Welches Spiel treibt Gaydoul mit GC?
Von Stephan Roth.
http://www.tagesanzeiger.ch/sport/dossi ... y/29569341
Der ehemalige Denner-Chef setzt einerseits Eishockey-Nationaltrainer Ralph Krueger zu und hält anderseits den Grasshopper Club in Atem.
Tanz auf zwei Hochzeiten: Philippe Gaydoul führt den Eishockey-Verband und hält sich bei GC im Gespräch.
Der Sieg gegen den FC Basel vor etwas mehr als zwei Wochen konnte das triste Bild, das der einst so stolze Grasshopper Club abgibt, ein wenig aufhellen. Die Heimniederlage gegen Xamax und die jüngsten Schreckensszenarien um einen möglichen, freiwilligen Abstieg in die 1. Liga sorgen nun aber erneut für negative Schlagzeilen.
Nicht zum ersten Mal mussten sich GC-Präsident Roger Berbig und Vizepräsident Heinz Spross, der im Moment den Klub mit seinen Bankgarantien und seinem Geld am Leben hält, von Philippe Gaydoul vorführen lassen.
Gaydoul führt Krueger und GC vor
Der Präsident des Schweizerischen Eishockey-Verbandes und ehemalige Denner-Chef hatte am Dienstag anlässlich einer Medienkonferenz nicht nur Ralph Krueger («Der Nationaltrainer war und ist ein Thema») weiter demontiert, sondern auch Indiskretionen über GC fallen lassen. Dabei nannte er die Voraussetzungen für seinen Einstieg als Investor beim Nobel-Fussballklub und sprach davon, dass die derzeitige GC-Führung die Altlasten von 10 Millionen Franken übernehmen müsse.
Gaydoul muss sich in seiner Rolle als Strippenzieher in Eishockey und Fussball gefallen. Und er muss sich, wenn er nicht völlig naiv ist, bewusst gewesen sein, was seine Äusserungen auslösen würden. Immerhin waren die Gespräche zwischen ihm und den Grasshoppers am 16. Juni offiziell abgebrochen worden.
Gaydoul hält sich bei GC im Gespräch
Mit seiner Aussage zwang Gaydoul GC-Präsident Roger Berbig und Andres Iten, als GC-Zentralpräsident so etwas wie der «Oberhopper», zu Aussagen zur aktuellen finanziellen Situation des Super-League-Achten. Beide nahmen in der «NZZ» Stellung zum Thema und stellten das Schreckensszenario eines freiwilligen Rückzugs in die 1. Liga in Aussicht. «Die Lage ist schon seit Monaten akut», sagte Berbig.
Die Aussagen der GC-Bosse klingen wie ein verzweifelter Hilferuf, auch wenn Iten dies im Interview mit Tagesanzeiger.ch/Newsnetz zurückweist und sagt: «Ein solches Vorgehen wäre im übrigen dilettantisch und kaum Erfolg versprechend.» Wenn sich GC öffentlich ständig über seine finanziellen Probleme äussert, kann das fatale Folgen haben. Oder würden Sie als kleines Unternehmen noch eine Dienstleistung gegen Rechnung für das finanziell gebeutelte GC erbringen wollen?
Was bezweckt Gaydoul?
Die Frage ist: Was will Philippe Gaydoul mit seinen nun wiederholten Indiskretionen bezwecken? Will er damit seinen Verhandlungspartner schwächen und tatsächlich bei den Grasshoppers zu seinen eigenen Konditionen einsteigen?
Derzeit sucht GC einen Mäzen, der das jährliche strukturelle Defizit von rund fünf Millionen Franken ausgleicht. Nicht mehr und nicht weniger. Das betonte Zentralpräsident Iten gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnetz deutlich.
Es ist kaum anzunehmen, dass sich der erfolgreiche Unternehmer Gaydoul in einer solchen Rolle sieht. Wie er den Eishockey-Verband bisher führt, hat klar gezeigt: Gaydoul will nicht nur zusehen, er will selbst mitspielen. Ralph Krueger kann ein Lied davon singen.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)
Erstellt: 02.09.2009, 16:43 Uhr