Idrissi hat der FCL Nelson Ferreira vom FC Thun verpflichtet.
Lustrinelli 3,5
El Idrissi 4 Chiumiento 4,5 Makuka 3,5
Wiss 4 Seoane 4
Diethelm 3,5 Schwegler 4 Bader 4 Lambert 3,5
Zibung 4